Unser Grundstück ist sehr verwinkelt und mit dem von Liv und Pål Andersen regelrecht verzahnt. Die beiden jagen nicht mehr. Es ist ihnen zu beschwerlich geworden. Auch sie haben die Jagd verpachtet. So ergibt sich eine stattliche Fläche von knapp 4 km², die zur Jagt zur Verfügung steht.

 

Im Herbst findet die streng organisiert Elchjagd statt. Dann kommt ein Jagdtrupp von wohlhabenden Bürgern aus Kristiansand. Sie kommen jedes Jahr nach Espetveit und ziehen in Andersens Ferienhütte ein. Die Elchjäger benötigen etwa 14 Tage, um die erlaubten 3 Tiere zu erlegen.

Für uns ist es eine zwiespältige Angelegenheit, wenn wir die Elchhunde und die Schüsse hören. Geschossen wir mit großen Projektilen, die selbstverständlich für den Menschen tödlich sind. Die Wege sind dann markiert und gesperrt. Spazieren gehen wir in dieser Zeit mit unseren Hunden nicht, bzw. nur auf einem verabredeten Weg.

Die Jäger müssen jährlich ihre Treffsicherheit auf dem Schießplatz nachweisen. Sie haben die Pflicht, nur die erlaubte Anzahl und nur die ausgesuchten Tiere zu erlegen und das mit einem Blattschuss. Die erlegten Tiere werden kontrolliert und kommen danach in eine Schlachterei. Nichts wird dem Zufall überlassen. Alles ist streng reglementiert und kontrolliert. Der Elchbestand wird vor der Jagt kontrolliert, Anzahl, Alter, Gesundheitszustand und Geschlechtsverteilung werden erfasst. Danach erst werden bestimmte Tiere zur Jagt freigegeben. Und genau die freigegebenen Tiere werden geschossen. Passiert ein Irrtum, wird beispielsweise versehentlich ein Jungtier zu viel erlegt, gibt es richtig Ärger. Auch kann der Entzug der Jagdlizenz drohen.

Wir bekommen nach der Jagd etwa Mitte Oktober eine volle Kühltruhe mit allen möglichen Sorten Elchfleisch. Das ist die Winterration und wir essen das erste Fleisch zu Weihnachten. Dann sind die Schüsse lange verhallt und die Erinnerung an die Jagd ist erloschen. Aber ehrlich gesagt, dass Fleisch hat manchmal einen kleinen Beigeschmack. Besonders dann, wenn es erlaubt war ein Kalb zu schießen, was wir vorher einige Male gesehen hatten.

Wir sind vielleicht etwas eigen in diesen Dingen und hätten es am liebsten, man ließe alle Tiere in Frieden ziehen.

 

Unsere andere Jagdgruppe kommt nach der Elchjagd und bleibt bis kurz vor Weihnachten. Sie jagen Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse und Federvieh. Es sind sehr nette Jäger mit lieben Hunden. Sie hatten die letzten 2 Jahre kein Jagdglück. Im letzten Herbst verfolgte ihr Hund ein Reh und wurde fast 100 km weiter wohlbehalten aufgefunden.

Anfüttern ist nicht erlaubt und Hochsitze dürfen auch nicht gebaut werden. Noch besser wäre ja, die Jäger müssten Pfeil und Bogen nehmen, um die Jagt fair und sportlich zu gestalten – mit einer guten Chance für das Wild, rechtzeitig die Flucht ergreifen zu können. Wahrscheinlich würde dann keiner mehr zur Jagd gehen. Die Kombination von Geselligkeit, Abenteuerlust und Waffentechnik ist es ja, was für die Männer den Reiz ausmacht. Da ist natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor und die so oft zitierte notwendige Wildhege.

 

Wir sehen sehr oft Rehe auf unseren Wiesen. Im Frühjahr, wenn die Böcke das Revier beanspruchen machen sie komische Laute. Es hört sich manchmal an, als ob ein „Alien“ hustet.

 

Als wir nach Espetveit zogen hatten wir ein sehr lustiges Erlebnis. Unsere Möbelpacker waren von der Natur sehr begeistert und gingen nach getaner Arbeit spazieren. Plötzlich kamen sie in heller Aufregung zurück zum Gehöft und meinten einem gefährlichen großen Tier gerade noch entwischt zu sein. Wir konnten sie kaum beruhigen. Bären gibt es hier ja nicht und Wölfe sind selten und als Alleingänger harmlos. Sie glaubten uns aber nicht, hatten teilweise Jagderfahrung und beharrten darauf, einem großen gefährlichen Tier begegnet zu sein. Was auch immer das war. Am anderen Morgen saßen wir auf der Terrasse bei herrlichem Wetter und nahmen mit den Männern unser Frühstück ein. Der erste Morgen auf Espetveit konnte nicht schöner sein. Und da kam es das schaurige Tier: Ein prächtiger Rehbock! Er stellte sich etwa hundert Meter vom Haus entfernt auf seine Wiese und hustete sein „schrecklichen“ Laute. Alle waren fasziniert und wir mussten natürlich hinterher herzlich lachen.

Die Männer waren beruhigt und sind am selben Tag noch einmal ohne Angst auf Tour gegangen.

 

Die Rehe sehen wir im Herbst, wenn die Jäger kommen nicht mehr. Sie verstecken sich dann, wohl wissend was ihnen drohen kann. Es ist nicht einfach diese sehr scheuen Tiere zu fotografieren und schon gar nicht aus nächster Nähe.

Hirsche haben wir bei uns noch nie gesehen. Sie gibt es reichlich 10 km weiter Richtung Evje. Bei uns ist „Elchland“ und die Elche vertreiben die Hirsche – haben uns die Jäger jedenfalls gesagt.

 

Füchse gibt es genug. Sie schleichen oft um den Hof. Sie haben in der Nähe im Felsen einen Bau. Es ist nur eine Frage der Zeit bis unsere beiden Mini Aussies den Bau aufgespürt haben. Sie immer hinterm Zaun zu halten wird uns nicht gelingen. Na ja, die Füchse werden einen anderen Platz finden.

 

Hasen haben es schwer zu überwintern. Ihr Bestand schwankt sehr stark. Ab und an huscht einer durchs Gelände. Im Winter sind sie weiß und durch diese perfekte Tarnung gar nicht mehr zu sehen.

Im Frühjahr sichtete Ylva einen Schneehasen und sie ging auf eine abenteuerliche Tour durch den Wald im hohen Schnee. Da half kein Rufen und Schimpfen, der Jagdtrieb war stärker. Nach 20 Minuten war unser Mini Aussie Mädchen mit hängender Zunge wieder zurück, ... ohne Hasen. Seit diesem Tag geht es nur noch angeleint zum Spaziergang.