Hier geht es zu den Geburten im Mai

09.05. 2018 Die Herde zieht aus.

Wir hatten in diesem Jahr einen langen und sehr arbeitsintensiven Winter.

Bis ende April waren die Weideflächen noch mit Schnee bedeckt und einstellige Temperaturen, ließen noch lange nicht an das Frühjahr denken.

 

Doch seit 2 Tagen jedoch haben wir sommerliche Temperaturen. Allerdings ist kaum Grün auf den Wiesen zu erkennen. Die Natur hängt der kalendarischen Jahreszeit deutlich hinterher.

 

 

 

 

 

Nichts desto-trotz überlegten wir uns die Schafherde raus zu lassen.

 

 

 

 

 

 

Das letzte Lamm war vor 3 Tagen geboren und es hat einen erfahrene Mutter. Die ersten Lämmer sind nun schon 3 Wochen alt und man merkt ihnen an, dass sie mehr Raum zum Springen und Toben brauchen.

 

Also entschlossen wir uns kurzerhand heute unsere Wollknäuels in den Frühling zu entlassen.

 

Bevor es jedoch raus ging , bekam jedes Lamm noch 5 ml BAYCOX oral appliziert. Das soll eine Infektion mit Clostridien verhindern. Wir hatten im letzten Jahr nähere Ausführungen dazu gemacht. 

 

 

 

Jedenfalls ging der Auszug der Herde besser als gedacht. Durch den Hinterausgang über die Rampe entließen wir boxenweise die Vierbeiner in die frische Luft.

 

 

 

Man war das wieder ein Geschreie und Gesuche.

 

Letztlich fanden die Familien zueinander und zogen gemeinsam auf den entlegenen Abschnitt der Weide.

 

 

Direkt vor dem Schafstall oder besser hinter dem Schafstall haben wir nach wie vor mehrere große Haufen von Schnee, die über den Winter hier angefahren wurden. Der Schnee ist komprimiert und teilweise mit Spänen und Pferdeäpfeln abgedeckt. Die Sonne schafft es nur langsam die Schneemassen schmelzen zu lassen.  

 

 

 

Auch Kim mit ihren zwei Söhnen verließ den Stall. Sie hatte nach der Geburt eine Infektion bekommen, wo wir den Ausgangspunkt nicht kennen.

 

Viele Tage behandelten wir sie unter dem Verdacht einer Streptokokken-Sepsis über fast 10 Tage mit Antibiotika. Sie bekam außerdem Selen und anfänglich Calcium appliziert.

 

 

 

Die erste Verdachtsdiagnose war nämlich eine Hypocalcämie im Zusammenhang mit der Geburt und dem damit verbundenen Milcheinschuß. Wir fanden Kim liegend nur einen Tag nach der Geburt ihrer Lämmer in der Box. Sie wollte nicht mehr aufstehen… oder konnte nicht mehr aufstehen. Doch diese Diagnose war falsch, wie wir heute wissen.

 

Am zweiten Tag nach der Geburt ihrer Lämmer hatte sie über 40 Grad Fieber, so dass alles für eine generelle Infektion sprach. Die Infektion hatte sich wahrscheinlich bis in die Gelenke ausgedehnt und so lag Kim seit 3 Wochen in einer unserer Ablammboxen. Sie lag nicht fest , aber auf 4 Beinen wollte sie auch nicht stehen. So robbte sie praktisch auf den Knien durch ihr Reich. Anfänglich völlig abhängig von uns bekam sie Futter und Wasser gereicht. Schmerzmittel über mehrerer Tage und vor 1 Woche zeigte sie die ersten Aufstehversuche.

 

Trotz ihrer Krankheit versorgte sie ihre beiden Böckchen liebevoll, so dass diese trotz des ständigen Liegens ihrer Mama normal am Euter trinken konnten.

 

Eigentlich sollte Kim auf die „ Kindergarten-Weide“ wo wir eigens für sie einen Unterstand gebaut hatten. Im Anhänger des Rasentraktors ging es raus auf die Weide. Da angekommen rutsche sie vom Hänger und haste es nicht gesehen, stand sie auf allen 4 Beinen. Sichtbar wackelig und unsicher, aber sie stand und rief nach ihren Lämmern. Schnell die zwei Zwerge aus dem Stall geholt und Mama Kim machte sich auf den Weg entlang des Zauns und versuchte Kontakt mit den anderen Mitgliedern der Herde zu bekommen. Sie schrie sich regelrecht die Lunge aus dem Hals um ihre Herdenmitglieder zu begrüßen.

 

 

Also nutzten wir die Chance und führte Kim mit ihren Kindern durch die Zaunpforte am oberen Ende der Weide. Und Kim torkelte regelrecht ihrer Herde entgegen. Es sah schon etwas merkwürdig aus, wie sie so davon stakelte, aber wir waren froh, dass sie überhaupt lief. Die letzten 3 Wochen lief sie vielleicht 2-3 Schritte in der Box und brach danach immer wieder zusammen. Das heute war eine Meisterleistung von ihr . „Hab vertrauen und alles wird gut.“.  

 

So früh wie in diesem Jahr hatten wir die Schafherde noch nie draußen. Der Winter war sehr lang und eigentlich rechneten wir mit einer „Verspätung“ der Sommersaison.

 

 

Aber wie so oft , es kommt anders als man denkt.

 

 

Nun gut, wir sind froh die Rasselbande draußen zu haben.

Jetzt muss der Schafstall geleert, gesäubert und wieder hergestellt werden.

Es ist wie in jedem Jahr ein großer Aufwand alles wieder wie „neu“ zu haben.

 

Allerdings wird zum Herbst der Stall leer bleiben. Es war unsere letzte Lammzeit und alle Tiere werden im September Espetveit verlassen. Es ist traurig, doch nicht zu ändern.

 

 

Ralf ist die Arbeit mit den Schafen inzwischen zu beschwerlich. Er ist jetzt Mitte der Sechziger und da hat man eben das ein oder andere Zipperlein, dem man Tribut zollen muss. Ist so und gut. Man muss die Entscheidung akzeptieren auch wenn es schwer fällt, die Tiere gehen zu lassen. 

 

Mit diesem letzten Artikel schließen wir die Lammzeit-Seite.

 

Alles, was den Sommer hindurch unsere Herde betrifft, findet ihr unter Aktuelles.