23.03. 2016

 

Die Winterkleider sind abgelegt

 

Heute kam wie verabredet der Schafscherer gegen 14:40 Uhr.

 

Wir waren früh zu Hause da hier in Norwegen am Mittwoch vor dem Osterwochenende die Arbeit bereits um 12:00 Uhr endet. Dann gehen alle in die Osterferien und am Dienstag nach Ostern geht es wie auch in Deutschland, weiter.

 

Schnell die Boxen nochmal „gekehrt“, so dass die Schafe sich nach dem Scheren auf sauberen Boden niederlassen können.

 

Das Scheren selbst ist für uns inzwischen eine Routineprozedur und geht zügig von statten. Innerhalb von 2 ½ Stunden standen alle Wollknäule im neuen Kleid in ihrer Box. 

 

Jetzt sehen die Schafe richtig zierlich aus so ohne ihren dicken Schafspelz. Fast alle sind auch trächtig. Leider wird Hermine in diesem Jahr ohne Kinder bleiben. Das Euter hat sich nicht entwickelt wie man es bei trächtigen Schafen sieht. Nun gut, entweder hat sie nicht aufgenommen oder zwischenzeitlich einen frühen Abort (Fehlgeburt) gehabt. Auf jeden Fall bekommt sie eine zweite Chance im kommenden Herbst. Dann werden wir 2017 sehen ob sie vielleicht aber auch unfruchtbar ist.

 

Alle anderen Schafdamen werden ab ca. 10. April über 3 Wochen ihre Lämmchen gebären. Wir sind gespannt wie in jedem Jahr. Es ist eine anstrengende aber auch wundervolle Zeit, eigentlich die schönste Zeit mit unseren Schafen.

 

Drücken wir die Daumen dass wir von schweren Geburtskomplikationen verschont bleiben und alle Lämmchen gesund auf unsere Espetveit-Welt kommen.

 

 

 

04.03. 2016 Der Tierarzt war da

 

So wie in jedem Jahr kam der Tierarzt kurz vor Beginn der Lammzeit um die trächtigen Schafe zu impfen. Es geht um die Verhinderung von Clostridieninfektionen.

 

Uns geht es hauptsächlich um die Verhinderung der sogenannten Lämmerruhr und der nekrotischen Mastitis (Euterentzündung) beim Mutterschaf. 

 

An Lämmerruhr können innerhalb einer Herde mehrere Lämmer gleichzeitig erkranken, wobei die meisten der erkrankten Tiere auch sterben. Der Erreger ist das Bakterium Clostrigium perfringens Typ B . Die Übertragung auf das Lamm erfolgt durch die unmittelbare Umgebung z.B. Einstreu oder infizierte Roste oder sehr häufig auch durch Bakterien, die an den Zitzen der Muttertiere haften. Beim Saugen kommt es zur Aufnahme, und mit der Milch gelangen die Bakterien in den Darm.

Man kann auch bei gesunden Lämmern Cl. perfringens im Darm nachweisen, ohne das diese jedoch Krankheitssymptome verursachen. Erst durch auslösende Faktoren (z.B. Aufnahme sehr großer Milchmengen) können sich die Bakterien zu Ungunsten der natürlichen Darmflora übermäßig vermehren und große Mengen an Toxinen bilden.

 

Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder Lämmer in den ersten Lebenstagen verloren, ohne dass wir wirklich eine richtige Erklärung dafür hatten. Verdachtsdiagnosen hatten wir selbstverständlich, wie Unterkühlung, Selenmangel, Hypoglykämie und so weiter. Aber vielleicht waren das ein oder andere Lamm auch darunter mit einer Clostridieninfektion. Wer weiß ?

 

Beschrieben ist, dass vor allem Lämmer im Alter bis zu 3 Wochen erkranken. Die Lämmchen zeigen neben einer herabgesetzten Sauglust einen aufgeblähten und schmerzhaften Bauch. Wenig später tritt Durchfall auf, der zunächst gelblich, im weiteren Verlauf dann blutig ist. Die Tiere verenden meist 1 – 2 Tage nach Auftreten der ersten Symptome. Sehr häufig werden aber auch plötzliche Todesfälle innerhalb weniger Stunden ohne jegliche Krankheitssymptome beobachtet.

Eine Behandlung der Tiere kommt in der Regel auf Grund des sehr schnellen Krankheitsverlaufs zu spät.

 

Auch manche rasant verlaufende Euterentzündung könnte man durch eine solche Infektion erklären. Wir haben manchmal nicht schlecht geschaut wie plötzlich ein Mutterschaf mit einer ausgeprägten Mastitis vor uns stand und nur durch sofortigen Antibiotikagebrauch und lokale Maßnahmen, konnten wir diese Infektion aufhalten. Vor 2 Jahren hatten wir auf der Weide, kurz nach dem die gesamte Herde den Stall nach der Lammzeit verlassen hatte, ein Mutterschaf, Største, die innerhalb von wenigen Stunden mit einem hoch infizierten Euter und deutlich beeinträchtigt in ihrem Allgemeinbefinden auffiel, verloren. Es kam jegliche Hilfe zu spät und wir standen dem ganzen völlig hilflos gegenüber.

 

Der einzigste, wenn auch nicht 100% sicherer Schutz gegen die Lämmerruhr besteht in der Impfung der Muttertiere gegen Clostridien. Diese sollte 4 – 6 Wochen vor dem Ablammen erfolgen.

Ja, und das haben wir mit der heutigen Impfung vollbracht.

 

In 2 Wochen wird der Tierarzt uns wieder besuchen und die Wiederholungsimpfung bei den Schafen durchführen.

Wir hoffen damit unseren Lämmchen ein derartiges Schicksal von Lämmerruhr zu ersparen und natürlich für die Mutterschafe schwere Euterinfektionen zu verhindern. Drücken wir die Daumen. 

 

Hier ein paar Informationen für die, die mehr über diese Form der Infektion beim Schaf wissen wollen.: 

Clostridien sind Bakterien, die überall in der Umwelt in großer Zahl vorkommen. Ihr natürlicher Lebensraum ist der Erdboden. Aber auch im Verdauungstrakt von Mensch und Tier sind Clostridien in der Lage zu überleben und können sich unter für sie günstigen Bedingungen vermehren.

Als sogenannte Dauerformen bilden die Clostridien Sporen, die sehr widerstandsfähig gegenüber Austrocknung, Hitze und zahlreichen Desinfektionsmitteln sind. Sie können daher in der Umwelt über viele Jahre überdauern und infektiös bleiben. Innerhalb der Gruppe der Clostridien sind bisher mehr als 200 Arten bekannt, wobei nur wenige zu erheblichen Erkrankungen bei Mensch und Tier führen können.

 

Erkrankungen durch Clostridien zählen zu den verlustreichsten Krankheiten im Bereich der Schafhaltung. Der Krankheitsverlauf ist in der Regel sehr schnell, so dass fast alle Clostridienerkrankungen mit plötzlichen Todesfällen einhergehen.

 

Krankheitsauslösende Clostridien sind in der Lage, Giftstoffe (Toxine) zu bilden, die im Krankheitsgeschehen von großer Bedeutung sind. Zwar wird allein durch das Vorkommen der Bakterien im Körper in der Regel noch keine Erkrankung ausgelöst. Vielmehr tragen sehr viele Schafe Clostridien in sich, ohne jemals daran zu erkranken. Erst durch krankheitsfördernde Einflüsse, wie z.B. eine Futterumstellung, andere Erkrankungen usw., kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der Clostridien und damit zu einer sehr starken Toxinbildung und -freisetzung.

 

Insgesamt können die durch Clostridien verursachten Erkrankungen beim Schaf in drei große Gruppen unterteilt werden :

  1. Bei Enterotoxämien werden durch eine sehr starke Vermehrung der Clostridien im Darm der Tiere Giftstoffe gebildet. Sie gelangen von dort in die Blutbahn und werden dadurch im Körper verteilt. Je nach Art und Menge der Giftstoffe entstehen Veränderungen an den Organen, wodurch die unterschiedlichsten Krankheitssymptome hervorgerufen werden.

  2. Die Erreger von Gasödeminfektionen sind in der Regel in der Umgebung der Tiere (Boden, Einstreu, Kot) zu finden. Hierbei handelt es sich zunächst um lokale Infektionen. Das Eindringen der Bakterien findet fast immer über äußere Wunden statt (z.B. Wunden nach der Schur, Geburtsverletzungen, Verletzungen im Allgemeinen, Nabelinfektionen, Injektionen etc.). Im Anschluss an die Infektion erfolgt eine Vermehrung der Clostridien mit typischen Veränderungen im Wundbereich (Schwellungen, Verfärbungen, Schmerzhaftigkeit). Durch die Bildung von Giftstoffen kommt es im Verlauf der Erkrankung aber auch zu Allgemeinstörungen (Fieber, Festliegen) und zum Tod des Tieres.

  3. Zu der Gruppe der Intoxikationen durch Neurotoxine gehören die Erkrankungen, die durch Clostridium tetani (Tetanus) oder Clostridium botulinum (Botulismus) hervorgerufen werden. Die gebildeten Giftstoffe haben eine starke Wirkung auf das Nervensystem, wodurch dramatische Symptome verursacht werden. Während beim Tetanus die Toxine in der Regel erst im Körper gebildet werden, erfolgt die Aufnahme der Giftstoffe beim Botulismus meist mit dem Futter.

 

Alle Clostridienerkrankungen haben gemeinsam, dass ihr Verlauf sehr schnell ist und Behandlungen daher meist zu spät kommen. Deshalb sollten vor allem krankheitsvorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Den Kernpunkt hierbei stellt die vorbeugende Impfung der Tiere gegen Clostridien dar.

 

Quelle: http://www.msd-tiergesundheit.de/binaries/2010_Nov_2_tcm82-58395.pdf