04.05.2016

 

Endlich, Fenja hat ihre Lämmer bekommen

 

 

 

Wir wussten, dass Fenja wahrscheinlich auf den allerletzten Tag der Deckzeit belegt worden war.

So hatten wir den 5. Mai als Geburtstermin für uns registriert. Bereits einige Tage zuvor waren wir sehr aufmerksam und beobachteten Fenja in ihrem Dasein. Sie wirkte für uns runder und runder, das Euter nahm deutlich an Größe zu und Fenja watschelte wie eine dicke Ente durch die Box. Sie war völlig ruhig und gelassen. Bei uns machte sie mehr und mehr Anspannung breit.

 

Im letzten Jahr hatte sie mit unserer Hilfe einen großen Jungen geboren. Das zweite Lamm, wo wir nicht mit gerechnet hatten, zogen wir etliche Stunden nach der Geburt ihres Sohnes aus Hockstellung heraus. Es war leider eine Totgeburt.

 

Somit war uns bewusst, dass Fenja durchaus wieder in eine Lage kommen könnte, wo sie unsere Hilfe braucht.

 

Heute gegen 6:30 Uhr stand sie auffällig ruhig in der Box. Der Schleimpfropf hatte sich gelöst. Fenja hatte keine Lust auf Frühstück. Somit setzten wir unsere dicke Dame um in den Kreißsaal.

 

Hier lief sie auf uns ab, atmete schnell und scharrte nur wenig im Stroh. Die beiden Flanken waren nur mäßig tiefer getreten, so dass wir dachten, dass es sicher noch ein paar Stunden dauern würde.

Doch um 09:15 Uhr hatte sie einen Blasensprung. Nun begann sie zu knoddern und mehr zu scharren. Tja, aber es tat sich nichts. Sie hatte ab 11:00 Uhr Presswehen, die sie in einer Art Hockstellung veratmete und diskret mit presste. Etwas merkwürdig anzusehen. Aber sie hatte deutlichen Pressdrang, legte sich aber nicht ab sondern senkte lediglich das gesamte Hinterteil und presste in dieser merkwürdigen Position. Das Ganze ging nun bereits 2 Stunden ohne dass sich das Lämmchen am Scheidenausgang zeigte.

 

So blieb uns nichts anderes übrig als Fenja zu untersuchen. Im Geburtskanal tastete man 4 Beinchen und einen kleine Schnute dazwischen. So wie es aussah, wollten beide Lämmer gleichzeitig auf die Welt. Das war natürlich nicht möglich. Es geht nun mal bei der Geburt hübsch der Reihe nach. Somit brachten wir die Beinchen in vordere Position , die wir dem Köpfchen zu ordnen konnten . Nochmals kontrolliert und dann zogen wir kräftig an den Füßen , vorbei am zweiten Lamm, was seine Hinterbeinchen der Welt entgegen streckte. Der Popo war noch weit oben und damit gaben wir dem Lamm in Kopf-Fuß-Lage den Vortritt. Aber es war nicht so einfach das erste Lamm heraus zu ziehen. Es folgte dem Zug nur minimal. Wir legten eine Pause für uns und Fenja ein um zu sehen, was jetzt die Wehen alleine bringen, wenn das Lamm nun in richtiger Position im Geburtskanal liegt, ohne von dem folgenden Lämmchen behindert zu werden. Wir warteten 4-5 Wehen doch es war kein Vorankommen zu registrieren. Also nochmals die Handschuhe angezogen und um 13:10 Uhr gebar Fenja mit unserer Hilfe ein gesundes hübsches Mädchen.

 

Die Kleine hat eine typische weiße Blesse, die auf dem Nasenrücken sich verjüngt. Sie ist ganz gleichmäßig gezogen als wenn ein Maler sie mit einer Schablone gezeichnet hat. Fenja Mädchen trägt außerdem 4 weiße Schuhchen und der Schwanz ist ebenfalls zur Hälfte weiß. Die kleine Maus war ganz schön geschafft von der ganzen Zieherei. Sie brauchte mehr als eine halbe Stunde um sich etwas aufzurichten und das Köpfchen zu heben. Doch dann ging es schnell auf die Füßen und auf die Suche nach der Milchbar. Fenja war so mit dem Lecken und rufen beschäftigt, dass sie keine Zeit hatte, still zu stehen. Mit unserer Hilfe klappte es dann endlich und Fenjas Erstgeborene bekam ihre wohlverdiente Milch nach diese strapaziösen Geburt.

 

Nun warteten wir auf das zweite Lamm. Es war in hinterer Stellung, d. h. es würde mit den Hinterläufen zuerst kommen. Doch nach einer Stunde war nach wie vor kein zweites Lamm in Sicht.

Gebrandmarkt vom letzten Jahr, warteten wir nicht länger, sondern entschlossen uns das Lamm zu holen. Bei der Untersuchung tasteten wir einen Hinterlauf, der sich in die Scheide vorgeschoben hatte. Das zweite Beinchen war unter dem Bauch hochgeschlagen. Das war der Grund, warum es nicht voran ging. Somit schoben wir das vorliegende Beinchen etwas zurück, damit Platz zum Vorziehen des unter dem Bauch liegenden Hinterbeins war. Endlich beide Beine in den Finger und in richtiger Position zogen wir kräftig an dem Lamm und um 14:15 Uhr kam eine zweites Mädchen auf die Welt.

Obwohl wir wie auch bei Fenjas erster Tochter viel manipuliert hatten, war die Kleine jetzt weniger beeinträchtigt als ihre Schwester zuvor. Sie brauchte natürlich auch ein paar Minuten um zu sich zu kommen. Sie trägt ein weißes Dreieck auf dem Kopf und hat über dem rechten Nasenloch einen kleinen weißen Fleck. Das Schwänzchen ist zur Hälfte weiß und hinten trägt sie hohe weiße Gamaschen. Sie ist wirklich haargenau ein Ebenbild ihres Vaters.

 

Und obwohl es sicher mehr als nur unangenehm war für Fenja, diese geburtshilflichen Prozeduren über sich ergehen zu lassen, wirkte sie jetzt völlig ausgeglichen und cool. Sagenhaft, was so ein Tier toleriert und wie ihre zwei Lämmchen alles vorher vergessen lassen.

Fenja ist eine ganz liebe, ruhige fürsorgliche Mama. Ständig hält sie durch ihr rufen Kontakt mit ihren beiden Mädchen. Und wenn die Zwei nun versuchen die Zitzen in ihre kleinen Schnuten zu bekommen, steht Fenja still wie ein Denkmal.

 

 

Fenja haben wir aufgrund der Untersuchungen und Manipulationen unter der Geburt ein Antibiotikum gegeben. Das Risiko einer nachfolgenden Infektion wollen wir nicht eingehen. 

Wir wünschen Fenja mit ihren beiden Mädels,Fanny und Fine alles Gute für die Sommermonate hier auf Espetveit.