28.03. 2015

 

Die Kleider sind gewechselt, ...


der Frühling kann kommen


Vor 14 Tagen haben wir mit dem Schafscherer einen Termin für unsere Schafe vereinbart.


Kommen wollte er heute um 10:00 Uhr.


Da die Schafe mindestens 4 Stunden vor dem Scheren nichts fressen sollen, ging es heute früh raus um ihnen ihr Frühstück zu servieren. Es ist zwar Wochenende und normaler Weise schlafen wir aus, aber dann hätten die Schafe mehr als 12 Stunden kein Fressen gehabt und das wäre mit Unruhe verbunden gewesen. Außerdem geht ein hungriges unzufriedenes Schaf nicht gern zu Frisör. Also haben wir uns angepasst und das Ausschlafen verschoben. Außerdem mussten wir ja auch noch Vorbereitungen treffen, damit das Scheren geordnet und so sauber wie möglich von statten gehen kann.


Tja, hätten wir aber nach dem jetzigen Stand nicht gemusst. Der Schafscherer kam 3 Stunden später. Nicht Neues hier in Norwegen, aber dieses Mal hatte er einen guten Grund. Sven, so heißt er, ist selbst Viehzüchter und hat neben Schafen auch noch Kühe und von diesen sind 17 ebenfalls trächtig. Die Geburt eines Kalbes hatte ihn zu Hause aufgehalten.


Die schlechte Lauen, welche sich über die 3 Stunden Wartezeit ausgebreitet hatte, verschwand im Flug, denn dafür haben wir volles Verständnis.


Na, ja wie immer und inzwischen routiniert war in 2 Stunden alles geschafft. Nun stehen alle Schafe geputzt und gestriegelt im Stall. Von unseren 12 Schafen, die zum decken bereit standen, meinen wir, dass 10 sicher trächtig sind. Tria und Grethe sind eventuell schwanger , dick sehen sie aus aber das Euter hat sich noch nicht auf die Trächtigkeit eingestellt. Kann auch sein, dass sie sich kugelrund gefressen haben und alles nur Schein ist.


Übrigens sehen alle Schafe nach dem Scheren wohlgeformt aus. Auch die nicht gedeckten Jungschafe haben wohlgeformte Kurven. Sie wirken alle, ob trächtig oder nicht, gesund und gut gewichtet. Wir hatten nicht ein einziges Schaf mit Fellparasiten, keine aufgekratzten Hautstellen oder infizierte Wunden. Prima, meinen wir.


Mit der Futtermenge liegen wir wohl etwas über der guten Norm. d.h. , die werdenden Mütter haben ausreichend Körperreserven um ihren Lämmern das zu geben, was sie brauchen um groß....hoffentlich nicht zu groß...und gesund auf die Welt zu kommen. Wir werden deshalb die Kraftfuttermenge nicht um 30% in den letzten 4 Wochen erhöhen, wie es eigentlich empfohlen wird.

Auf Geburtskomplikationen wegen zu großen Lämmern haben wir nämlich keine Lust.


Inzwischen hatten alle Schafe ihre Abendmahlzeit und liegen in ihren Gemächern zum Wiederkäuen. Wir machen uns nun einen gemütlichen Abend.

Die Lammzeit kann kommen, wir sind vorbereitet. Wir rechen ab 25.04. mit den ersten Lämmchen.

 

 

20.03. 2015 Besuch vom Tierarzt

 

Wie in jedem Jahr vor der anstehenden Lammzeit bekommen die trächtigen Schafe ihre Impfung gegen Chlamydien und eine Prophylaxe mit Selen und Vit E.


Der Tierarzt hatte sich über SMS angekündigt und so fuhren wir wie der Blitz nach getaner Arbeit Richtung Espetveit. Schnell umgezogen, Tiere gefüttert und schon stand der Tierarzt vor der Tür.


Inzwischen habe wir Routine mit allen Arbeiten bezüglich unserer Schafherde. Mit einem Gatter hielten wir die Schafdamen in jeder Box auf kleinem Raum zusammen und der Tierarzt konnte ohne viel Tumult jedes einzelne Tier spritzen.

Nun haben unsere Schafdamen ein wenig „Kriegsbemalung“ auf dem Kopf. Der blaue Strich zeigt uns, dass sie ihre Impfung gegen Chlamydien erhalten haben. Der rote Strich ist eine Zeichnung für die Selen Applikation.


Wozu eigentlich diese jährliche Impfung? Die Impfung dient der Vermeidung oder der Senkung der Abortrate (Fehlgeburtsrate), dem in der Schafzuchtpraxis bekannte und gefürchtete Verlammen.

Obwohl nichtinfektiöse Aborte häufiger auftreten, ist es notwendig bei erhöhter Abortrate (Fehlgeburtsrate), durch Untersuchung von Abortmaterial und Blutproben eine infektiöse Ursache auszuschließen.
Das infektiöse Verlammen wird durch Erreger verursacht, die sich direkt in den Geschlechtsorganen ansiedeln oder bei verschiedenen anderen Infektionskrankheiten begleitend zu finden sind.

Die wichtigsten Aborterreger beim Schaf sind Salmonellen, Listerien, Brucellen und Coxiellen. Jedoch ist der sog. Chlamydien-Abort der am häufigsten diagnostizierte infektiöse Schafabort. Die Chlamydien (Chlamydophila abortus, früher Chlamydia psittaci) sind Bakterien, die weltweit verbreitet sind und das Schaf bildetet das wichtigste Erregerreservoir.


Zur massiven Erregerausscheidung kommt es beim Verlammen. Die Chlamydien werden mit der Milch (4 Monate), Harn (2 Monate) und Kot (ständig) ausgeschieden und oral über kontaminiertes Futter und Trinkwasser von den anderen Schafen aufgenommen. Um den 4. Monat der Trächtigkeit gelangen die Erreger dann über die Blutbahn in die Gebärmutter und den Fetus. Eine Infektion in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit führt erst in der folgenden Trächtigkeit zum Abort. Das Verlammen tritt meistens innerhalb der letzten 2 bis 3 Wochen der Trächtigkeit auf. Die Lämmer sind gut entwickelt und weisen äußerlich keine oder nur geringe autolytische Veränderungen auf.

Um eine gesunde Herde vor einer Chlamydien-Infektion zu schützen, sollte die Remontierung (Bestandsergänzung) der weiblichen Nachzucht aus der eigenen Herde erfolgen. Der Zukauf weiblicher Tiere sollte nur aus Herden erfolgen, die nachweislich durch regelmäßige Untersuchung von Blutproben chlamydienfrei sind.


In Norwegen gibt es Bestimmungen, die die Überführung von Tieren aus einer Kommune in eine andere Kommune ohne Zustimmung des Gesundheitsamtes untersagt. Aber wer will das schon kontrollieren. In der Praxis sieht es anders aus und die Schafbauern finden Wege untereinander, diese Bestimmung zu unterlaufen.

Der Tierarzt geht von einem Schafstall zum anderen Schafstall und hat die geringste Übersicht über den Kauf oder Verkauf von Tieren in oder aus einer anderen Herde/Kommune.


Eine prophylaktische Impfung kurz vor der Deckperiode führt zwar nicht zu einem vollständigen Schutz der Herde, kann aber die sogenannten „wirtschaftlichen“ Schäden mindern. Die Impfung ist jährlich/alle zwei Jahre zu wiederholen (über die Häufigkeit „streiten sich noch die Geister“, in Norwegen erfolgt die Impfung jährlich). Die eigene Nachzucht, die erstmalig gedeckt wird und zugekaufte Schafe, müssen vor dem Decken geimpft werden.


Zur Notwendigkeit der prophylaktischen Selen-Impfung müssen wir nicht mehr viel sagen. Wir leben hier auf Espetveit in einem Selenmangelgebiet. Aufgrund der eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren wollen wir auf diese Impfung für unsere Schafe nicht mehr verzichten, auch wenn es ein „teure Geschäft“ für uns ist. 


Na, jedenfalls kann die Lammzeit kommen. Wir sind in der Vorbereitung und wollen es so optimal und sicher wie möglich für unsere Tiere zu gestalten.


Übrigens erzählte der Tierarzt mit großer Begeisterung, dass er einem Luchs auf der Fahrt durch unseren Wald begegnet ist. „Ein prächtiges Tier“, meinte er. Für ihn war es das erste Mal so ein wunderschönes stattliches Exemplar in der freien Natur zu sehen. OBS!!... dachten wir, nur gut dass unsere Schafherde noch im Stall ist und bis die ersten Schafe ins Freie kommen, vergehen noch mindestens 4-5 Wochen. Wir hoffen, dass der Luchs bis dahin unser Terrain verlassen hat. Auf jeden Fall müssen wir wachsam sein!!!