03.01. 2014 Torben und Holger befinden sich wieder im Herrengemach

 

Entgegen unserer ursprünglichen Planung weilten „die Herren der Schöpfung“ doch länger in den Damengemächern.

 

Grund hierfür war der Rückblick auf die letzte Lammzeit.

Wir hatten 2013 vier Damen, die nicht trächtig waren. Das kann am Bock Hänschen selbst gelegen haben, oder durch andere Umstände bedingt gewesen sein. Jedenfalls hatten wir eine Reduktion der Fruchtbarkeit innerhalb der Schafherde um 20%. Und das war uns bei unserer kleinen Herde einfach zu viel.

 

Die Voraussetzung für eine hohe Fruchtbarkeit wollten wir für die kommende Lammzeit optimieren. So verlängerten wir im Dezember 2013 die Einstellzeit auf insgesamt 4 Wochen. Zusätzlich hatten wir die Kraftfutterration bereits 4 Wochen vor der geplanten Einstellzeit für jedes Schaf erhöht und die Lichtzeit im Stall künstlich verlängert. Also alle Faktoren optimiert, die sich positiv auf die Fruchtbarkeit auswirken können.

 

Unter Fruchtbarkeit versteht man das Vermögen, rechtzeitig und bis ins hohe Alter Nachkommen zu reproduzieren.

Die Fruchtbarkeit wird beeinflusst durch die genetische Disposition, Alter der Muttertiere, Anzahl der Ablammungen, Tiergesundheit und natürlich Umwelteinflüsse. Bei den Umwelteinflüssen sind Fütterung, Haltung, Pflege, Lichtperiode und Temperatur von großer Bedeutung.

Grundlagen für eine gute Fruchtbarkeit sind , dass das Schaf fortpflanzungswillig ist und eine hohe Ovulationsrate (Anzahl der Eisprünge) hat.

Außerdem hat die Spermaqualität einen großen Einfluss.

Allerdings, und das können wir so gut wie nicht beeinflussen, muss man auch sehen, dass die natürliche Spontanabortrate bei den Schafen mit bis zu 30 % beschrieben ist. Das heißt 30 % der befruchteten Eizellen sterben während des ersten Trächtigkeitsmonats ab, trotz optimaler Voraussetzungen, was Haltung und Gesundheit der Herde betrifft. Das ist die Selektion durch Mutter Natur, und wir können sicher sein , dass sie weiß warum sie das macht.

Die Fruchtbarkeit steigt normalerweise von der ersten bis zur sechsten Lammung, um dann danach wieder abzufallen.

 

Die Produktivität in der Schafzucht wird im Fruchbarkeitsschlüssel und der Fruchbarkeitsleistung wiederspiegelt.

Der Fruchtbarkeitsschlüssel gibt Auskunft über die Anzahl der Lammungen, sowie die Anzahl der geborenen und aufgezogenen Lämmer je Mutterschaf.

Die Fruchtbarkeitsleistung ermittelt man anhand der Ablamm- und Aufzuchtergebnisse.

Das Ablammergebnis gibt Auskunft über die Anzahl lebend geborener Lämmer pro Ablammung.

 

Muttertiere, die selbst aus Mehrlingsgeburten stammen, haben höhere Ablammergebnisse als Mutterschafe , die selbst Einling waren.

Auch die Verpaarung mit Mehrlingsböcken wirkt sich positiv auf das Ablammergebnis aus. Nicht der stärkste und größte Lammbock muß der Beste sein. Es gilt als nachgewiesen, daß Böcke, die selbst als Mehrling geboren wurden, effektiver in der Reproduktion sind.

 

Der normale Zyklus beim asaisonalen Schafrassen wiederholt sich alle 16-17 Tage. Das bedeutet 2 mal im Monat wird das Schaf brunstig und ist dann für ca. 30 (24-36) Stunden konzeptionsbereit.

 

Da unsere beiden Böcke Holger und Torben normalerweise (jeder von ihnen) zwischen 2 Boxen wandern, ist es mit einer gewissen Unsicherheit verbunden, dass jeder Bock zum optimalen Konzeptionszeitpunkt (Aufnahmezeit) der Schafdamen sich auch in der richtigen Box befindet. Selbst das Flehmen des Bockes einer bestimmten Schafdame zugeordnet, muss nicht unbedingt bedeuten, dass das Schaf aufnahmebereit ist.

 

Flehmen ist das gezielte Wittern, erkennbar an der Haltung mit geöffneten Maul bei hoch gezogener Nase. Es ist das vermehrte "Einsaugen" von spezifischen Gerüchen, zum Beispiel beim Schafbock die Aufnahme von Geschlechtsgerüchen durch besondere Botenstoffe, den Pheromonen.

Dieses geschieht mit Hilfe des Jacobsonschen Organs, welches man bei verschiedenen Säugetieren findet (z. b. auch bei Katzen und Pferden). Beim Flehmen öffnet der Schafbock das Maul ein wenig und streckt die Zungenspitze heraus. Beim Einatmen werden dann Geruchsstoffe ins Jakobsonsche Organ geleitet und können sowohl gerochen als auch geschmeckt werden. Es liegt also in seiner Funktion zwischen dem Geschmack- und Geruchssinn.

 

Ob der Bock decken darf oder nicht, bestimmt letztendlich die Schafdame durch ihre Konzeptionsbereitschaft. Meist «turteln» Schafdame und Bock zunächst miteinander. Das Schaf wendet den Kopf zum Bock, wenn er sich ihr nähert und stellt ihren Schwanz eindeutig zur Seite. Der Bock selbst hat die Chance, sich ihr ohne Widerstand zu nähern. Oft legt er seinen Kopf seitlich an die Flanke der Auserwählten und wechselt ein paar «Worte» mit ihr. Jedenfalls kann man deutliche akustische Signale wahrnehmen, dass wohl dem Einholen eines Einverständnisses gleichkommt. Die Schafdame duldet den Bock in ihrer Nähe und nach einem kurzen Liebesspiel steigt der Bock auf. Der Deckakt selbst nimmt nur wenige Sekunden in Anspruch. Allerdings wird er mehrmals wiederholt.

 

Mit den 4 Wochen Einstellzeit im Dezember 2013 ist rein rechnerisch jede unserer Schafdamen 2 mal in der Brunst gewesen. Damit haben wir die Wahrscheinlichkeit, dass der Bock zur richtigen Zeit am richtigen Ort bei der richtigen Dame war, erhöht.

 

Natürlich können wir den doch erheblichen Defizit von Holger bezüglich seines einen Hodens nicht aufrechnen. Es ist unsere Unerfahrenheit gewesen, die Holger zum Favoriten für uns machte. Tja, das äußere Erscheinungsbild ist eben nicht alles. Im Inneren liegen die Qualitäten. Man lernt eben als Hobbyschafzüchter nie aus.

 

Letztendlich bestimmt aber Mutter Natur in wie weit unserer Veränderungen bezogen auf die Optimierung der Fruchtbarkeit zum Erfolg führen werden.

Es ist wohl auch gut so, dass wir Menschen nicht alles verändern können und manche Dinge einfach hinnehmen müssen, … ob es uns ins Konzept passt oder nicht.

 

Am Neujahrstag sind Holger und Torben zurück in ihr jeweiliges Herrengemach. Nun haben wir wieder Ruhe im Schafstall und harren der Dinge, die da kommen.

Alles in allem rechnen wir in diesem Jahr mit den ersten Lämmern an dem Wochenende nach Ostern, also so um den 27.04. 2014.