Da der Mai mit weiteren Artikeln gefüllt wird, haben wir die Geburten im Mai auf einer Extraseite eingefügt.


Zu den einzelnen Geburtsberichten mit Bildern geht es hier.

 

 

 



20.05. 2013

 

Auszug der

Herde



 


Seit 4 Tagen haben wir angenehme Temperaturen und so ist es Zeit, dass die Schafe nach draußen kommen.

 

Es hatte viel geregnet und mit Temperaturen über 10 Grad beginnt auch das Gras zu wachsen. Es ist bislang nur wenige cm hoch, aber immerhin etwas um der gesamtem Schafherde etwas Gutes zu tun.

 

Den Zaun sind wir gestern abgegangen und mussten einige Pfähle richten. Der Winter mit dem vielen Schnee hat sehr viel kaputt gemacht.

 

Und wie in jedem Jahr war der Auszug der Schafe von großem Theater begleitet. Die Erwachsenen mussten wir regelrecht heraus ziehen und schieben. Die Lämmer haben wir einzeln aus den Boxen geholt und auf dem Arm nach draußen getragen. In den ganzen Tumult wollten wir nicht riskieren, das eines von den Lämmern „unter die Räder kommt“.

Draußen war dann das große Rufen und Finden angesagt. Erstaunlich wie unterschiedlich doch die Stimmen der einzelnen Lämmer sind. Jetzt können wir verstehen, dass die Mütter ihre Lämmchen ausfindig machen können. Genau so ist es mit den Stimmen der Mütter. Jede ruft auf ihre eigene Art um ihren Lämmer die notwendige Orientierung zu geben, so dass die Familien sich immer wieder finden.

Alle sind nun regelrecht aus dem Häuschen. Nicht nur die Lämmer hopsen und laufen über die Wiese, nein auch die erwachsenen Schafe , insbesondere die ohne Kinder, springen den Hang hoch und runter.

Auch kleine Rangordnungskämpfe sind wieder an der Tagesordnung. Sicher wird der Chef für den Sommer bestimmt.

 

 

 

Unsere „Kindergartenlämmer" haben auch ihr Terrain bezogen und

ziehen nun gemeinsam „durch die Lande“.


 

 

Erstaunlich wie groß der Zusammenhalt bei diesen kleinen Schäfchen ist, wenn sie auf fremden Land stehen. Es wird sich nur im Trupp vorwärst bewegt. Und sollte dennoch der ein oder andere aus der Gruppe sich entfernt haben, da die Nase zum Schnuppern auf dem Boden war, geht es im rasanten Tempo zurück zum Kindergartenteam.

Die Lammhäuser sind renoviert und mit frischem Stroh ausgelegt.

Der Milcheimer hängt an seinem Platz seitlich an einem der Lammhäuser. Kraftfutter kann aus dem Futterautomat nach Bedarf gefressen werden.

Also was wollen die kleinen Lämmchen mehr. Na, ja sie haben keine Schafmama, aber sie haben uns und wir werden sie so gut wie möglich versorgen.

 

 

Unsere beiden Böcke Hänschen und Dreizehn sind heute ebenfalls umgezogen. Aus dem kleinen Tal ging es nun auf die Herrenweide.

 

 

 

Hier werden die Beiden den Sommer verbringen und erst mit dem Einstellen der gesamten Herde wieder Kontakt mit den Damen haben. Sie fühlen sich auf dem „Herrenterrain“ ganz wohl und haben von hier aus einen guten Überblick auf die gesamte Weidefläche.

 

So, nun wird es für uns auch etwas einfacher und weniger zeitintensiv. Natürlich versorgen wir unsere Kindergartenlämmer mehrmals täglich und haben auch immer ein Auge auf die Herde mit den Lämmern. Die Weidezäune müssen kontrolliert werden und die Schafe kommen regelmäßig in den außen liegenden Ferch zur Gesundheitskontrolle und zu den empfohlenen Impfungen.

 

Ab jetzt findet ihr alles Neue betreffs unserer Schafe auf der Tagebuchseite.

Erst im Herbst starten wir dann mit neuen Berichten von der Lammzeit 2013/2014.

 


 

17.05. 2013

 

Flaschenlämmer

 

Wie in jedem Jahr haben wir wieder „Flaschenlämmer". 

 

Es sind Amon und Arndt, Zwillinge von Ina.

Ina hat leider auch in diesem Jahr ihre Kinder nicht akzeptiert. Am zweiten Tag nach der Geburt der Beiden, ließ sie ihre Söhne nicht mehr ans Euter. Wir versuchten sie zum Trinken fest zu machen, aber dann trat sie mit den Hinterläufen, und die Lämmchen hatten keine Chance. Wir wollten es nicht weiter ausreizen und Ina kontinuierlich über mehrere Tage fest machen, so wie es üblich ist bei Schafzüchtern. Ina , Amon , Arndt und wir brauchen das nicht wirklich eine Tortour für alle, nein danke! Amon und Arndt kommen in den Lammkindergarten und Ina wird uns im Herbst verlassen. Sie hatte ihre zweite Chance nicht wahrgenommen.

 

Liv gehört auch zu den Kindergartenkindern. Lilo ihre Mutter, hatte eine schwere Geburt. Obwohl Lilo die kleine Liv anfänglich gut versorgte, fing sie nachdem sie aus dem Kreißsaal kam, an die Kleine wegzuschubsen. Immer wenn sie sich ihrer Mutter näherte bekam sie einen „Sengel“ und durfte nicht mehr ans Euter. Anfänglich haben wir Lilo fest gemacht, aber es war ein ständiges hin und her, und so bekam Liv von uns die Flasche.

 

Von Biggi, die zweitgeborenen Tochter (30022) ist auch mit in der Runde. Es ist das Lamm, was wir nach 2 Stündiger Prozedur extrahieren konnten. Biggi will die Kleine nicht haben und so kommt Bjella in den Kindergarten. Sie ist eine kleine süße Maus und völlig unauffällig. Aber wenn der Milcheimer kommt, steht sie sofort am Schnuller und holt sich ihren Anteil der Milch.

 

Gustav (30026) ein quicklebendiger aktiver kleiner Bock, gehört auch zum Trupp. Er ist der Zweitgeborene von Grete und am zweiten Tag hat Mama sich entschieden Gustav zur Adoption frei zu geben. Sie hat den kleinen Kerl immer wieder weggeschoben, so dass er schon nicht mehr wusste an welchen Platz er sich in der Box aufhalten sollte. Überall hat er gestört und Grethe hat ihn regelrecht herum geboxt. Im Kindergartenteam fühlt er sich sichtbar wohler.
Der kleine Mann sieht der Bjella zum verwechseln ähnlich.

 

Als Letzter kam Lodin (30030) hinzu. Lilly, die Mama von Lodin mussten wir ebenfalls bei der Geburt helfen. Lodin lag mit dem Popo in „Fahrtrichtung“ und hatte die Füße als „Widerhaken“ benutzt, so dass die Tour nach draußen nicht in Gang kam. Ihn will unsere Lilly nicht haben, obwohl sie doch eine perfekte Mama trotz schwerer Geburt für ihre Zwillinge im letzten Jahr war. Aber so ist das eben. Nichts ist gleich.

 

Nun hoffen wir auf besseres Wetter, damit die Rasselbande nach draußen kann Auf der Weide haben sie ihr eigenes Terrain mit zwei Lammhäusern in denen es so richtig gemütlich ist. Die Lammhäuser bieten Schutz vor Kälte, Regen, Sonne und Wind. Ausserdem sind sie perfekt um als „Sechserlammknäul“ zusammen zu liegen und miteinander zu kuscheln. Es geht auch ohne Mama, wenn man gute Freunde hat.

 

16.05. 2013

Die Lammzeit geht dem Ende zu

 

Am 07.05.2013 verließen unsere Herren den Schafstall.

  

Wir brauchten die zusätzlichen Boxen um die Geburten reibungslos über die Runden zu bringen. Hänschen und Dreizehn haben wir auf das Terrain im kleinen Tal gesetzt. Hier habe sie weiter Kontakt zu uns und den Schafdamen und wir können sie ohne große Probleme weiter mit Kraftfutter und Heu versorgen. Es regnet seit Tagen und die Temperaturen liegen bei 5 Grad, so dass kaum ein Fleckchen Grün draußen zu erkennen ist. Unsere Schafböcke legen sich meist an der Wand zum Schafstall ab um ein wenig Schutz gegen den Regen zu haben. Der Dachüberstand ist hier ca. 50 cm und die Wand ist trocken und warm. Na, ja das Wetter wird sicher bald besser werden und dann sehen unsere beiden Böcke nicht mehr so traurig aus. Manchmal schauen sie uns an als ob sie fragen wollte, warum wir sie an die frische Luft bei diesem Wetter gesetzt haben. Sie sind immer aufgemuntert, wenn das Kraftfutter und eine große Ladung mit trockenem Heu kommt. Da wird gemampft und der Regen und die Kälte vergessen.

 

Vor 6 Tagen haben wir die letzten Lämmchen bekommen. Mona war das Schlußlicht.


  

Inzwischen haben alle Lämmer ihre Ohrmarken bekommen. Seit diesem Jahr ist es in Norwegen Pflicht elektronische Ohrmarken zu verwenden.

So haben alle einen kleinen gelben Knopf im rechten Ohr und am linken Ohr sitz wie üblich unsere grüne Registriermarke. So ist es eben doppel gemoppelt. Aber gut, Norwegen hat oft seine eigenen Vorstellungen und da müssen wir einfach folgen. Wir setzen die Ohrmarken frühestens am 2. Lebenstag jedoch spätestens am 4. Lebenstag.

Es gibt hier für eine extra Klickzange, die die beiden Blätter der Marke vereinigt. Man muß sich die Marke wie einen Steckohring vorstellen, mit vor und hinter dem Ohr einen Teil nur dass der „Ohrring“ nicht mehr entfernt werden kann.

Die beiden Teile sind so fest geklickt, daß nur durch Zerstören der Marke, diese vom Ohr entfernt werden kann.

Normaler Weise setzt Ralf die Marke und Liane hält das Lamm und tröstet es , wenn es doch mal mehr weh tun sollte. In diesem Jahr starten wir mit der Ohrmarke 30001 und da wir 32 Lämmer haben, enden wir mit 30032.

 

Zur Zeit geht es allen gut. Nach unsere Aktion mit den Drillingen von Tria in der Intensivbox sind alle Lämmer stabil und sie springen gesund und munter durch die Boxen. Wir haben in diesem Jahr bislang auch keine Schafmutter mit Anzeichen von Mastitis (Euterentzündung). In den letzten Jahren hatten wir wenigstens 1-2 Schafmütter, die betroffen waren. Hasi und Emma zeigten das Bild einer Sepsis und mußten entsprechend behandelt werden.

 

Biggi, die durch die Geburt schwert beeinträchtigt war, ist inzwischen wieder bei ihren Mitbewohnerinnen und steht fast wieder wie früher in der Box. Sie wirkt lediglich noch etwas ruhig und ist nicht so ungestüm wie sonst gegenüber den anderen Schafen.

Unsere Kindergartenlämmer sind inzwischen alle prophylaktisch mit Selen behandelt. Die nächste Injektion gibt es , wenn es nach draußen geht. 

 


Nun brauchen wir wärmeres Wetter, damit das Gras auf der Wiese wachsen kann und genügend Futter für unsere Schafherde bietet.

  

 

Neele und Thyra

haben die Verantwortung

für die Körperpflege der Flaschenlämmer übernommen. 

 

 

Lämmchenschnütchen, Popos und Rester von Milch am Fell der Kleinen werden von unsereren Mini Aussie Mädchen sorgsam gereinigt .

 

 


Drilling in der "Intensivbox"
Drilling in der "Intensivbox"

 

02.05. 2013

 

Drillinge in der „Intensivbox“ 


Wie schon berichtet, hatte unsere Tria ihre Drillinge mit ein wenig menschlicher Unterstützung am 1. Mai zur Welt gebracht.


Zunächst sah alles recht gut aus.

  

Alle drei Lämmer fühlten sich anscheinend wohl und bekamen genügend Milch. Am späten Abend desselben Tages haben wir eines der Lämmer sicherheitshalber nochmals an die Zitze gelegt. Es hatte ein wenig Probleme, sie zu finden. In der Nacht ging es routinemäßig um 03.00 Uhr raus zur „Lammwacht“ und da hatte das Kleinste der drei Lämmer erneut Schwierigkeiten. Also wurde es angelegt und kam hinterher unter die Rotlichtlampe. Richtig trocken war sie inzwischen, genauso wie ihre beiden Geschwister und der Muskeltonus stimmte auch.


Am Morgen fuhr Liane um 06:30 Uhr ins Krankenhaus zur Arbeit und Ralf hat seine Lammwacht fortgesetzt. Zunächst hat er alle Drillinge kontrolliert und war eigentlich zufrieden - eigentlich.

Beim Füttern der Herde hat er aber ununterbrochen ein Auge auf die Drillinge gehabt. Da war so eine Ahnung in ihm Irgendetwas stimmte nicht. Eines der Lämmchen ging nicht an die Zitze und dass, obwohl Mutter völlig ruhig beim Heu fressen stand. Er nahm das Lämmchen in die Hände und spürte gleich den schlaffen Muskeltonus, hatte auch das Gefühl, das es kälter war als normal. Beim Versuch es an die Zitze zu legen, zeigte es keine Reaktion. Das Lämmchen war regelrecht apathisch. Da war es klar, dass es zu wenig Milch getrunken hatte.

Es schien hypotherm und hypoglykämisch.

 

Es war aber nicht zu spät bemerkt worden. Ralf hatte noch eine gute Chance es zu retten.

Schnell holte er unsere kleine Intensivbox und stellte diese an der Wand des Kreissaales direkt unter der Rotlichtlampe. In die Box kam frisches Stroh und oben drauf ein Tuch für das Lämmchen. Seine Mutter beobachtete Ralf sein Tun ununterbrochen und rief nach ihrem Kind, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Ralf hat die Milch fertig gemacht und dem Lämmchen mittels Magensonde alle 15 Minuten 25 ml 40°C warme Milch verabreicht. Bereits nach der dritten Ration hat das Lämmchen wieder seine Mama gerufen. Es blieb aber in der Box unter der Rotlichtlampe und hatte es dort kuschelig warm. Bei all diesen Aktivitäten hatte er die beiden anderen Geschwister nicht aus den Augen gelassen und festgestellt, dass ein weiteres Geschwisterlamm etwas schlapp war. Der kleine Mann schaffte es nicht mehr, von selbst an die Zitze zu kommen. Also steckte Ralf auch dieses Lämmchen in die Intensivbox und gab auch ihm Milch via Magensonde. Das dritte Lämmchen war zum Glück fit. Es hatte freie Bahn und machte sich am Gesäuge der Mutter kräftig zu schaffen. Am frühen Nachmittag, nach acht Stunden Intensivbehandlung, waren die beiden Lämmchen wieder wohlauf. Sie konnten aus der Box entlassen werden und tranken sofort bei ihrer Mama. Sicherheitshalber bekamen sie ab und an noch einmal Milch mit der Sonde als Zusatzration.

 

Die Behandlung kam für beide rechtzeitig genug. Jetzt geht es ihnen sehr gut. Sie fühlen sich wohl in ihrer Herde von neun Lämmern und sind stark genug, bereits mit den Anderen zu kämpfen oder um die Wette zu rennen.


Zum Schluss noch ein Tipp.:

Als Magensonde für die Lämmchen ist ein Einmal-Katheter , den man bei Frauen einsetzt, sehr gut geeignet. Er ist genau lang genug, an der Spitze abgerundet und auch so steif, dass er nicht abknickt.

Beim Einführen sollte man darauf achten, es langsam und ohne Gewalt zu tun. Das Lämmchen darf nicht husten! Dann ist die Sonde in der Luftröhre und muss sofort zurückgezogen werden.


Die Sonde liegt richtig, wenn der grüne Trichter des Katheters sich im Mundwinkel befindet. Die Lämmchen kauen reflektorisch darauf. Den Katheter fest mit der Blasenspritze verbinden, sonst könnte der Katheter vom Lämmchen verschluckt werden. Kaut das Lämmchen, dann schluckt es auch. Dieses Wissen kann man dazu benutzen, dass man den Katheter zunächst einfach ein paar Zentimeter in den Mundwinkel einführt und wenn das Lämmchen zu kauen anfängt, vorsichtig weiter schiebt. Es schluckt ihn dann regelrecht hinunter.

 

Bitte nicht mehr als 25ml mit einem Mal verabreichen. Es könnte sonst erbrechen und Milch aspirieren. Innerhalb der ersten Stunde sind vier Applikationen genug, dann kann man auf 2x stündlich 25 ml übergehen. Bereits nach 2 Stunden scheint alles wieder in Ordnung zu sein. Der Schein trügt! Die Behandlung mindestens 6 Stunden durchführen und dann das Lämmchen unter Kontrolle wieder zurück zur Mutter geben.

 

Das Ganze ist kein Hexenwerk und sollte ruhig auch mal an Lämmchen praktiziert werden, die sich anfangs beim Trinken ein wenig dumm anstellen. Da melken wir die Biestmilch einfach zwei bis drei Mal ab und geben sie mit der Sonde. Das tun wir vor allem vor der Nacht, wenn wir unsicher sind ob die Lämmchen wirklich genügend bekommen.


Es scheint viel Arbeit zu sein, ist es aber nicht. Rechtzeitig einzugreifen, erspart viel Arbeit im Nachhinein und auch den völlig unnötigen Verlust von Lämmern.