26.03.2011


Frühlingsputz

im „Flock“

 

 

Es ist mal wieder so weit.

Die Wolle muss runter.


Wir haben jetzt noch ca. 4 Wochen bis zum Lamming, so dass es an der Zeit war, die Schafe auf diese Zeit vorzubereiten. Neben dem anpassen des Futters müssen auch bestimmte hygienische Voraussetzungen geschaffen werden. Der Tierarzt war gestern da und hat notwendigen  Impfungen durchgeführt.

Heute ist Körperpflege angesagt. Inzwischen haben wir schon Routine in der Vorbereitungen auf das Schafscheren. Die Tiere sollten wenigstens 6 Stunden vor dem Scheren kein Futter bekommen haben. Das Scheren bringt viel Aufregung für die Schafe mit sich. Wie beim Menschen auch, kann  sich das auf die Darmtätigkeit auswirken. Wolle und Schafskot passen aber nicht gut zueinander.

Die Wolle wird in Papiersäcken verstaut und der Anteil, der nicht ganz sauber ist, meist um den Popo herum, wird in einem extra Papiersack gesammelt. Wir brauchen einige Säcke, um die Wolle verstauen zu können. Dazu dienen die leeren Futtersäcke für das Kraftfutter der Pferde - nichts wird unachtsam weggeworfen! Zwischen die einzelnen „Wollmänteln“ der Schafe kommt jeweils eine Lage Zeitungspapier, so dass die Arbeiter in der Wollfabrik es einfacher haben, die einzelnen „Schafmäntel“ von einander zu trennen.

Normalerweise kommt einmal im Jahr das Wollauto nach Evje und da kann man dann seine Papiersäcke mit der Wolle abgeben. Leider haben wir auf unserem Heuboden noch die Wolle vom letzten Jahr stehen. Nicht immer hält man sich an die Absprachen hier in Norwegen, was wir schon oft genug erfahren mussten.

Der Schafscherer braucht für ein Schaf ca. 3 Minuten. Handelt es sich um ein schwangeres Schaf benötigt er ungefähr doppelt so lange, da alles viel vorsichtiger geschehen muss. In der Box wird zusätzlich eine große Spanplatte auf dem Boden gelegt, wo der Schafscherer dann arbeitet. Erträgt extra weiche Schuhe , besser Mokassins aus Schaffell , damit er beim Arbeiten die Schafe nicht verletzt. Aus hygienischen Gründen und vorbeugend gegen die Übertragung von Krankheiten von einer Schafherde zur anderen, trägt der Schafscherer in jedem Schafstall ein eigenes Paar Mokassins, die dann auch auf dem Bauernhof verbleiben.

Heute ging alles ohne irgendwelche Besonderheiten. Nein, nicht ganz. Ralf hat sich heute auch mal als Schafscherer versucht. „Versuchskaninchen“ war unsere Lilly,.... sieht ein wenig gerupft aus, na ja man kann nicht alles können. Wie meinte er selbst zu guter Letzt :“Jedes Handwerk ist eben eine eigene Kunst“.

 

Alle Schafe bekamen ihren Winterpelz ausgezogen. Die Damen sind nun luftig leicht bekleidet und auch Hänschen und Dreizehn tragen einen Frühlingsfrack. Der gesamte Flock ist gut genährt und es sehen alle gesund aus. Selbst Flecki hat heute Abend das erste Mal wieder am Kraftfutter geknabbert.

 

 

25.03.2011 Gute Aussichten

 

Gestern Abend kam der zuständige Tierarzt zum Impfen in den Schafstall. Alle Schafe bekamen die übliche Schutzimpfung gegen Coxsacki-Virus-Infektion. Es wird in jedem Jahr kurz vor dem Lammen immunisiert um eine Infektion beim neugeborenen Lamm zu verhindern. Außerdem bekamen alle eine vorbeugende Spritze mit Selen-VitE um einen eventuellen Selenmangel auszugleichen bzw. vorzubeugen. Nach unseren Erfahrungen vom letzten Jahr nehmen wir diese vorbeugende Impfung gerne an.

 

Da der Tierarzt nun mal vor Ort war, befragten wir ihn auch gleich zu unserer Flecki, die ja seit ein paar Tagen nicht richtig frisst. Er meinte, dass die Symptome alle für eine Störung der Darmflora sprechen. Die Tiere reagieren entsprechend auf die Symptome und lassen einfach das Futter liegen, was dem Darm Beschwerden macht. Nun sind wir aber froh, dass es nichts Schlimmeres ist und wir Flecki mit einem Darmstimulanz und einer Paste, die die notwendigen Bakterien enthält, helfen können.

Tria, der wir vor wenigen Tagen einen Abszess im Gesicht eröffnet haben, fühlt sich putzmunter. Die Abszesshöhle scheint ohne Komplikationen auszuheilen.

 

Morgen kommt der Schafscherer. Da wird es wieder viel Tumult im Schafstall geben.

 


 

23.03. 2011 „Ich weiß nicht was soll es bedeuten,...“

 

Leider haben wir seit einigen Tagen 2 von unseren Schafdamen, die uns ein wenig Sorgen bereiten. Flecki verhält sich auffällig ruhig. Sie frisst nicht richtig. Beim Kraftfutter war sie wie alle anderen in ihrer Fresslust kaum zu bremsen. Seit Sonnabend der letzten Woche verschmäht sie dieses vollständig. Sie knabbert ein wenig daran herum, aber nimmt nichts zu sich. Auch das Heu frisst sie nicht mit Appetit. Oft steht sie abseits der anderen und döst vor sich hin. Teilweise liegt sie und schaut den anderen beim Fressen zu. Sie nimmt Wasser zu sich und der Stuhlgang sieht normal aus. Wir können nichts Auffälliges an ihr finden. Heute Abend haben wir uns entschlossen, sie von den anderen zu isolieren und in einer unserer Lammboxen („Kreißsaal“) zu stellen. Es ist uns aufgefallen, dass sie heute Abend immer mal wieder Phasen zeigt, wo sie hechelt, so als ob sie Wehen hat. Wenn unserer Beobachtungen sich bestätigen und sie eine Frühgeburt bekommt, haben die Lämmer keine Chance zu überleben. Es ist 4 Wochen vor dem wahrscheinlichen Termin und die Lämmer sind von ihrer Lungenreife noch nicht auf ein selbständiges Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet. Sie würden unmittelbar nach der Geburt sterben ohne dass wir auch nur die geringste Chance hätten den Kleinen zu helfen. Wir hoffen sehr für Flecki, das alles nur „blinder Alarm“ ist und sie sich vorüber gehend einfach nur unwohl fühlt.

 

Unser zweites Sorgenkind ist Tria. Sie ist ein sehr selbstbewusstes Schaf und obendrein auch sehr hübsch. Gestern nach dem Füttern stand sie mit einer „dicken Backe“ vor uns. In der rechten Gesichtshälfte in Höhe der Wange hatte sich ein ca. walnussgroßer Abszess (Eiteransammlung) breit gemacht. Mit dem Skalpell haben wir den Abszess eröffnet und es sind Massen von Eiter abgeflossen. Anschließend Spülung mit Desinfektionslösung und die Abszesshöhle war sauber. Nun brauchen wir etwas Glück, dass sich das Ganze nicht wieder verschließt und Komplikationen eintreten. Eine Infektion zur Lammzeit können wir nun wirklich nicht gebrauchen.

Hätten wir den Tierarzt rufen müssen, so wie viele andere Schafzüchter, hätten wir mal locker 1000 norwegische Kronen bezahlt. Ab und zu hat es eben doch ein Vorteil wenn man aus einem chirurgischen Fachgebiet kommt. Viele Dinge können wir selbst regulieren und die Tiere kommen dabei sicher auch ganz gut weg. Unsere Lamm Emil aus dem Lammkindergarten wäre im letzten Jahr sicher gestorben, hätten wir nicht in der damaligen Situation sofort gehandelt und ihn wie einen kleinen „Zweibeiner“ behandelt. Auch Quetschi, Dreizehn, Paul und Biggi wären im letzten August einfach gestorben, würden wir nicht unser medizinischen Wissen und praktische Erfahrung einfach in die Schafwelt übertragen und mit Verstand anwenden.

Zum Glück geht es allen anderen Schafen zur Zeit gut und wir warten gespannt auf die Lammzeit. 

 

Den vollständigen Artikel findet ihr unter der Rubrik „Aktuelles“.