20.09.2010 Schwarzer Montag

 

In der letzten Nacht hatten wir das erste Mal Frost.


Trotz freien Tages sind wir heute früh aufgestanden.

Die Hälfte unseres Schafbestandes wird uns heute verlassen und uns ist schon bei dem Gedanken daran ganz mulmig.


Am Morgen sind nur 0 Grad und das tägliche Prozedere geht uns nicht wirklich leicht von der Hand.

Unsere 3 Kindergartenlämmer holen uns wie üblich vom Zaun ab um ihre Kraftfuttermahlzeit zum Lammhaus zu geleiten. Emil trottet ein wenig hinten dran,... ob er wohl spürt was angesagt ist.?

 

Wir müssen früh an der Schlachterei sein, damit unsere Schafe in den morgigen Vollzug kommen. Sind es zu viele, bleibt für diese eine weitere Nacht des Wartens.Aber wir hatten zuvor angerufen und unsere Schafe angemeldet, so dass sie eine nur kurze Wartezeit dort in der Fremde haben. Außerdem soll es heute ab 10:00 Uhr regnen und wir wollen alle trocken auf den Hänger bekommen.

 

Um 07:00 Uhr begannen wir alle in den Ferch zu treiben und entsprechend unserer zuvor angefertigten Liste entschieden wir für Espetveit oder für den Schafhimmel.

Es ist uns sehr sehr schwergefallen.

Zu guter Letzt holten wir Emil aus dem Kindergarten. Der kleine Mann trottete mal willig und mal bockig mit Liane mit und dann ging es auf den Hänger zu den anderen Schafen.

 

Auf ging es zur fast 2 stündigen Autofahrt nach Lillesand. Dort waren bereits andere Lämmer eingetroffen und unsere kamen in einen anderen Ferch wo sie alle zusammen stehen konnten. Alle bekommen ganz normal Futter und Wasser, bevor sie morgen zeitig am Morgen in den Schafhimmel übertreten.

 

Eine gute Reise für alle !!!

 

Insgesamt haben wir 30 Lämmchen und 4 erwachsene Schafe nach Lillesand zur Schlachterei gegeben.


Wir werden 20 erwachsene Schafe und 5 Lämmer von diesem Jahr in den Schafstall Mitte Oktober holen.

Wir haben geplant nur die erwachsenen Schafe decken zu lassen und hoffen, so das Problem was wir mit Alfa und Susi in diesem Jahr hatten, die ja ihre Lämmer nicht angenommen haben, zu umgehen. Alfa und Susi bekommen ihre Chance im kommenden Jahr und wir wünschen den beiden, dass sie liebe Mütter werden. Auch 2 Schafe aus 2007 bleiben bei uns. Leider musste Lisa mit nach Lillesand aufgrund ihrer Erkrankung am Euter.

 

Die Damen umwerben dürfen Hänschen und unserer kleines Böckchen Dreizehn, ein Jüngling von diesem Jahr. Jeder von den beiden bekommt seine eigene Stube.

 

Zur Zeit regnet es kräftig und wir haben nur 4 Grad. Es riecht schon nach Schnee, aber es ist natürlich viel zu früh dafür.

Wir hoffen, dass die Schafe jetzt noch ein paar Tage draußen verbringen können. Abhängig vom Wetter, insbesondere den Temperaturen, bleiben sie auf der Weide. Wird es zu kalt, so dass kein Gras mehr wächst, müssen wir sie rein holen oder dazu füttern , was umständlich ist, wenn alle auf der Weide stehen.

 

Wir müssen abwarten wie das Wetter wird.

 

 

Man muss sein Leben aus dem Holz schnitzen, das man hat.

 

                                                                                                                  Theodor Storm

 


 

02.09. 2010 Espetveit oder Schafhimmel,... das ist die Frage ! 

  

Nun ist die Zeit gekommen wo wir uns festlegen müssen, welche Schafe im Herbst eingestellt werden und welche in den Schafhimmel ziehen.

Es ist uns nicht leicht gefallen und Emotionen spielten eine größere Rolle als die Vernunft.

 

Zu einigen Lämmern und erwachsenen Schafen haben wir eine besondere Beziehung aufgebaut. Es sind jene, welche wir intensiv betreut haben, sei es direkt von Geburt an oder im Laufe ihres Lebens auf Espetveit infolge besonderer Ereignisse.



Es können wie im letzten Jahr, 24 Schafdamen und 2 Schafherren den Winter im Schafstall verbringen.

Bei uns bleiben Fips, Emma, Martha, Mona, Hanna, Flecki, Rosa, Lisa, Marie, Klara, Hasi. Kati, Hesti, Tria, Alfa,und Susi. Diese 16 Damen haben bereits mindestens 1 x geboren.  

                                                                         

Ob Lisa endgültig bei uns bleiben kann, ist noch nicht ganz sicher. Ihr Euter weist deutlich Zeichen von Milchstau und Entzündung auf. Es wirkt nicht akut entzündlich, aber es ist auffallend prall und farblich verändert. Wir können aber draußen auf der Weide nichts tun, da sie „den Braten riecht“ Sie kommt zwar zum Streicheln verdrückt sich aber, wenn wir sie halten wollen. So müssen wir warten bis alle Tiere in den Ferch getrieben werden um sie für den Schafstall oder Schafhimmel zu trennen. Spätestens da müssen wir uns entscheiden was nun mit Lisa wird. Es wäre sehr schade, wenn wir sie hergeben müssten. Sie ist ein ausgesprochen großes und kräftiges Schaf und eine sehr fürsorgliche Mutter. Allerdings ist sie weiß, was für uns aber keine Bedeutung hat.

 

Sehen wir es einfach mal so:Jede Schafherde hat ihr schwarzes Schaf, wir haben eben unsere weiße Lisa.

 

Von Alfa und Susi wollten wir uns eigentlich trennen, da beide ihre Lämmer in diesem Jahr, Quetschi und Emil nicht angenommen haben. Unterhält man sich mit „echten“ Schafzüchtern so sind diese der Meinung, dass dieses Verhalten genetisch bedingt ist. Glauben wir allerdings nicht. Es gibt kein nachgewiesenes Gen an dem dieses Verhalten fixiert ist. Zum Anderen zeigt unsere eigene Erfahrung, dass Alfa und auch Susi von ganz lieben Müttern (geboren 2009 von Greta und Flecki) abstammen, die sich beide intensiv und liebevoll um ihre Kinder gekümmert haben. Also haben wir uns entschieden Alfa und auch Susi eine zweite Chance zu geben. Sie dürfen im Herbst in den Schafstall mit einziehen.  In einer Schafherde ist es wie wie im normalen „Menschenleben“, gleiche Chancen und Rechte für alle. Oder??? 

  

Hinzu kommen Mausi, Størsteund Maxi, drei junge Schafsdamen, die 2009 geboren wurden und die in diesem Jahr nicht trächtig waren.  Sie sind genauso alt wie Alfa und Susi.                                                                                                    Alle 3 waren 2009 im Schafkindergarten auf Espetveit. 

Største ist der einzige überlebende Drilling von 2009, den Alte geboren hatte. Ihre Geschwister Mellom und Minste sind verstorben,... nur wenige Wochen alt. Eine Ursache hatten wir nicht gefunden. 

Maxi war von ihrer Mutter nicht angenommen und wurde zum Pflegekind von Rosa, zusammen mit Max. Rosa verlor ihren eigenen Sohn (nur 3 Tage alt) durch einen dummen Unglücksfall 2009.  Der kleine Bock hatte einen Weg gefunden um aus der Damenbox rauszukommen und war auf seinem Rückweg in die falsche Box geraten. Hänschen und Hans als Bewohner dieser Box, hatten den kleinen Mann mit wenigen Aktivitäten tot gespielt. 

Schicksal!!! Nach diesem Ereignis hatten wir die Bockboxen einbruchssicher gemacht.

Tja, man lernt aus seinen Erfahrungen und Fehlern ... und manchmal tut es richtig weh.

  

Ja, und unsere Mausi ist wohl das berühmteste Schaf Norwegens. Sie wurde ebenfalls von ihrer Mutter nicht akzeptiert und wir haben sie mit der Flasche groß gezogen. Im Sommer 2009 ging sie für 3 Wochen in den Kindergarten des Krankenhauses in Kristiansand (mehr Informationen dazu finden ihr unter unserer LINK-Liste). Sie ist weiterhin einfach cool. Wenn man auf die Weide kommt und nach ihr ruft, kommt sie direkt auf einen zu, holt sich ihre Streicheleinheiten und trottet dann wieder von dannen.

  

Von unseren diesjährigen Lämmern behalten wir fünf junge Damen und ein Boeckchen. 

Es sind Lilly, die eine Kopie ihrer Mutter Emma ist und Ina, ein besonders hübsches Lämmchen, und Tochter von Rosa. Wir behalten auch Colli(Namenspate ist Nicole) wegen ihrer hübschen Zeichnung. Sie ist die Tochter von Hanna und hat noch eine Schwester Kikki, die aber mit den anderen Schäfchen in den Schafhimmel geht. Biggi, eines unserer „Madenlämmchen“ soll auch bei uns bleiben. Sie ist eines der Drillinge von Lisa. Allerdings hat sie nicht die typische Zeichnung wie man es von einem Zwartblesse-Schaf erwartet. Wir haben durch die intensive Pflege im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung ein besonderes Verhältnis zu ihr. Sie ist ganz lieb und zutraulich, etwas zierlich zwar,… na ja und wir mögen sie einfach. Quetschi, verstoßende Tochter von Alfa wird den jungen Damenreigen ergänzen. Sie ist penetrant und anhänglich. Man muss sie einfach gern haben. Auch sie hat nicht die typische Zeichnung für ein Zwarblesse-Schaf, aber sieht ihrer Oma Greta und ihrer Mutter Alfa sehr ähnlich.

 

Dreizehnwird neben Hänschendie männliche Seite in der Schafherde stärken. Er ist der lebende Zwilling von Älteste, die aufgrund einer Infektion nach der Totgeburt ihres 2. Kindes verstorben ist. Dreizehn ist ebenfalls ein Flaschenkind und wohl der liebste und treueste Schafbock, den man je auf Espetveit hatte. Er kommt sofort auf einen zu, will gestreichelt werden und folgt wie ein kleiner Hund beim Rundgang auf der Weide. Wir hoffen natürlich, dass er so anhänglich und lieb bleibt auch wenn er grösser und später erwachsen ist. Zur Zeit erprobt er schon mal bei den reiferen Damen seine Männlichkeit aus. Es ist zum Schmunzeln wenn man sieht, wie er sich um ihre Gunst bei den Schafdamen bemüht aber letztlich doch abgewiesen wird. Da ist auch schon mal ein kräftiger Schupser notwendig um Dreizehn klar zu machen, dass derzeit kein Interesse an ihm besteht. Ein wenig penetrant ist er aber schon.

Das abweisende Verhalten der reiferen  Schafsdamen wird sich zum Herbst hin ändern und da hat er mit seinem Scharm sicher gute Chancen anzukommen.

 

Das sind nun unsere Überlegungen bezüglich unserer zukünftigen Schafherde. Vielleicht müssen wir aber unserer Planung noch ändern. Bis zum Herbst sind es noch 6 Wochen, dann kommen alle Schafe in den Stall. 

 

Alle anderen jungen und erwachsenenen Tiere werden uns Ende September verlassen. Sie gehen in den Schafhimmel und werden zukünftig auf Espetveit herabsehen. Die Wölkchen am Himmel werden uns an alle erinnern, welche wir in diesem Herbst auf die andere Seite ziehen lassen mussten.

Da ist z.B. Bulli ein kleiner Schafbock mit markanter Zeichnung. Und natürlich unser Paul, mit seinem „Madenbefall“ und zusätzlichem Selenmangel. Emil unser drittes Kindergartenlamm, den wir mit einer alten Methode dem "Trokarstechen"  das Leben retten konnten. Karl unser Böckchen mit dem gebrochenen Bein, welches wir über mehrere Wochen geschient hatten. Zwei von Lisas Drillinge Daggi und Bruno, die immer ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Mutter hatten und wahrscheinlich die am besten erzogenen Lämmer der Herde waren. Auch Fips ihre Mutti wird uns verlassen. Sie hat insgesamt 3x geboren und alle Lämmer waren kräftig und gesund. Fips (2008) und Hesti (2009)  sind ihre Töchter und in diesem Jahr bekam sie ein Zwillingspärchen. Sie ist ein sehr zutrauliches Schaf, bestimmend aber lieb und gerecht zu allen. 

 

Wir können gar nicht alle aufzählen, denn jedes Schaf hat sein eigenes ICH. Um so länger man sie beobachtet, umso interessanter und individueller wird jedes Schaf. Es sind nicht alle Schafe gleich in einer Herde, jedes ist eine eigene „Schafpersönlichkeit“, …das meinen wir jedenfalls.                     

 

Und noch etwas,… ein Schaf ist nicht dumm. Die Menschen sind es, wenn sie die Schafe so betrachten. Sie machen sie zu dummen Tieren um es im Umgang mit ihnen einfacher haben.

 

 

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.  

                                                                        aus „Der kleine Prinz“ 

                                                                                von Saint-Exupery