Wie baut man selbst einen Offenstall ?

Er soll was aushalten, darf nicht so leicht verrotten, soll ausreichend Schutz bieten aber auch luftig sein. Natürlich ist es toll, wenn man Strom und Wasser hat und auch einen kleinen beheizten Raum für Sättel und Zaumzeug.

Vor 12 Jahren haben wir uns das erste Mal dieser Aufgabe gestellt. Es war eine echte Herausforderung. Nicht nur das Bauen selbst, sondern auch die Behördengänge. In Deutschland hat man es als „nicht Privilegierter“ schwer, einen großen Stall zu bauen. Hinzu kommen Auflagen für Bepflanzung rund um den Stall und das Gelände.

Man muss eine Minigröße von unter 60m² einhalten. Ich glaube bei unserem Stall in Rheinhessen waren es genau 54m².

Da war es nicht leicht alle Wünsche unterzubringen. Dennoch – am Ende hatten wir einen prima Stall, der fast komfortabel zu nennen war. Wir hatten neben einer Futterkammer von 6m² auch eine Sattelkammer, sogar mit Waschbecken.

Der Stall hat die Jahre gut überdauert. Wir haben ihn schweren Herzens an andere Pferdeliebhaber verkauft, als wir nach Norwegen auswanderten.

Damals hatten wir gute Ideen, die uns jetzt in Norwegen halfen.

Auch hier mussten wir bei der Kommune eine Baugenehmigung einholen, was aber leichter als in Deutschland ging.

Fangen wir also ganz unten an, bei den Fundamenten. Wir empfehlen dringend, keinen Betonboden zu machen, also nicht mit einer sogenannten Grundplatte zu arbeiten. Das gibt nur Gestank und kranke Hufe. Das Beste ist es aus unserer Sicht, ein solides Ständerwerk auf Einzelfundamenten zu bauen.

Die Ständerhaben wir aus Rund- und Kanthölzern gefertigt. Sie waren minimal 4m lang und die Stämme hatten im Mittel einen Durchmesser von 20cm, die Kanthölzer 15 X 15cm. Für jeden äußeren Ständer haben wir ein frostfreies Fundament von 30 x 30 cm gegossen und Zentral im Fundament ein Moniereisen eingesetzt. Es sollte 2cm dick sein und mindestens 20cm aus dem Fundament herausragen. Die Rundhölzer werden im Zentrum (Hirnholz) mit 2cm Holzbohrer 10 cm tief aufgebohrt. Danach setzt man sie auf die rechtwinklig abgeflexten Moniereisen. So ergibt es sich, dass die Rundhölzer mit 10cm Bodenfreiheit verrottungsfrei verankert sind. Diese Lösung ist einfach und vor allem billig!

Natürlich kann man auch größeren Aufwand betreiben und für Kanthölzer passende H-Profile fertigen lassen. Die müssen verzinkt werden. Das ist sehr viel teurer, als die Lösung mit den Moniereisen. Ihr könnt beide Möglichkeiten in der Bildergalerie unten anschauen.

Für Fundamente im frostfreien Innenbereich reichen Stopfrohre aus Pappe. Die sind billig, in jedem Baumarkt zu haben. Diese Fundamente müssen nicht unbedingt frostfrei sein. 60cm Tiefe reichen sicher aus. Auch hier ist die Lösung mit den Moniereisen die Beste. Wer ganz sicher gehen will, kann die Moniereisen vorher mit Rostschutzfarbe streichen.

Das Bohrloch im Hirnholz kann man mit dem Bohrer die ersten paar Zentimeter leicht trichterförmig gestalten und dann einschmieren. So ein Pfosten wiegt ja Einiges und rutscht fast von selbst bis zum Anschlag auf das Eisen. Sicherheitshalber bekommt der Pfosten aber ein paar Schläge mit einem großen Vorschlaghammer. Er soll ja später nicht nachrutschen. Vorübergehend lassen sich die Rund- oder Kanthölzer einfach mit Dachlatten stabilisieren und ausrichten.

Dann baut man das Ständerwerk auf. Die Ständer werden erst zum Schluss, wenn der obere Ringanker mit entsprechend starken Balken verschraubt ist, auf die gleiche Länge geschnitten. Das geht ganz einfach mit einer guten Kettensäge. Wenn alles im Wasser steht, kommen natürlich solide V-förmigen Versteifungen hinzu .  Dazu kann man teilweise, aber immer nur einseitig und in der Gegenrichtung zu den Holzverstrebungen, verzinktes Stahlband verwenden.Die Hölzer sollten mit 12 mm Holzschrauben verbunden werden. Man arbeitet mit der Zugschraubenmethode. Der äußere Balken wird 12mm vorgebohrt und der innere nur 8 mm. Unter den Kopf der Holzschraube kommt eine große Unterlegscheibe. Das Gewinde sollte mindestens 8 cm fassen, dh. die verzinkten Schrauben sind 16 bis 20 cm lang. Das kostet Kraft, ist aber wirklich  dauerhaft haltbar. Ein Radkreuz eignet sich gut zum Anziehen der Schrauben und Öl oder Fett kann auch nicht schaden. Da dreht man leicht und nicht ab.

An nicht so wichtigen Stellen kann man auch mit Winkeln arbeiten. Diese sollten entsprechend gut dimensioniert sein.

Wenn ihr einen neuen Akkubohrer kauft, dann mit doppelter Batterie. Das ist sehr wichtig!! Und schaut, dass der gute Apparat von „Bosch“ nicht aus China kommt, sonst habt ihr gleich verspielt.

Der Fußboden des Stalles wirdim ersten Schritt mit 30cm Schotter aufgefüllt, danach feiner Splitt und auf den Splitt legt man Rasengittersteine. Den Abschluss bildet dann Sand, mit dem die Löcher in den Gittersteinen ausgefüllt werden. Schließlich noch der Einstreu, bestehend aus groben Laubholzspänen. Den Einstreu muss man regelmäßig „abäppeln“ ggf. neu auffüllen/nachfüllen, aber nur einmal im Jahr komplett austauschen. Pferdemist und alter Einstreu ist bei den meisten Bauern als Naturdünger oder Bodenverbesserer willkommen. Wir hatten in Rheinhessen nie Probleme, beides loszuwerden. Im Gegenteil, die Gartenbesitzer und Weinbauern waren regelrecht wild darauf und haben insbesondere die Pferdeäpfel direkt vom Misthaufen abgeholt.

Bei dieser Lösung stinkt es niemals nach Urin im Stall.

Die Wände macht man am besten doppelt mit einer 10 - 15  cm Luftschicht dazwischen, entsprechend der Dicke des Ständerwerkes. Normale billige Bretter, 2 cm dick und einseitig gehobelt sind völlig ausreichend. Die raue, ungehobelte Seite der Bretter ist immer auf der freien, äußeren Seite. Innen im Stall können sich die Pferde daran schrubben und außen hält die Farbe besser. Außen am Stall kann man auch schöne dekorative halbrunde Hölzer verwenden, was aber teuer ist. Durch die Doppelwände geht immer ein wenig Luft, aber es zieht niemals. Der Luftzug wird in der Kammer zwischen den Wänden gebrochen und gebremst. Die Luftkammer schützt gleichzeitig vor Wärme als auch vor Kälte. Verwendet kein Dämmmaterial, das hilft nur den Mäusen.

Das Dachsollte man als Scheibe bauen, das ergibt dann eine hohe Stabilität der Gesamtkonstruktion. Natürlich sollte es eine leichte Neigung haben und auch 1 m Schneelast aushalten. In Norwegen ist es besser einen Dachstuhl zu bauen, welcher eine ausreichende Schräge hat und das Dach mit Profilblech zu decken. Ein Flachdach geht hier wegen der Schneemengen nicht.

Dachrinnenbraucht man nicht unbedingt. Beim Scheibendach liegt meist Dachpappe oder ähnliches Material auf dem Stall. Das Sammeln des Wassers in einer Zisterne macht da keinen Sinn, ist nur gut für Mückenlarven. Ein genügend großer Dachüberhang, von etwa 20 cm tut es auch.

Einen Dachstuhl kann man ebenfalls leicht selbst bauen. Die Materialstärke sollte gut berechnet sein und der Abstand der Dachstuhlelemente nicht weniger als 60cm betragen. Da hilft Rat beim Zimmermann oder beim Baumarkt einzuholen. Allerdings ist ein Dachstuhl aus der Fabrik auch nicht sehr viel teurer. Nun ja - uns hat es Spaß gemacht, ihn selbst zu zimmern.

Wir haben für die Fußbodenkonstruktion auf dem Dach Kanthölzer mit einer Stärke von 12 x 10 cm benutzt. Als Fußboden für den Dachboden eignen sich am besten spezielle Platten aus Pressholz.

Den Dachstuhlhaben wir mit 6 x 12cm dicken Kanthölzern gebaut. Dann kommen Dachlatten drauf und eine Dampfsperre. Zum Schluss nochmals quer verlaufende Dachlatten, die nicht zu dünn sein sollten, da ja die Bleche mit Schrauben darauf befestigt werden.

Wichtig ist, dass man im Stall eine „innere Winkelwandintegriert. Sie dient der Festigkeit der Gesamtkonstruktion und den Pferden als Ruhestätte. Außerdem können die Tiere voreinander ausweichen. Man hat mit dem Winkel einen Windschutz und Fluchtwege geschaffen. Es macht absolut keinen Sinn, Boxen zu bauen. Ein geräumiger Offenstall mit einem Paddock davor ist gut.

Boxen sind für die Pferdebesitzer, die keine andere Möglichkeit haben und ihre Tiere abgeben müssen oder wenig mit ihnen zu schaffen haben. Boxen sind nicht pferdegerecht, nur gut für uns Menschen und Massentierhaltung! Es gibt nur wenige Ställe, die ihre Boxen mit kleinen Paddocks kombinieren. Bekommt man seine Tiere dort unter, wird es meist so teuer, das man auch gleich selbst bauen kann.

Wir mussten unsere Tiere, als wir auswanderten, 7 Monate in angemieteten Boxen halten. Es war eine schlimme Zeit! Unser Wallach wurde sehr krank. Er bekam trotz guter Pflege die Mauke in dem Boxenstall und wir mussten ihn nach monatelangem Kampf um seine Gesundheit aufgeben, ihn schließlich gehen lassen. Er wurde erschossen und an die Löwen im Zoo von Kristiansand verfüttert. Es war damals ein herber Rückschlag für uns. Der Umzug in den neuen Stall kam für unseren Bandy ein paar Monate zu spät. Wir konnten ihn nicht mehr retten.

Bevor die Pferde einziehen, sollte der Stallboden einmal gut gewässert werden, damit sich die Rasengittersteine setzen. Den Rest besorgen die Pferdehufe. Die Gittersteine kann man in den Ecken vorsichtig mit einem Kantholz fest stampfen. Macht das sehr vorsichtig. Die Steine brechen sonst.

Als unterste Latte bringt man innenseitig an den Wänden dicke Holzbohlen an. Sie halten dem großen Druck stand und verteilen ihn gleichmäßig auf die Pfosten.. Normale Bretter gehen schnell kaputt. An den Bohlen sollte man öfter die Einstreu umdrehen, dann faulen sie nicht so schnell. Wer diese Arbeit sparen will, nagelt auf die Bohlen kesseldruck imprägnierte Bretter. Nicht schrauben sonder nur nageln, da die Schraubenköpfe verrosten und das Auswechseln der Bretter sich dann schwierig gestaltet.

Alle Bretter die nicht im Bodenbereich sind lassen sich am besten mit Terrassenschrauben befestigen. Besonders leicht geht es natürlich mit einer Nagelpistole, aber wer hat die schon?!

Und zum Schluss noch eine kleine Bemerkung. Unsere Pferde haben niemals am Holz geknabbert. Nur an der frischen Rinde der Knabberwand. Baumrinde mögen die Pferde. Das Holz selbst lassen sie normal in Ruhe. Holz nagen die Tiere nur, wenn sie schlecht gefüttert werden und keine Bewegung haben. Wir Menschen sind an solchem Fehlverhalten Schuld. Knabbern die Tiere am Stall, macht ihralso etwas verkehrt!

Der Aufwand für einen artgerechten Offenstall ist groß, lohnt sich aber sehr. Geht es den Tieren gut, geht es auch den Menschen gut und umgekehrt.

Für beide Ställe haben wir ca. jeweils drei Wochen Bauzeit benötigt. Hinzu kommt einige Zeit für Zäune, Paddock, Roundpan und Pinselei. In Rheinhessen hat die ganze Familie und viele liebe Freunde geholfen. Hier in Norwegen haben wir alleine gebaut.

Jeder Offenstall hat etwa 5000 € an Material gekostet. Hinzukommen Kosten für Elektro- und Wasseranschluss.

Einiges Geld braucht man für die Außenanlage. Da ist ein Zaun von Nöten und auch einige Lkws mit Sand. Laßt euch von irgendwelchen Geizkragen und Besserwissern nicht einen "Matschauslauf" einreden. Die Pferde brauchen viel Sand und dann bleiben sie auch gesund.

Matsch passt zu Mauke und Mauke macht riesige Probleme.

Möchtet ihr Genaueres wissen, so setzt euch mit uns über E-Mail in Verbindung. Wir helfen euch gerne mit unseren Erfahrungen.

Die nachfolgende Bildergalerie gibt sicher viele Anregungen und Aufschlüsse.