Stockfisch und „Å“

 

Beide sind untrennbar miteinander verbunden. Wenn man das Stockfischmuseum besucht hat, versteht man ein wenig mehr von der aufopferungsvollen Arbeit der Fischer und dem „Skrei“.

 

Der Skrei ist die Lebensgrundlage der Menschen auf den Lofoten, bliebe er aus, würden die Einnahmequellen rasch versiegen und auch der Tourismus wäre nicht stark genug, die Einheimischen zu ernähren.

 

Um den Dorsch oder Kabeljau, so heißt der Skei bei uns, dreht sich einfach alles auf den Lofoten. Es ist schier unglaublich, was aus diesem Fisch alles zubereitet wird.

 

Am verrücktesten aber ist es, daß der größte Anteil des Fanges nach Italien exportiert wird, wo das doch mitten im Wasser liegt und eigentlich selbst seine Fische fangen könnte. Es ist aber eine alte Tradition, genauso, wie der Export der getrockneten Dorschköpfe nach Nigeria und des Klippfisches nach Portugal und Südamerika. „Klippfisch“ ist im Übrigen der künstlich getrocknete Salzlaken-Dorsch und kein Stockfisch.

 

Wir waren jedenfalls sehr erstaunt über die Mannigfaltigkeit der Dorschprodukte und ihrer Verteilung auf unserem Globus. Da ist natürlich in erster Linie der Stockfisch, gefolgt vom Klippfisch und frischem Dorsch.

Aus der Dorschleber wird Tran hergestellt und aus seinem Rogen der begehrte geräucherte Kaviar.

 

Vom Skrei wird einfach alles verwertet und das macht ihn so kostbar. Er kommt in der Zeit vor Ostern mit dem Golfstrom an die Küste der Lofoten. Zu dieser Zeit herrschen für ihn optimale Bedingungen zum Laichen. Diese alljährliche Heimkehr ist ein Goldregen für die Fischer. Diese Heimkehr wird sich aber auf lange Sicht nur wiederholen, wenn der Mensch vernünftig damit umgeht. Er wäre dumm, das Huhn zu schlachten, was ihm goldene Eier legt.

 

Die Fangquoten sind deswegen sehr streng reglementiert, Verstöße werden mit drastischen Strafen belegt.

 

Das kennen wir ja auch gut und nicht nur vom Knöllchen im Straßenverkehr, es gilt für alle Bereiche im öffentlichen Leben in Norwegen und darum ist es einfach besser sich anzupassen.

 

Im letzten Jahr haben die Fischer 54tsd Tonnen Dorsch gefangen. Zwei Drittel davon wurden Stockfisch und von diesem haben die Italiener 85% verspeist. In Deutschland gehen wohl keine hundert Stück über den Ladentisch.

 

Dorschfang-Zahlen in den Jahren 1993-1998
Dorschfang-Zahlen in den Jahren 1993-1998

 

Das Trocknen des Fisches geht in dieser Qualität nur auf den Lofoten. Es ist die Mischung aus Sonne, Wind und relativ niedrigen Temperaturen mit seltenem Frost, was die Qualität ausmacht. Der Fisch kann aber beim Trocknen auch erfrieren, sauer werden, Druckstellen erhalten, wenn er zu eng hängt und Pilze bekommen, wenn es zu viel regnet. Es gibt also sehr viel zu beachten auf dem Weg zur gewünschten Qualität.

Die Italiener sind sehr wählerisch. Es gibt auf ihrem Markt vierzehn verschiedene Qualitätsstufen und sogar einen deutlichen Unterschied zwischen Nord und Süditalien. In Süditalien sind die größeren und fetteren Stockfische begehrt und der Norden mag mehr die späten, kleineren, die erst ende April gefangen und getrocknet werden.

 

Der gesamte Stockfisch wird nach dem Abhängen einer strengen Gütekontrolle unterzogen. Die grobe Sortierung erfolgt in „prima“, „secunda“ und „afrikanisch“. Nach Afrika gehen alle Köpfe, sauer gewordene, erfrorene und von Möwen angefressenen Fische.

 

Alle Stockfische werden in einer speziellen Presse zu einem Zentner-Bündel komprimiert und in einem Jutesack auf die Reise geschickt. Das spart Platz und garantiert die Unversehrtheit und „Frische“ des Produktes.

 

 

Das Museum in „Å“ ist unglaublich gut und authentisch. Wir raten jedem Lofoten-Touristen dringend es zu besuchen.