30.05.-01.06.2009

Pfingsttour durch die Ryfylke und Frafjordheiene

 

Das Hotel im Byrkjedal in Dirdal ist eine perfekte Ausgangsbasis für Tagesausflüge nach Stavanger, zum Preikestolen, nach Lysebotn, dem Kjerag und auch dem Månafossen.

 

Wir haben uns zu Pfingsten 2009 dorthin auf die Reise gemacht.

 

 

Von uns aus sind es über Tonstad 177 km mit etwa 50 NOK Mautgebühr verknüpft. Über Rysstad und den Hochgebirgspass fährt man mit dem Auto ca. 200 km und bezahlt knapp 100 NOK Maut.

Wir hatten uns entschieden auf der Hinfahrt die kurze Strecke zu nehmen und zurück über den Pass zu fahren

 

Zu unserem großen Glück war herrliches Wetter.

Nach gut 5 Stunden erreichten wir Byrkjedal. Unterwegs hatten wir kleine Pausen eingelegt.

 

Bei Tonstad konnten wir auf einem höher gelegenen Rastplatz unsere Frühstücksbrote auspacken, die Aussicht genießen und es uns gut gehen lassen. 

 

Wir hatten nach wenigen Ausflugstouren schnell gelernt unser eigenes Essen dabei zu haben. Ein sogenanntes „Matpakke“ (Essenspaket) und reichlich zu trinken gehören hier in Norwegen zur Grundausstattung auf einer Wandertour dazu.

 

Mal schnell an einen Kiosk gehalten oder sogar in einem Restaurant schnell mal ein gutes Essen einnehmen, ist hier in Norwegen nicht möglich. Es gibt kaum bewirtschaftete Wanderhütten und Restaurants sind in der „Wildnis“ Mangelware.

 

Endlich in Dirdal angekommen, staunten wir nicht schlecht über die Hotel Anlage. Das Hotel war wie ein altes norwegisches Dorf aufgebaut.

 

 

Ein größeres Haupthaus, in dem sich die Administration, ein Restaurant und ein größerer Souvenirladen befanden, war von vielen kleineren Häuschen umgeben. Die Hotel-Anlage glich einem kleinen norwegischen Dorf aus alten Zeiten. Die kleinen "Dorfhäusern" stellten die Unterkünfte für die Gäste dar mit einzelne Apartments oder Zimmern. Wir hatten ein Zimmer bekommen, was ganz nach unserem Geschmack war. Rustikale skandinavische alte Möbel, ein großes Kojenbett und ein modern ausgestattetes Bad, mehr brauchten wir nicht zum Wohlfühlen.

 

 

Da der Nachmittag noch lang war, beschlossen wir uns gleich die erste Tour zu realisieren.

Wir hatten dazu den Månafossen auserkoren. Es war nur ein kurzes Stück mit dem Auto zu fahren. 

 

Von einem Parkplatz zu Fuße des Wassefalls waren wir binnen 20 Minuten oben am Fossen.

 

Der Aufstieg war nicht ganz einfach, manchmal recht steil oder durch grobe Steine sehr unwegsam. Kettengeländer entlang des Weges erleichterten den Aufstieg ungemein.

 

 

 

Tja, und dann standen wir dem Wasserfall direkt gegenüber nur eine Schlucht trennten uns voneinander. Das Wasser fiel mit lautem Getöse runter in den Grund der Schlucht, so dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. 

Unten auf der Schautafel war der Wanderweg noch oben weiter ausgewiesen. Da schönes Wetter war, entschlossen wir uns kurzerhand, dem Weg noch oben zu folgen.

Nach einer weiteren halben Stunde des Aufstieges kamen wir in ein einsames und wunderschönes Tal, dem Månadalen, mit dem Måna-Fluß. Eine Seelenruhe, kein anderer Mensch weit und breit. Ja das war genau das, was wir jetzt brauchten. Leider war der Tag schon etwas fortgeschritten. Der Nachmittag war bereits verstrichen und so traten wir nach einer kurzen Verweildauer wieder den Rückweg an.

Diese Wanderung war für den noch zur Verfügung gestandenen halben Tag genau das Richtige gewesen. Wieder im Hotel angekommen verbrachten wir den Abend im Restaurant bei guter Hausmannskost und einem Glas Wein.

 

Wenn man etwas Besonderes essen möchte, muss man das Essen 2-3 Tage vorbestellen. Die Speisenkarte des Restaurants hat nur 2-3 Wahlessen auf der Karte und wenn diese am Tage von den Gästen verspeist wurden, ist das warme Essen am Abend aus. Natürlich kann man immer Brot, Wurst und Käse bekommen. Das Brot ist übrigens selbst gebacken und schmeckt einfach toll.

 

Die Nacht haben wir prima geschlafen. In dem Kojenbett lag man wie auf Wolken gebettet und wir sanken schnell und tief in den Schlaf. 

Blick auf den Parkplatz am Preikestolen
Blick auf den Parkplatz am Preikestolen

 

 

 

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Reise zum Preikestolen.

 

 

 

 

 

Das sind etwa 53 km, allerdings mit einer kurzen Fährstrecke in Lauvvik. Wir brauchten gut zwei Stunden bis wir auf dem Parkplatz unterhalb des Preikestolen waren. 

Dort am Parkplatz gibt es ein Restaurant.  

 

Der Fußmarsch zum Preikestolen ist nicht besonders schwer für jemanden, der das Wandern gewohnt ist. Auf jeden Fall sollte man gutes festes Schuhwerk anziehen.

 

Der Weg ist markiert, aber nicht besonders gut ausgebaut, also nicht so, wie man es von Wanderwegen in Deutschland kennt. 

Blick vom Preikestolen auf den Lysefjord
Blick vom Preikestolen auf den Lysefjord

Oben angekommen, gehen einem regelrecht die Augen und das Herz auf. Der Ausblick ist atemberaubend. Es war windstill und kein Wölkchen am Himmel. Wir konnten den gesamten Lysefjord überblicken. Da wir recht früh oben waren, hielt es sich mit den Menschenmassen auch noch in Grenzen.

 

Beim Abstieg kamen uns bereits Hunderte Ausflügler entgegen. Einige mit sehr leichtsinniger Fußbekleidung z.B. Badelatschen. Andere wieder rum waren von einem der Touristen Busse „ausgekippt„ worden und meinten dass sie trotz ihrer Unterarmgehstützten und maroden Hüften auf den Preikestolen müssen. Es war ein buntes Gewimmel von Menschen, gut gemischt mit vielen Japanern. 

 

 

Wieder am Preikestolen-Parkplatz angekommen gönnten wir uns ein Bier am Außenausschank des Restaurants. 

 

 

Na, ja hätten wir besser lassen sollen, schmeckte nicht und war natürlich wie fast alles hier in Norwegen unglaublich teuer. 

Auf der Rückfahrt war noch genügend Zeit die Gegend zu erkunden. Wir sind bis nach Helle gefahren. Dort gab es den Einstieg in eine Bergtour und eine schöne Autofahrt entlang eines Baches.

 

Der dritte Tag sollte uns auf den Kjerag und nach Lysebotn führen.

 

Wir machten uns früh am Morgen auf den Weg. Bis Lysebotn waren es 85 km. 

Das "Adlernest"
Das "Adlernest"

Der Parkplatz am Øyegardstølen unterhalb des Kjerag liegt 650 m über Lysbotn und beide Lokalitäten werden durch eine atemberaubende Serpentinenstraße miteinander verbunden.

Die Wanderung zum Kjerag ist sehr anspruchsvoll.

 

Zunächst hangelt man sich an einem Kettengeländer den steilen Hang bis zum ersten Bergplateau hoch. Man muss wirklich beide Hände frei haben um sich ausreichend Unterstützung an den Ketten zu holen. Das Geländer ist hier und da etwas altersschwach und macht nicht immer einen sicheren Eindruck. Mut zum Risiko verbunden mit eigenen Inspirationen ist sehr von Nutzen um den ersten Teil des Aufstieges zu schaffen.

 

Nach der „Krakseltour“ ging es bergauf und bergab durch mehrere Täler. Immer wenn wir glaubten das Ziel ist nahe, ging es wieder bergab um dann vor Augen zu haben, dass der nächste Bergrücken erklommen werden will. Teilweise muss man aber auch auf dieser langen Strecke, die sich durch Höhen und Tiefen zieht, mutig, gelenkig und ideenreich sein. Manchmal wird der Weg etwas schmal, zieht sich an der Felskante entlang oder es gibt einen Felsvorsprung den man auf allen Vieren bewältigt. Aber eine extra Kletterausbildung braucht man nicht. Auch Seile und Haken sind nicht erforderlich um sich oder Freunde abzusichern. 

 

Immer wieder fanden sich Schneefelder, fröhlich sprudelnde Bäche, kleine Seen , zu grünen beginnende Täler mit gerade erwachenden Blumenpracht auf dem Weg zum Kjerag.

 

Der Winter hatte sich hier oben noch nicht völlig verabschiedet und die Natur begann gerade sich der Sonne entgegen zu strecken. 

Und dann …, endlich war es soweit. Der Kjeragbolte lag vor uns und wie beschrieben, einfach eingeklemmt in einer Felsspalte über dem Lysefjord.

 

Um bis an den Kjeragbolten zu gelangen, mussten wir durch ein Schneefeld stapfen. 

 

Wir standen nur ein paar wenige Meter entfernt neben dem „Bolten“. Uns wurde ganz mulmig bei dem Gedanken uns eventuell weiter vor, an die Felsspalte zu wagen um dann mit einem gewagten Sprung auf dem Stein zu landen. Viele von den Touristen tuen es und nehmen Foto davon mit nach Hause. Doch wir sind nicht so sensationslüstern und beschlossen diesen „einen Sprung“ nicht zu wagen.

 

Also gab es ein Foto vom "Bolte" ohne uns .  

 

 

 

 

Wir packten unser „Lunch-Paket“ aus, genossen die sagenhafte Aussicht auf den Lysefjord und auf Lysbotn und machten uns nach einer halben Stunde Ruhepause und „Sight- Seeing“ wieder auf den Rückweg.

 

 

 

 

Wir wollten auf dem Rückweg die Tour mit dem Kettengeländer umgehen und meinten auf einem Weg etwas abseits gelegen, das letzte Stück des Rückweges besser absolvieren zu können. Die Idee war allerdings nicht wirklich gut. Wir brauchten länger für das letzte steilere Stück und mussten uns an einer nicht gesicherten Felswand mit schmalen Kanten herunter winden. Also abseits des vorgeschriebenen Weges zu gehen, war gefährlich und absolut nicht zu empfehlen.

 

 

Nach 4,5 Stunden Kjerag-Wanderung (5,3 km einfach - von 676 m bis auf 1.066 m hoch) waren wir zufrieden, glücklich und gesund wieder am Parkplatz des Øyegardstolen angekommen.

 

 

Nun ging es mit unserem Auto die 27 Haarnadelkurven hinunter nach Lysebotn. Unten gibt es neben dem Campingplatz ein nettes Restaurant mit Terrasse.

 

Dort war noch Zeit für Kaffee und Kuchen.  Dann fuhren wir wieder heimwärts. 

Die Serpentinen hinauf zu fahren, war wesentlich angenehmer als runter ins Tal. Wir waren doch erleichtert nach dieser 10 km langen kurvenreichen Strecke wieder eine halbwegs normale Straße benutzen zu können.

 

Der Kjerag war unser letztes Ziel an diesem Pfingstwochenende und so ging es über den Pass wieder nach Hause nach Espetveit. 

 

Rückfahrt über den Pass in 1000m höhe
Rückfahrt über den Pass in 1000m höhe

 

Die Rückfahrt über den Pass war sehr schön. Hier liegt Ende Mai immer noch reichlich Schnee. An einigen Punkten ist man auf knapp 1000 m Höhe. Diese Stellen sind durch viele kleine Steinpyramiden, die Touristen aufgeschichtet haben, markiert. Wir haben natürlich auch unsere eigene Gipfelpyramide errichtet.

Als wir in heimatlichen Gefilden ankamen, war es schon spät am Nachmittag. Wir hatten für norwegische Verhältnisse hochsommerliche Temperaturen. Unten am Byglandsfjord zeigte das Autothermometer stattliche 29 Grad Celsius an und bei uns oben auf der Hausterrasse waren es immer noch 27 Grad. Da schmeckte ein kühles Bier nach der langen Reise besonders gut.

 

Unsere Pfingsttour war ein voller Erfolg und wir hatten nun die ersten Erfahrungen mit Wandertouren durch die Ryfylke.

Dieser Wochenendausflug war nicht nur eine Tour um die Umgebung besser kennen zu lernen. Nein, sie war gleichzeitig gedacht in Vorbereitung auf unser Seminargruppen-Treffen im September 2009. 

 

Unsere Pfingsttour war der sogenannte „Probelauf“ für die Ausrichtung des jährlichen Treffens mit unseren Kommilitonen aus der zurückliegenden Studienzeit. Wir kennen uns seit 1976 und in jedem Jahr verbringen wir mehrere Tage gemeinsam mit verschiedenen Aktivitäten und gemütlichem Beisammensein.

 

Gut, dass man Freunde hat!!!