05./06.08. 2015 Oslo

Osloer Schloss
Osloer Schloss

Unsere Pässe sind nun fast 10 Jahre alt und verlieren Ende des Jahres ihre Gültigkeit. Ohne gültigen Pass sind wir quasi staatenlos, "kein gutes Gefühl", finden wir. Für uns ist es mittlerweile möglich, die norwegische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Wir könnten dann, ab dem nächstem Jahr, als "waschechte" Norweger durch die Lande ziehen. Anfänglich hatten wir darüber nachgedacht, aber dann müssten wir unsere deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben. Eine doppelte Staatsbürgerschaft gibt es für Norweger nicht, entweder oder ist die Devise.

 

So oder so galt es, einen neuen Pass zu beantragen, was einen enormen Aufwand bedeutet. Dazu mussten wir extra nach Oslo an die deutsche Botschaft.

 

Glücklicherweise hatte sich Besuch aus Deutschland angemeldet und so hatten wir unsere Chance, die Tiere und  den Hof versorgt zu bekommen, um kurzzeitig nach Oslo zu reisen.

 

Aber man tauscht natürlich nicht einfach so den Pass. Nein, deutsche Bürokratie zieht sich bis nach Norwegen. Auf der HP der Botschaft gibt es zum Glück aber eine genaue Anleitung darüber, was man zur Antragstellung alles vorzulegen hat. Alle Papiere zu besorgen dauert ein wenig. Die Meldebestätigung bei der norwegischen Kommune darf aber nicht älter als acht Wochen sein und ein bio-metrisches Passbild ist ebenso wichtig. Für die Bestellung des Termins bei der Botschaft hat man also ein limitiertes Zeitfenster von gut acht Wochen. Da muss dann aber auch wirklich alles stimmen, ansonsten wird man gnadenlos wieder weggeschickt.

 

Es sind ca. 350 km von Espetveit nach Oslo wofür man gut 5 Stunden Fahrzeit einplanen muss. Es gibt hier nicht die Autobahnen, wie wir sie in Deutschland kennen. Die Straßen sind sehr unterschiedlich in ihrer Beschaffenheit, so dass man nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km /Stunde erreicht. Einige Kilometer der Strecke sind sehr gut ausgebaut. Da darf man sogar 110 km/h fahren! Dann gibt es wieder Abschnitte da quält man sich mit 40 km/h durch die Landschaft. Wir wissen natürlich um diese Probleme und haben uns zeitlich und mental gut darauf eingestellt.

 

Wir haben einfach aus der Not eine Tugend gemacht und unseren Botschaftsbesuch etwas ausgeweitet, um die Stadt ein wenig kennen zu lernen. Wir buchten deshalb ein Hotel, das war besser, als an einem Tag hin und zurück zu fahren.

 

Endlich angekommen, haben wir im Hotel eingecheckt und nebenbei eine horrende Parkgebühr für das Auto bezahlt. Wir waren davon ausgegangen, das dass Hotel Parkmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Das war zumindest auf der HP des Hotels so ausgewiesen. An der Rezeption wurden wir eines Besseren belehrt. Wir sind also rasch zurück zum Auto, haben am Automaten einen Parkschein gelöst und ins Fenster gelegt! Schlappe 50, 00 € kostete die Unterstellmöglichkeit für unser Gefährt pro Tag, nicht schlecht, dachten wir. Na, ja Oslo war ja bis vor kurzem noch die teuerste Stadt der Welt. Und dieses Flair haben wir gleich mal mit der Parkgebühr eingehaucht bekommen. Aber das war noch nicht alles! 

 

Wie sich kurz darauf zeigte, hatte man uns schon aufgelauert und einen Strafzettel verpasst. Er hing bereits am Scheibenwischer. Wir waren 2 Minuten zu langsam gewesen, haben darum gleich noch einmal 100 € Strafgebühr dazu bezahlt. Das war jetzt richtig happig!

Unsere Einsprüche beim Hotel, dem Reisebüro und dem Parkhausbetreiber waren zwecklos. Die redeten sich nur heraus und Einer gab dem Anderen die Schuld für eventuelle Informationsverluste. Zu guter Letzt waren wir die "Dummen".

Also...wer mit dem Auto nach Oslo reist, muss immer auf der Hut sein. Die warten nur darauf, dass wir "Touris" Fehler machen. Das war ein schlechter Oslo-Start und es konnte nur noch besser werden.

Um schnell zu vergessen, machten wir uns auf die Beine.

 

Ganz in der Nähe des Hotels befand sich der königliche Schlosspark mit dem sehr schlicht aussehenden Schloss, inmitten einer lichten Anhöhe des Parkzentrums.

Wir fanden den Park toll. Eine grüne Oase mitten in der Stadt, offen für Jedermann. Eine Wachablösung bekamen wir auch gleich präsentiert. Es war ein perfekter Empfang für uns. Ins Schloss konnte man auch hinein, allerdings mit entsprechender Führung und zu festgesetzten Zeiten. Das ist natürlich verständlich, wir wollten uns auch nicht immer auf den Tisch gucken lassen. Das Schloss ist nämlich die Wohnstätte der königlichen Familie und dient nicht nur der Repräsentation.

 

Vom Schloss gingen wir hinunter auf die zentrale Einkaufsstraße, die Karl Johans Gate. Es ist wohl die angesagteste Geschäftsstraße in Oslo mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, Hotels, Cafés und Restaurants.

 

In einem der Straßencafés machten wir es uns gemütlich. Das Wetter war herrlich und es waren Massen von Menschen unterwegs. Es war herrlich, dass bunte Treiben zu beobachten.

Nachdem wir Hunger und Durst gestillt hatten, ging es weiter durchs Zentrum bis zum Bahnhof, wo wir an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei spazierten. 

Da waren das markante Rathaus in dem alljährlich der Friedensnobelpreis verliehen wird, die Oslo Domkirke (Osloer Dom) sowie das Nationaltheater. Vor dem Nationaltheater fanden wir eine Statue von Bjørnstjerne Bjørnson, dem Verfasser des Textes der norwegischen Nationalhymne. 

 

Ein kleiner Richtungswechsel und schon befanden wir uns am Hafen. Und wie es der Zufall will, hatte gerade eines von den AIDA-Schiffen angelegt. Es war schon beeindruckend, dieses riesige Schiff so nah zu sehen. Aber es weckte in uns nicht das Fernweh, eventuell damit auf Reisen zu gehen. Ist nicht unser Ding, so ein „Massentransporter“.

 

Am Hafen befindet sich auch die ehemalige alte Festungsanlage Akershus (Akershus festning). Na, ja, sie ist nicht besonders anziehend, wie so eine kleine Festung eben ausieht, alte Gemäuer,  ein Schutzwall, Kanonen und ein einsamer Wachsoldat, hier eine Soldatin in traditioneller Uniform, die dem Ganzen ein historisches I-Tüpfelchen aufsetzte.

Von der Festungsanlage hatten wir einen herrlichen Blick über Oslo. Wir konnte sogar die Skisprunganlage Holmenkollen ausmachen.

Oslo war 1952 Ort der Olympischen Winterspiele die unter anderem am Holmenkollen ausgetragen wurden.

 

Am Abend kehrten wir in ein italienisches Restaurant ein. Das Essen war mäßig und der Wein nicht viel besser und zu den Preisen muss man wohl nichts schreiben.

 

Am nächsten Morgen in der Früh hatten wir den Termin in der Botschaft. Schnell alle Papiere abgeben, Fingerabdrücke hinterlassen und 80 €  pro Person für den neuen Pass bezahlt und schon war der offizielle Teil unserer Reise beendet.

 

Wir schlenderten nochmals durch die Stadt. Am Frogner Park mit der Vigeland-Anlage (Skulpturen von Gustav Vigeland) gingen wir nur vorbei, nicht hinein ... wir sind nicht die wirklichen "Museumsgänger". Kurz darauf verweilten wir in einem Straßencafe, wo es nach Ralfs Aussage den besten Cappuccino gab, den er je getrunken hatte.

Tja, und dann entschlossen wir uns kurzerhand, den Oslo Aufenthalt zu beenden und wieder Richtung Espetveit zu düsen. 

 

Oslo ist zumindest im Zentrum eine sehr aufgeräumte, saubere und sicher auch sehenswerte Stadt. Aber mehr als zwei Tage Oslo brauchten wir gegenwärtig nicht. Wir sind nicht so richtig "warm" geworden mit dieser Stadt. Vielleicht hatten wir aber auch einen Klos im Magen...wegen der etwas unsanften Begrüssung!?