21.08.2015                      

Ein Ausflug nach Lista 

 

 

 

 

Lista ist ein Halbinsel an der südwestnorwegischen Küste. Die Halbinsel gehört zur Kommune Farsund.

 

Über das Landesinnere, also von uns aus, kommt man zunächst durch Lyngdal, eine kleine Stadt mit knapp über 7.000 Einwohnern, die rund 70 Kilometer westlich von Kristiansand landeinwärts liegt. Der Ort Farsund selbst hat einen sehr hübschen Hafen, bestens geeignet, um schicke Urlaubsfotos zu machen. Wir waren allerdings auf andere Dinge aus. Uns interessierte heute der Leuchtturm von Lista und Teile der Lista Festung, im Besonderen das Nordberg Fort. Es stellt eine Abwehranlage der deutschen Besatzer im zweiten Weltkrieg dar, die in einen felsigen Hügel bei Borhaug hineingebaut wurde. Lista war nach Ansicht der Wehrmacht bestens für eine Landung von See aus geeignet, so wie es in der Normandie geschehen ist. Deshalb der Bau der „Naturfestung“ um eine Landung von Seeseite im Norden zu verhindern. 

 

Der Leuchturm und die Festung sind sehr gut über einen Wanderweg entlang der flachen Küste zu erreichen. Man muss also nicht unbedingt alles mit dem Auto abfahren. 

 

Die Strecke, welche wir mit dem Auto zurück legten, findet ihr hier.  

 

Auf dem Weg nach Lista wollten wir uns zunächst die „Lachstreppe“ anschauen. 

 

Sie befindet sich am 36 m hohen Kvåsfossen.

 

Im Berg wurden ein 300 m langer Tunnel und eine Berghalle gebaut.

Hier wird der Lachs über die „Lachstreppe“ am Wasserfall vorbei und weiter nordwärts geleitet. 

Lachse, Meeresforellen und Aale könne durch große Fenster in der Berghalle betrachtet werden. 

 

Doch leider war das Glück uns bei diesem Vorhaben nicht hold. Am Eingang zur Berghalle wird gebaut, so dass der Zugang nur zu bestimmten Zeiten möglich ist. Wir waren am Vormittag zur Stelle und es war geschlossen. Schade, wir hätten uns dieses Naturschauspiel schon gerne angesehen.

 

Wir haben ein tolles Video im Internet gefunden, wo zu sehen ist, welche Anstrengungen der Lachs am Kvåsfossen unternehmen musste, um den Wasserfall zu überwinden. Das war bevor der Mensch die  "Lachstreppe" baute, ... aber seht selbst   

  

Also ging es ohne "Lachstreppe" für uns weiter nach Lista. 

 

Wir haben zunächst den Sandstrand von Borhaug besucht und dort eine kurze Pause eingelegt. Der Strand ist sicher mehr als einen Kilometer lang, feinsandig und hat sogar Dünen.

Wenn man das sieht, wundert man sich schon etwas. Norwegen ist eigentlich nur für seine felsige und zerklüftete Küste bekannt. Sandstrände gibt es sehr wenige. Am bekanntesten sind wohl die sandigen Badebuchten von Mandal. Für ein Bad war es heute allerdings zu kalt und auch viel zu windig.

  

Wir haben es uns an einem Rastplatz im Schutz eines kleinen Küstenwaldes gemütlich gemacht.

 

 

Dort stehen rustikale Tische und Bänke, was genau das Richtige Ambiente für unser Lunch war.

 

Nachdem wir uns gestärkt hatten, sind wir zum Leuchtturm gefahren. Der ist sehr nett anzusehen. Er bietet eine perfekte Postkartenidylle. Auf unserer Besichtigungstour haben wir etliche Fotos gemacht. Wir sind allerdings nicht auf den Turm geklettert. Am Eingang zum Turmgelände gibt es einen kleinen Laden. Dort kann man Andenken kaufen oder auch einen kleinen Imbiss, Kaffee und Eis bekommen.

Da es noch recht früh war, haben wir beschlossen den Küstenweg zur Festung zu laufen. Ralfwar es dabei ein wenig mulmig, denn der Weg war weit und der Festungshügel aus der Ferne recht hoch. Liane hat das optimistischer gesehen und Ralf wollte am Ende kein Spielverderber sein. Also haben wir uns aufgemacht, die Festung zu erwandern.

Wir folgten dazu dem gut markierten Küstenwanderweg (blaue Markierung; "Kyststien"). Der Küstenwanderweg beginnt schon in Farsund und ist etwa 27 km lang. Unser Abschnitt  war mit 5,3 km ausgeschildert. Hin und zurück also schon eine kleine Herausforderung. Der Weg ist anfangs gut ausgebaut. 

  

Nach dem ersten Kilometer kamen wir an einer Herde Alpakas vorbei. 

 

 

Die waren zu unserer Freude sehr neugierig und kamen an den Weidezaun. Sie waren sehr liebevoll geschoren worden.

Ihre Wolle ist wesentlich wertvoller als Schafwolle, besonders die der schwarzen Tiere. Diese kleine Herde war kunterbunt und wirklich sehr schön anzusehen.

Alpakas sind Verwandte der Lamas, wurden aber nicht aus ihnen, sondern aus Guanacos und Vicunjas gezüchtet. Wir konnten uns sofort vorstellen, auch so eine kleine Herde zu haben, waren aber dann doch mit unseren Schafen zufrieden, die ja auch wirklich besser nach Norwegen passen.

 

Der mittlere Teil des Weges führt über zahlreiche Weiden, die direkt am Meer liegen. Es ist ein sehr romantischer Wanderweg. Allerdings sollte man bei all den schönen Ausblicken auch immer ein Auge auf den Boden richten. Man kann leicht einmal in einem Kuhfladen ausrutschen.

 

Nachdem dieser Abschnitt bewältigt ist, kommt man durch einen Küstenwald, der von einer berühmten Weide, dem Gräberfeld  "Sausebakk" mit dem Fruchbarkeitssymbol Vanen, unterbrochen wird. Es ist eine der ältesten und intaktesten Kulturlandschaften Norwegens. 

 

Das folgende Bild haben wir von einer Schautafel, die am Gräberfeld aufgstellt war, abfotografiert. 

Das Fruchbarkeitssymbol Vanen kann darauf hindeuten, dass "Sausebakk" als Kultstätte diente. Für die Menschen der Frühgeschichte war Fruchbarkeit sehr wichtig. Der fruchbare Boden gab Nahrung und stellt damit die Lebensgrundlage dar Die Vanen (auch Wanen geschrieben) sind ein  Göttergeschlecht der nordischen Mytologie mit Fruchbarkeitsgöttern wie Njord, Frey und Freya. Z.B. opferte man dem Njord um sich Glück auf dem Meer, eine sichere Reise und reichen Fischfang zu sichern. 

 

Während des 2. Weltkrieges wurde das Gräberfeld von den deutschen Besatzungsgruppen teilweise zerstört. Hier wurden, als Teil der Verteidigungsanlage "Festung Lista" , deutsche Militärstellunegn eingerichtet. 

 

Der Bautastein oder Vanen in Form eines kleinen Felsens, stand für uns unübersehbar auf der Weide.  

Nach dem langen, etwas anstrengende Anstieg hoch zur Festung wurden wir mit einem tollen Rundblick belohnt. Am Eingang zur Festung gibt es ein kleines Museum, kombiniert mit Einkaufsladen und Souvenirgeschäft. Wir haben aber nur durch die Fenster geschaut und können nichts Näheres darüber berichten.

Auf dem Marsch zurück gingen wir durch den düsteren Küstenwald. 

 

Nachdem wir insgesamt 8 km gelaufen waren, machte sich der Flüssigkeitsverlust bemerkbar. Es war sehr windig, sonnig und warm. Wir hatten zwar unseren Rucksack mit Proviant für den heutigen Tag gepackt, aber leider für den Fußmarsch zur Festung im Auto vergessen. Wieder an unserem Gefährt angekommen, haben wir erst einmal unseren Durst gestillt. Ja, und dann wollten wir uns noch ein „schönes“ großes Eis kaufen. Denkste, der Laden im Leuchtturm hatte bereits geschlossen.

 

Da blieb uns nichts weiter übrig, als ins Auto zu steigen und uns auf den Heimweg zu machen.

 

Mit einem tollen Abendessen auf unserer sonnigen Terrasse haben wir den Tag ausklingen lassen. Etwas weich in den Knien, aber sehr zufrieden mit dem Tag, saßen wir draussen bis die Sonne hinter den Bäumen verschwandt.

 

 

Lista ist ein lohnendes Ziel!