30.08. 2019  

 

Mit "Brunost" in der Gegenwart durch  Undredal und

 

durch die Vergangenheit in Njardarheimr,

im Land der Wikinger 

 

 

Auch am heutigen Morgen nieselt es leicht und der Himmel ist mit dicken Wolken verhangen.

 

Egal, erst mal gefrühstückt und dann weiter sehen.

 

Gestern auf unserer Fjord-Safari hatten wir ein Dorf am Hang gesehen mit dem Namen Undredal.

 

Laut Touristeninformation und den Wegweisern an der Straße nach Flåm soll sich da eine alte Stabkirche befinden.

Da wir auch heute keine Lust hatten im Nieselregen oder allenfalls trüben Wetter auf die Berge zu ziehen, von wo man aus dann wahrscheinlich außer Wolken nichts sehen kann, entschlossen wir heute einen Kultur-Tag einzulegen.

 

 

Am Vormittag wollten wir ins Undredal und der Nachmittag sollte uns in die Vergangenheit nach Njardarheimr führen.

 

Ab ins Auto und den Hinweisschildern nach Undredal mit seiner Stabkirche gefolgt.


Die Kirche soll die kleinste Stabkirche Skandinaviens sein. Wir waren gespannt wie klein sie wohl ist, Liliput-Größe ???

 

 

 

 

Außerdem hatten wir gestern bei der Fjord-Safari erfahren, dass der süßlich schmeckende karamellisierte braune Ziegenkäse hier im Undredal seinen Ursprung hat.

 

 

 

Diesem kleinen Ort hat Norwegen seinen traditionellen weltbekannten und von allen Norwegern geliebten Brunost zu verdanken. 

 

 

 

 

Ich finde ja , dass dieser Käse furchtbar schmeckt und einen widerlichen süßlichen Geschmack hat, der nichts mit einem Käse gleich hat. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden… mein Ding ist der Käse auf jeden Fall nicht. 

 

 Nach nur 6 km Fahrstrecke fand sich ein Hinweisschild am Anfang des Ortes, dass das Auto hier abzustellen sei.

 

Der Nieselregen hatte inzwischen aufgegeben und so machten wir uns auf Erkundungstour ins Undredal.

 

Es ist ein kleiner Ort mit typisch norwegischen Holzhäusern und einer schmalen bitumierten Straße, die entlang eines Gebirgsbaches führt, der sich wie auch sonst, in den Aurlandsfjord begibt.

 

Die Landschaftlich war sehr schön anzusehen. 

 

 

 

Fast am Ende der Straße mit einem Schwenk nach links, tauchte die Kirche des Ortes auf.

 

 

 

Etwas enttäuscht waren wir schon, als wir dieses zwar kleine jedoch nicht so besonders wirkende weiße Gebäude sahen. Und Liliput-Größe hatte dieses Gebäude auf keinen Fall.

 

 

Die Original-Stabkirche, welche 1147 errichtet wurde, brannte zwischendurch mal ab, so dass jetzt nicht mehr die alte geschichtsträchtige und stilechte Kirche zu sehen ist. Fotografiert haben wir die Kirche trotzdem, war ja auch ganz nett anzusehen. 

 

 

Wir hätten auch gern mal einen Blick rein geworfen , aber die Kirche war verschlossen.

 

Ein Hinweisschild gegenüber der Kirche verriet uns, dass man eine Telefonnummer anrufen könnte und für 10 NOK pro Person man dann durch die Tür schreiten darf.

 

Da hatten wir jetzt keine Lust drauf und so blieb uns das Innere der kleinsten Stabkirche Skandinaviens verschlossen. Auch gut, man kann nicht alles haben.  

 

Den Weg ging vorbei an der Kirche weiter entlang des Fjords. Dann wurde es glatt und unwirtlich, so dass wir beschlossen unsere Kurzwandertour abzubrechen und ins Dorf zu gehen.

 

 

Unten am Ufer war eine Gruppe von jungen Leuten mit ihrem Steh-Paddel angekommen. Es war recht frisch, aber die Jungschen hatte wohl soviel Wärme in sich, als dass das doch recht frische Wetter mit Nieselregen und Wind ihnen nichts ausmachte.

 

Übrigens hatte die „Steh-Paddler“ auch ihr Gepäck mit auf dem Surfbrett. Erstaunlich, wie mutig die jungen Leute sind da auf dem Auerlandsfjord bei Wind und Wetter zu paddeln.

 

Wir trafen die „Jugend“ weiter oben im Dorf wieder. Sie waren dabei ihre Zelte auf einem kleinen Campingplatz aufzubauen.

 

Hart gesotten…, ich hätte mir wahrscheinlich ein warmes Bad in einem kuscheligen Hotelzimmer gewünscht, alle Achtung, … es lebe die Jugend. 

 

Ein kleiner Krämerladen, ein altes Bootshaus und ein kleines Café mit Uferterrasse weckte unser Interesse. Hier im Café kehrten wir ein. Es war sehr einfach gehalten. 

 

 

Kaffee ,Tee, Milch oder Trinkschokolade bekamen wir an einer Selbstbedienungstheke.

 

 

 

Einmalig bezahlen und unendlich viel nachfüllen, so wie hier üblich in Norwegen in den alltäglichen Restaurants.

 

Das besondere allerdings hier war, dass egal was man sich nachholte, immer die selbe Tasse zu benutzen war. Keine Chance eventuell nach einem Kakao sich eine neue Tasse für den Tee zu nehmen. Ein aufmerksames verwarnendes Augenpaar verfolgte einen Jeden, der nachfüllte.

Egal, man kann sich auch an einen Tee mit leichtem Kakao oder restlichen Kaffeegeschmack gewöhnen.

 

 

Hier in diesem kleine Café mit der Terrasse verweilten wir knapp eine Stunde. 

 

Dann ging es wieder zurück zum Parkplatz und zum Hotel.

 

Auf dem Rückweg versperrte uns eine Herde mit Ziegen die Straße. Sie dachten nicht daran den Weg für das Auto zu räumen und so stieg ich kurzerhand aus dem Auto und versuchte mit meinem Schäferinnensinn, die Tiere von der Straße zu bekommen.

 

Und nach einem ausgiebigen Gespräch von Ziege und Schäferin trotteten die Tiere langsam von der Straße, aber wirklich ganz gemächlich, nur keine Hektik an den Tag legen.  

 

 

 

 

Der Nachmittag war der Vergangenheit vorenthalten. Ab ging es in die Wikingerzeit nach Njardarheimr, nur einen Brückenschlag neben unserem Hotel gelegen.

 

 

Es kostete Eintritt (wieviel ???,… weiß ich nicht mehr) und kassiert hat das eine „englische Wikingerfrau“. 

 

Vielleicht gleich am Anfang erwähnt.

 

Bis auf wenige norwegische Ausnahmen trafen wir überwiegend Wikinger englischer Herkunft.

 

D. h., die Engländer haben die Wikingerzeit hier in Njardarheimr für sich entdeckt und die „Besatzung“ ist überwiegend aus England hier wohnhaft.

 

Etwas eigenartig anmutend… englische Wikinger.

 

Nun weiß ich nicht genau die Hintergründe, inwieweit die Wikinger gegenüber den Engländer in der damaligen Zeit erfolgreich waren. Aber vielleicht wollen die Engländer auch mal auf der Gewinnerseite sein und üben sich jetzt im „Wikingisch“.

 

 

Es handelt sich hier nicht um Schauspieler in Kostümen, sondern um „echte“ Wikinger jeden Alters, die die Wikingerzeit als einen Lebensstil pflegen. 

 

Doch jetzt wieder zurück in die Vergangenheit.

 

In der Wikingerzeit war Gudvangen ein bedeutender Handelsplatz. Gudvangen am Nærøyfjord ist bekannt als „der Ort der Götter. Der Nærøyfjord ist Njord gewidmet, dem Gott des Handels und des Segelns. Die Wikingerzeit dauerte von 800 bis 1066. In dieser relativ kurzen Zeit haben die Wikinger nicht nur die norwegische Kultur, sondern auch Europa geprägt.

 

 

Das Wikingerdorf Njardarheimr soll ein authentisches Dorf sein, das zeigt, wie die Wikinger vor 1000 Jahren gelebt haben, als Gudvangen seinen Namen erhielt.  

 

Wir sahen verschiedene Handwerker, die Produkte wie zum Beispiel Schuhe nach alter Überlieferung herstellten. Wir konnten Töpfern und Webern zu sehen und erfuhren aus welche Naturgrundstoffen die Wikinger ihre Farben gewannen und welche Farbe welche Bedeutung hatte. Nicht alle Wikinger durften alle Farben tragen. Bestimmte, meist die schwer herstellbaren Farbtöne, waren nur höhergestellten Personen zugänglich. Es gab also schon hier eine eindeutige an der Bekleidungsfarbe zugeordnete leicht und für alle sichtbare Hierarchie. 

 

Alle Produkte, die hier im Dorf hergestellt werden sind authentisch, werden handgemacht und können im angrenzenden Laden gekauft werden. 

Für mich war sehr beeindruckend wie eine junge Frau uns das Schmiedehandwerk demonstrierte.

 

Ich wusste nicht, dass diese teilweise körperlich schweren und auch filigranen Arbeiten zu der Wikingerzeit auch von Frauen erledigt wurden.

 

Aber logisch, wenn die Wikinger-Männer jahrelang auf Raubzug waren, mussten die Frauen zu sehen, wie sie überlebten.  

 

 

Auch das Kampfhandwerk wurde uns demonstriert.

 

Wir spannten einen Wikingerbogen selbst und versuchten uns im Axtzielwurf.

 

Es soll erst mal einer hinbekommen, dass die Axt, die man wirft auch wirklich da stecken bleibt, wo sie sitzen soll.

 

Geschweige überhaupt einschätzen zu können wie viel Kraft und Augenmaß man benötigt um Pfeil oder Axt zu platzieren. 

 

Es fanden sich Tiere wie Ziegen und Hühner in den für die damalig typische Unterbringung, wie Hühnerhaus und Einfriedungen und Ställe. 

 

Auch einen Dorffriedhof gab es , wobei nach den Wikinger alle großen und kleinen Krieger ja nach Walhalla kommen.

 

Das Wikingerdorf ist wirklich ein Ort, wo man glaubt, dass die Zeit stehen geblieben ist.

 

Es ist ein Ort, an dem man Menschen trifft, die die Vergangenheit identisch leben und all das im Einklang mit historischen Elementen.

 

 

In jedem Sommer gibt es hier den traditionellen ein Wikingermarkt mit wohl unvergessliche Erlebnisse. 

 

Hier ein Link dies betreffend.

 

  

Auf einer Informationstafel kann man lesen:

 

Das Dorf umfasst über 1 500 m² mit Gebäuden.

 

 

Über 500 m³ Holz wurden für den Bau des Ortes verwendet.

 

Die Schnitzereien basieren sämtlich auf Fundstücken aus der Wikingerzeit, haben jedoch ein einzigartiges Design.

 

Die Häuser wurden ausgehend von Erfahrungen bei früheren Rekonstruktionen aus der Wikingerzeit gebaut, jedoch auf die Bedürfnisse von GUA und Materialien vor Ort angepasst.

 

Die Eisenbeschläge von Türschlössern wurden alle von einem Schmied angefertigt, der umfangreiche Erfahrung in diesem Handwerk hat.

 

Sämtliche Farben, die zur Dekoration der Orts verwendet wurde, wurden auf authentische Art hergestellt. Zum Beispiel aus Rinderblut.

 

 

Beim Bau des Dorfes wurden nur Materialien verwendet, zu denen man am Fjord Zugang gehabt hätte.

Beispiele hierfür sind der Torf und die Dachschindeln, die bei der Errichtung von Stabkirchen genutzt wurden.

 

 

Wir versanken mehr als 3 Stunden in der Vergangenheit.

 

Die „Wikinger“ waren alle sehr freundlich und versuchten uns das Tor zu ihre Zeit zu öffnen.

 

Ich musste immer wieder an die Fernsehserie „The Vikings“ denken, die ich übrigens aufgrund ihres historischen Hintergrunds faszinierend finde.

 

Um 18.00 Uhr schlossen die Wikinger ihre Pforten und wir begaben uns zurück in die Gegenwart.

 

Das bedeutete treffen im „Langhaus/Tinghaus“ zum gemeinsamen Abendessen. Es gab wikingertypische Speisen, … z.B. Lapskaus, Rentierbraten, Lachs....

 

Spät abends auf dem Zimmer bei Wein und Bier schmiedeten wir den Plan für den morgigen Tag.

 

Das Wetter sollte „heiter“ werden und somit ging es wieder ab in die Berge. Wir wollten mit der Flåm-Bahn nach Myrdal fahren und den Weg dann zurück nach Flåm laufen.

 

Anschließend sollte der Besuch des Stegastein unsere Touren hier im Aurlandsdalen krönen.

 

 

Ein straffes Programm, was wir uns vor genommen hatten. Mal sehen ob es gelingt.