29.06. 2016 Kaiserroute, dritter Teil

 

Für heute hatten wir uns nichts Besonderes vor genommen.

Wir wollten einfach ein wenig an der Küste Strandgang machen und zum Abend mit Einys Boot auf die Vogelinsel gegenüber unserer Unterkunft schippern.

 

Aber meist kommt es ja anders als geplant. So auch heute.

 

Mit dem Auto auf der Straße in Richtung Raftsund kam Ralf die Idee doch die Kaiserroute mit den beiden letzen Orten abzuschließen. Das Wetter war gut und so fuhren in Richtung Dingermulen.

 

Von Valen geht ein Abzweig in Richtung Storfjell, was unser Ziel war.

 

 

Die Gegend war wieder beeindruckend. Hohe Berge, schmale Täler und immer wieder da und hier ein Fjord mit größeren und kleineren Inseln. Die Fjorde öffneten sich meist zum Meer und immer wieder die unendliche Weite des Wassers.

  

Am kleinen Hafen von Holandshamn
Am kleinen Hafen von Holandshamn

 

 

Wir machten einen kurzen Zwischenstopp in Holandshamn.

 

 

 

 

In der Vergangenheit ging hier das Schnellboot von Svolvær nach Narvik.

 

Am Kai trafen wir ein paar deutsche Angler, die ihren frischen Fang säuberten. Die Möwen warteten auf ihre Ration, der auch promt ins Wasser gekippt wurde. Hier kommt nichts um. Was aus dem Meer kommt und nicht vom Menschen verwertet werden kann, geht zurück ins Meer. 

Ansonsten, bis auf den wie so oft faszinierenden Blick aufs Meer mit seinen unendlich vielen großen und kleinen Inseln, welches ein Bild der Unendlichkeit vermittelten, gab es nichts Erwähnenswertes. Der Ort ist still und unscheinbar.

 

Storfjell sollte nur 4 km weiter liegen und so ging es zurück zum Auto. Die Straße wurde auf den letzten Kilometern zum Schotterweg , sehr schmal und es ging hoch und runter.

 

 

In Storfjell (ca 25 km von Digermulen entfernt) parkten wir ca 200 m vor dem Kai. Hier war ein Parkplatz ausgewiesen und der kostete 20 NOK, welche in einem Postkasten einzuwerfen waren. 

 

 

Storfjell besteht aus ein paar Wohnhäusern, Ferienhäusern und einer großen Lachsaufzuchtanlage. 

 

Von Storfjell geht ein Weg weiter hoch ins Gebirge entlang der Küste.

Der Weg wurde 1996 von einheimischen Frauen in den Felsen gesprengt und geschaufelt. Dem Erzählen nach, wollte der norwegische Staat den Zugang zu ihren Häusern nicht weiter ausbauen. Und so taten sie , was die meisten Frauen tun, wenn sie sich unangemessen behandelt fühle,... sie nehmen es selbst in die Hand.

 

 

 

Wir folgten dem Kjerringsveien , der uns nach 1,5 km an den Kalvhaupollen und nach 4,5 km nach Hamneset führen sollten.

 

 

 

Es ging auf einem schmalen Pfad berauf und bergab entlang der Küste mal mehr am Gebirge und mal mehr am Meer.

 

 

Letztlich liefen wir 6,7 km und haben weder den Kalvhaupollen noch den Hamneset ausmachen können. 

 

Die 6,7 km führten uns an einen kleinen ehemaligen Bauernhof am Fjord.

 

 

Hier trafen wir einen Professor für Fischereiwissenschaften an der Universität in Tromsø, der den Hof vor 10 Jahren gekauft hatte und seit dem hier am Werkeln ist.

Er war gerade dabei ein Gästehaus auf seinem sehr schön gelegenen Anwesen selbst zu bauen. Das Baumaterial wird mit einem Boot über den Fjord geschippert. Es wäre wohl auch unrealistisch alles auf dem Landweg auf Schusters Rappen zu transportieren.

 

Er meinte nur, dass er alles selbst macht, weil es ihm ein gute Gefühl gibt, dieses Haus erschaffen zu haben. Und auch die enorm hohen Preise für Handwerksarbeiten, lassen ihn das Meiste auf dem Hof selbst erledigen.

Er müsse als Professor mindestens 2 Stunden arbeiten um einen Handwerker für eine Stunde zu bezahlen.

 

Ja, das konnten wir nur bestätigen, denn diese Erfahrung haben wir auch bereits auf unseren Hof gemacht.

 

 

Er empfahl uns noch auf einen Berg in der Nähe des Grundstücks zu steigen. Wir verabschiedeten uns und folgten dem Vorschlag .

 

Es ging durch Gestrüpp einen schmalen Pfad entlang und dann standen wir über dem Meer mit einem beeindruckenden Rundblick.

 

Wir packten unser "Nistepakke" aus mit frischem Brot, Käse und Bananen. Dazu tranken wir frisches Quellwasser von einem Wasserfall auf dem Weg hier her aufgefangen.  

 

Nach dieser ungeplanten Wanderung waren wir durch geschwitzt, die Füße ebenfalls pitschnass und die Zeit saß uns im Rücken.

 

Wir hatten uns mit Einy um 18:00 Uhr zum Essen verabredet. Sie wollte für uns Forellen backen. Danach hatte sie uns zu einer Tour über Meer zu einer kleinen Insel eingeladen.

Nur gut, dass es auch in dieser völligen Abgeschiedenheit Mobilfunkdeckung gibt. Wir riefen Einy an und verschoben unser Abendessen um eine Stunde.

 

 

 

Einy hatte die Forelle nur wenige Stunden zuvor geangelt.
Einy hatte die Forelle nur wenige Stunden zuvor geangelt.

Um 19 .00 Uhr waren wir in Myrlandsstranda und das Essen war mal wieder köstlich. 

 

 

Schnell geduscht und ab mit dem Boot auf die Insel. Hier befindet sich ein Vogelparadies. Eine große Anzahl von verschiedensten Vögeln flogen über unseren Köpfen und beschimpften uns aus der Luft. 

Auf der Insel gibt es blühende Wiesen, ein paar Bäume und Gestrüpp.

 

Ansonsten ist die Insel gesäumt von Stränden aus Muschelkalk.

 

Im Zentrum der Insel befindet sich ein Friedhof, wo die verstorbenen Einwohner, der umliegenden Inseln, beigesetzt sind. Einys Vater liegt hier seit 20 Jahren und eine große Anzahl weiterer Verwandter.  

 

Den ganzen Tag hatten wir eine dünne Wolkenschicht, die die Sonne bedeckte. Es war zwar warm , aber "Klärchen" wollte einfach nicht hervorkommen. Jetzt war es inzwischen 22:00 Uhr und der Himmel öffnete sich langsam.

 

Hier auf der Insel die umgebenen Berge im Sonnenlicht zu sehen war schon ein "AHA Erlebnis". Mal vom Meer im Mitternachtssonnenlicht auf die Küste geschaut, war einfach grandios. 

 

 

Wir hatten eine Fasche Sekt gekauft und tranken auf unseren letzten Abend unseren Aufenthaltes auf den Lofoten im Schein der Mitternachtssonne. 

 

Um 00:30 Uhr ging es mit dem Boot zurück. Wie mussten ja noch unsere Sachen packen. Der Flieger startete um 09:20 Uhr vom Leknes Flugplatz der 115 km entfernt Richtung Süden liegt. Dies bedeutet hier 2 Stunden Autofahrt.

 

 

Es war bereits weit nach Mitternacht als wir uns ins Bett legten. Die Wecker (zwei an der Zahl, aus Sicherheitsgründen) sollte bereits um 06:00 Uhr klingeln.   

1:30 Uhr Blick auf Meer von unserer Terrasse
1:30 Uhr Blick auf Meer von unserer Terrasse