28.08. 2019

 

Husedalen, das Tal der vier Wasserfällen

 

 

 

Heute ziehen wir um.

 

 

Es geht ins Aurlandsdalen nach Gudvangen am Nærøyfjord.  

 

 

Gestern bei der „Abendbesprechung“ war der Plan entstanden den morgigen Tag nicht allein als Umzugstag zu nutzen. 

 

 

Auf der Fahrt nach Gudvangen wollten wir eine Wandertour ins Husedal mit seinen vier Wasserfällen zu wagen.

 

 

 

Das Husedalen von Kinsarvik ist weltbekannt für seine vier großen hintereinander folgenden Wasserfällen.

 

Die Wasserfälle liegen auf unterschiedlichen Höhen und übertragen den Wassermassen des Kinso ihre Kraft.

 

 

Tveitafossen 180 m.ü.M.


Nyastølsfossen ca. 400 m.ü.M.


Nykkjesøyfossen ca. 600 m.ü.M.


Søtefossen ca. 800 m.ü.M.

 

 

Ob wir alle Wasserfälle erlaufen oder je nach Stimmung und Kondition die letzten Zwei auslassen, sollte auf der Tour entschieden werden.

 

Odda-Fjord mit Sicht auf den Folgefonna-Nationalpark
Odda-Fjord mit Sicht auf den Folgefonna-Nationalpark

 

Außerdem stand auf dem Plan eine ganz andere „Pflichtveranstaltung“ …, das Baden im Odda-Fjord.

 

 

Getan wie geplant, saßen wir alle nach dem Frühstück so gegen 09:30 Uhr im Auto einschließlich unseres gesamten Gepäcks.

 

Wir fuhren in Richtung Kinsarvik.

 

 

Nur 10 km vom Hotel entfernt zeigte sich links von der Strasse ein Terrain, was den Zugang zum Fjord ermöglichte. 

 

 

 

 

 

Das Auto abgestellt und schon ging es runter ans Ufer vom Fjord.

 

 

 

 

Das Wetter war wie auch in all den Tagen sommerlich warm und das Wasser sah glasklar… und

K A L T … aus.

 

 

Schnell die Klamotten vom Leib und schon wankten wir über die verschieden großen glatten runde Steine des Ufers zum Wasser. 

 

Ina hatte sich Badelatschen übergezogen, ein Handtuch um den Kopf gewickelt und schwups war sie auch schon drinnen. Matze und Thomas taten es ihr gleich.

 

 

 

Ich kam auf den glatten Steinen nicht so richtig vorwärts und borgte mir dann die Badelatschen, nachdem Ina dem Kälteschock wieder entflohen war, aus.

 

Aber das hätte ich mir auch sparen können.

Genau so schnell wie ich die Latschen an die Füße gezogen hatte, so schnell waren meine Füße wieder frei von ihnen nach dem Abtauchen ins kalte Fjordwasser.

 

Ich konnte gar nicht so schnell schwimmen wie ich glaubte mich bewegen zu müssen um meine Temperatur aufrecht zu erhalten.

 

Es war ein kurzes aber intensives Erleben.

 

Bloß schnell wieder raus um nicht noch im Wasser als Säule zu erstarren. Wieder in meine Sachen geschlüpft war mir richtig wohlig warm.

 

Nach diesem morgendlichen Bad ging es weiter nach Kinsarvik. 

 

 

Das Auto stellten wir am Parkplatz gegenüber dem Caimpingplatz, der direkt am Fjord liegt, ab. 

 

 

 

 

links unten vom Bild geht  der Weg entlang dem Kinso, rechts von der Strasse liegt der Parkplatz  der
links unten vom Bild geht der Weg entlang dem Kinso, rechts von der Strasse liegt der Parkplatz der

 

Es war wie immer, der Einstieg zum Wanderweg wollte sich uns nicht offenbaren.

 

Dabei war es so leicht.

 

 

 

 

Direkt gegenüber vom Parkplatz auf der anderen Seite des Husedalvegen fand sich eine zunächst für uns unscheinbare Hinweistafel. Hier begann der Weg ins Husedalen, welcher immer entlang dem Fluß Kinso ging. 

 

 

 

Der Weg geht zunächst über schmale Pfade durch den Wald.

 

Immer wieder hat man einen phantastischen Ausblick auf den Fluß, der mit seinen kräftigen Wassermassen in Richtung Fjord unterwegs ist. 

 

 

Der Wald öffnet sich plötzlich und es geht auf einem eingeschotterten Forstweg weiter.

 

 

 

Der Forstweg wurde wohl eigens angelegt um hier den Wald zu roden und die Stämme abtransportieren zu können. Genau so plötzlich wie gekommen, verabschiedet sich der Forstweg wieder und wir tauchten erneut ein in den Wald. 

 

 

 

Nach einer kleinen Variante mit Besuch eines „Alles und Nichts-Warenlagers“ fanden wir nach bereits 3 km Wanderung den Parkplatz Husedalen und damit offiziellen Startpunkt für die eigentliche Wanderung zu den Wasserfällen. 

Brücke über den Kinso und "Eingang" zum Husedalen.
Brücke über den Kinso und "Eingang" zum Husedalen.

 

 

 

 

Der Weg ging weiter entlang des Flusses und nach 1 km Wanderstrecke hatten wir den ersten Wasserfall, den Tveitafossen,  erreicht.

 

 

 

 

Es war beeindruckend am Fuße des Wasserfalls zu stehen und nach oben zu seinem Ausgangspunkt zu schauen.

 

Gischt umgab uns und in der Sonne spiegelten die unendlich vielen Wassertropfen wie kleine Diamanten im Licht.

 

 

Ein tosendes lautes Geräusch umgab uns, so dass wir uns anschreien mussten um das Wort des anderen zu verstehen. 

 

 

 

Neben dem Wasserfall ist das alte immer noch in Gang befindliche Wasserwerk zu sehen.

 

 

 

Das Kraftwerk wird als industrielle Revolution im Husedalen betrachtet. Es macht aus Wasser Energie seit mehr als 100 Jahren. 

 

 

Von hier aus gab es zwei Möglichkeiten weiter nach oben zu den anderen Wasserfällen zu kommen.

 

 

Entweder wir gingen hinter dem Kraftwerk neben dem Wasserfall Tveitafossen einen markierter (DNT) Wanderpfad nach oben.

 

Der Pfad führt sehr steil nach oben und zunächst entlang der Pipeline des Kraftwerkes.

 

Von dem Weg aus soll man eine tolle Sicht auf den zweiten Wasserfall Nyastølsfossen und auf das Tal haben.

 

 

 

Oder wir wählen den etwas abseits gelegenen vor dem Wasserfall nach links gehenden Schotterweg (abgesperrt mit einer Schranke) um weiter nach oben zu kommen.

 

 

 

 

Der Schotterweg wäre nach Informationen aus dem Internet einfacher zugehen als der DNT markierte Wanderpfad.

 

Allerdings endet dieser Weg etwas vor dem dritten Wasserfall Nykkjesøyfossen. Von dort aus muss man dann ohnehin dem markierten Wanderpfad folgen.

 

 

Wir entschieden uns für die Variante 1 um den Wasserfällen so nahe sein zu können wie es eben geht.

 

 

Zunächst folgten wir steil bergan den Fallrohren vom Wasserwerk. Es war wie eine steile Treppe zu steigen nur dass es keine richtigen Stufen gab, sondern man sich auf einem eingetretenen Pfad weiter nach oben schlängelte. 

 

 

 

 

 

Dann ging es auf einem schmalen nicht so steilen Pfad weiter durch den Wald.

 

 

 

 

Der Weg war teilweise mit gut angepassten Natursteintreppen präpariert.

 

 

 

 

 

Am Wegrand fanden sich immer wieder kleine „Aussichtsplattformen“ von wo aus man den Nyastølsfossen aus verschiedenen Höhenmetern betrachten konnte.

Etwa in der Mitte der Höhe vom Nyastølsfossen zeigte sich der Wasserfall in seiner vollen Pracht. Es war schon beeindruckend einem so gewaltigem Naturphänomen so nahe zu sein.

 

Irre wie die Massen von Wasser mit einer wohl nicht messbaren Geschwindigkeit runter ins Tal stürzen.

 

 

Ich verharrte ein paar Minuten, genoss das Naturschauspiel bevor es weiter nach oben ging.  

 

 

 

 

Der Weg führte dann wieder mehr in den Wald hinein und man hört das laute Tosen des Wassers , aber sieht den Nyastølsfossen beim weiteren Anstieg nur gelegentlich durch die lichteren Waldstücke. 

 

Jetzt ging es extrem bergan, teilweise auf blanken glatten Gestein quer durch den Wald.

 

Hier und da tauchte ein Hinweisschild vom DNT auf und dann war wieder „meilenweit“ kein Schild zu sehen.

 

 

 

Wir dachten einfach, dass es ja bergan gehen muss, denn der dritte Wasserfall, der Nykkjesøyfossen befindet sich in ca. 600 m.ü.M., … und so richteten wir unsere Nase `gen Himmel. 

 

 

Der Wald trug teilweise märchenhafte Züge und ab und zu meinte ich einen Waldtroll versteckt in oder hinter einem Baum zu erkennen.

 

Wer weiß denn schon alles über die norwegischen Trolle… ich nicht. 

 

Der Anstieg zwischen dem zweiten und dritten Wasserfall ist schon eine Herausforderung an Muskel und Gelenke.

 

 

Endlich veränderte sich das Wanderprofil und der Weg führt uns jetzt durch einen lichten Kiefernwald und es wurde sanfter und ruhiger um uns herum. 

 

 

Plötzlich öffnet sich der Wald und wir treffen auf das nächste Plateau.

 

Es ist ein wundervolles kleines Tal mit Wiesen, kleinen Baumgruppen und dem Kinso, der wie ein seichter breiter Bach hindurch fließt.

 

 

Am Ende des Tals ganz im Hintergrund fällt der Nykkjesøyfossen vom Berg.

 

Es kommt einem wie ein kleines Paradies für Wanderer vor. Nur wer hier hinauf wandert hat das Glück dieses wunderschöne kleine idyllische abgeschiedene Tal, Nykkjesøy, zu sehen. 

 

Blick auf Nykkjesøy aus der Höhe vom Nykkjesøyfossen
Blick auf Nykkjesøy aus der Höhe vom Nykkjesøyfossen

 

 

 

 

Na ja, ganz so abgeschieden ist es doch nicht.

 

 

 

 

 

In einer abgelegenen Seite des Tals befindet sich vom DNT eingerichtet eine Versorgungshütte und „soziale“ Einrichtungen, wie Toilette, Abfallentsorgung usw., ...

 

... Idylle ade`, ... etwas träumen darf man ja, … und wenn man den Blick mehr fokusiert ist nur dieses märchenhafte Tal mit Bergen, Wiesen, Bächlein, Baumgruppen und Wasserfall zu sehen.

 

 

Bis fast auf diese Höhe diese Plateaus soll auch der eingeschotterte Waldweg führen. Gesehen haben wir ihn nicht auf unserem Weg durch den Wald hier hoch. 

 

Durch das Tal hindurch geht es weiter um an den Ursprung des Nykkjesøyfossen zu kommen.

 

Der Weg führt wieder sehr steil bergan. Teilweise finden sich wieder Naturtreppen, teilweise muss man kleinere Klettereinlagen hin legen um weiter nach oben zu gelangen.

 

 

Gute Kondition mit etwas Mut zum Risiko haben wir ja in den letzten Tagen bereits bewiesen und sind uns auch hier von Nutzen. 

 

 

Das nächste Felsplateau, rechts liegend vom Reinsbrekkene, ist erreicht und es eröffnet sich für uns ein Wahnsinnsausblick.

 

 

Wir können direkt bis an den Ausgangspunkt vom Nykkjesøyfossen gehen , bevor sich dieser mit enormer Geschwindigkeit ins Tal wirft. 

 

 

 

 

 

Hier oben bläst ein kräftiger kalter Wind.

 

 

 

 

 

Es ist beeindruckend wie sich das Wasser über das Plateau schlängelt. Mal ganz ruhig und flach und dann wieder in große Eile durch große ausgespülte Steinbecken um sich dann zu sammeln und als großes Ganzes ins Tal zustürzen.

 

 

Unser Ziel ist erreicht!

 

Der Søtefossen (800 m.ü.M) schaut mich über dem flachen Bergkamm aus einer Entfernung von ca 500 m verlockend an.

 

 

Und in meinen Beinen fängt es an zu zappeln.

 

 

Nur 500 m und ich kann am Fuße des 4. Wasserfalls stehen. Und wie von allein setzen sich meine Beine in Bewegung weiter hoch in Richtung vom Søtefossen. 

 

Der Fels ist sehr glatt, wie abgeschmirgelt und es ist auch wieder eine Klettereinlage gefragt. 

 

 

 

Und nach ein paar Minuten bekomme ich die Gischt des des Wasserfalls ins Gesicht.

 

 

 

 

Ich bin angekommen. Zu meinen Füßen ergießt sich das Wasser vom Søtefossen.

 

In einem Becken wird das Wasser zunächst gesammelt um sich dann über das Felsplateau in Richtung Nykkjesøyfossen zu bewegen. 

 

 

 

Ich fühle mich hier oben etwas unwohl so ganz allein… , warum auch immer , ich verlasse den Platz und begebe mich zurück zu den Anderen, die immer noch beim Nykkjesøyfossen zu sitzen scheinen. 

 

 

Es war gar nicht so einfach, die richtige Stelle für die Klettertour zurück wieder zu finden.

 

 

 

Der Berg ist hier oben sehr steil und nur ein Zugang ist möglich.

 

Froh diesen endlich wieder gefunden zu haben, stehe ich nach einer 1/2 Stunde Abwesenheit wieder bei den Anderen. 

 

Unterhalb meiner Füße "mein Badebecken".
Unterhalb meiner Füße "mein Badebecken".

 

Inzwischen ist Matze im Wasserfall baden gewesen.

 

Ja, und ich wollte das auch.

 

Schnell eine seichte Stelle im Auffangbecken gesucht und gefunden und ab ging es ins Wasserfallwasser.

 

Mit Schwimmen war da nicht viel. Kurz abtauchen und schnell wieder raus.

 

 

Wenn einer denkt, dass das Wasser im Fjord eisig kalt ist, der hat noch nicht im Wasserfallwasser in 600 m Höhe gebadet. 

 

 

 

Nach fast einer Stunde Aufenthalt hier oben ging es wieder retour.

 

 

 

 

Eine kleine Lunchpause gönnten wir uns nochmals im Nykkjesøy.

 

 

 

 

Es war so traumhaft, dass wir noch ein paar Minuten Auszeit von der Wirklichkeit nahmen. Unser Matpakke, welcher wir bislang nicht angefasst hatten, wurde geöffnet und der Inhalt genüsslich verspeist.

 

Gestärkt und ausgeruht ging es stracks zurück.

 

Wir hatten ja noch die Fahrt nach Gudvangen anstehen und das waren noch ein paar Kilometerchen. 

 

 

Um den Rückweg etwas schneller zu gestalten und den steilen Abstiegen zu entrinnen, schwenkten wir nach einem Hinweisschild im Wald auf den eingeschotterte Weg über.

 

Die Beinen waren schon etwas lahm und wir wollten kein Risiko beim Abstieg auf dem rutschigen felsigen Untergrund riskieren.

 

 

Vorbei am Wasserwerk, entlang durch den Wald kamen wir endlich wieder am Parkplatz an. 

 

 

Es war jetzt 18:30 Uhr und bis zum Hotel war es mindestens noch 2 Stunden zu fahren.

 

Die Küche hatte bis zu unserer Ankunft da sicher schon geschlossen.

Kurzerhand entschloss sich Ina im nahe gelegenen Supermarkt Abendessen für uns zu holen.

 

 

 

Und das war super gut. Lachs, Brötchen, Tomaten, Majo und frische Limo ließen den Tag zu einem krönenden Abschluss kommen.

 

 

Inzwischen waren dicke Wolken heran gezogen und über dem Fjord stand eine dunkle Wolkenwand. Regen kündigte sich an.

 

 

Wir waren letztendlich fast 18 km durch das Husedalen gelaufen und haben dabei knapp 700 Höhenmeter überwunden.  

 

Hardanger Brücke
Hardanger Brücke

 

 

Nachdem alle gesättigt und zufrieden waren ging es ins Auto und wir setzten die Fahrt nach Gudvangen fort.

 

 

 

 

Für morgen hatten wir noch keinen festen Plan. Mal sehen was das Wetter uns so anbieten wird.

 

Bislang war der Wettergott uns wohl gesonnen. … ja, wenn Engel reisen…!!!

 

 

 

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