28.06. 2016 Kleine Vesterålen-Rundreise

 

 

Heute haben wir ausgeschlafen. Eine Stunde saßen wir beim Frühstück und schmiedeten Pläne für den heutige Tag. Wir wollten gerne noch mal in Richtung Andøy fahren um eine bestimmte Wanderroute zu gehen. Doch wir mussten uns eingestehen, dass wir dafür heute zu spät waren. Zwei Stunden Autofahrt vorab und nochmal 8 Stunden wandern plus zwei Stunden Rückfahrt waren uns einfach zu viel. Das Wetter sah noch etwas trübe aus, sollte sich allerdings im Laufe des Tages aufhellen. 

 

So entschlossen wir uns kurzerhand eine Rentierfarm in der Nähe von Sortland zu besuchen.

 

Inga Sami Siida ist ein Familienunternehmen auf Norwegens größter Insel Hinnøya. Die Familie betreibt die Rentierzucht seit 150 Jahren und ist von Nord-Schweden nach Vesterålen gekommen.

Die Farm wurde nach einem schweren langen und kalten Winter 2009 aufgebaut. Ein großes Gebiet wurde eingezäunt um die Möglichkeit zu haben, den Tieren über den Winter zusätzliches Futter zu reichen und ihnen Schutz und Sicherheit in dieser harten Zeit zu geben. 

 

Da das Futter für die Tiere sehr teuer ist, kam den Besitzern die Idee, die Farm gegen Eintritt für Besucher zu öffnen.

 

Einerseits hat man die Möglichkeit als Besucher die Tiere aus unmittelbarer Nähe zu sehen, die Gebräuche und der Tradition der Samen kennen zu lernen und unterstütz andererseits das Familienunternehmen bei seiner traditionellen Rentierhaltung.  

 

An der Farm angekommen, trafen wir keine Menschenseele. Ein Hütehund in einem kleinen Verschlag eingesperrt, begrüßte uns schwänzelnd. In der ersten Einzäunung standen ca 10 Rentiere, die genüsslich Gras rupften oder liegend wiederkäuten. Zwei Jungtiere waren auch darunter. Es waren alles Böcke.

 

 

Die Älteren von ihnen imponierten mit einem mächtigen Geweih. Sie wirkten hinter dem Zaun zufrieden und satt. 

 

Neben dem Gatter befand sich ein Grasweg, den wir weiter nach oben folgten. Allerdings war das hier eingezäunte Terrain nicht nur menschen- sondern auch rentierfrei. Wahrscheinlich war die Samifamilie mit der Herde auf der Sommerweide im Gebirge.

Schade für uns, gut für die Tiere, und nicht zu ändern.

 

 

Wir entschlossen uns weiter durch Vesterålen zu fahren um die Gegend anzuschauen.  

Im Inselreich Vesterålen wartet stets eine neue Überraschung hinter der nächsten Kurve oder nach dem nächsten eleganten Brückenbogen. Weiße Strände, skulpturartige Felsgipfel und unendlich weite Blicke über das Meer lassen einen immer wieder innehalten und den Fotoapparat zücken um die Eindrücke auf einem Bild festzuhalten. 

 

Blick auf Sortland
Blick auf Sortland

Sortland passierten wir als ersten größeren Ort.

 

Der Ort gilt als Kunststadt oder ist auch bekannt als „Die blaue Stadt“.

 

Sie wird so genannt , weil die Stadt nach einer Idee des ortständigen Künstlers Björn Elvenes, langsam aber sicher blau gestrichen wird.

Sortland ist das Handelszentrum Vesterålens. Man findet hier eine Reihe von Galerien, das neue Kulturzentrum , Museen und Fotoaustellungen.

Leider haben wir die Skulptur „Havsøye“, die zum Projekt Kulturslandskap Nordland gehört, übersehen. Aber wir haben die Skulptur auch nicht gesucht. Ein kurzer Bummel durch den Ort und wir fuhren weiter.

Das Blau in der Stadt ist nicht nach unserem Geschmack. 

 

Von Sortland ging es weiter auf dem Kong-Olav-Weg, dem Riksvei 82 (RV 82, E 10). Über eine mächtige Brücke gefahren, die sich wie ein riesiger gebogener Wal zwischen der Langøya und der Hadseløya spannt, kamen wir nach Stokmarknes auf Hadselsøy .

 

Stokmarknes ist der Geburtsort der „Hurtigrute“.

Hier kann man das alte Postschiff MS Finnmarken als Teil der Ausstellung des Hurtigrutenmuseeums besichtigen.

 

 

alte Postschiff Finnmarket
alte Postschiff Finnmarket
Hurtigrutenschiff  "Kong Harald" in Stokmarknes
Hurtigrutenschiff "Kong Harald" in Stokmarknes

 

Wir finden das Stokmarknes ein ansehnlicher sauberer Ort ist.

Stokmarknes vermittelt Gemütlichkeit.

 

 

 

Übrigens lag am Kai eines der neuen Postschiffe der Hurtigrute die „Kong Harald“.

 

Lust auf Museum hatten wir nicht und so ging es weiter . 

 

Wir fuhren auf der See zugewandten Westseite der Insel weiter in Richtung Melbu.

 

 

Wir passierten steile Berge und da wir am Tag noch nicht wirklich viel gelaufen waren, entschlossen wir uns einen der Berge zu ersteigen.

 

Das Auto stellten wir neben der Strasse ab. 

 

Den Rucksack mit den Klamotten und unserem "Nistepakke" auf den Rücken ging es den Berg hinauf.

Anfänglich wirkte es noch wie ein Spaziergang gehobener Klasse, d. h. es ging zwar bergan doch mit akzeptabler Steigung und der schmale Trampelpfad war sicher zu gehen. Alles war herrlich grün und um so höher wir stiegen um so mehr öffnete sich der Rundblick auf die Lofoten mit ihrer Berg- und Fjordlanschaft.

Der Berg , den wir jetzt bestiegen gehörte zu einer Bergkette in deren Mitte viele kleine Seen auf unterschiedlichen Höhen lagen. Das Gebiet wird durch Schafe beweidet, d.h. sie sind die Landschaftspfleger auf und zwischen diesen Bergen.

Der Trampelpfad wurde im oberen Drittel deutlich steiler und lief auf einem Grat entlang, wo die der See zugewandte Seite, steil abfiel. Es war fast zum Höhenangst kriegen.

Aber tapfer wie wir nun mal sind … , ging es bis auf eine Höhe von 439 Meter. Wir hatten den Finnsæterkollen erreicht. 

 

Liane auf dem Finnsæterkollen
Liane auf dem Finnsæterkollen

Der Trampelpfad auf dem Grat ging noch weiter auf einen nächsten Gipfel doch das wollten wir nicht mehr wagen.

 

 

Wir hatten unser Ziel erreicht. Unser „Nistepakke“ geöffnet und Brotzeit gemacht, dabei den Ausblick auf die umgebenen Berge genossen und zufrieden in die große weite Welt geschaut. 

 

Durch den doch sehr fordernden und forschen Anstieg waren wir durch geschwitzt und mussten nun schleunigst wieder runter zum Meer. Der Abstieg ging viel schneller, so dass wir gegen 18: 00 Uhr weiter nach Melbu düsten.

 

In Melbu liegt das Vesterålsmuseeum und das Fischereiindustriemuseeum wo in einem der Heringstanks Konzerte stattfinden. Aber wir hatten keine Lust mehr auf Museeum.

 

Leider war die Fähre nach Fiskebøl bereits abgefahren und die nächste sollte um 20:15 Uhr gehen. Das hätte bedeutet 1 Stunde Wartezeit, 1 Stunde Fährüberfahrzeit (35 km) ... und damit wären wir nicht vor 22:00 Uhr zu Hause gewesen.

 

Somit haben wir umdisponiert und sind auf der Strasse am Hadselsfjorden (RV 82) zurück nach Stokmarknes, Sortland über mehrere Brücken und durch mehrere Tunnel (Sørdaltunnelen mehr als 6 km ) weiter in Richtung Raftsundgebiet gefahren. Hier den Raftsundtunnel und die Raftsundbrücke passiert und wieder auf die Ausvågøya nach Myrlandstranda.

 

 

Hier wartete Einy unsere Vermieterin mit dem Essen auf uns. 

Es gab frischen Laks mit Mandelkartoffeln, selbstzubereiteter Sahnesoße und grünen Salatmix mit Einys Hausmacherdressing. Mmmmmhhhh , einfach wunderbar. 

 

Übrigens ist Hadselsøy mit ihrer relativ niedrigen Baumgrenze ein fantastisches Wandergebiet für erfahrene Wanderer ebenso wie solche , die nur ein wenig Aussicht genießen wollen.

 

Der Møysalen Nationalpark ist der kleinste Nationalpark Norwegens mit seinen nur 51,2 qkm.

Wir hatten mit dem Gedanken gespielt eine geführte Wanderung zum Gipfel des Møysalen (1262m ü. M.) zu machen.

Die Wanderung dort hin wurde zum schönsten Naturerlebnis Norwegens erkoren.

 

 

Leider ist uns diese Erlebnis nicht vergönnt. Die nächste offiziell geführte Wanderung findet in der kommende Woche Donnerstag, also am 07. Juli statt und da sind wir leider schon wieder zu Hause. Es ist möglich eine private Wanderung anzumelden, aber nicht so kurzfristig. Allerdings hat das seinen Preis.