27.08. 2019

 

Auf königlichen Wegen... 

 

 

 

Was König Sonja von Norwegen kann, können wir schon lange, … dachten wir und nahmen uns vor den Dronningstien zu erlaufen.

 

 

 

 

Der Dronningstien verläuft 80 Kilometer östlich von Bergen als Höhenweg über dem Sørfjord. Der „Königinnen-Weg“ führt auf über 1100 Meter Höhe und hat eine Länge von ca 16 km, eine Tour.

Die Trolltunga-Tour von gestern lag uns noch gut in den Beinen. Nur gut , dass wir vorab beschlossen hatten den Königinnen-Weg nur eine Tour zu gehen.

Die Frage war nur, wie wir vom Endpunkt der Wanderung wieder an unser Auto kommen.

Der Plan sah folgendermaßen aus.

Den Dronningstien kann man in Kinsarvik oder Lofthus beginnen. Wir entschlossen uns für Kinsarvik.

Das Auto wollten wir in Lofthus abstellen und dann mit dem Bus bis Kinsarvik fahren. Die Wanderung dort beginnen und die Strecke nach Lofthus wandern. Da befand sich dann unser Auto um wieder zurück zum Hotel zu kommen.

 

Und genau so machten wir es. 

 

Ein Mitarbeiter vom Tyssedal-Hotel gab uns den Tip das Auto auf dem Parkplatz vom BUNPRIS (norwegisches Lebensmittelgeschäft) abzustellen.

Von dort aus sollte uns der Bus nach Kinsarvik bringen. Laut Busfahrplan war die Abfahrt von Lofthus um 08:02 Uhr. Das bedeutete für uns wieder früh aus dem Bett, denn wir brauchten mit dem Auto bis zum Parkplatz 25 Minuten. Wie geplant so getan.

Pünktlich kurz vor 08:00 Uhr stellten wir unser Auto auf dem Parkplatz ab und nur wenige Minuten danach kam auch schon der Bus. Ich kaufte für die gesamte Mannschaft die Tickets und fragte den Busfahrer ob er uns an einer Haltestelle in der Nähe vom Startpunkt des Dronningstien absetzten konnte.

 

Nach knapp 20 Minuten Fahrzeit hielt der Bus. Der Fahrer setzte uns genau am Einstieg des Wanderweges ab, der gegenüber der ESSO-Station beginnt.

Er machte für uns eine „Wanderhaltestelle“, was hier in Norwegen, wenn man freundlich fragt, immer eingerichtet wird.

So da standen wir vor dem Schild, das Wetter war hervorragend und die Laune war gut.

 

Los ging es auf Sonjas Fußspuren. 

Zunächst gingen wir ca. 2 Kilometer auf einem geschotterten Waldweg entlang.

Am Ende befand sich ein neu erbautes Wohnhaus mit kleinen Stallungen für Pferde und einer Obstplantage.

 

 

Von hier oben hatten wir eine schöne Aussicht auf den Fjord. 

Den Schotterweg endete hier und wir folgten nun einem Pfad durch den Wald.

Nach vielleicht 500 m öffnete sich dieser und wir befanden uns auf einer Lichtung mit einer Wiese auf der genüsslich ein Pferd graste. 

 

 

Wir pusteten bereits etwas, denn der Weg ging von Anfang an sehr steil hoch. Von der Wiese weg führte ein schmaler Trampelpfad durch Gebüsch und Wald. .

 

Nach einer halben Stunde trafen wir erneut auf einen geschotterten Waldweg.

Den hätten wir nun folgen können, aber nach dem Serpentinlaufen vom gestrigen Tag, hatten wir keine Lust auf ähnliche Wanderstrassen. Wir folgten weiter einer Wegmarkierung mit einem blauen „D“. Diesen Schotterweg, der sich natürlich ebenfalls serpentinenartig nach oben zog, überquerten wir des Öfteren.

Wir entschieden uns jedoch weiter den steilen für den Trampelpfad durch den Wald zu laufen.

Dieser Pfad hatte es in sich. Es ging wieder extrem steil hoch, es war glitschig und wir mussten jeden Schritt genau setzten.

Man war das anstrengend und erinnerte mich an den Aufstieg zum Rossnos. 

 

Hin und wieder trafen wir andere Wandersleut, wenn wir bei unserem Waldaufstieg den Schotterweg kreuzten. Die anderen dachten wahrscheinlich auch, dass wir doch etwas blöde sind, nicht den leichteren Weg gewählt zu haben.

 

Na, egal wir kämpften uns durch dichtes Gestrüpp und ich war mir nicht sicher, ob wir wirklich auf dem richtigen „Weg der Königin“ waren. 

Der Weg zog sich zäh über gut 600 Höhenmeter, gefühlt fast senkrecht auf Waldpfaden.

Nach einer ganzen Weile wurde die Umgebung lichter und wir gingen über Wiesen und dichtbewachsenen Boden Heidepflanzen, mit Blaubeeren und Preiselbeeren.

Naschen war erlaubt.

Auch Sumpfgebiet war dabei und unsere Schuhe hatten einiges auszuhalten.

Wir waren froh, dass der Wettergott auf unserer Seite war und uns mit Regen verschonte. Wir hatten mal wieder Glück... Sonnenschein pur. : 

 

Endlich aus Gestrüpp und Sumpf heraus gelaufen,  betraten wir felsiges Gebiet mit einer phantastischen Aussicht auf den Fjord zu der einen Seite mit Sicht auf den Folgefonna und auf der anderen Seite eröffnete sich das Hochgebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln mit einer Höhe bis zu 1600 m. .  

 

Obwohl die Sonne schien, war es recht frisch hier oben. Es blies ein kräftiger Wind, der einfach die Sonnenwärme mit sich nahm. 

 

Nachdem wir eine windgeschützte Ecke gefunden hatten, machten wir unsere Lunch-Pause.

 

 

Und so in Gedanken versunken dachte ich darüber nach ob wohl seine Majestät Sonja von Norwegen, die ja immerhin schon 1937 geboren ist, diesen Aufstieg immer noch jährlich auf sich nimmt. Kaum vorzustellen.   

 

 

Doch wir waren noch nicht ganz auf dem höchsten Punkt des Wanderweges.

Es fehlten uns noch 150 Höhenmeter und dieser Punkt sollte mit einem Stein-Varden gekennzeichtet sein. 

 

Also ging es weiter auf dem Dronningstien. Der Weg führte leicht ansteigend an mehreren Seen vorbei.

 

Matze nutzte die Gelegenheit und nahm ein Bad. Uns anderen war das Wasser einfach zu kalt.  

 

 

Neben reichlich Wiese, Sumpf und Wasser fanden sich auch Geröllfelder mit entsprechenden Anstiegen , die wir hoch mussten.

 

 

Da wo es sehr feucht war hatte man teilweise Holzstege auf den Grund gelegt, damit wir keine nassen Füße bekommen.

 

Vegetation war hier oben bis auf Gräser und Flechten nicht zu finden. 

 

Und dann endlich sahen wir den Varden.

Oben angekommen wurden wir mit einer mehr als majestätischen Aussicht belohnt.

Unten glänzt blaugrau der Fjord , gegenüber schießt die Wand der Folgefonn-Halbinsel jäh 1200 Meter empor, und ganz oben funkelt türkisfarben der Folgefonna, der drittgrößte Festlandsgletscher Norwegens. 

 

Hier oben fühlte man sich königlich.

 

Das Gipfelbuch gab es hier oben auch und ein Gipfelfoto als Beweis , dass wir auch hier waren, ging mit nach Hause. 

 

Jetzt ging es bergab. Zunächst immer schön oben auf dem Grad entlang, fiel der Weg allmählich ab.

 

Der viele Regen in den letzten Wochen hatte den ein oder anderen Weg aufgeweicht. Beim Überqueren eines morastigen Weganschnitts, blieb Ina mit ihrem linken Schuh stecken und sank tief im Dreck ein. 

Alles war im Rucksack nur keine Wechselstrümpfe. Schuh, Fuß und Strumpf wurden so gut es ging gesäubert und es ging weiter.  

Der viele Regen in den letzten Wochen hatte den ein oder anderen Weg aufgeweicht.

Beim Überqueren eines morastigen Weganschnitts, blieb Ina mit ihrem linken Schuh stecken und sank tief im Dreck ein. 

Alles war im Rucksack nur keine Wechselstrümpfe. Schuh, Fuß und Strumpf wurden so gut es ging gesäubert und es ging weiter.  

Auf dem Berg Rjukande trafen wir noch eine Herde mit Ziegen, die hier oben sicher zur Sommerzeit ihr Weideareal hat.Die Tiere waren sehr zutraulich und holten sich als sie merkten, dass wir keine „Leckerlis“ für sie hatten, ein paar Streicheleinheiten ab. 

 

 

Auch die Ziegen wussten wie schön es hier oben auf dem Rjukande ist und genossen die Aussicht. 

 

 

 

 

Vom Rjukande begannen wir mit dem Abstieg nach Lofthus.

Nachdem wir die Ziegen hinter uns gelassen hatten, betraten wir ein Stück uralte Geschichte, die „Mönchstreppen“.

 

Im 13. Jahrhundert bearbeiteten die Mönche von Opedal, einem Ortsteil von Ullensvang, gewaltige Steine zu mächtigen Stufen, beförderten sie die Felsflanke hinauf und passten sie in den Hang ein. Wie die gewaltigen Steinstufen hier bewegt wurden, kann man nur vermuten. Getragen oder wie oft beschrieben selbst geschleppt haben, konnten sie diese nicht. Sicher haben Pferde diese Arbeit übernommen.  

 Außerdem züchteten die Mönche auf dem fruchtbaren Wiesenstreifen am Fjord Äpfel. Auch die Früchte gelangten über die Treppe auf den Markt. Die Stufen der Mönchstreppe zu Beginn des Abstiegs sind imponierend. 

 

Doch wir merkten sehr schnell, dass auch der Abstieg auf der Mönchstreppe sehr anstrengend sein kann.

Auf den weiter nach unten führenden Waldpfaden und Forstwegen spürten wir dann jeden einzelnen Höhenmeter in den Knien. 

 

 

Das letzte Stück liefen wir durch Obstplantagen, die entlang am Fjord verliefen. Äpfel-, Pflaumen- und Kirschbäume reiten sich aneinander. 

Sicht auf Lofthus
Sicht auf Lofthus

 

Wir kamen gegenüber vom Hotel Ullensvang wieder auf die Strasse , nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt, wo wir unser Auto abgestellt hatten.

 

Mit einem Leckereis in der Hand saßen wir auf der Bank am  Hafen in der Sonne… und spürten jetzt jeden einzelnen Muskel unsere Beine.

Aber es war auch ein erhabenes Gefühl, Sonjas Weg gegangen zu sein, … ich fühlte mich gleich einer Königin.

Auf der Rückfahrt kaufte ich noch am Wegrand ein Körbchen voll mit Hardanger-Pflaumen, saftig und süß, aus dem „Obstgarten“ Norwegens.

Unser Tagesabschlußbier tranken wir wieder in der Sonne auf dem Rasen vor dem Hotel.

 

Es war ein majestätischer Tag !!! 

In der Galerie finden sich noch jede Menge weiterer Fotos von diesem Tag.