27.06. 2016

Vesterålen, im Reich der Wale 

 

"unser" erster Pottwal beim Abtauchen
"unser" erster Pottwal beim Abtauchen

Vesterålen liegt 300 km nördlich des Polarkreises und nördlich der Lofoten. Die Inselgruppe besteht aus 6 Inseln: Andøya, Langøya, Skogsøya, Hadseløya, der westliche Teil von Hinnøy sowie der nördliche Teil von Austvågøya ( 5 Kommunen:, Hadsel, Bø, Sortland, Øksenes, Andøy).

 

 

Die Vesterålen liegen an der Kante des Kontinentalsockels, der aufgrund des nährstoffreichen Meeres ein bevorzugter Futterplatz für Wale ist. Von den Häfen in Stø und Andenes werden von Mai bis September täglich Walsafaris durchgeführt. Vorallem den Pottwal kann man hier beobachten.

 

Bislang kannten wir kleinere Wale nur aus Meereswasseraquarien oder Aquaparks, wie zum Beispiel auf Teneriffa. Ein Traum war es von uns diese Säugetiere auch in der freien Natur zu sehen.

 

Wir nahmen die Chance, die sich mit unserem Urlaub auf den Lofoten bot und meldeten uns für eine Walsafari ausgehend von Andenes (Vesterålen) an.

 

Es gibt mindestens 2 Anbieter, die regelmäßig diese Schiffstouren ausrichten.

 

Allerdings war bei „Hvalsafari AS“ der Slogan dabei:“

 

Walgaranti.

Einziger Walsafaribetreiber mit 100 %iger WALGARANTI.

Wenn keine Wale sichtbar, weitere Tour oder Geld zurück.“

 

 

Da dieser Urlaub für uns wahrscheinlich die einzige und letzte Chance war, auf Walsafari zu gehen, entschieden wir uns für die „WALGARANTI“. 

 

Andenes auf der Insel Andøy, liegt 170 km nördlich unserer derzeitigen Unterkunft, so dass wir mit knapp 3 Stunden Fahrzeit rechnen mussten.

Die Bootstour sollte um 12:00 Uhr starten. Vorher werden die Teilnehmer um 10:30 Uhr durch ein kleines Walmuseeum geführt und sollen Informationen zum Leben der Wale hier im Nordmeer bekommen.

So war es jedenfalls auf der HP des Betreibers

( www.whalesafari.no ) beschrieben.

 

Wir hatten uns den Wecker auf 06:30 Uhr gestellt um ausreichend Zeit für Frühstück und Autofahrt zu haben. Doch der heutige Tag startete nicht wie gewünscht.

Unser Handywecker hatte mit uns bis 8:00 Uhr geschlafen. Zufällig aufgewacht, schnell raus aus dem Bett, Sachen geschnappt, ein paar Scheiben Brot, Wurst und Käse eingepackt und ab ins Auto. Es war 8:15 Uhr und gedanklich hatten wir den Museeumsbesuch bereits abgeschrieben. Aber wir wollten es wenigstens rechtzeitig zum Auslaufen des Bootes schaffen.

Das Thermometer im Auto zeigte 22 Grad als wir los fuhren. Das warme Wetter war aus dem Süden in den Norden gewandert und brachte sommerliche Temperaturen mit sich.

 

 

Wir rasten durch Vesterålen, denn Andenes liegt am obersten nördlichsten Zipfel der Inselgruppen. Etliche Tunnel und Brücken durchfuhren oder überquerten wir. Die Landschaft veränderte sich, aber wir hatten für all das Schöne und Bewundernswerte keine Zeit.

 

Die Gruppe für die Fahrt um 12:00 Uhr war gerade dabei sich ins Museum zu begeben und wir schlossen uns an, nachdem wir unsere vorbestellten und bereits bezahlten Karten in den Händen hatten.

 

Die Tour durch das Museum gab einige bekannte und unbekannte Informationen zum Leben der Wale. 

 

 

1996 wurde ein Kadaver eines erwachsenden männlichen Pottwals an die Küste von Andenes gespült.

 

 

Er hatte beachtliche 15,8 Meter Länge. Das Skelett dieses Wals ist hier in Andenes Bestandteil des Museums. 

 

Das Boot mit dem wir aufs Meer fuhren.
Das Boot mit dem wir aufs Meer fuhren.

Endlich kurz vor 12:00 Uhr ging es aufs Schiff. Mit dem Hinweis, dass doch ein jeder ausreichend warme Kleidung anziehen sollte, machte Liane eine furchtbare Entdeckung.

 

Die Wind- und Regenjacke war bei dem „Schnellstart“ heute Morgen zu Hause geblieben.

 

Na prima, da draußen auf dem Meer war es sicher kalt.

 

 

Der Rucksack war vollgepackt mit Ralf seinen Jacken und Pullovern und so fand sich da ein dickes Sweatshirt mit Kapuze, was für Liane auch gut als dickes Minikleid durchging. Aber das Aussehen war egal, Hauptsache es war warm.

 

Nun ging es endlich los. Zunächst mussten alle unter Bord um sich die Sicherheitsinstruktionen anzuhören.

Dabei wurde darauf hin gewiesen, dass bei einer Notsituation man auf gar keinen Fall ins Wasser springen sollte. Das Meer haben nicht mehr als 5-6 Grad und länger als 3-4 Minuten kann man darin nicht überleben.

 

 

Diese Aussage hat uns schon etwas erstaunt. Ralf hatte gestern im Nordmeer gebadet und war sogar ein paar Meter geschwommen. Dennoch war er heute mit auf dem Boot. Das Bootspersonal hatte sicher ein wenig übertrieben.

 

 

Wir hatten herrliches Wetter, blauer Himmel, Sonne pur, ein ganz flaues Lüftchen.

 

 

Man konnte gut draußen an der Reling stehen und dank der dicken Jacke von Ralf musste auch Liane auf See nicht frieren. 

 

 

Und dann nach 20 Minuten auf See, war er da, „unser“ Wal.

 

Am Horizont konnte man die Fontäne erkennen.

Hier ist die Rückenflosse des Pottwals sichtbar.
Hier ist die Rückenflosse des Pottwals sichtbar.

 

Dann hörten wir das Kommando „Diving“ von der Kommandobrücke. Jetzt stellte der Wal sich an, zu tauchen.

 

 

Und dann sahen wir das berühmte Bild, was auf vielen Postkarten und Postern immer wieder zu erkennen ist, … die aufgestellte Schwanzflosse.

 

 

Walflosse ... selbst "geschossenes" Postkartenmotiv
Walflosse ... selbst "geschossenes" Postkartenmotiv

Die Fotoapparate auf dem Schiff rasselten nur so. Auch unser Fotoknipser hielt dieses für uns so beeindruckendes, atemberaubendes Ereignis fest. Wow, wir hatten es nun erlebt, ein Wal in Freiheit im Nordmeer in Postkartenmotivposition.

 

Aber das war ja nicht alles. Dieses Schauspiel konnten wir 3 Mal beobachten. Es waren 2 verschieden Wale, die sich in der Nähe des Bootes aufhielten.

 

Der Wal bleibt bei seinem Tauchgang ca 30 Minuten unter Wasser, bevor er zum Atmen wieder auftaucht. So erlebten wir den ersten Wal 2 mal in Aktion.

 

Ralf konnte beim 2. Mal sogar einen Film drehen. Mal sehen wie der geworden ist. 

 

Zwei Stunden auf dem Meer und das Boot nahm Kurs zurück zum Hafen. Inzwischen hatten wir Platz ganz vorn im Bug eingenommen und unter unseren Füßen glitt das Meereswasser dahin. Die Sonne wärmte uns gut und der Seewind blies uns um die Nase.

 

Mit ganz viel Glücksgefühl und Zufriedenheit im Bauch ließen wir uns einfach dahin treiben.

 

WAHNSINN , dass wir so etwas erleben durften. 

 

 

Blick vom Meer auf Andenes
Blick vom Meer auf Andenes

 

Vom Boot wieder runter, schlenderten wir durch Andenes.

 

Es ist ein netter, sauberer Ort mit Flair. 

 

 

Auf einer Bank in einer Grünanlage aßen wir unser mitgebrachten „Hurtigessen“ und fuhren danach wieder in Richtung Lofoten. 

 

Jetzt hatten wir Zeit um uns etwas umzuschauen.

 

 

Andøy ist ein weites Land mit vielen grünen Wiesen und weißen Stränden.

 

In der Ferne ist Andøy gesäumt von hohen Bergen.

 

 

Blick auf Sortland, die "Blaue Stadt"
Blick auf Sortland, die "Blaue Stadt"

Sortland, welches südlich von Andøy liegt, weist mächtige dunkle Berge auf. Natürlich gibt es auch dazwischen breite Täler mit grünen Wiesen. Aber alles wirkt etwa grober und härter. 

Bei unserer Fahrt weiter über Hadsel bis Ausvågøy passierten wir den Sørdaltunnelen, der mehr als 6 km lang ist. Weitere Tunnel hatten Längen zwischen 3100 und 1200 m.

 

Etliche langgezogene Brücken verbinden die einzelnen Inseln zusätzlich miteinander.

 

 

Eine kleine Kaffepause machten wir am „Andøy Friluftssenter AS“ eine Lokalität aus Hotel, Hütten und Restaurant .

 

Ein normaler Kaffee und ein kleines Stückchen Kuchen kosteten pro Person hier 15,00 €. 

 

Um 20:00 Uhr waren wir wieder bei Einy, die bereits mit dem Essen auf uns wartete. Es gab frischen Dorsch mit Butterkartoffeln und Gemüse.

 

 

Wir waren ganz schön geschafft und nach einem späten Nachtspaziergang ging es kurz nach Mitternacht ins Bett.