26.08.2019

 

Die Trolltunga- eine „Königsdisziplin“

 

 

Trolltunga- dieser Felsvorsprung, der etwa 1100 Meter über dem Meer horizontal aus einer Felswand heraus ragt, ist der Grund, weshalb ich mich überhaupt für die Wanderung in der Hardangervidda entschlossen habe.

 

Ca. 700 m unterhalb der Trolltunga liegt der „Ringetalsee“, oder norwegisch Ringedalsvannet.

 

 

Bilder von der Trolltunga sind in der ganzen Welt bekannt … und ich wollte einfach auch einmal da oben stehen.

 

 

Eine Kollegin von mir war bereits 2013 da oben und meinte zu mir: „Liane, du musst in Deinem Leben einmal auf der Trolltunga gestanden haben…, das ist ein Erlebnis, was du nie mehr vergessen wirst.

 

...ja, und sie hatte recht.

 

 

Die 28 Kilometer lange Wanderung zur Trolltunga führt durchs Gebirge und dauert insgesamt ca. 10-12 Stunden. Beim Aufstieg sind etwa 1000 Höhenmeter zu überwinden.

 

 

Aber jetzt zu unserer Tour, die wir wohl wissend am Wetterbericht orientiert für den Montag, den 26.08. 2019 geplant hatten.

 

Da wir früh aufsteigen wollten, hieß er für uns früh raus aus den Federn.

 

Um 06:30 Uhr saßen wir gemeinsam am Frühstückstisch. 

 

 

 

In Norwegen gilt ein Grundsatz.:

 

 

Alle sogenannten „naturbasierten“ Aktivitäten geschehen auf eigenes Risiko.

 

 

Für die Trolltunga-Wanderung wird darauf hin gewiesen, dass unbedingt feste Wanderschuhe sowie ausreichend wetterfeste und warme Kleidung mitzuführen sind.

 

Das Wetter in der Hardangervidda kann trotz jeglicher Vorhersage schnell umschlagen, so dass ein Jeder darauf vorbereitet sein muss.

 

Außerdem sollte ein Kompass, eine Karte, eine Taschenlampe, ein erste Hilfe-Set sowie ausreichend Essen und Trinken sich im Rucksack befinden. 

 

Es wird davon abgeraten die Wanderung zur Trolltunga bei Regen, Nebel oder starkem Wind zu gehen. 

 

Die Natur ist bei allen Aktivitäten zu respektieren und zu bewahren. 

 

https://youtu.be/B1m_YyWhv_4

 

Ich hatte in meinem Rucksack fast alle diese Dinge.

 

Nur eine Wanderkarte hatte ich nicht, aber dafür mein Handy mit einer Powerbank als Energiespender, sollte mein voll aufgeladenes Akku schlapp machen.

 

Außerdem waren Handschuhe in meinem Gepäck. Ich hatte von der Rossnos-Tour vor 2 Tagen gelernt und ging auf Nummer sicher.

 

 

 

Pünktlich wie besprochen, trafen wir uns um 07:45 Uhr am Auto und fuhren gemeinsam zu unserer Trolltunga. 

 

Sicht auf den P2 Parkplatz in Skjeggedal
Sicht auf den P2 Parkplatz in Skjeggedal

 

Direkt vom Hotel ging es nach rechts auf der Strasse nach Skjeggedal. Es ging mit einem gehörigen Anstieg die Serpentinen-Strasse hoch.

 

 

 

Matze war heute der Fahrer und so kurvte er mit Elan und Schwung durch die Kurven, dass uns hinten im Auto Angst und Bange wurde.

 

Die Straße war sehr schmal und steil und ein Ausweichen bei entgegenkommenden Verkehr wäre nicht möglich gewesen. So konnten wir "Wanderdamen" auf dem Hintersitz nur hoffen, dass alle Autos so früh am Morgen hoch fahren, mit Touristen an Bord wie wir, die die Trolltunga erwandern wollten.

 

Und es war so. Überglücklich nach 7 km rasanter Fahrt wohlbehalten in Skjeggedal angekommen zu sein, stellten wir unseren Leihwagen für eine Parkgebühr von NOK 500 hier auf dem P2 ab.

 

 

Die Parkeinnahmen werden wie man lesen kann,  für die Ausbesserung der öffentlichen Fazilitäten in diesem Gebiet genutzt.

 

Ein alternativer Parkplatz P3 für maximal 30 Autos, befindet sich bei bei Topp, 4 km von Skjeggedal in Richtung Trolltunga.

Es ist eine sehr steiler und schmale Straße mit engen Serpentinen-Kurven, 400 Höhenmeter mit bis zu 16% Steigung.

Wird offiziell nur erfahrene Autofahrer empfohlen. Allradantrieb sollte das Gefährt haben und nicht höher als maximal 2 Meter sein. Die Zufahrt für Wohnmobile und Motorräder ist auf dieser Strecke verboten.

Bis vor kurzem noch öffnete man den Weg um 07:00 Uhr morgens nur für die ersten 30 Autos. Die Zahlung musste am Anfang des Weges entrichtet werden.

Jetzt muss man für den Parkplatz P3 im voraus buchen. Wenn man Glück hat, ergattert man einen Platz mit dem Auto und erspart sich insgesamt 8 km Wanderstrecke. 

 

Wir hatten damit geliebäugelt, denn 28 km Wanderweg war schon nicht ohne.

 

Aber diese kleine „Schummelmöglichkeit“ wurde uns schnell genommen. Sindy hatte übers Internet recherchierte und heraus kam, dass alle Parkplätze auf P3 weg sind .

Auch die Möglichkeit mit einem Shuttel-Bus von P2 nach P3 zu kommen, war ausgebucht.

Na dann eben nicht. Wir waren ja auch zum Wandern hier her gekommen und wollten uns die Trolltunga doch erlaufen. Das Schummelpaket wurde weg gelegt.

Den Satz:“DIE WANDERUNG IST LANG UND SEHR ANSTRENGEND! „,  kann man in vielen Wanderportalen lesen. Wir hatten uns darauf eingestellt, dass es durch alpines Gelände geht und nach der Rossnos-Tour konnte uns nichts mehr schrecken.

Vom Parkplatz ging es ca 300 m steil eine Strasse hoch.

Hier war das „Wärterhäuschen“ für die Durchfahrt zum P3 ansässig.

 

Trotz intensiven Suchens konnten wir kein Hinweisschild finden, welches uns verriet, wo denn nun der Wanderweg zur Trolltunga hoch geht.

 

 

Also habe ich die nette Dame im Wärterhäuschen gefragt, ob sie uns weiter helfen kann. Und das konnte sie mit der Aussage, dass der eigentliche Wanderweg die ersten 4 Kilometer für die Wanderer gesperrt ist, da es in den vergangenen Wochen durch den starken Regen  einen Erdrutsch gab und dieser den Weg unbegehbar machte. 

 

 

Der vorübergehende neue Weg für die ersten 4 km wäre die Straße.

 

Na, klasse, das hatten wir uns so nicht vorgestellt. Aber was sollten wir machen, wir wollten ja zur Trolltunga.

 

Somit stellten wir uns auf den Fußmarsch auf einer bitumierten serpentinreichen und schmalen Straße ein.

Ohne zu murren, schrubbten wir die ersten 4 km bei blauem Himmel und Klärchen schaute von oben grinsend zu.

Wir  mussten immer wieder zur Seite treten da der Shuttle-Verkehr staendig hoch und runter fuhr um "fusslahme oder wanderunwillige "Schummelwanderer" ueber die ersten 4 km der Strecke zu befoerdern. 

 

Wir wären dem fast auch verfallen und waren jetzt um so stolzer als die ersten 4 km geschafft waren und wir ins Gebirge steigen konnten. 

Die nächsten Kilometer ging es über felsiges Gebiet mit einem allmählichem Anstieg.

 

Hier und da fand sich in der Ferne eine private Hütte, völlig einsam und abseits des offiziell ausgezeichneten Wanderweges zur Trolltunga. 

Holzstege und teilweise Brücken machten den Wanderweg richtig komfortabel, was im krassen Gegensatz zu den meisten anderen Touren in Norwegen steht, … Rossnos !!!.

Im Gegensatz zu sonstigen Wanderrouten fand sich jeden Kilometer ein Hinweisschild wieweit es noch bis zur Trolltunga bzw. der Rückweg bis nach Skjeggedal ist. 

Die Felsen wirkten teilweise wie „geputzt“ und große lange Steintreppen zeigten eindeutig, dass hier der Weg bereinigt wurde.

Nach Angaben aus den Medien wurden eigens dafür Tscherpers aus dem Himalaja engagiert um die Wege hier für die Touristen anzulegen. 

 

 Wir passierten langgezogene Felsplateaus mit kleinen Seen und dann wieder ging es steil bergan um Höhe zu gewinnen. 

Es war einiges „Fußvolk“ unterwegs. Wir sahen“ Einzelläufer“ mit und ohne Hund, kleiner Gruppen von Wanderern unterschiedlichen Alters, aber keine kleineren Kinder. 

Es ging immer wieder auf und ab und nach jeder erklommenen Höhe hat man einen neuen phantastischen Ausblick auf das umliegende Gebirge.

Hin und wieder sahen wir ein Zelt aufgeschlagen, was sicher ein empfehlenswertes Erlebnis ist. Abseits des ausgezeichneten Wanderweges ist es sicher wunderbar ruhig und vergleichsweise einsam in dieser sagenhaften Gegend.

 

Ich habe an diesem Tag mehr als 250 Fotos mit meinem Handy geschossen und meinte immer wieder aufs Neue, dass gerade dieser eine Augenblick ich mit einem Foto festhalten müsste. Es sind unendlich viele malerische Plätze zu sehen.

Erst die letzten Kilometer läuft man in einiger Entfernung am Rand des Ringedalvannet entlang. Darin ergießt sich neben anderen kleinen Wasserfällen der Ringedalsfossen, welchen man über eine lange Strecke hin sehen kann.

 

 

 

Der Ringdalsvannet mit seinen Wasserfällen soll auch Wanderziel von Kaiser Wilhelm II. , der übrigens begeisterter Norwegenfan war (ich war 2016 auf den Lofoten der Kaiserroute gefolgt) und vielen anderen Wanderfreunde des 19. Jahrhunderts gewesen sein.

 

 

 

Die Trolltunga selbst konnten wir erst sehr spät ins Auge fassen. Nach dem ständigen Auf und Nieder kommt man wiederum auf ein Plateau mit einem riesig großen See.

 

Und erst der letzte kleinere Anstieg führt zu einem Hochplateau. Dieses muss man noch passieren und am Rand etwas unterhalb des Plateaus, „steckt der Troll in einer Höhe von 1180 m.ü.M seine Zunge heraus“.  

 

 

Mein Traum einmal auf der Trolltunga zu stehen, sollte sich erfüllen.

 

Es war ein wohl erhabenes Gefühl, die Kilometer gelaufen zu sein, die Anstiege hinter sich gebracht zu haben und nun hier oben über dem Ringedalsee in die Weite auf die umgebenen Berge vom Folgefonna Nationalpark mit seinem Gletscher dem Buarbreen zu schauen.

 

Es war blauer Himmel, Klärchen lachte und ich hatte mein seit einem Jahr geplantes Ziel erreicht.

 

Die Romantik wurde etwas durch die Massen von Menschen, die sich hier oben tummelten, in Grenzen gehalten.  

 

Hier oben auf dem Plateau war eine Menschenansammlung wie man sie nur findet, wenn etwas Besonderes ansteht. Und so war es ja auch.

 

Ein Jeder, der die lange Tour auf sich genommen hatte, wollte auf die Trolltunga und ein Foto von sich mit nach Hause nehmen.  

 

 

 Matze, Sindy und Ina meinten, dass sie sich hier nicht in die Warteschlange einreihen würden…

 

...bloß um so ein Foto von sich auf der Trolltunga zu machen.  

Das konnte ich akzeptieren, aber für mich stand fest, dass ein Bild von „Liane auf der Trolltunga“ mit nach Hause musste. Ich werde kein zweites Mal hier her kommen...  und das stand auch fest.  

 

Na, ja und letztendlich siegte doch der Troll.

 

 

Nach knapp 11/2  Stunden Wartezeit rutschten Matze, Sindy, Ina und ich die letzten paar Eisenstufen zur Trolltunga runter. 

Wir warteten weitere 10 Minuten bis unsere Vorgänger ihr Foto hatten und dann betrat ich als erste die Trolltunga. 

Mir war schon etwas mulmig als ich mich der Spitze näherte. Und als wenn Jemand die Bremse angezogen hätte, ging ich nicht mehr weiter, vielleicht noch 1,5 Meter bis zur Kante… es reichte für mich.

 

Thomas, der weiterhin der Meinung war , kein Foto von sich haben zu wollen (Glück für uns!!!), erklärte sich bereit zu fotografieren.

Nachdem ein Jeder von uns „sein Foto“ hatte, gab es auch heute das tägliche Gipfelfoto.

Da standen wir nun, Matze, Sindy, Ina und ich auf der Trollzunge, ... wir hatten es geschafft, ....einfach IRRE !!! 

 

Neben der „Original-Trolltunga“ findet sich eine deutlich kleiner „Zunge“ nur 30 m unterhalb. Man hat von hier die selbe einzigartige Aussicht auf den Ringedalvannet und den Folgefonna Nationalpark. .

 

Hier unterhalb der Trolltunga machten wir es uns gemütlich.

 

 

Endlich konnten wir unser Matpakke aus dem Rucksack holen. Neben all den „wichtigen Sachen, wie Kompass, Handschuhe , Regensachen...usw., heute überhaupt nicht notwendig) fand sich die geschmierte Stulle, der Gänsewein und noch ein paar Gummibärchen. 

Und wie von Zauberhand… oder besser Trollhand… zauberte Matze aus seinem Rucksack einen Flachmann mit dem Gipfeltrunk hervor. Och, war „die Kirsche“ gut. 

 

Wir waren allesamt so richtig zufrieden und glücklich. 

Nach einer halben Stunde Lunch-Pause machten wir uns auf den Rückweg.

Der „Foto-Shooting-Stau“ hatte sich gegeben und es war zu dieser Uhrzeit mit nur einer kurzen Wartezeit verbunden.

 

Tja, das konnten wir nicht wissen. Wären wir vielleicht 2 Stunden am Morgen später gestartet, hätten wir wohl für das Gipfelfoto kaum anstehen müssen.

Aber gut, es war so wie es war. Wir hätten ja nicht ahnen können, dass sich das Wetter hier oben so phantastisch präsentiert und Klärchen auch am Nachmittag so vom Himmel lachen würde.

Obwohl der Himmel fast wolkenfrei war es ziemlich frisch, da ein eisiger Wind über die Gipfel zog. Wir hatten alle unsere Jacken über gezogen. 

 

 

Jetzt hieß es wieder 14 km zurück durch die Berge.

 

Wir konnten auf dem Rückweg nicht viel verkehrt machen… glaubten wir jedenfalls.

Ina ging eine kleine Extratour bis sie merkte, dass da wo sie war kein anderer Mensch sich aufhielt.

Ich hatte inzwischen mich gewundert wieso ich Ina , die eigentlich mir ein paar hundert Meter voraus lief, nicht mehr sehen konnte.

Wir warteten ein paar Minuten und plötzlich tauchte Ina hinter uns wie aus dem Nichts wieder auf. 

Eine kleine Extrapause ließen wir uns oberhalb der Ringedalavannet nicht nehmen. Einfach nur mal da zu sitzen und vor sich hinzuschauen, oder auch einfach mal so da zu liegen und vor sich hin zu träumen, das gönnten wir uns. 

Zum Schluss ging es auf „geputzten Steinen“ und aufgeschichteten Steintreppen wieder steil bergab.

Jetzt fühlte ich mich etwas fußlahm. Die letzten 4 Kilometer stiegen wir erneut die Serpentinenstraße runter.

In dem kleinen Geschäft am Parkplatz kauften wir uns noch eine Cola, setzten uns auf die Bänke dort vor Ort und verschnauften ein wenig. 28 Km in den Beinen merkte ich jetzt doch.

 

Es stand nur noch die Rückfahrt runter nach Tyssedal an. Die allerdings hatte es in sich.

Durch Autos, die aus dem Tyssedal hoch nach Skjeggedal fuhren und einem großen Bus, mussten wir teilweise zurück fahren mit den nachfolgenden Autos hinter uns, bis die Straße einen sogenannten „Møteplass“ aufwies, der breit genug war, damit zwei Autos bzw. der Bus einander passieren konnten.

 

 

Unser „Wander-Abschluß-Bierchen tranken wir in der Sonne vor unserem Hotel.

 

 

 

Nur so am Rande bemerkt: Nach Sindys Trekking-Uhr hatten wir 2900 kcal auf den 28 km verbrannt. Wir waren mit unserer Pause auf dem Gipfel knapp 10 Stunden unterwegs 

 

In der Galerie befinden sich weitere Bilder vom heutigen Tag.