26.06. 2016 Weiter auf der Kaiserroute

... und ein bisschen mehr

 

Heute soll phantastisches Wetter werden. Anfänglich noch eine dünne Wolkendecke und gegen Mittag Sonne pur.

 

Um 08:00 Uhr ging es raus aus dem Bett, ein gutes Frühstück, das „Nistepakke“ für den Tag gerichtet... und los mit dem Auto ins Raftsundgebiet.

 

 

5 km von unsere Unterkunft am Myrlandstrandet überquerten wir (… wie gestern bereits zwei Mal) die Raftsundbrücke. Heute bot sich uns ein zauberhafter Sonnenscheinblick in den Raftsund.  

Blick auf die Raftsundbrücke
Blick auf die Raftsundbrücke

 

Von der Brücke runter und nach rechts abgebogen, ging es weiter in das Raftsundgebiet.

 

Ca 6 km vor Digermulen liegt Tennstrand . Von hier aus kann man den Eingang zum Trollfjord sehen. Auf dem Trollfjord fuhren wir bereits vor 2 Tagen mit dem Speedboot auf Adlersafari. Der Trollfjord ist ca 2,5 km lang und früher sind auch die Hurtigrutenschiffe hier hinein geschwenkt. Heute findet man kaum noch einen Kapitän , der sein Schiff der Mystik des Trollfjords aussetzt. 

 

Blick auf die Einfahrt zum Trollfjord bei Tennstrand
Blick auf die Einfahrt zum Trollfjord bei Tennstrand

Digermulen erreichten wir mit mehrerern Unterbrechungen wegen „akuter Fotografiersucht“ so gegen 11:00 Uhr.

 

Wir waren nur 23 km von unserer Unterkunft entfernt.

Digermulen ist die „Hauptstadt“ des Raftsund und ein besonderer Ort auf den Lofoten. In Digermulen war der deutsche Kaiser Wilhelm II. das erste Mal 1889 zu Besuch. Er liebte diese Gegend mit ihrer faszinierenden Bergwelt.

 

Hier in Digermulen beginnt eine ca 3 stündige Wanderung auf den Digermulenkollen oder nach Kaiser Wilhelm II. auch Kaiservarden genannt. Hier oben befindet sich das Kaiserdenkmal mit dem einmaligen Kaiserblick.

 

Der Kaiservarden war heute unser Wanderziel.

 

 

Gegenüber dem alten Supermarkt (unmittelbar daneben befindet sich die Tankstelle) beginnt der Aufstieg.

 

Der Weg ist erst 20 m vom Straßenrand mit einem kleinen unscheinbaren Schild ausgewiesen. Es ist leicht zu übersehen. 

 

Ralf beim Aufstieg
Ralf beim Aufstieg

Zunächst zwischen kleine Wiesen ziehend, geht der Weg auf einem schmalen Trampelpfad , teilweise sehr steil nach oben.

 

Die Sonne brannte vom Himmel und wir waren sehr froh, dass der Weg von dichtem Baumwerk und Gestrüpp gesäumt ist. Wildblumen und hohes Gras verdeutlichten die seitliche Wegbegrenzung. Weiter oben waren Haltestricke am Wegrand befestigt um den Wanderern mehr Sicherheit bei den steileren Abschnitten zu geben. 

 

Unterwegs schossen wir eine Vielzahl von Fotos, denn jede Lichtung zwischen den Bäumen eröffnete ein neues Panorama auf die umliegenden Berge und Fjorde. 

 

 

Nach 80 Minuten waren wir auf der Höhe von 366 m angekommen. Es war ein Platau mit mehreren kleineren Anhöhen.

An der Gedenktafel auf dem "Kaiservarden"
An der Gedenktafel auf dem "Kaiservarden"
Gedenktafel auf dem Digermulenkollen...Kaiservarden
Gedenktafel auf dem Digermulenkollen...Kaiservarden

Auf dem höchsten Punkt fanden sich zwei Steinhaufen errichtet an denen jeweils eine Tafel an den Besuch von Kaiser Wilhelm II. und seinem Gefolge erinnert.

 

Wir wussten bislang nicht, dass der deutsche Kaiser zwei Mal den Digermulenkollen erwanderte. Es war im Jahr 1889 und 1903 hier oben. 

 

Von hier oben hatte wir einen atemberaubenden Panoramablick von 360 Grad. Raftsundfjord mit seinen hohen Bergen, Vestfjord mit unendlicher Weitsicht, das norwegische Festland mit der kürzesten Entfernung nach Hamarøy, die Berge Schwedens, ... und und und.

Nicht jeden Landstrich kannten wir oder wussten ihn zuzuordnen. 

"Kaiserblick"
"Kaiserblick"

 

Nach dem Eintrag ins Gipfelbuch packten wir unser Nistepakke aus, aßen alles Mitgebrachte auf und genossen hier oben den „Kaiserblick“.

 

Dabei fiel uns ein Gipfel auf, der unmittelbar gegenüber den Digermulenkollen lag. 

 

Blick auf den Snøtinden
Blick auf den Snøtinden

Er schien nicht zu weit weg und auch für uns Laienbergsteiger erreichbar. Da das Wetter einladend war, entschieden wir uns diesen Berg mit zu ersteigen.

 

Also vom Kaiservarden runter, durch ein Tal mit mehreren Seen und auf der Gegenseite wieder hoch.

 

Wir sahen unterwegs reichlich Elchdung und hoffen natürlich dass uns kein Muttertier mit Kalb begegnet. Die Kälber werden Ende Mai /Anfang Juni geboren. Eine Begegnung mit einer Mutter und ihrem nur wenige Tage altem Kalb, kann recht ungemütlich für den Menschen werden, … Mutterinstink eben. Doch Gott sei Dank blieb eine Begegnung zwischen Elch und uns Menschen aus.

 

Nach einer Stunde standen wir fast oben auf dem Snøtinden in 637 m Höhe.

 

Rentier auf dem Snøtinden in 637 m Höhe.
Rentier auf dem Snøtinden in 637 m Höhe.

 

 

Kurz vor dem Erreichen des Gipfels schaute uns von oben ein Rentier an.

 

 

 

 

Es sah etwas "gerupft" aus, da es wahrscheinlich gerade den Fellwechsel vollzog. Es wirkte nicht ängstlich, sondern neugierig und musterte uns aufmerksam. Fotoapparat raus und diverse Fotos vom Rendyr (norwegisch) gemacht. Nach diesem Fotoshooting zog es es zurück und eilte den Berg an der Gegenseite runter. 

 

Wir gingen noch die restlichen Meter bis zum Gipfel und trugen uns auch hier ins Gipfelbuch ein. Fotos, Fotos... und wieder Fotos, jeden Quadratzentimeter wollten wir festhalten: Es war so phantastisch schön und beeindruckend war. 15 Minuten hier oben und es ging wieder zurück. 

 

Blick vom Snøtinden
Blick vom Snøtinden

 

Wir wollten ja die Kaiserroute fortsetzen und heute noch abschließen. 

 

Unten an der Fähranlegestelle gab es ein Cafe und da hatten wir geplant nach der Wanderung uns gemütlich nieder zulassen und bei Kaffee und Kuchen eine kleine Pause einzulegen. Tja, da war aber nichts mit Kaffee und Kuchen. Das Cafe hatte geschlossen und das am Sonntag.

 

So zogen wir weiter und fuhren in Richtung Valen, nur 3 km hinter Digermulen. Hier hofften wir die blühenden Weidenröschenwiesen von Valen zu sehen. Wenn die Weidenröschen blühen wird das ganze Gebiet von einem rot-violetten Teppich überzogen.

 

Doch wir hatten kein Glück. Die Weidenröschen waren noch nicht in der Blüte. Das Wetter war bislang zu kalt. 

 

So ging es weiter nach Pundlett.

Auf dem Weg dorthin liegt das Atelier von Christian-Ivar Hammerbeck. Wir wollten ihm eigentlich einen Besuch abstatten, aber leider war er nicht zu Hause.

Das „Åpen“-Schild an der Strassen war nicht angebracht und der Wiesenweg mit einem dicken Seil zugehängt.

Auch gut, eben kein Atelierbesuch.

 

 

In Pundslett befindet sich eine Aufzuchtanlage für Lachse. Die Anlage selbst kann man nicht besichtigen.

Die riesigen „Ringanlagen“ im Vestfjord sind von der Strasse aus aber gut zu erkennen.

 

Ein grandioser Panoramablick auf die vielen, vielen kleine und größere Inseln (angeblich sollen es mehr als 365 sein ) und im Hintergrund Hamarøy, auf dem norwegischen Festland, entschädigt für das ansonsten sehr triste Aussehen von Pundslett.

 

Wir hatten von dem wunderschönen und sehr geschützt liegenden Strand von Årsteinen gehört.

Ralf wollte unbedingt wenigstens einmal im Nordmeer baden und so ging unsere Fahrt weiter nach Årsteinen. Es ist ein Strand der zu beiden Seiten Zugang zum Wasser bietet. Er liegt zwischen der Strasse und einer Insel und verbindet diese wie ein Weg miteinander. Natürlich kann man da nicht mit dem Auto drauf fahren. Das Wasser ist brillant-grün-klar und weißer Muschelkalk-Granulat gibt natürliches Peeling für die Füße. 

 

 

 

Das Wasser ist natürlich ganz schön kalt doch Ralf war mutig genug, seinen Wunsch in die Tat umzusetzen.

 

Lange kann man nicht darin schwimmen, aber die Zeit war ja auch nicht das Ziel.

 

Liane nutzte das Naturpeeling für die Füße.

Das war für sie baden genug im Nordmeer. 

 

Die Strasse, welche die letzten Kilometer als Schotterweg fortgeführt ist, endet an einem Bauernhof. Hier werden Blumen gezüchtet und direkt verkauft werden. Ehemals soll es hier Gemüse gegeben haben, aber davon war heute nichts mehr zu erkennen.

 

Dieser kleine Bauernhof, welcher direkt am Fjord liegt, hat einen eigenen kleine Sandstrand, der am Abend mit reichlich Sonne verwöhnt wird. 

 

 

Ja, und hier in Årsteinen endet heute unser Reise nach dem Motto „Auf den Spuren von Kaiser Wilhelm II“.

 

 

Vielleicht finden wir in den kommenden Tagen noch Zeit nach Storfjell zu fahren. Wir werden sehen wieviel Zeit für eine weitere Tour ins Raftsundgebiet bleibt. 

 

Von Svolvær bis an den Strand von Årsteinen sind es knapp 120 km. Auf der Fahrt finden sich immer wieder kleine sehenswerte Ortschaften und natürlich die sagenumwobenen Natur.

 

Man kann sich einfach nicht satt sehen und meint immer wieder etwas noch Schöneres gefunden zu haben.

Wir sind aus dem Staunen nicht heraus gekommen.