25.08. 2019 Buarbreen

v.l. Sindy, Matze, Ina, Liane, Thomas
v.l. Sindy, Matze, Ina, Liane, Thomas

Die Tour von gestern zum Rossnos lag uns noch schwer in den Beinen.

So waren alle froh, dass wir uns gestern Abend für eine leichtere Wandertour für den heutigen Tag entschieden hatten. Es sollten zum Gletscher Buarbreen im Folgefonna Nationalpark gehen.

 

Der Buarbreen ist ein Gletscherarm des Folgefonna, dem drittgrößten Eisgletscher Norwegens

 

 

Wir trafen uns um 08:30 Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Nach einer Stunde waren unsere Mägen gut gefüllt und mit dem Auto ging es dann in Richtung Odda. 

 

Das Buardalen als Ausgangspunkt für die Wanderung, ist ausgeschildert, so dass wir mit dem Auto bis auf den Parlplatz unmittelbar unterhalb des Gletschers auf ca. 350 m Höhe fahren konnten. Hier standen bereits einige PKW und nachdem wir 150 NOK als Parkgebühr mit Karte bezahlt hatten, ging es auf Schusters Rappen weiter. 

 

 

 

 

Der Weg führt zunächst über  einen Bauernhof, der sehr idyllisch am Fuße des Gletschers liegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir staunten nicht schlecht als wir auf dem Hof freilaufende schottische Hochland-Rinder sahen, die sich dort ohne Umzäunung aufhielten.

 

Sie suchen nach Gräsern oder durchstöberten die Ecken des Hofes nach Fressbarem. 

 

 

 

Ein Rind hatte es sich gemütlich vor dem Wohnhaus abgelegt und ließ sich durch die Menschen, die da vorbei liefen nicht beim Wiederkäuen stören.

 

 

Neben den Rindern sahen wir Hühner und auf einer vom Gletscherbach umgebenen Landzunge, Schweine, die hier in der Sonne lagen und es sich gut gehen ließen. 

 

 

Unser Weg führte uns immer entlang des Gletscherbaches.

 

Im unteren Teil des Weges vom Bachlauf hatten die Besucher des Buarbreen viele Stein-Männchen aufgereiht.

 

Und von diesem Bild inspiriert bauten auch wir unser Stein-Männchen entlang dieses historischen Erdteil auf.

 

Wir waren nun ein Teil der Geschichte vor Ort geworden. 

 

 

 

 

 

 

Zu beiden Seiten des Gletschertals fallen kleine und größere Wasserfälle ins Tal und ergießen sich in den Gebirgsbach.

 

Ein lautes Tosen begleitete uns den gesamten Weg.  

 

 

Die Tour führte uns über Schotterwege, auf Pfade durch märchenhafte kleine Wälder und richtig steilen Felsabschnitten.

 

 

 

 

 

 

Den Gletscherbach "Buarelvi" überquerten wir an mehreren Stellen, teils über Brücken aus Stahlgitter, teils über Holzbrücken, auch eine Hängebrücke ist dabei. 

 

 

 

 

Zwar ist der Weg zum Gletscher recht kurz, der Anstieg ist jedoch sehr heftig.

 

An etlichen Stellen waren Seile angebracht, die uns gute Hilfen waren um die teilweise sehr steilen Anstiege zu meistern.

 

 

 

Durch die Übungen vom Vortage am Rossnos, waren die Seile inzwischen zu meinen besten Freunden geworden und ich nahm diese vertrauensvoll in beide Hände um mich dem Gletscher entgegen zu hangeln. 

 

 

 

 

Es waren aber auch Passagen dabei, wo wir auf allen Vieren der Höhe entgegen klommen, da die Felsen teilweise rutschig waren und eine Sicherung oder „Hangelhilfe“ fehlten. 

 

 

Bei dem gesamten Aufstieg hatten wir immer eine Aussicht auf den Gletscher und zurück uns Buardalen.

 

Es war einfach phantastisch und beeindruckend die Natur zu erleben und zu genießen.

 

Für dieses Naturerlebnis nahmen wir uns immer mal wieder ein paar Minuten Zeit.

 

Wir hatten keine Eile und nichts trieb uns zur Hast, so dass der Aufstieg zum Gletscher von der Belastung her gut zu meistern war. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach ca. 2 Stunden standen wir endlich so nahe, wie man dem „alten Eis“ des Gletscher eben sein kann.

 

Die letzte Brücke über den Gletscherbach war demontiert worden.

 

So kamen wir nicht bis an das Eis des Gletschers heran um ihn auch mit den Händen zu berühren.

 

 

 

Zu verdanken haben wir diesen Sicherheitsabstand unvernünftigen und risikofreudigen Wandersleut`, die Warnungen in den Wind schlagen und ohne Sicherung oder eine Führungsperson den Gletscher betreten. So demontierte man die Brücke als Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Touristen und des Eises. 

 

Wer am oder auf dem Gletscher wandern will, muss eine geführte Gletscher-Wanderung buchen. Wir hatten uns dagegen entschieden und genossen den Anblick so wie es jetzt möglich war. 

 

 

 

Obwohl die Sonne lachte, war es recht frisch hier oben.

 

Die mitgebrachten Jacken holten wir aus dem Rucksack und streiften sie über.

 

 

 

 

Es war sehr laut durch den vor den Gletscherzungen herab brausenden Bäche des oberen (Øvre Buarbreen) und unteren ( Nedre Buarbreen) Gletschers. 

Wir standen unmittelbar am Fuße des nedre Buarbreen.

 

Das Eis des Gletschers funkelte azurblau und die in der Gletscherzunge befindlichen Spalten waren deutlich zu erkennen.

 

Am Ausläufer der Zunge war das Eis wohl mehrere Meter dick und alles erschien wie erstarrt, als wenn Jemand den Stopp-Knopf gedrückt hätte. 

 

 

 

 

Nach dem obligatorischen Gipfelfoto packten wir unser „Matpakke“ aus und ließen uns das Brot und den Gänsewein schmecken.

 

 

 

 

Einen Gipfeltrunk gab es natürlich auch.

 

Es ist schon ein erhabenes Gefühl hier oben zu stehen und der Vergangenheit so nahe zu sein. Man konnte regelrecht spüren welche Kräfte haben wirken müssen um das Eis zu bewegen und diese Formationen zu schaffen. Ehrfurcht machte sich breit.

 

Wir hatten Glück so früh hier oben am Gletscher zu sein. Nach unserer Essenpause füllte sich das kleine Plateau zunehmend mit vielen Wanderern.

 

Jetzt wurde es eng und so beschlossen wir uns auf den Rückweg zu machen. 

 

 

 

 

 

 

Schnell noch in das Gipfelbuch (ein deutsches Hausaufgabenheft aus der Schule) eingetragen und wir machten uns auf den Rückweg.

 

 

So wie wir hochkamen, ging es auch wieder bergab.

 

Die strömenden Menschenmassen machte hier und da einen unfreiwilligen Halt notwendig.

 

Zusätzlich gönnten wir uns eine Verschnaufpause um nochmals die Umgebung mit toller Aussicht auf das Buardal wahr zu nehmen. 

 

 

 

 

 

 

Im unteren Drittel unseres Abstieg überraschte uns nochmals einer der Zuflussbäche zum Buarelvi mit einem hohen Wasserstand.

 

 

Auf dem Hinweg konnten wir von einem Stein zum anderen balancieren.

 

Jetzt war so viel Wasser, dass alle Steine „Land unter waren“ und wir gut schauen mussten, welche wohl begehbar sind und welche eventuell zu nassen Schuhen und Hosen führen würden.

 

Zur rechten Seite des Übergangs ging es steil ins Tal und auf der linken Seite steil hoch zum Hang. Wir mussten also mitten durch. Brav hintereinander passierten wir die Furt, nasse Füße und Hosen hielten sich in Grenzen. 

 

 

 

 

 

Das letzte Stück ging wieder über den Bauernhof zurück zum Parkplatz.

 

 

 

 

 

 

Vielleicht noch wichtig zu erwähnen, dass sich direkt am Bauernhof angrenzend ein kleiner Stellplatz für Wohnmobile befindet.

 

Von hier aus hat man freie Sicht auf den Gletscher.

 

 

Zurück am Auto waren wir gegen 14:30 Uhr.

 

Alles in allem hatten wir 4,5 Stunden für 6 km Strecke gebraucht. Wir waren auf ca. 670 m Höhe gestiegen.

 

 

 

 

Die untere Begrenzung für die Gletscherzunge des „nedre Buarbreen“ liegt bei ca. 680 m, letzte Messung von 2005. 1981 war das Ende mit einer Höhe von 620 m angegeben. Also hat der Gletscher sich zurückgezogen, … oder besser … er schmilzt.  

 

Für die Tour sind wasserfestes Schuhwerk mit ausreichend Trittsicherheit notwendig.

 

Es ist eine Herausforderung für kleine Kinder oder ältere im Wandern nicht geübte Menschen und eigentlich für diese nicht zu empfehlen. 

 

 

Im Auto ging es die „Schlingelschlangel-Strasse“ zurück nach Odda.

Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel bei fast 25 Grad und wir hatten Lust auf ein Eis.

Also gab einen Stopp in Odda und das Auto parkten wir wieder auf dem kostenfreien Parkplatz neben der Kirche.

 

Wir fanden einen DINER, der Soft-Eis verkaufte. Ein kleines Waffeltütchen gefüllt mit leckerem Vanille-Softeis kam dann mal 35 NOK… 3,50 €.

 

 

 

 

 

 

 

Wir schlenderten am Hafen entlang und entdeckten dabei eine kleine Gaststätte mit einem Terrassen-Cafe.

 

Also gab es für alle noch einen Kaffee und ein paar Minuten in der Sonne zum Chillen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wieder im Hotel in Tyssedal angekommen, fanden wir vor dem Hotel eine Sitzgruppe mit Gartenstühle, die uns regelrecht einlud, noch einmal Platz zu nehmen.

 

 

 

Wir hatten reichlich „Besprechungs-Bier“ am Flughafen eingekauft, so dass die Planung für den nächsten Tag hier in der Sonne abgehalten wurde.

 

Die morgige Tour galt der TROLLTUNGA , unsere "Königsdisziplin" für diesen Urlaub. 

 

 

Ach, kann das Leben schön sein.

 

 

Weitere Fotos findet ihr in der Galerie.