23.06. 2016

Sankt Hans, … Sommersonnenwende

 

Für heute hatten wir die Speedbootfahrt in Svolvær geplant. Um 8:00 Uhr ging es raus aus dem Bett und gleich ins Bad. Wollten wir jedenfalls, doch das Bad war durch einen „morgendlichen Warmduscher“ belegt.

O.k., mussten wir eben warten. Wir hatten ja reichlich Zeit um nach Svolvær zu kommen.

Um 9:00 Uhr wollten wir starten, damit wir in Ruhe nach einem kostenfreien Parkplatzes suchen konnten. Außerdem wollten wir nicht die Letzten am Treffpunkt sein.

 

20 Minuten Wartezeit... das Bad war frei. Frühstück eingenommen , Sachen gepackt und los.

So war jedenfalls der Plan. Doch es kam anders ! 

 

Wir wurden abrupt durch das „Nichtvorhandensein“ des Autoschlüssels ausgebremst. Der Autoschlüssel ließ sich nicht finden. Unser ganzes Zimmer haben wir auf den Kopf gestellt, unser Gebäck von innen nach außen gedreht,... nichts. Tja, fast hätten wir unseren Ausflug aufgegeben. Nochmals nach oben ins Zimmer und wie durch ein Wunder oder durch Trollhand bewirkt, war er da der Autoschlüssel. Er hatte sich unter einem der Läufer im Zimmer versteckt. Haste was kann`ste ins Auto und los. Es war bereits 9:45 Uhr und um 11:00 Uhr war das Treffen und Klamotten fassen, angesagt. 

 

Unsere Stimmung war nach dieser morgendlichen Überraschung nicht gerade auf dem Höhepunkt. Doch im Laufe der Autofahrt hellten sich unsere Gemüter wieder auf. Nachdem wir das Auto gut in Svolvær abgestellt hatten und pünktlich am Treffpunkt eintrafen war alles wieder paletti und die Bootstour konnte beginnen. 

 

 

Es standen zwei Speedboote bereit, die jeweils 12 Personen aufnehmen sollten.

 

Zunächst wurden wir mit Sicherheitskleidung ausgestattet, d.h. dicker Overall, Handschuhe, Brille und Rettungsweste.

 

 

 

 

In voller Montur liefen wir wie die „Tele-Tappis“ zum Kai und nahmen unsere Plätze auf dem Boot ein.

 

 

Wir kannten diese Boote bereits von unserer Tour auf dem Eismeer in unserem Svalbard Urlaub

 

Ausschnitt von einem Plakat vor dem "Touristensenter"
Ausschnitt von einem Plakat vor dem "Touristensenter"

Tja und dann ging es los. Das Wetter war durchwachsen, dennoch recht kühl, wenn man draußen auf dem Meer mit einem Speedboot unterwegs ist. Es ging in Richtung Trollfjord, eine Touristenattraktion.

Auf dem Weg dort hin sahen wir wundervolle Natur und jeder kleine Meter barg wirklich etwas Besonderes in sich. Endlich hielten die Boote und der Bootsführer des anderen Speedbootes lockte mit Fisch, Seeadler an.

Und wirklich plötzlich tauchte ein riesiger Adler auf und kreiste über den Booten. Als er den Fisch in den Händen des Bootsführers entdeckte, nahm er Kurs darauf. In diesem Moment warf der Mann den Fisch über seinen Kopf und der Seeadler fing ihn mit seinen Krallen auf. Es war beeindruckend für uns und ein Raunen ging durch die gesamte „Besatzung“. 

 

Aber das war noch nicht alles. An einer anderen Insel wurde der Fisch ins Wasser geworfen und ein anderer Adler erschien über unseren Köpfen. Auch zwei Möwen hatte den Fisch entdeckt und wollten diesen erhaschen. Doch der Seeadler behauptete majestätisch sein Terrain und die Möwen verschwanden mit lautem Geschrei. Der Adler flog über die Wasseroberfläche streckte sein Füße aus und krallte sich den Fisch. Wahnsinn, wenn man diese Vögel aus solcher Nähe betrachten kann. 

 

Ralf hat die Adler auf einem Video aufgenommen und wir sind neugierig wie diese Filme geworden sind.

 

Nach dieser Sensation ging es weiter in Richtung Trollfjord.

 

Seeadlertour
Seeadlertour

Der Fjord liegt im schönen Raftsund zwischen Austvågøy und Hinnøy.

 

An seiner schmalsten Stelle mißt der Fjord nur 70 m.

 

 

Spektakuläre Felswände ragen hier aus dem Meer.

 

Der Trollfjord ist bekannt für seine Wetterwechsel. Deshalb fährt kaum noch ein Schiff der Hurtigroute in den Fjord hinein. Wenn man gut rein kommt, heißt es noch lange nicht, dass man auch gut raus kommt. Das Wetter kan sich innerhalt weniger Minuten von phantastisch zu katastrophal verändern und es gibt kaum noch einen Kapitän, der sein Schiff in den Trollfjord lenkt. Vielleicht hat der Trollfjord seinen Namen aufgrund der magischen Vorgänge im Fjord, wie zum Beispiel dem kurzfristigen Wetterwechsel.

 

 

 

Zurück ging es durch kleine Inselwelten mit schroffen, aber farblich tollen Felswänden oder kleinen Sandstränden.

Hin und wieder sahen wir Häuser oder auch kleinere Gehöfte auf den Inseln. 

 

Auch unterwegs begegneten wir Seeadler, die auf hohen Klippen saßen und nach Fressen Ausschau hielten.

Oder sie segelten einfach über unsere Köpfe hin weg, als wenn sie auf einer kleinen Ferienreise wären. Es sind anmutige Tiere.

 

Fast in Svolvær angekommen, flogen wir über das Meer durch Skrova. Die ca. 200 Einwohner des Ortes leben größtenteils vom Fischfang, unter anderem dem Walfang und deren Verarbeitung.

 

Na ja, die Norweger haben ihre eigene Einstellung zum Walfang und orientieren sich nicht nach internationalen Bestimmungen. Sie meinen, dass sie sich mit der Natur einig sind und das ist Einigkeit genug. 

 

Nach 2 Stunden legten wir wieder in Svolvær an. Der Ausflug mit den Speedbootfahrt hatte sich gelohnt.

Wir waren voll mit Eindrücken der Natur da draußen auf dem Fjord.

Wir können so eine Bootstour nur weiter empfehlen.

 

 

Bei unserem Rundgang am Kai waren wir auf ein Plakat aufmerksam geworden, was auf eine Ausstellung hinwies.

 

Da der Himmel sich zugezogen hatte, nahmen wir die Chance und begaben uns in die "Magic Ice" Ausstellung

am Ende des Hafens. Es war wohl eine alte Kühlhalle, die umfunktioniert war. Es handelt sich um die einzige immerwährende Ausstellung von Eisskulpturen in der Welt.

Man war das kalt da drinnen. Obwohl wir zu unseren normalen Klamotten noch einen dick gesteppten Umhang und Handschuhe bekamen, war es bereits nach 5 Minuten bitter kalt. Liane fühlte sich selbst wie eine Eisskulptur. Trotz Kälte empfanden wir die Skulpturen aus Eis beeindruckend. Musik und Lichtspiele setzten die Ausstellung in ein entsprechendes „Licht“. Neben einem Eisthron, den Liane erst mal gleich ausprobieren musste und einer Eisbar, an der für jeden Besucher ein kleines alkoholisches Getränkt in einem Glas aus Eis serviert wurde, fanden sich die verschiedenste Themen in Eis dargestellt. 

 

Lange haben wir es darin aber nicht ausgehalten. Die Kälte ging durch Mark und Knochen. Endlich wieder draußen, empfanden wir die Außentemperatur nicht mehr als unangenehm, sondern kuschelig warm. 

 

Es war bereits 16:00 Uhr und wir traten den Heimweg an. Eine Zwischenstation machten wir in Kabelvåg.

 

Hier öffnete heute an Sankt Hans ein Markt, der wohl die verschiedenste Dinge darbietet. Die Ortsvereine bieten Kaffee und Kuchen. Die Hausfrauen Selbstgestricktes, die Handwerker einiges aus ihrer Zunft und am Abend gibt es Musik und Tanz. Wir schlenderten über den Markt und haben uns dann in eine Seitenstraße in einer Bäckerei mit kleinem Cafe nieder gelassen. 

 

Ökologisch backen diese jungen Leute und der Kaffee ist aus ökologischem Anbaut frisch geröstet.

Kaffee und Kuchen waren gut und wir fuhren weiter.

 

 

Wir hatten für heute die verschobene Tour von gestern ins Visier genommen und so wurden nur die Klamotten gewechselt, das Essenspaket (norweg.: matpakke) eingesteckt und schon ging es mit dem Auto in Richtung Uttakleiv. 

 

 

Unser Ziel war der höhste Berg der Insel,der Himmeltinden mit seinen knapp 1000 Metern. Das Wetter sollte so gegen Mitternacht schlechter werden und da Sankt Hans war, also der längste Tag im Jahr, sahen wir bei unserer Autofahrt überall Menschen die die Sommersonnenwende mit einem Lagerfeuer ehrten. Da das Licht keine Grenzen hat und praktisch hier oben 24 Stunden Tag ist, begannen wir den Aufstieg um 19:48 Uhr. 

 

Mal mehr oder mal weniger geschimpft, in der Hoffnung, dass der Andere sagt „es sei genug, … jetzt reicht`s, ...ich gehe nicht mehr weiter“, erklommen wir fast den Gipfel.

Es fehlten uns ca. 20 Höhenmeter um an die Radarstation nach oben zu gelangen. Ein großes Schneefeld versagte uns den weiteren Aufstieg und wer weiß , wofür das gut war. 

Teilweise war der Aufstieg mit seinem schmalen Weg gut zu gehen, manchmal sehr glitschig oder größere Steine verlegten den Weg, so dass kleine Varianten notwendig waren. Auch feiner Kies machte es ab und zu schwierig sicheren Halt zu finden.

Zum Schluss krabbelten wir auf allen Vieren den steile Berg hinauf. Auch ein Schneefeld von 30 Meter Länge forderte unser ganzes Können. Aber oben angekommen wurden wir mit einer phantastischen Aussicht belohnt.

 

 

 

Das war es wert sich noch oben zu quälen und durch zuhalten. Das war es wirklich wert und wir waren so stolz auf uns, nicht aufgegeben zu haben. Wir brauchten für die 980 Höhenmeter 1 ¾ Stunden. 

 

 

Als der steile Abschnitt beendet war, setzten wir uns in 250 Höhenmeter auf einen Stein mit Blick aufs Meer und die Sonne, welche sich leider größtenteils hinter Wolken verzogen hatte, und packten unser Essenspaket aus. Ein paar Minuten Pause und wir legten dann noch die letzten Meter bis zu unserem Auto, was am Meer stand, zurück.

 

Um 00. 30 Uhr waren wir in unserer Unterkunft und es begann zu regnen.

 

 

 

Wir wollten noch schnell bei einem Glas Rotwein die Bilder vom Tag anschauen. Die Fotoapparate herausgeholt, SIM-Karten in den Computer gesteckt, auf den Computer alles übertragen und die SIM-Karten gleich wieder formatiert für den morgigen Tag. Alles ging schnell ohne Probleme

 

Doch bei der Durchsicht der überführten Fotos fanden wir die Filme, die Ralf bei unserem Trip auf dem Meer mit dem Speedboot gemacht hatte, nicht. Sie waren einfach nicht da, verschwunden, vom Computer gefressen,... oder durch einen Fehler beim Überspielen gelöscht.

Waren wir vielleicht traurig. Keine Filme über Seeadler und Speedbootfahrt.

 

Nun gut, was weg ist, ist weg !

Wir haben ja „tausend“ andere wundervolle Aufnahmen, die das heute Erlebte ebenso wiederspiegel. Die Bilder bewegen sich nur nicht, sie stehen still, auch o.k.,... oder?