21.06. 2016 So lebten die alten Wikinger

 

Heute war unsere erster richtiger Urlaubstag auf den Lofoten.

Die Nacht war kurz, denn es ging nach unserem Trip an die Küste zur Mitternachtssonne erst um 02:00 Uhr ins Bett. Trotzdem klingelte der Wecker laut und energisch um 08:00 Uhr am Morgen.

 

Wir hatten uns mit Anne Gerd um 08:30 Uhr zum Frühstück verabredet. Aber wie es eben so ist bei den Norwegern, ...auf ein paar Minuten kommt es doch wohl nicht an. Unser Frühstück war gegen 09:00 Uhr gerichtet. Es gab selbst gebackenes Brot und das, was wir sonst auch zu Hause auf dem Frühstückstisch haben.

 

Wir hatten von gestern noch ein paar Bananen und Äpfel, welche wir mit auf unsere Tagestour nahmen. Außerdem füllten wir eine Flasche mit frischen Wasser. Also "Notproviant" für schlechte Wanderzeiten. 

 

Endlich mit dem Frühstück fertig, ging es ab mit dem Leihwagen in Richtung Eggum, welches ein Naturreservat zusammen mit Borgværet ist.

 

Informationstafel am Wegrand
Informationstafel am Wegrand

 

 

Eggum umfasst einen Küstenbereich von aussergwöhnlichem ärchäologischen und botanischen Wert.

 

Hier finden sich außergewöhnliche Geröllstrände und einer der ältesten Seitenmoränen in Nordland. 

 

 

 

Die Strände an sich haben ein begrenztes Vorkommen an Pflanzenarten. Eine Vielzahl von Pflanzen kommt in Verbindung mit Kleingewässern vor. Diese Umgebung stellt das nördlichste Verbreitungsgebiet der Wasser-Lobelie und des Brennenden Hahnenfußes dar.

 

Borværet ist neben zahlreichen Vogelfelsen eines der bedeutendsten Seevögel-Brutgebiete auf den Lofoten. Hier brüten z.B. Kormorane, Wildgänse, Eiderenten, Silbermöwen und Mantelmöwen. 

 

Das Wetter war akzeptabel, d.h. bewölkt, kein Regen, etwas Wind und Temperaturen um 12 Grad. Wir hatten bereits am Vortage gesehen, dass es ab Mittag Regen geben soll und deshalb ging es zügig (60 km /h) mit dem Auto an diese Küstenregion. Wir wollten den Wanderweg gehen, der sich an der Geröllküste seitlich der ansteigenden Berge schlängelt.

 

Wir fanden unser Ziel schnell. Rucksack aufgesetzt, Regenjacken angezogen und schon ging es vorwärts.

 

Direkt am Strand zu laufen hatte keinen Sinn. Riesige Steine, die sich aneinander reihten und praktisch jede Lücke zwischen Meer und angrenzenden aufsteigenden Felsen füllten, machten eine Strandwanderung unmöglich. 

 

 

Nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt befindet sich auf einer Anhöhe eine ältere Radaranlage aus dem zweiten Weltkrieg.

 

Die Anlage auf Kvalhausen, Eggum, war sehr wichtig für Deutschland und die Überwachung der murmansken Konvoien. Heute ist „Borga“ ein beliebter Aussichtspunkt.

 

 

Ein kleines Cafe liegt am Fusse der Anhöhe und bietet Snaks, Kaffe und Kuchen an. 

 

Nachdem wir den Aussichtspunkt erklommen und unsere „Bildchen“ gemacht hatten, ging es weiter auf dem schmalen Pfad zwischen Meer und Felsen.

 

Kurz hinter der ehemaligen Radaranlage steht auf dem Weg die Skulptur „Hodet“, welche einsam in der Landschaft und mit Blick auf das Meer gerichtet ist. Wir haben die Skulptur fotografiert, aber den Sinn des “Hodet“ , auf deutsch „Der Kopf“ nicht ergründen können. 

 

Das Naturschutzgebiet ist teilweise weit hoch in die Berge begrünt und immer wieder finden sich kleinere Wasserfälle, Seen und Bäche.

Ausserdem wird es als Weidegebiet für Schafe genutzt. Somit wird diese Küstenregion bewirtschaftet und „sauber“ gehalten. In diesem Jahr ist die Natur in dieser Region ca. 3-4 Wochen zurück, so dass wir nur wenige blühende Pflanzen sahen. Es war bislang einfach zu kalt.

 

Unterwegs trafen wir nicht viel Menschen, aber reichlich kleine Schafgruppen.

 

 

Auch Komorane, die hier brüten, konnten wir auf einem Felsen im Meer erblicken. 

Wir liefen soweit, wie der schmale Weg reichte. Nach knapp 4 km traten wir den Rückweg an. Der Himmel hatte sich zugezogen und dicke Regenwolken, wollten ihre Massen los werden.

 

Wieder am Parkplatz angekommen, waren die Regenjacken nass und ein kräftiger kalter Wind machte es so richtig ungemütlich.

 

In dem kleinen Cafe nahmen wir uns Zeit für einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen, … nur 12,00 € kostete der kleine Nachmittagssnak.

Aber wir hatten den Tag ja weiter verplant, so dass die Pause nicht sehr lang war.

 

 

Mit Voraussicht auf die angekündigte Wetterveränderung am Mittag , wollten wir noch ins Wikingermuseum nach Borg. Es war inzwischen 13:00 Uhr und nach weiteren 20 Minuten Autofahrt kamen wir nach Borg.  

Hier in Borg auf den Lofoten herrschte einer der mächtigsten norwegischen Wikingerhäuptlinge. Hier stand das weltweit größte bekannte Haus der Wikingerzeit. Es wurde mit 83 m Länge in voller Größe auf der ehemaligen Wikingersiedling rekonstruiert. 

Rekonstruierte Fürstenhaus auf der ehemaligen Wikingersiedlung in Borg
Rekonstruierte Fürstenhaus auf der ehemaligen Wikingersiedlung in Borg

 

Im Austellungsgebäude befindet sich eine archäologische Sammlung, die durch einen Audioguid (in vielen Sprachen) phantastisch begleitet und auch für nicht Archäologen verständlich erklärt wird. Außerdem kann man sich einen Film über den dort ehemalig ansässigen Wikingerfürst ansehen. Wir fanden die Ausstellung sehr eindrucksvoll und finden sie wirklich empfehlenswert. 

 

Das Herrschaftshaus mit seinen vier großen Funktionsräumen ist beeindruckend. Es wiederspiegelt das Leben der Wikinger vor 1000 Jahren .

 

Hier kann man Handwerksleuten bei Arbeiten aus alten Zeiten zu schauen. Die „Wikingerfrauen“ demonstrieren Handarbeiten und kochten und auch noch nach Wikinger Art. 

 

Wir aßen einen sehr gut gelungene dicken Gemüseeintopf mit Hammelfleisch (… wussten vorab nicht, dass es Schaffleisch ist ...) welcher durch selbst gebackenes Brot und frischem Sauerrahm ergänzt wurde. Serviert wurde von „Bediensteten“ in typischer Kleidung aus alter Zeit in altem Geschirr, wie die Wikinger es angeblich gebrauchten. Dazu gab es „Gänsewein“ aus speziellen alten Gläsern. Es war schon ein Erlebnis in diesen Räumlichkeiten zu sitzen und wie die Wikinger zu speisen.

 

Der Bauch war voll, die Beine lahm und der weibliche Scharfsinn durch Kauf von Wikingerschmuck beruhigt.

 

Es war nun bereits 17:00 Uhr und das Wetter war nicht einladend um eine weitere Tour zu starten.

 

So fuhren wir guter Dinge und zufrieden mit dem Tag zurück in unsere Unterkunft zu Anne Gerd.