19.06. 2013 Auf zum Trollstein

 

Für heute haben wir uns eine Bergwanderung vorgenommen.

Pünktlich um 10:00 Uhr stand unser Guide an der Rezeption. Zu unserer Überraschung trafen wir Leah wieder. Sie war auch an diesem Tag unser verantwortlicher Fremdenführer. Mit von der Partie war ein neu anzulernender Guide, sogenannter Praktikant, ein zierlicher junger Mann mit einem immerwährenden Lächeln im Gesicht. Mit einem dicken Rucksack und dem Gewehr auf der Schulter von Leah, stiegen wir in ein Taxi, was uns am Rand von Longyearbyen absetzte. Der Himmel war bedeckt und der Wetterbericht hatte für heute Regen gemeldet.

 

Die ersten Kilometer gingen gleich bergan über Schotterpiste mit unterschiedlicher Konsistenz. Mal war es sehr weich und dann wieder musste man sehr aufpassen, dass man auf dem lockeren Splitt nicht ausrutschte.Bereits auf den ersten Metern kamen wir trotz der niedrigen Temperatur gleich ins Schwitzen.

Die Wanderung ging entlang eines Gletschers hoch zu dem von unten noch gut sichtbaren Schneefeld. Wir überquerten den Gletscher und mussten aufpassen, dass wir nicht in einer Gletscherspalte verschwinden. Leah meinte aber, dass sie den Aufstieg gut kenne und wir dem eigentlich nicht ausgesetzt sind . Außerdem ging sie ja voran. Nach 1 1/2 verschlechterte sich das Wetter. Es gab keinen Regen sondern Schneeschauer mit kräftigem Wind. Aber trotzdem ließen wir uns nicht davon abbringen weiter in Richtung Gipfel zu marschieren. Unsere ''Ausrüstung'' war gut, Jacken und Hosen wind- und regendicht, und die Einstellung und der Wunsch auf dem Trollstein zu stehen, trieb uns einfach weiter.

Liane hatte dummerweise einfache Winterstiefel angezogen und bereits auf halber Strecke wurde diese Dummheit mit nassen und kalten Füßen bestraft. Gesagt hat sie allerdings nichts, da sie sich den Kommentar von Ralf ersparen wollte.

Unmittelbar unterhalb des Trollsteins gaben Schnee und Wind nochmals ihr Bestes und Leah meinte, dass es durchaus möglich wäre, die Tour hier abzubrechen da wir sicher oben vom Gipfel keine Sicht hätten und der Sturm uns den weiteren Aufstieg erschwert. Doch wer uns kennt, weiß, dass wir so kurz vor dem Ziel keines falls aufgeben werden. Also ging es die letzten 100 Höhenmeter weiter und nach ca. 30 Minuten standen wir oben auf dem ''Troll''. Die letzten 30 Meter über einen schmalen mit Schnee und Eis bedeckten Grad waren nicht ganz ungefährlich, doch wir hatten es geschafft.

Unser Gipfelfoto machten wir in den Wolken bei einer Höhe von 860 Meter.......Und dann ging es so schnell wie möglich wieder runter vom ''Troll '' durch den Schnee.

 

Nachdem die ersten Höhenmeter des Abstiegs hinter uns lagen, gab es eine Lunch-Pause in einem weißen Zelt was für die "Gipfelwanderer'' aufgestellt wurde, um geschützt vor Schnee, Wind oder Regen eine Verschnaufpause einlegen zu können. Leah hatte den ganzen langen Weg für uns alle Essen und Trinken in ihrem Rucksack mitgeschleppt. So gab es eine warme Mahlzeit Lamm-Eintopf, den es als Vakuum-verpacktes Touren-Essen in jedem Sportgeschäft zu kaufen gibt. Mit heißem Wasser aus der Thermoskanne aufgegossen ist es die perfekte warme Mahlzeit für solche langen Wanderungen, egal ob im Winter oder Sommer. Tee, Kaffee und ein heißer Saft aus Schwarzen Johannisbeeren (ist hier in Norwegen ein sehr beliebtes heißes Getränk) mit einem knusprigen Keks gab einen vollen warmen Bauch und gute Laune für den weiteren Abstieg.

 

Mit einem leichten Schwenk zu einem an der Seite gelegenden Plateau in 512 Meter Höhe mit einer tolle Aussicht über Longyearbyen und dem Isfjord, war unser Ausflug perfekt. Auf dem Plateau über Longyearbyen liegt kein Schnee mehr und so konnten wir die ersten Frühblüher bestaunen. Natürlich haben wir uns in das hier ausliegende Gipfelbuch eingetragen. Es liegt in einem Kästchen was Wind und Regen abhält.

Hier überraschte uns auch die Sonne. Sicher weil wir so brav waren und nicht frühzeitig umgekehrt sind und auch unsere Mahlzeit fein aufgegessen hatten, kam nun ''Klärchen'' und begrüßte uns mit einem langen Lächeln.

 

Eine 3/4 Stunde später waren wir wieder unten in Nybyen wo bereits das Taxi auf uns wartete um uns zurück zum Hotel zu fahren. Es war ein toller Ausflug gewesen. Wir waren 6 Stunden unterwegs, hatten Sturm, Schnee, Regen und Sonne gesehen.

Glücklicherweise hatten wir das Gewehr nicht im Gebrauch. Es war nur ein treuer Begleiter, mehr nicht.

 

Für heute ist es wohl genug mit dem Wandern. Jetzt eine warme Dusche und gutes Essen im Restaurant ''Kroa'' …. und dann ab in die Klapeie.

 

Morgen geht es mit dem Schnellboot zur Isfjord-Radio-Station wo wir auch übernachten werden. Hoffentlich ist die See ruhig, so dass die Bootfahrt nicht so ''kotzig'' wird.

Besonders Liane hat es nicht so mit der Seefahrt und wünscht sich ganz doll ruhiges Wasser.