13.09.2020 Ritt über den Besseggen 

 

Ich bin im Land der Riesen, der höchsten Berge Norwegens.

1.140 Quadratkilometer Jotunheimens, etwa ein Drittel der Region, wurden zum Nationalpark erklärt.

 

Die Wanderung von Memurubu nach Gjendesheim gilt in Norwegen als Klassiker, den man einmal in seinem Leben gemacht haben sollte. 

 

Es wird vermutet, dass der bizarre und steile Gebirgsrücken im östlichen Jotunheimen dem Lyriker und Dramatiker Ibsen als Vorlage für Peer Gynts Ritt auf dem Gendingrat diente.

 

 

 

 

Wie jeden Tag, wollte ich auch meine letzte Tagestour früh am Morgen starten.

 

 

Die Nacht hatte ich gut geschlafen in meiner Luxusbehausung. Meine Klamotten waren alle wieder trocken vom gestrigen Regentag.

Und… , die Sonne strahlte vom blauen Himmel… ein Traum, ... mein Traum den Besseggen bei schönem Wetter zu erklimmen, sollte Wirklichkeit werden.

Schnell meine Sachen eingepackt, das Frühstück eingenommen und mein Matpacke im Rucksack verstaut.

Pünktlich um 08:30 Uhr stand ich vor der Memurubu-Hütte.

 

Übrigens mussten alle Gäste heute „aus checken“. Die Memurubu-Hütte schloss heute ihre Pforten, die Saison war zu Ende. 

 

 

Doch nur ein paar Minuten draußen bei Sonnenschein offenbarten, dass die Sonne einen Packt mit einem eisigen kräftigen Nordwind geschlossen hatte.

 

 

So verlockend die Sonne auch lachte, merkte man deutlich, dass der Sommer seine Saison beendet und die kalte Jahreszeit auf dem Vormarsch ist.

Laut Wetterinfo war der Besseggen mit Minusgraden in der Nacht gesegnet wurden und der Aufstieg von der Memurubu-Hütte war mit Schnee bedeckt.

 

Ich machte ich mich auf den Weg, der wohl voller Überraschungen sein sollte. Ich ahnte da allerdings noch nicht, dass auch eine Wegvariante dazu gehört. 

Ich stieg die ersten Höhenmeter bei Schnee und Eis.

Ich musste gut aufpassen, denn die Steine waren mit einer dünnen Eisschicht (gestern hatte es ja geregnet) überzogen und Schnee deckte die Spalten zwischen den Steinen ab, so dass man schnell mal ins Rutschen kommen konnte.

 

Die ersten 1,5 Kilometer ging es steil bergan. Ich überwand 400 Höhenmeter.

Die Markierungen waren kläglich und oft genug musste ich meinen Adlerblick lange kreisen lassen um das nächste rote „T“ zu erkennen.   

 

Die Tour über den Besseggen ist eine der meist gelaufenen Touren hier in Norwegen. Die Menschen reihen sich üblicherweise wie Ameisen hintereinander und es folgt einer dem anderen so dass Wegweiser kaum gebraucht werden.

Heute war es allerdings einsam wie auf meinen Tagestouren zuvor. Es war keine "Ameise" in der Spur. 

 

 

Fast auf dem ersten Gipfel angekommen sah ich vor mir doch noch eine andere Wandersfrau, die wohl kurz vor mir gestartet sein musste.

Sie ging wesentlich langsamer als ich, so dass ich sie wenige Meter höher, begrüßen konnte.

Es war Junia, eine Frau aus Brasilien, die seit 5 Jahren in Oslo arbeitet und lebt.

 

Wir kamen ins Gespräch und plapperten so dahin. Hier oben war gut 10 cm Neuschnee und nachdem sie mir erzählte, dass sie den Besseggen bereits 2 x gelaufen war, überließ ich ihr die Führung. Sie musste es ja wissen. Zusätzlich fand sich das ein oder andere rote „T“ und der ein oder andere Varden.

Nachdem wir den Gipfel passiert hatten, zog sich die Markierung wieder bergab. Es war nicht so einfach zu gehen, so dass wir teilweise auf dem Hintern die Steine runter glitten um nicht auszurutschen. Es war loses Geröll auf dem wir uns bewegten. 

 

Nach dem Abstieg führte uns die Markierung weiter durch ein atemberaubend herbstlich anmutendes Tal, welches teilweise mit Schnee und Eis geschmückt, eine märchenhafte Kulisse bot.

 

Bei dem ganzen Staunen und dem Gequatsche bemerkten wir nicht, dass wir auf dem „Holzweg“ waren.

Erst nach 5 Kilometern, kamen wirklich Zweifel auf, dass es hier zum Besseggen geht.

Telefonempfang gab es nicht.

Da kam mir die Idee meine erst auf anraten eines Freundes runter geladene KOMOOT-App, die auf GPS-Basis funktioniert, zu benutzen.

Und da zeigte sich das Dilemma in seiner ganzen Länge. Wir befanden uns am Russvatnet, 5 km weg vom eigentlichen Pfad zum Besseggen.

Junia erzählte, dass ihr das bei einer von den Besseggen-Touren sogar mit Guide passiert war, die Gruppe sich so richtig verlaufen hatte und erst spät am Abend den richtigen Weg zurück fand. Das war wenig Trost für mich.

 

Was nun. Alles wieder zurück ??? 

Ja, alles wieder zurück!

 

 

 

Junia meinte, dass sie, wenn wir wieder oben auf dem Gipfel stehen von wo wir aus runter ins Tal zum Russvatnet gestiegen waren, den Weg zurück nach Memurubu nimmt und mit dem Gjendeboot nach Gjendesheim fährt.

Ihr Bus ginge von da um 17:00 Uhr nach Oslo. Den Besseggen schafft sie heute nicht mehr. 

 

Ich grübelte und überlegte, ob ich die Zusatzkilometer einfach so wegstecke und versuche den Weg zum Besseggen allein zu finden.

Und ja, ich entschied mich mein Tagesziel nicht aufzugeben.

 

Ich setzte mich in Gang und nahm mein gewohntes, jetzt allerdings verschärftes Wandertempo auf. Mit einem Winken verabschiedete ich mich von der Brasilianerin Junia und stiefelte den Berg wieder hoch. 

 

 

Hier oben stand dann plötzlich ein Varden, der eindeutig zusätzlich mit einem rote „T“ gekennzeichnet und den Weg jetzt links von mir als den „Besseggen-Weg“ auswies.

Wie konnten wir den einfach übersehen.

Hier an dem Varden gabelte sich der Weg vom Aufstieg Memurubu-Hütte zum Besseggen und ins Russvatne-Tal

 

Eine Erklärung für unser Missgeschick fand sich schnell.

Hier oben auf dem Gipfel über Memurubu gibt es zwei ausgezeichnete Wanderwege, die sich im 90 Grad Winkel von einander trenne.

 

Der Aufstieg von der Memurubu-Hütte geht gemeinsam. Auf dem Gipfeltrennen gabeln sich die Wege. 

Der eine führt in Richtung Besseggen und der andere zum Russvatnet , den ich nun mit seiner phantastischen Landschaft aufgrund von Unaufmerksamkeit und Quasselei kennenlernen durfte.

An den Tagen zuvor war ich immer allein unterwegs und konnte mich nur auf meiner selbst verlassen. Jetzt war ich unaufmerksam, hatte einer anderen Person vertraut und das ging schief.

War ja nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich jemand Anderem mein 100% iges Vertrauen schenkte. Auch hier wurde ich eines Besseren belehrt.

 

Lange Rede kurzer Sinn…, ich machte mich allein weiter auf zum Besseggen. Ich sagte mir, dass es meine letzte Chance in diesem Leben ist, den Besseggen-Grat zu laufen.

Eine zweite Chance bekomme ich nicht… jetzt oder nie war die Devise.

 

 

Es ging durch Schnee, Eis und Geröllfelder, mal steil bergan und dann wieder seicht bergab an kleineren Seen vorbei. 

 

 

Und dann meinte ich nach einem erneuten Anstieg auf den Besseggen-Grat schauen zu können.

Neben mir war rechter Hand der Gjendesee mit seinem türkisfarbenen Wasser und rechts lag ein See mit blauen Wasser.

Was ich nicht wusste, dass der rechte See der Bjønbøltjønne und nicht der berühmte Bessvatnet war.

Doch der Bjønbøltjønn ist viel kleiner in seiner Fläche als der Bessvatne. Aber wer es nicht besser weiß, kann dieses Areal mit den zwei Seen und einem Felsgrat in der Mitte durchaus mit dem berühmten den Besseggen-Grat verwechseln. 

 

Dass ich den Besseggen-Grat noch nicht erreicht hatte, merkte ich erst später als ich vor dem Selbigen stand. 

 

Natürlich machte ich meine Fotos, allerdings ohne mich.

Da der Wind hier oben so kräftig blies, dass mein Handy immer wieder aus seinem Stand auf einem Stein, fixiert mit kleineren Steinen, geblasen wurde.

Außerdem war es eisig kalt trotz Sonnenschein. Das ständige An- und Ausziehen der Handschuhe nervte.

 

Es ging weiter bergan über teilweise breite Geröllfelder oder auch schmale Stiege, die den Vierfüßler erforderten. Ich dachte immer, dass ich die Sicherheit im Auge haben muss. Wenn mir hier oben etwas passiert, weiß es kein Mensch und mit Hilfe kann ich sowieso nicht rechnen.

Diese Einstellung hat mich in all den letzten Tagen sicher auf allen Wegen begleitet. 

 

Ja, und nach insgesamt 17 Kilometern zurück gelegten Weges, wobei die 10 km ins Tal des Russvatnet mit eingerechnet sind, sah ich den berühmten  Besseggen-Grat. 

 

Zu meiner rechten lag der Gjendesee türkisfarbend und 400 Meter tiefer gelegen als sein Gegenspieler der Bessvatne mit seiner tiefblauen Farbe zu meiner linken. 

Das sogenannte Bandet (Felsband) lag dazwischen. 

 

 

  

Auf der Mitte des „Bandet“ ist die Position wo man sich befindet mit einer Informationstafel gekennzeichnet.

 

Ohne meine Variante zum Russvatnet , wäre ich jetzt erst 7 km unterwegs gewesen und weitere 7 Kilometer lägen vor mir. 

 

 

 

O.k., die Variante von 10 km öffnete mir den Vorhang für ein weiteres Bühnenbild hier im Land der Riesen,... auch gut, diese „Vorstellung“ hätte ich sonst verpasst. 

 

Blickrichtung zurück nach Memurubu,
Blickrichtung zurück nach Memurubu,
Blick auf den Besseggen-Grat in Wanderrichtung Gjendesheim
Blick auf den Besseggen-Grat in Wanderrichtung Gjendesheim

 

Der Ausblick war berauschend..., wahnsinnig..., beeindruckend..., toll..., schön..., anmutig.., gewaltig..., phantastisch.

Unter mir lagen zwei riesige Tröge, ausgehebelt von eiszeitlichen Gletschern. Der tiefer gelegene, gefüllt mit türkisfarbenem Schmelzwasser, war der Gjendesee. Auf der gegenüber liegenden Seite strahlte der dunkelblaue Bessvatnet (soll der klarste Binnensee Norwegens sein) .

Zwischen den beiden lag ein Felsband, an dem sich einst das Eis vergeblich abgemüht hatte.

Und ich stand zwischen diesen mächtigen mit Wasser gefüllten Eiszeitbecken auf einer Brücke aus Naturfels wie eine winzig kleine Maus.

Ich hatte es mal wieder geschafft und mein Ziel erreicht.  

 

Hier auf dem Bandet (1400 Meter ü. M.)  wollte ich eine Essenspause machen. Doch der Wind blies so stark und war so eisig kalt, dass ich dieses Vorhaben kanzelte. 

 

 

 

Nachdem ich mich „satt gesehen“ hatte, hielt ich nach dem weiteren Weg Ausschau.

 

 

 

Vor mir lag ein riesiger Anstieg hoch zum Grat, der als Fortsetzung meiner Wanderung nicht auf meinem Plan stand. 

 

Also untersuchte ich das beengte Gelände nach einer Alternative des Weiterkommen. Doch alle meine „Untersuchungen“ verliefen ins Leere.

 

Sollte dieser steile Anstieg über spitzen Fels wirklich der einzige Weg sein um die Wanderung fortzusetzen und nach Gjendesheim zu kommen ?

 

Von hier oben am Ende des Gjendesess konnten ich den Anleger vom Gjendeboot und die Gjendesheimhütte in der Ferne wie auf deiner Eisenbahnplatte im Miniformat erkennen. Es musste doch einen Weg um den Grat herum geben !!!.

 

 

 

Bei meinem Adlerblick, der die Gegend regelrecht scannte, stach mir plötzlich ein rotes „T“ in die Augen.

Dieses befand sich allerdings in 50 m Höhe über mir auf dem Grat.

Verdammt noch mal, ich musste wirklich da hoch, es war wohl die einzige Möglichkeit um nach Gjendesheim zu kommen.

 

 

Der Wind hatte fast Orkanstärke angenommen, war eisig wie zuvor und das Gestein vom Grat spitz kantig und mit Eis überzogen. Lebensgefährlich dachte ich. Doch welche Alternative hatte ich?

 

Die Einzige, die wirklich anstand, war der Rückweg nach Memurubu. 7 Kilometern Rückweg, Hütte inzwischen geschlossen und Ungewissheit ob ich das Gjendeboot, was wohl gegen 17 :00 Uhr geht, überhaupt pünktlich erreiche. Nein das war keine Alternative. 

 

Bessvatnet
Bessvatnet

 Ich musste hoch auf den Grat. Hätte ich vorher gewusst, dass ich unter diesen Bedingungen auf allen Vieren hier steil hoch kraxeln muss bei orkanartigem eisigem Wind und vereisten Gestein, mit vollem Rucksack , wäre ich wohl mit Junia zurück gegangen. Aber diese Chance war vorüber.

Ich war hier und wenn ich heute noch in Gjendesheim ankommen wollte, musste ich diesen Ritt wagen. Keine Alternative, Augen auf, fest halten und durch. 

 

 

 

Uns so begann ich meinen Ritt über den Besseggen-Grat zum Veslefjellet.

 

 

 

Meine Finger umklammern den zackigen teilweise mit Eis überzogenen felsigen „Drachenrücken“ und meine Füße folgten nachdem ich jeden einzelnen Vorsprung gescheckt und für sicher angesehen hatte.

Ich schaute nach vorn und checkte die nächsten 2-3 Meter in der Höhe um Halt für Finger und Füße zu suchen. Nach unten schaute ich nicht.

Es war meine erste wirkliche Klettertour und ich wusste nicht wie schwindelfrei ich überhaupt bin. Also kein unnötiges Risiko eingehen war mein Motto. 

 

 

Mein Aufstieg vollzog sich in drei Etappen.

Immer, wenn ich glaubte den höchsten Punkt des Anstiegs aus meiner Sicht von unten erreicht zu haben, machte sich beim Erklimmen der letzten vermeintlichen Stufe ein weiterer neuer Anstieg auf. 

 

Nach drei Anstiegsetappen war ich endlich oben. Man war ich froh, diesen Felsgrat, der einem Drachenrücken sehr ähnelt, geschafft zu haben. 

 

Ich hatte auf meinem „Hochkraxeln“ keine Möglichkeit für Fotos. Immer mit beiden Beinen und mindestens einer Hand musste ich mich an den Fels schmiegen und halten , damit der Wind mich nicht in den Gjende oder Bessvatnet blies.

 

Letztendlich war ich jedoch froh, dass wenigstens Klärchen mir bei meinem halsbrecherischen „Reiten auf dem Drachenrücken“ zur Seite stand. 

Ich war eben doch nicht ganz allein. Die Sonne lachte mir zu und schickt ihre Strahlen schützend zu mir runter… jedenfalls bildete ich mir das so ein.  

 

Vor meiner Jotunheimen-Tour hatte ich mit einer Kollegin gesprochen, die den Besseggen im Sommer mit Familie und hunderten von Touristen gegangen war. Sie meinte nur, dass es nicht so schlimm ist und auch für weniger erfahrene Kletterer zu meistern. Aber jetzt weiß ich, dass es einen Unterschied macht, zu welchen Bedingungen man hier oben ist. Die gleiche „Sache“ wird ganz anders, wenn die Bedingungen sich ändern. Und das gilt sicher nicht nur für das Erklimmen des Besseggen-Grats.

  

Oben angekommen war die Ebene auf der ich mich nun befand mit losen Geröllsteinen gepflastert. Schnee und Eis mischten sich dazwischen und kleinere Varden wiesen mir den weiteren Weg.

 

Von hier oben hatte ich einen tollen Ausblick auf das umliegende Gebirge. Kein Baum, kein Strauch nur Stein. Über die Steinebene hinweg schweift mein Blick zu schneebedeckten Gipfeln. 

Es waren bei der klaren Luft und dem Sonnenschein die verschiedensten Farben miteinander gemischt und wirkten wie aufeinander abgestimmt.

Ein professioneller Maler hätte es nicht besser machen können.

 Tja, die Natur ist ein Meister, die wir wohl in ihrem Perfektionismus nie erreichen können. Wenn wir Etwas als besonders schön oder zweckmäßig sehen, verwenden wir oft die Formulierung „wie von der Natur gemacht“… ja, da können wir uns wohl alle in allem eine Scheibe abschneiden, … von der Natur. 

Nach ständig ansteigenden sehr unwegsamen Geländes erreichte ich den höchsten Punkt des Veslefjellet.

Dieser ist mit einem großen Steinhaufen markiert und liegt 1743 Meter hoch.

 

Dieser Haufen, welcher eine Aufschüttung von verschiebenden großen und kleinen Steinen ist, soll wohl eine Art Pyramide sein. Wer es nicht weiß, läuft einfach daran vorbei, den besonders ausgezeichnet ist dieser Punkt nicht.

 

Von hier aus geht es auf losem Gestein mehr oder weniger kontinuierlich langsam bergab. 

 

Man hat einen tollen Ausblick auf Gjendesheim am Fuße des Gjendesees und in die andere Richtung geschaut blickt über die Berge Richtung Glittertinden/Glitterheimen. 

Das letzte Stück vom Abstieg runter nach Gjendesheim ist nochmals eine Herausforderung. Es ist extrem steil und jeder Schritt muss sicher gesetzt werden. Teilweise bin ich auf dem Popo gerutscht, weil ich keine Trittsicherheit fand.

 

Ca. 2 km vor der Hütte kreuzte ich die Weggabelung wo ich vor 6 Tagen nach Glitterheim spazierte. Ich war wieder an meinem Ausgangspunkt angekommen, „der Kreis, mein Kreis hatte sich geschlossen“

 

 

 

O.K., bis zur Hütte waren es noch knapp 2 km , aber ich hatte diese im Blick einschließlich das Ende vom Gjendesee mit seinem Kai.

 

 

Ich dachte mit mir, Liane jetzt nicht vor lauter Freude noch einen Fehler machen, bleib konzentriert und pass auf wohin du Deine Füße setzt. 

 

Um 18:00 Uhr nahm ich meinen Rucksack ab, stellte die Trekking-Stöcke zur Seite und setzte mich auf eine Bank außen neben der Gjendesheim-Hütte mit Blick auf den Gjendesee.

Ich war 9 ½ Stunden gewandert und hatte mit meiner Variante 25 km in den Beinen, einschließlich einem halsbrecherischem Aufstieg über einen „Drachenrücken“. … ein wenig verrückt bin ich schon !!!

 

Ich packte mein Matpacke aus und verspeiste mein Brot, was mit mir „den Drachen“ überlebt hatte.  

 

Ich war unbeschreiblich glücklich und mächtig stolz auf mich selbst.

Ich „Landei“ hatte meine geplante 6-Tage- Rundwanderung durch das Land der Riesen allein geschafft.

Ich sagte mir , wenn ich so eine Herausforderung meistere, werde ich auch allen anderen Dinge in meinem zukünftigem Leben, die da noch kommen, schaffen.

 

was kostet die Welt, ich packe es einfach an !!! 

 

 

 

Ich übernachtete nochmals in der Gjendesheim-Hütte bevor es am nächsten Morgen wieder nach Hause zu meinen Hundemädchen gehen sollte.

 

 

Die Zimmer in der Gjendesheim-Hütte habe alle Namen.

Meine letzte Nacht in der Hütte schlief ich im „Besseggen“ Zimmer.

 

In Henrik Ibsens Schauspiel »Peer Gynt«

galoppiert der Titelheld auf einem „Bock“ (Rentier ???) im halsbrecherischen Ritt über den Besseggen-Grat.  

 

 Peer Gynt:

 

Mutter, hast Du den Gendingrat einmal gesehn ?


Wohl ’ne Meile läuft er drang Hin, in Sensenrückenbreite.
Unter Firneis, Schuttmoränen, Schnee, Geröll, Sand, kunterbunter, sieht Dein Aug‘ auf jeder Seite stumme,

schwarze Wasser gähnen,


An die fünf-, die siebenzehnhundert Ellen rank hinunter.
Dort lang stoben pfeilgeschwind

er und ich durch Wetter und Wind!“

 

Nie ritt ich solch Rößlein, traun!


Unsrer wilden Fahrt entgegen schnob's wie Sonnenfunkenregen.
Adlerrücken schwammen braun in dem schwindeltiefen Graun
Zwischen Grat und Wasserrande,

– Trieben dann davon wie Daun.


Treibeis brach und barst am Strande;
Doch sein Lärm ging ganz verloren;
Nur der Brandung Geister sprangen wie im Tanze, – sangen, schwangen sich im Reihn vor Aug' und Ohren!

 


Aase (Mutter)
O, Gott steh' mir bei!