11.09. 2020 Von Spiterstulen nach Leirvassbu

 Gir hverdagen et pusterom !!! 

Gib dem Alltag eine Pause !!!

Nach einem guten Frühstück und der Begleichung der Rechnung machte ich mich pünktlich auf meine Tageswanderung.

Im Rucksack waren neben meinen Klamotten wieder ein Lunchpaket und meine Flasche mit frischem Wasser.

Heute hatte ich mich nicht mehrlagig gekleidet, allerdings saß die Mütze auf dem Kopf und die Handschuhe waren auch am Mann (Frau). 

Ich hatte ca. 15 km vor mir. Die Steigung am heutigen Tag hielt sich in Grenzen. Es sollte knapp 400 m in die Höhe gehen.  

Der erste Abschnitt des Weges war leicht zu gehen.

Der Weg, markiert mit roten «T» ‘s, führte leicht aufwärts ins idyllische Visdalen hinein entlang der Ostseite des sich immer wieder verzweigenden Visa. 

Zunächst war das Wetter sehr angenehm zum Wandern. Die Sonne kam ab und zu hinter den Wolken hervor. Es windet zwar ganz schön wie auch in den all den Tagen zuvor, aber hier unten im Tal war ich relativ geschützt gegen den kalten Wind.

Laut Wetterbericht sollte allerdings die Sonne ab Mittag verschwinden und Regen sich breit machen. 

 

Das Tal war umgeben von schroffen Gebirgslandschaften und Geltschern. Alle Gipfel trugen weisse Schnee- oder Eishauben.

Auf Grund seiner Größe sticht der gewaltige Visbrean am Ende des Tales hervor.

 

Im Tal selbst hatte sich der Herbst mit seinen leuchtenden Herbstfarben breit gemacht.  

 

Das Wetter änderte sich nach 2 Stunden wie vorhergesagt.

Grauen Wolken hingen jetzt an den Berghängen und es war diesig. Der Regen hielt sich noch zurück.

 

Eine Brücke passierte ich am Ende des Tales. Hier bog ich in Richtung Südwesten und Westen ab. Es ging zwar sachte aber kontinuierlich bergan.

Nach einer weiteren Stunde begann es zu nieseln und ich war von Nebel eingehüllt.

Oben auf dem Plateau angekommen war der Boden mit Schnee bedeckt.

 

Gut 10 cm Neuschnee waren hier in der Nacht gefallen. Es war ungemütlich und richtig kalt. Der Regen war in Schnee übergegangen, ich hatte Winter .  

Ich war sehr froh an den ersten der fünf Seen zu kommen, die den Weg zur Leirvassbu-tte säumen. Die fünf Seen liegen südlich vom Tverrbytthornet (2.102 m).

 

Ab dem ersten See Panna genannt (1460) krakelte ich über langgezogene Steinfelder. Es war glatt, so dass ich gut aufpassen musste. Die Wegmarkierung war dürftig und so zog sich dieser „Kletterabschnitt“ in die Länge. Das Geröll stammt vom spitzen Tverrbytthornet und vom Tverrbottindan. Die Brocken sind bis an die Seeufer gerollt. 

Hier in dieser so unwirtlichen Gegend hörte ich plötzlich Glockengeläut.

In der Ferne entdeckte ich eine kleine Herde von Schafen, die sich wie ich über die Geröllfelder quälten, …,glaubte ich jedenfalls. 

Doch mit einer unwahrscheinlichen Geschwindigkeit hatten sie mich erreicht, knabberten an meinen Hosen und zogen dann einfach weiter. Es war erstaunlich wie flink sie sich auf dem Geröllfeld mit ihren dünnen und steif wirkenden Beinen bewegten, … und alles ohne Wanderschuhe und Trekkingstöcke.  

Erst dachte ich, na, ja was machen die denn hier allein in dieser unwirtlichen Gegend. Alle Schafe wurden doch bereits am ersten Septemberwochenende aus dem Gebirge nach Hause geholt. Doch die Herde war nicht allein. Es folgten 3 Männer mit 2 Hütehunden, die die Schafe vor sich hertrieben.

Bei mir angekommen, kam ich in ein kurzes Gespräch mit den Schafhirten. Die drei waren unterwegs, die restlichen Schafe von der Sommerweide im Gebirge einzusammeln. Dabei orientieren sie sich an Drohnenbildern um zu wissen, wo sich denn die Schafe noch herumtreiben. 

Tja, auch vor der Schafhaltung macht die Technik nicht halt. Gibt für Mensch und Tier mehr Sicherheit und macht das miteinander etwas leichter in dieser rauen Bergwelt. 

 

 

Hier in dieser Entfernung zur Leivassbu-tte sollte ich eigentlich die Umrisse der 2032 m hohen kegelförmigen »Kyrkja« (Kirche) sehen.

 

Ich war mir nicht sicher, ob ich sie wirklich in der Ferne entdecken konnte oder ob es mehr eine Fata Morgana war, die sich mir stellte. 

 

Nach dem vierten See hatte ich es fast geschafft.

In der Ferne konnte ich die Leirvassbu-Hütte am Leirvatnet sehen.

Allerdings musste ich eine weitere Stunde über die Steine steigen und den fünften See umrunden um endlich ins Trockene der 135 Jahre alten Hütte zu kommen. 

 

Die große DNT-Hütte Leivassbu liegt unmittelbar oberhalb des Leirvatnet und ist über eine Mautstraße mit dem PKW erreichbar.

In der Hochsaison verkehrt ein Linienbus nach Lom.

Bei schönem Wetter trifft man auf eine Menge Tagesausflügler auf dem Wanderweg in wenigen Kilometern Abstand zur Hütte.

Heute war mir bis auf die drei Schafhirten keine anderen Wanderer begegnet. Wie auch an den anderen Tagen zuvor, war ich allein auf weiter Flur.

 

Ich war froh endlich im Warmen und Trockenen mich von diesem unwirtlichen Wandertag verabschieden zu können. Auch wenn die ersten zwei Stunden der Wanderung mich mit einer tollen Landschaft und phantastisch leuchtenden Herbstfarben verwöhnt haben, zogen die restlichen 3 Stunden sich bei Regen, Nebel und Schnee unendlich in die Länge. 

 

Egal, meine Regensachen hatten dicht gehalten, meine Schuhe waren nicht durchgeweicht und den Weg hatte ich auch gefunden.

Hier in der Leivassbu-Hütte hatte ich ein „Luxusapartment“ gebucht.

Ein Zimmer mit eigenem Bad und natürlich Halbpension mit einem 3-Gännge Menü am Abend. Und so ließ ich mich überraschen. 

15 km ohne Pause in 5 Stunden konnten sich sehen lassen. Ich war zufrieden und glücklich.

Auf meinem Zimmer aß ich endlich meine geschmierten Brote und trank Gänsewein, legte mich auf mein Bett und schaute aus dem Fenster wo die Schneeflocken wild durch die Luft tanzten. 

 

Mein Zimmer war klitzeklein, aber mit einem Einzelbett und das Bettzeug mit Damast-Bettwäsche überzogen.

Es gab kein Doppelstockbett wie in den anderen Hütten. 

Ein kleiner Tisch stand dem Bett gegenüber an der Wand, allerdings ohne Stuhl oder Hocker.

Es gab einen Wandschrank und ein winziges Bad mit einer klitzekleinen Dusche, einem Waschbecken und einer eigenenToilette.

Wenn man das Bad betrat, konnte man sich nach rechts direkt auf die Toilette fallen lassen oder nach links in die Dusche steigen. Das Waschbecken war der Tür gegenüber und den Wasserhahn konnte man bereits von der Tür aus bedienen, da der Abstand so kurz war. Egal, ich hatte meinen eigenen "Wellness-Bereich". 

 

 

Das Abendessen wurde wegen „Korona“ in zwei Blöcken eingenommen.

Dafür musste man sich anmelden und die Uhrzeit war mit 18:30 oder 20:30 angegeben.

Ich nahm das Angebot an um 18:30 Uhr speisen zu können. Das Essen war hervorragend wie auch in all den anderen Hütten.

 

Wieder auf meinem Zimmer legte ich mir einen Plan für den nächsten Tag zurecht.

Es waren Schnee und Sturm gemeldet. „Der Zauber“ sollte gegen 10:00 Uhr beginnen. So dass für mich fest stand sofort nach dem Frühstück aufzubrechen um über den Bergkamm zu sein, bevor das Schneetreiben beginnt.

Auf der KOMOOT-App sah ich mir die Strecke nochmals genau an. Prägte mir markante Wegpunkte ein und ging die Wanderung mehrmals in Gedanken durch. 

Gegen 22:00 Uhr knipste ich mein Licht aus und versuchte zu schlafen.