07.09.2020 Reise nach Gjendesheim-Jotunheim 

 

 

 

 

 

Gestern Nachmittag hatte ich stundenlang meinen Rucksack oder besser mehrere Rücksäcke gepackt.

 

Im letzten Sommer kaufte ich mir einen 55 l Touren-Rucksack, so wie ich glaubte, dass er gut für mich ist.

Ich brauchte drei Anläufe um endlich den für mich passenden „Damenrucksack“ zu erstehen.

 

 

 

Und genau diesen wollte ich auf meiner Rundtour durch Jotunheim mit dabei haben.

 

Ich war stolz auf mein nicht unbedingt chices, aber funktionell von mir gut durchdachten Stück.

 

 

Mir war klar, dass ich gut rationieren musste, denn alles was ich einpackte, sollte ich jeden Tag von Hütte zu Hütte selbst tragen. Einen Gepäcktransport zwischen den Hütten , wie ich irrtümlicher glaubte finden zu können, gab es nämlich nicht . 

 

 

Obwohl mein 55 l Rucksack nicht ganz gefüllt war, merkte ich bereits beim Aufsetzen, dass ich dieses Gewicht keine 20 km tragen werde, schon gar nicht jeden Tag.

 

 

 

Nur eine kurze Runde durch das Wohnzimmer mit dem Rucksack auf dem Buckel, ließ mich sofort das Ding abwerfen und rigoros „Reservesachen“ rausschmeißen.

Mit den Dingen, die jetzt wieder zurück in mein neues Säckel kamen, war der Rucksack nur halb voll und damit viel zu groß und trotzdem schwer genug aufgrund des Eigengewichts.

 

Also wurden alle Klamotten und Dinge wieder ausgepackt und nach einem nochmaligen Wechsel zwischen einem 30 l und einem 35 l Rucksack viel meine Entscheidung auf den „Begleiter“, der mir bereits in den letzten 4 Jahre zur Seite stand.

 

 

Prall gefüllt stellte ich den rosa-pinkfarbenen Rucksack in mein Auto. Ich dachte mir, dass ich damit wenigstens auffiel, wenn ich so durch das norwegische Hochgebirge streife. 

 

 

Neele, Thyra und Sola, erkannten sofort, dass „da was im Busch war“.

 

Beim Packen gingen sie mir nicht von der Seite und als ich zum Auto ging, wollten sie einsteigen.

Aber die Tour war ohne meine Mädels geplant. Allein mit drei Hunden an der Leine durch steiles unwegsames Gebiet, was ich nicht kannte, war ich vernünftig genug, diese Herausforderung nicht zusätzlich anzunehmen.

 

Die Drei werden von Freunden versorgt und blieben zu Hause.

Allein durch Jotunheimen ist verrückt genug und das meinte nicht nur ich.

 

 

Wie geplant fuhr ich um 07:00 Uhr vom Hof.

 

Zur selbigen Zeit, wie ich sonst zur Arbeit fahren, so dass der morgendliche tägliche Ablauf für meine Mädels Routine war. Die Drei würden ganz schön dumm schauen, wenn ich am Abend nicht nach Hause komme, das wusste ich wohl.

Aber ich war mir sicher, dass sie gut versorgt werden.

 

 

 

Ich hatte Beitestølen ins NAVI eingegeben, da Gjendesheim als Ort nicht registriert war. Und so ließ ich mich einfach der Nase nach führen.

 

Dabei passte ich auf, nicht auf die E18 Richtung Oslo geleitet zu werden. Ich wollte übers Land fahren und mich nicht dem Reiseverkehr einer Hauptstadt aussetzen. 

 

 

Auf meinem Weg leuchtete die Nissedal-Kirke in der Morgensonne und da ich ohnehin mal „für kleine Mädchen musste“, stoppte ich das Auto und verband Notwendiges mit Kulturellem. 

 

Auf der 41 passierte ich Tveitsund mit seiner alten Steinbrücke, die über den Nisser führt.

 

Hier aß ich mein Frühstücksbrot und vertrat mir ein wenig die Beine. 

 

 

 

Auf der E 134 kurz vor Notodden kam ich in Heddal vorbei. Am Straßenrand sah ich eine wundervolle alte Stabkirche.

 

 

 

 

 

 

Da ich ohnehin den ganzen Tag als Reisezeit eingeplant hatte, stoppte ich auch hier um mir das Bauwerk anzuschauen. Also hatte nochmals Kirchenblick und Kulturpause.

 

Ich war echt beeindruckt von dem Bauwerk und wollte auch einen Blick hinein werfen. Doch ohne Geld geht nichts mehr. Am Eingang saß ein junger „Pope“ und passte fein auf, dass Keiner ohne Eintrittskarte dieses „Himmelreich“ betritt. So musste ich ohne die „Innereien“ der alten Kirche von dannen ziehen. Mein Geld war im Auto und das auf dem Parkplatz ein paar hundert Meter entfernt. 

 

 

So gegen 15:00 Uhr erreichte ich Beitestølen.

 

Das Wetter hatte sich geändert. Die Sonne hatte sich inzwischen verzogen und dicke graue Wolken zierten nun den Himmel.

 

 

Außerhalb des Autos empfing mich ein eiskalter Wind und ich meinte zu träumen als die ersten Schneeflocken auf mein Haupt fielen.

 

Damit hatte ich ja nun überhaupt nicht gerechnet. Schnee Anfang September und ich auf Jotunheimen-Tour, …klasse Liane, ... optimale Planung und dann auch noch allein in der wilden Natur. 

Hier im Sportgeschäft in Beitestølen kaufte ich mir zwei Karten vom Wandergebiet Jotunheimen.

 

Eine für das östliche und eine für das westliche Gebiet, da meine Rundreise beides beinhaltete.

 

Schlappe 50 Euro für zwei Karten hingelegt… und dann noch einen Kompass für 28 Euro und ein Wanderfernglas für 45 Euro.

 

Ich war auch am Überlegen mir noch schnell einen dicken Wollpullover zu kaufen, denn der Schnee hier in Beitestølen hat mich etwas schaudern lassen.

 

Eigentlich war ich ja von zu Hause gestartet um hier den Herbst und nicht den Winter zu erleben.

 

Es gab jedoch keinen neuen dicken Pullover da die passende Größe nicht vorhanden war. Glück gehabt und Geld gespart.

 

 

Die beiden Karten und den Kompass holte ich mir auf Anraten einer Kollegin. Sie war sicher davon ausgegangen, dass ich den Umgang mit Karte und Kompass im Gelände gewohnt bin, was ich allerdings nicht stimmt.

 

 

Ich wollte die Handhabung dieser Utensilien am heutigen Abend über YouTube erlernen…, ausgehend, dass die Gjendesheim-Hütte Internet hat.  

 

 

Nach meinem Einkaufstrip fuhr ich weiter und erreichte Gjendesheim gegen 17:00 Uhr.

 

 

Die Touristenhütte Gjedesheim liegt in ca 900 m Höhe am östlichen Ende des Gjende.

 

Das Gjendeboot geht in der Sommersaison mehrmals am Tag von hier nach Gjendebu und macht halt in Memurubu. Memurubu ist für viele Wanderer der Ausgangspunkt für die Tour über den Besseggen.

Meist wird in die eine Richtung mit dem Boot gefahren und die andere Richtung wird über den Besseggen gewandert. 

 

 

Bei schönem Wetter ist dieser Platz sicher phantastisch anzusehen.

 

Ich hatte jedoch Schnee, Regen, eisigen Wind und dicke tiefhängende Wolken.

 

Und dennoch war es beeindruckend hier am Rande des Gjende zu stehen und in der Ferne die Riesen von Jotunheimen zu sehen. Ich war im Land der Riesen angekommen und ab morgen wollte ich dieses Land erwandern.

 

Reichlich Bedenken bescherte mir das Wetter. Für eine Winterwanderung war ich nicht ausgestattet. Ich hatte zwar meine „Brodder“ und Gamaschen eingepackt, aber wirklich Lust durch eine Winterlandschaft zu stiefeln, hatte ich nicht.

 

 

An der Rezeption bekam ich meinen Schlüssel fürs Zimmer und 10-Kronenstücke für die Gemeinschaftsdusche.

 

Für Frauen war die erste Hälfte und für Männer die zweite Hälfte einer Zeitstunde reserviert. 

 

 

Die Gemeinschaftstoiletten befanden sich auf dem Gang. So wie während meiner Schulzeit...Toilette neben Toilette durch eine dünne Wand getrennt voneinander, … gewöhnungsbedürftig für deutsche erwachsene Menschen, meine ich.

 

Aber ich bin anpassungsfähig und es sollte ja nur für die erste Nacht sein.

Morgen werde ich in Glitterheim sein und sehen, welchen „Nichtluxus“ diese Hütte bietet.  

 

 

Das Zimmer war sehr einfach ausgestattet...wanderzimmer- oder hüttenmäßig eben.

 

Zwei Doppelstockbetten, ein Art Schreibplatte an der Wand und ein kleiner Schemel davor sowie ein Waschbecken mit Spiegel waren mein Reich. Immerhin hatte ich es für mich allein, ...Dank Corona.

 

Bettwäsche und Handtuch hatte ich zuzüglich zu meiner Halbpension gebucht.

 

 

Es gab Einmal-Bettwäsche, komisches Gefühl darin zu liegen. Erinnerte mich an die Einmalabdeckung im OP für die Patienten, die zur OP auf dem Tisch liegen und an den OP-Kittel, den ich dann trage. Alles war das selbe Material. Und nun sollte ich darin schlafen.

 

Das Handtuch war allerdings schön kuschelweich und flauschig, … kein OP-Tuch.

 

Das Abendessen war köstlich. Lachs, mit Gemüse, Kartoffeln und einer tollen Sahnesoße. Vorsuppe schmeckte toll, wobei ich nicht heraus fand, was diese eigentlich war. Nicht Fisch, nicht Fleisch… nur Gemüse???. Als Dessert gab es Himbeercreme mit Vanillesoße, lecker. 

 

 

Und wie es der Zufall will, saß an meinem Tisch gegenüber, mit Abstand natürlich... eine Frau, die ebenfalls allein auf Tour war. Sie hatte allerdings den letzten Abend vor ihrer Rückreise nach Oslo.

 

 

 

Sie war zwei Stunden zuvor von ihrer heutigen Besseggen-Tour zurück gekommen. Mit dem Gjendeboot nach Memurubu und dann über den Besseggen-Grat zurück.  Ungemütlich und kalt war es, meinte sie. Es war allerdings die einzige Tour, die sie gemacht hatte. Am Wochenende war in der Nähe ein Yoga-Kurs gewesen und den hatte sie ausklingen lassen mit etwas mehr Aktivität.

 

Und noch mehr Zufall… sie war deutsch , allein unterwegs und wie ich seit Jahren im norwegischen Gesundheitswesen tätig, … und wie ich von den Einschränkungen für Personal im norwegischen Gesundheitswesen betroffen, … keine Auslandsreise und deshalb Tour durch Norwegen.

Nein, so viel Zufall kann es nicht geben.

 

 

Und diese Frau teilte mir mit, dass der Wetterbericht für den morgigen Tag Sonne gemeldet hat und ich sicher eine tolle Wanderung nach Glitterheim erleben werde. 

 

 

Also dann bekomme ich am ersten Tag wahrscheinlich doch mehr Herbst als Winter.

 

Ich will um 08:30 starten und lasse mich überraschen. Es liegen knapp 22 km vor mir.