Neujahrsbrief 2021

 

An das neue Jahr

 

Da bist du also, neues Jahr,
so jung und schön und wunderbar!
Verheißungsvoll und chancenreich,
ohne Vergangenheit, ohne Vergleich.

 

Bringst Zukunft mit und lässt uns hoffen,
gibst Wege frei, machst Türen offen.
Lässt uns das Beste nun erwarten,
mischst neu auch unsere Lebenskarten.

 

Wir bitten dich, enttäusch’ uns nicht,
lass’ wachsen unsere Zuversicht.
Form’ für uns eine bessere Zeit,
kehr’ ein mit Frieden und Achtsamkeit.

 Sabine Bröckel

 

2020 war voller Spannung.

 

Ich hatte mich entschlossen Espetveit zum Verkauf anzubieten. Mein Plan war es gewesen frühestens 2021 besser 2022 den Hof abzugeben.

 

Dass ich allerdings sehr schnell eine passende Familie finde und zusätzlich dem ganzen „Theater“ einer offiziellen Ausschreibung auf dem Immobilienmarkt entgehe, damit hatte ich nicht gerechnet.

 

Jetzt ist es Realität.

 

Der diesjährigen Neujahrsbriefes wird ein Ende einläuten. Es ist mein letzter Neujahrsbrief der mein Leben hier auf Espetveit beschreibt.

 

Somit findet 2020 einen erfolgreichen wie auch traurigen Abschluss .

 

Ich lasse dieses letzte Jahr hier auf Espetveit Revue passieren, mit allen seinen großen und kleinen Erlebnissen, in seinem Alltag und in seinem Besonderen.

 

Jeder einzelne Tag von 2020 ist mir wichtig. Ich will keinen Tag missen und war er auch noch so schwierig.

Ein jeder Tag ist es wert erwähnt zu werden.    

 

 

Das Jahr 2020 begann mit dem Warten auf den Winter.

 

In 2019 war der Winter um den 20. Januar mit Macht gekommen und so nahm ich mir in diesem Jahr vorsorglich ab der zweiten Januarwoche für 3 Wochen Urlaub um dem Stress mit dem Schneeräumen vor der täglichen Fahrt zur Arbeit zu entfliehen.

 

Doch ich hatte den Plan

ohne den „Wettergott“ gemacht.

 

Der zog es vor in diesem Jahr später die Himmelstore für den Schnee zu öffnen. Es gab in meinem Urlaub fast jeden Tag Regen und die Temperaturen lagen deutlich über Null.

 

Die freien Tage zu Hause habe ich einfach für`s  „Nichtstun“ genutzt.

Aber das ist für mich nicht so einfach. Ich bin es nicht gewöhnt, „einfach nur da zu sitzen und vor mich hin zu schauen“ (Jahresmotto von 2019).

 

So hatte ich begonnen mich im Yoga zu üben und starte jeden Morgen für 10 Minuten mit dem „Sonnengruß“.

Anschließend ging es auf den Morgenspaziergang mit Neele, Thyra und Sola.

 

Außerdem nahm ich mir mindestens 15 Minuten am Tag wo ich am Hang hinter dem Pferdestall auf meiner Bank saß und meinen Blick und meine Gedanken einfach schweifen ließ.  

 

Ich jedes Mal wurde mir bewusst, wie toll ich das hier auf Espetveit habe und wie glücklich ich sein kann hier draußen in der Natur zu wohnen. Wo andere Urlaub machen, war mein zu Hause.

 

Der Urlaub ging zur Neige und mit ihm die warmen Temperaturen. Am letzten Urlaubswochenende kam der Schnee.

 

Ich konnte nur abwarten was der „Winterplaner“ so vor hatte. Ich musste ohnehin das nehmen, was kam … ,ob es passte oder nicht.

Sich darüber ärgern half mir nicht und somit sah ich jeden Tag als „Überraschungsei“.

 

 

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Der Februar war ein Auf und ein Ab von Temperaturen und ein ständiger Wechsel zwischen Schnee und Regen.

Ein so unentschlossenes Februarwetter hatte ich in den vergangenen Jahren noch nicht erlebt.

In die Langlaufloipe zu gehen, war nicht drin. Die Schneeverhältnisse waren instabil, matschig oder vereist. Es war eben kein Loipenwetter.

 

Da ausreichend Zeit zum Nachdenken war, entschloss ich mich den Verkauf von Espetveit kund zu tun. Ich musste irgendwann damit beginnen und so verfasste ich einen langen Artikel um mein zu Hause anzupreisen. 

 

 

Paradies zu verkaufen

 

Espetveit steht zum Verkauf.

 

Nach reiflichen Überlegungen und schweren Herzen

verkaufe ich meinen Hof .

 

Espetveit ist mein kleines Paradies.

 

Für Menschen, die ein Leben verbunden mit

 

Tieren und der Natur wünschen, ist Espetveit der

 

„Sechser im Lotto“.

 

 

Ich erhoffe mir Menschen,

die Espetveit in seinem Sein verstehen und weiterführen,

die Espetveit wieder Leben einhauchen

und damit eine Zukunft geben.

 

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht ahnen, dass bereits vier  Wochen später die zukünftigen Käufer meines kleinen  Paradieses „vor den Toren Espetveits stehen und um Einlass bitten".    

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Anfang März bekam ich Besuch aus Deutschland und mit dem Besuch kam der Winter nochmals mit Macht.

Fast ein Meter nasser Neuschnee brachte alles zum Erliegen.

Es waren Schneeketten notwendig um durch dem Winterwald zu kommen.

Die Schneefräse konnte ich wegen Plusgraden und nassen Schnee mal wieder nicht einsetzen.

 

Wir schaufelten mit vereinten Kräften uns die Wege frei, die wir benötigten um das Wesentlichste bewerkstelligen zu können.

Mein Auto parkte ich wie so oft bei solchem Wetter unten am Waldweg.  

 

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Tja, und genau zur Zeit des Schnees ereilte uns auch die Corona-Pandemie.

Corona legte ein Tuch über die Welt. Wir waren alle mehr oder weniger betroffen.

Es war eine brenzliche Situation. Dänemark hatte am Abend vom 14.03. angekündigt seine Grenzen zu schließen. Ab den 15.03.2020 11:00 sollte alles dicht sein.

Mein Besuch hatte Glück und konnte mit der letzten Fähre um 08:00 Uhr  von Kristiansand nach Hirtshals und damit weiter nach Deutschland reisen.

 

Hier in Norwegen stand fast alles still. Die Arbeitnehmer, welche von zu Hause aus arbeiten konnten , hatten Home Office verordnet bekommen. Die Verwaltungen egal in welchem Bereich, arbeiten nur noch über Telefonkontakte oder mit Videokonferenzen.

Die kleineren Betriebe wurden geschlossen. Schulen, Kindergärten und Unis hatten ebenfalls „Pause“. Das soziale Leben war zum Erliegen gekommen.

 

Das Einzige, was auf Hochtouren lief und die Angestellten mit Überstunden übersäte, waren die Krankenhäuser. Das Personal war teilweise in Quarantäne oder selbst erkrankt, so dass die „Besatzung“ deutlich dezimiert war. 

 

Ich selbst arbeitete den Montag, den ich normalerweise frei habe, voll. Jeder Arbeitstag der Woche brachte zusätzlich täglich 2-3 Überstunden mit sich.

 

Die wöchentliche Arbeitszeit lag für mich bei 55-60 Stunden. Und kein Ende war in Sicht.

 

 

Aber dieser Virus hatte auch sein Gutes.

Auf der Fahrt zur täglichen Arbeit traf ich kaum andere Fahrzeuge. Es war immer freie Fahrt.

 

Am Straßenrand sah ich am frühen Morgen unmittelbar nach meiner Abfahrt vom Waldweg auf die Hauptstraße drei Jungelche am Wegrand stehen, die genüsslich das erste Grün am Randstreifen fraßen.

Die Elche trauten sich jetzt wieder heraus aus dem Wald, denn die Unruhe, die so ein Straßenverkehr mit sich bringt, war verschwunden.

 

Die Tiere eroberten sich ihr Gebiet zurück.

 

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Auch bei meinen langen Spaziergängen durch den Wald und dem angrenzenden Hüttengebiet schien ich allein auf dieser Welt zu sein.  

 

Ich sah auf meinem Spaziergang nur Vögel und Elchspuren, ...keine Menschenseele war unterwegs.

 

Im Hüttengebiet war absolute Ruhe… kein Motorsäge-Geräusch, kein „Menschengeschnatter“, kein einziges Auto auf dem Waldweg ins Hüttengebiet.

 

Und warum?

Norwegen hatte für alle Hüttengebiete „Hüttenbesuchsverbot“ erlassen. Die Leute mussten zu Hause bleiben.

 

Ruhe, … absolute Stille,  … nichts was die Natur mehr störte. Die Tiere hatten ihr zu Hause zurück. 

 

 

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Die Pandemie brachte viel Zeit und Anstoß darüber nachzudenken, was wir bislang gelebt und wie wir mit uns und dem was uns umgibt umgegangen sind.

 

 

 

Jeder sollte sich „ an die eigenen Nase fassen“ und in sich gehen. Es kann nicht immer schneller, höher und weiter gehen. Es ist Zeit für Veränderung.

 

 

Wenn ich an die ersten Wochen von 2020 zurück denke, muss ich feststellen, dass diese eigentlich nur so dahin schwanden.

 

 

Der Februar war kein richtiger Wintermonat. Immer wenn ich glaubte, ja jetzt kommt der Winter mit viel Schnee, verschwand er auch schon wieder. Ein ständiger Wechsel zwischen kalt und warm, Schnee und Regen brachte sehr viel Unruhe und Arbeit mit sich.

 

Der letzte Schnee vom Anfang März hielt sich jedoch lange auf Espetveit.

 

Da wo die Sonne ihre Kraft zeigen konnte, verschwand er schnell. In den Ecken und Nischen wo Klärchen nicht hin kam, brauchte das Weiß ein paar Extrasonnenstunden.

 

Die Temperaturen gingen rauf und runter. Es war nicht mehr wirklich Winter aber auch noch nicht Frühjahr.

 

Es war wie mit dem Corona-Virus, … keiner wusste was kommt oder der nächste Tag mit sich bringt.

 

 

Ich konnte genau wie alle nur da sitzen und abwarten. Beeinflussen konnte ich ich es nicht, … weder das Wetter noch den Virus.   

 

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Es war Anfang April und Ostern stand vor der Tür.

 

 

Ich hatte mich entschlossen den Traktor umzurüsten und „sommerfest“ zu machen.

 

 

 

Es war wie in jeder Saison eine Herausforderung für mich jetzt die Schneefräse gegen die Schaufel zu tauschen. Es sind beim „Absetzen „ sowie auch beim „Ansetzen“ der Schneefräse Handgriffe in einer bestimmtem Reihenfolge notwendig um das eine gegen das Andere einzutauschen.

Außerdem musste ich die Schneeketten von den Hinterreifen entfernen und die Winterreifen vorne mit den fest montierten Schneeketten gegen Sommerreifen wechseln.

 

Alles ging gut und zwar ohne Probleme. Der Traktor stand nach getaner Arbeit im neuen Sommerkleid bereit für die kommenden Monate.

Ich hatte keinen Knochenbruch wie vor einem Jahr zu beklagen und war rundum zufrieden mit meiner Arbeit.

 

Und nachdem der Traktor in seinem Sommerkleid den Hof zierte, bekam ich Lust auf mehr.

 

Alle „Gartenschmuckstücke“, die ich in jedem Jahr heraus hole um rund ums Haus es etwas „hyggelig og koselig“ zu machen, fanden wieder ihren gewohnten Platz.

 

Die Blumenkästen vorne am Haus hatte ich mit frischem Blumensamen versorgt, die Erde aufgelockert und Pflanzenreste vom letzten Jahr heraus gezupft.

 

In keinem Jahr zuvor war ich so früh in Gang mit diesen Dingen. In diesem Jahr war es anders. Der Winter war nicht wirklich mehr Winter und so hatte ich Lust dem Frühling auf die Sprünge zu helfen.

 

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Ostern war Mitte April und entsprechend durchwachsen war das Wetter. 

Neben einem kompletten Regentag gab es ein Gemisch aus Wolken, Sonne und einem eisigen Nordwind. 

Es war so stürmisch, dass ich Bedenken hatte, dass mir Gebäude und Bäume um die Ohren fliegen. Doch wir alle hatten dem Nordwind getrotzt. 

Für die letzte Aprilwochen war schönes Wetter gemeldet. die Temperaturen sollten die 20 Grad erreichen. 

Das schöne Wetter war Grund für mich auf dem Hof alles für den anstehenden Sommer vorzubereiten.

 

Meine Terrasse rund ums Haus, der Badesteg und die Treppe vom Hauseingang bekamen eine neue «Ölung».

 

Die Terrassenmöbel kamen nach draußen in der Hoffnung, dass die warmen Temperaturen auch wirklich kommen. 

 

 

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Der Waldweg hoch zum See war gut abgetrocknet, so dass ich jeden Tag wenigstens ein Mal zum See spazierte.

 

Thyra und Sola hatten bereits an gebadet und Neele planschte mit ihren kleinen «Mäusefüßchen» am Wasserrand.

 

Für mich war das Wasser noch eindeutig zu kalt. Ich hoffte jedoch dass die kommenden sommerlichen Temperaturen das Wasser «in Wallung» bringen und ich an dem folgenden Wochenende vielleicht «an baden» konnte. Ich ließ mich überraschen. Die Nächte hatten zwar keinen Minusgrade mehr, aber 3 Grad am Morgen waren nicht unbedingt mollig warm, … auch nicht für meinen Badesee.

 

 

 

Es hatten sich Freunde und Familie für «Ferien auf dem Bauernhof» für die kommenden Monate angemeldet. Allerdings wusste niemand ob man in naher Zukunft reisen könne. Ich hoffte, dass die Corona-Panikmache ein Ende findet und die Normalität uns wieder erreicht.

 

 

Ende April hatte Norwegen beschlossen die Sanktionen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie innerhalb des Landes zu lockern. Die Menschen wurden in ihren fast «normalen Alltag» entlassen.

Die Krankenhäuser hatten einen Notfallplan in der Tasche, falls das «kleine Virus» es sich doch anders überlegt und den Norweger nochmals zeigen wollte, was es alles kann.

 

Wir alle standen diesem kleinen Ding hilflos gegenüber und warteten ab wohin der Weg führt. 

 

 

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Wie auch im Jahr zuvor erwartete ich Besuch von Schafen für die kommende Weidensaison.

 

 

 

 

 

 

 

Das hieß für mich die fest stehenden Zäune durchzusehen und die notwendigen ergänzenden Lammzäune zu stellen. Beides kostet viel Zeit.

 

Der April verwöhnte ab der zweiten Monatshälfte mit ein paar warmen Tagen und so begann ich mit den Zaunarbeiten. 

 

Die Lammzäune haben eine Länge von 50 Meter und eine Höhe von 90 cm. Im Herbst wickele ich die Zäune jeweils auf eine doppelte Zaunlatte damit sie sich nicht vertrudeln. Im Frühjahr geht es dann retour.

 

Da ja Szindi und Bandy vor 2 Jahren in den Pferdehimmel geschickt wurden, musste ich auf einen Weideauslauf für die Pferde keine Rücksicht mehr nehmen.

 

Ich hatte bereits im letzten Frühjahr mir eine neue Strategie ausgedacht. Den Pferdepaddock wollte ich generell von Verunreinigungen durch die Schafe frei halten.

Mein Hof stand zum Verkauf und so sollte es ordentlich und sauber auf dem Areal von den Pferden sein. Außerdem musste ich verhindern, dass die Schafe Zugang zum Offenstall der Pferde bekamen. 

 

Dementsprechend positionierte ich den Zaun.

Die Begrenzung vom Paddock, die ohnehin vorhanden ist, gab mir eine zusätzliche Stabilität, so dass die Schafe den Zaun nicht aus seiner Fixierung lösen können. Na, ja es ist auf jeden Fall schwieriger sich durch den Zaun zusätzlichen Freigang zu verschaffen.

 

Getan wie gesagt. Ich hatte drei Stunden gebraucht um den Zaun von 80 m Länge aufzustellen und mit zusätzlichen Koppelstäben zu verstärken.

 

Das Pferdeareal war geschützt und sollte es sich in den Sommermonaten ergeben auch könnte ich auch wieder Pferde aufnehmen.

 

Ich vermisste meine „Großen“ nach wie vor und ich hätte gern die Vergangenheit ungeschehen gemacht. Szindi und Bandy hätten noch eine schöne Zeit hier auf Espetveit haben können.

 

 

Den festen Zaun auf der gesamten Weide wollte ich später abgehen. Hier und da hatte ich bereits gesehen, dass der Winter doch einiges am Zaun gearbeitet hat. So wollte ich meinen Werkzeugeimer entsprechend auffüllen.

Farmerzange, Kneifzange, Kombizange, Hammer, Nägel , Krampen und Bindedraht gehören da rein. Ob ich eventuell auch den ein oder anderen Pfahl auswechseln muss, musste ich sehen. Das Pfähle einschlagen geht mir inzwischen auch alleine gut von der Hand.

 

Auf jeden Fall freute ich mich darauf wieder mehr Leben auf dem Hof zu bekommen.

 

Espetveit lebt von den Tieren. Ohne Tiere ist Espetveit kein wirklicher Bauernhof auch wenn es von den Gebäuden so aussieht. Espetveit braucht Tiere. 

 

 

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Die warmen Tage im April ließen die Natur regelrecht explodieren. 

 

Am letzten Sonntag im April hatte ich Freunde zum Essen eingeladen und am frühen Abend saßen wir auf meiner Terrasse und genossen die letzten Sonnenstrahlen bei einem deutschen Wein.

 

Und plötzlich sahen wir hoch am Himmel über meinen Weiden kreisend die erste Schwalbe, die den weiten Weg aus dem Süden zurück nach Espetveit gefunden hatte.

 

 

Doch ich hatte mich zu früh gefreut über den sich ausbreitenden Frühling.

 

Nur einen Tag später ging es leider mit den Temperaturen wieder rapide zurück. 4-5 Grad am Tage bei Dauerregen und leichter Nachtfrost dämpfte meine Freude auf den bereits in den letzten Tagen eingezogenen Frühling.

 

Meine Palmen, die ich bereits nach draußen geholt hatte, bekamen am Abend wieder ihre „Mütze“ (eine große Mullplastiktüte) übergezogen um vor den Nachtfrösten geschützt zu sein.

 

Am Donnerstag den 30.04.20 geriet ich am Nachmittag auf meiner Heimfahrt von der Arbeit aus Kristiansand in einen kräftigen Schneesturm. Die Straßen waren mit einer 10 cm dicken Schneeschicht bedeckt und ich konnte fast nur Schritttempo fahren da die Sicht so schlecht war.

 

Zu Hause angekommen war mein Hof wieder von einem dicken weißen Tuch überzogen und meine Palmen ließen ihre Wedel aufgrund der Schneelast, die auf ihnen lag, hängen. So ein Mist.

 

Raus aus dem Auto, Umgezogen und schnell die Pflanzen von ihrer Schneelast befreit. Die „Mützen wurden wieder darüber gestülpt und fest verschnürt. Es stürmte auch auf Espetveit und ich hatte Bedenken, dass meine Palmen samt ihrer „Pudelmützen“ davon fliegen.

 

Es war also wie in jedem Jahr um diese Zeit. Der Winter bäumte sich nochmals auf.

 

Über Nacht beruhigte sich die Wetterlage. Der nächste Morgen zeigte 3 Grad plus und der Schnee sank in sich zusammen. 

 

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Und da kam mir der Gedanke symbolisch den Winter zu verbrennen.

 

Ich hatte bereits Zweige und Äste in den Wochen zuvor zusammen getragen. 

 

 

 

Auch reichlich Papier-Futtersäcke, Pappkartons und sonstiges brennbares Material warteten auf ihre Entsorgung.  

 

 

Ich nutzte für mein „Winterverabschiedungsfeuer“ das erste Maiwochenende.

 

Es war eigentlich nur die Frage ob ich das Feuer angezündet bekomme. Doch inzwischen kriege ich auch das alleine hin. Ich will nicht behaupten, dass ich ein „Feuerspezialist“ bin, aber ich habe so meinen Tricks, was Feuer machen betrifft.

 

Meine anfänglichen Bedenken lösten sich in einem tollen Lagerfeuer auf. Sicher war es auch, denn in den Tagen zuvor gab es ja reichlich Regen, so dass die Natur drumherum gesichert war.

 

Der Sinn der Winterverbrennung liegt auf der Hand. Die symbolische Verbrennung soll den Winter endgültig vertreiben und zu einem schönen, langen Sommer führen, auf den eine gute und erfolgreiche Ernte folgt. Das mit der Ernte prioritierte ich nicht so sehr, aber einen schönen Sommer wollte ich schon haben. 

 

Und wie es aussieht hatte meine Winterverbrennung gewirkt. Am Tag nach meinem „Stabausfest“ auf Espetveit lachte Klärchen ab und zu durch die Wolken und die Temperaturen lagen bei 10 Grad.

 

Alles braucht seine Zeit, auch der Winter für seiner Einsicht, dass er Platz machen muss für neues Leben, für den Frühling. 

 

 

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Mitte Mai kamen die ersten Schafmütter mit ihren Lämmern aus Åseral auf meine Weiden.

 

Es waren 4 Mutterschafe und sieben Lämmer.

Leider war das Wetter nicht so toll.

 

 

Die „Eisheiligen“ hatten in diesem Jahr einen langen Atem und so war es eisig kalt und das nicht nur in der Nacht.

 

Es wehte ein starker eisiger Nordwind, der alles sehr ungemütlich machte. Selbst in der Sonne waren die Temperaturen am Tage nur einstellig und es gab hin und wieder Schnee- und Graupelschauer.

 

 

Den Schafen auf der Weide schien das kalte Wetter nicht so viel auszumachen. Da es nicht so viele Schafe waren gab es genug zu fressen für die Vierbeiner, selbst wenn das Gras sehr spärlich auf dem Vormarsch war. 

 

 

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Der 1. Juni fiel mit dem Pfingstmontag zusammen.

 

Ich hatte in der Nacht nicht gut geschlafen und war deshalb bereits seit 04.:00 Uhr auf den Beinen. Vom Tageslicht passte es, denn die Sonne steht um diese Jahreszeit ebenfalls früh auf.

 

Drei doppelte Tassen mit Kaffee verscheuchte die nachträgliche Müdigkeit.

 

Auf dem Hof gab es nichts zu tun. Die Schafe, inzwischen 11 Erwachsene und 14 Lämmer grasten im kleinen Tal. Es waren Schafe aus verschiedenen Herden, wobei 5 junge Damen ohne Lämmer unterwegs waren. Es standen 2 Mütter mit Drillingen und sogar ein Mutterschaf mit Vierlingen auf meiner Weide.

 

Alles in allem war es ruhig und ich überlegte, wo es denn heute zum Morgenspaziergang hin gehen sollte, … . Mossebyu-Hütte oder See ?

 

Ich entschied mich den Weg hoch zur Mossebyu-Hütte zu nehmen.

 

Der Tag sollte zwar schön werden aber so früh am Morgen war das Wasser am See sicher noch kalt und der heutige Tag war von mir als „Anbade-Tag“ für diesen Sommer geplant.

 

Getan wie gesagt, meine Hunde-Mädels bekamen ihr „Leibchen“ um und los ging es.

 

Oben angekommen genoss ich eine phantastische Aussicht und ich bekam Lust auf mehr. 

 

Mehr bedeutete weiter rein ins Land und schauen, was die Natur so bietet. 

 

Da ich ein absoluter Otientierungsblindgänger im Gelände bin, musste ich mir Anhaltspunkte suchen, um auch den Weg wieder zurück zu finden.

 

Und dabei kam mir die Idee doch einfach den Markierungsstäben, die normalerweise die Langlaufloipe im Winter markieren als Wegweiser zu benutzen.

Auf meinen Langlaufski kenne ich ja die Umgebung im Winterkleid. Und schwierig ist es auch nicht den Weg zu finden, denn die Loipe ist ja gespurt.

 

Jetzt im Sommer sah die Natur natürlich ganz anders aus. Da gibt es keinen „gespurten“ Weg… und es heißt „Augen auf im Wanderverkehr“.

Ich wollte auch nur ein paar Meter länger rein ins Gelände, auf die Wiesen in die Wälder und durch die Sümpfe.

 

 

Und los ging ich auf die „Schnipseljagt“ . Hier ein Stab, dann eine kleine Brücke, ein weiterer Stab und so ging ich Stab für Stab weiter. Die Abstände waren sehr unterschiedlich lang von einander. Ich musste hin und wieder stehen bleiben, einen Rundumblick starten um dann endlich völlig unscheinbar in der Ferne den nächsten „Wegweiser“ entdecken. 

 

Ich blickte auch ganz bewusst immer mal wieder zurück des Weges um mir den einen oder anderen markanten Baum in seiner Position zu einer Höhe oder Tal einzuprägen. Ich passierte einige kleiner Seen, die ich gut umlaufen musste, da die Uferregion sehr weich war und ich drohte da einzusinken. Allein in der Natur ist immer Vorsicht geboten.

 

Im Winter sieht man diese Seen nicht. Das Wasser ist zu gefroren und die Oberflächliche mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Teilweise geht die Langlaufloipe einfach über einen See, so dass man gar nicht wahr nimmt, dass man über Wasser gleitet. 

 

 

Ich kam am Aussichtspunkt dem Fjellestadvarden ( 500 Höhe) vorbei. 

 

In den zurück liegenden Jahren habe ich diesen Punkt mit meinen Langläufern und meinen drei Hundemädchen regelmäßig auf meinen Wintertouren passiert und immer mal wieder eine kleine Pause eingelegt um die wunderschöne Aussicht von hier oben auf die Umgebung zu genießen.

 

Heute war es das erste Mal, dass ich hier oben bei 24 Grad blauen Himmel und puren Sonnenschein stand. Ich habe mich sogar in das Gipfelbuch eingeschrieben.

 

 

Vom  Fjellestadvarden  ging es weiter zum Abusdalknuten . Dieser lag in 4,5 km Entfernung auf 800 Höhenmetern.  

 

 

 

Eigentlich hatte ich diesen Morgenausflug nicht so  lang geplant aber das Wetter und gute Laune ließen mich einfach weiter laufen. Neele, Thyra und Sola liefen brav an meiner Seite mit.

 

 

  

Die Natur war herrlich anzusehen. Wollgras in den Sümpfen, Wasserlilien in den Seen und die ersten Fruchtansätze bei Heidelbeeren und Preiselbeeren. Außer dem Vogelgezwitscher kein Laut, keine Menschenseele unterwegs, nur wir vier Espetveit-Mädels, ... himmlisch schön. 

 

 

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Im Mai/Juni kommt hier oben im Norden Dämmerung für etwa 1,5 Stunden auf. Von wirklich Dunkelheit kann man nicht sprechen.

 

Der 23. Juni ist der Tag der Sommersonnenwende.

 

 

Hier in Norwegen begeht man diesen Tag zusammen mit der Familie und Freunden. Es gilt als das bedeutendste Fest im norwegischen Sommer.

 

Zum Fest gehört ein großes Lagerfeuer, das wie bei uns das Johannisfeuer dem Volksglauben nach symbolisch böse Geister und Dämonen vertreiben soll. 

 

Nach alter Tradition sollte am 23.06. alles im Taumel der Mitternachtssonne sein.

Aber weit gefehlt. In diesem Jahr war alles anders.

 

CORONA hatte alles unter Kontrolle.

 

Auch wenn die Menschen sich gerne versammelt hätten, hatte Vater Staat ein Auge auf die Menschenansammlungen. Familien konnten zusammen kommen auch ein paar Freunde dazu.

 

 

Doch mit einem Meter Abstand kommt wahrscheinlich nicht wirklich die traditionelle Gemütlichkeit auf, „hyggelig“, „koselig“, „nydelig“ waren weit entfernt vom diesjährigem Mittsommerfest.

 

 

Fast in jedem Jahr habe auch ich die „Sommersonnenwende“ mit einem Lagerfeuer hier auf Espetveit begangen. 

 

Auch wenn es in den letzten zwei Wochen 2 Regentage gab, befand sich die Natur auf einem gefährlichen Weg. Es war zu  trocken. Lagerfeuer oder arbeiten im Wald waren untersagt. Es herrscht die höchste Waldbrandalarmstufe.

 

Also lag mein gesammeltes Holz auf meinem Brennplatz und warten auf eine Gelegenheit sich in die Luft zu erheben und Wünsche und Träume mit sich zu nehmen.

 

Meine Würstchen wurden ohne sie über dem Feuer zu grillen von uns vier Espetveit-Mädels verspeist.

 

 

 

Es war also für mich mehr eine besinnliche Sommersonnenwende.

 

Ich hatte auf meiner tollen Terrasse gesessen mit einem Glas Prosecco aus der Pfalz und die Vergangenheit passieren lassen…, „ Gutes und Böses “ sind im Kopf herum geschwirrt und zum Schluss wurde mir klar, dass ich in diesem Augenblick das letzte Mal Mittsommernacht auf Espetveit erleben werde.

 

Das machte mich traurig und löste Unsicherheit und Bedenken in mir aus.

 

Ich war mit dem Espetveit-Verkauf soweit fortgeschritten, dass mit großer Wahrscheinlichkeit der Hof zum nächsten Jahr an einen neuen Besitzer übergeht.

 

Den Sommer 2021 würde ich nicht mehr auf Espetveit sein.  

 

 

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Seit der Sommersonnenwende verwöhnte mich das Wetter mit sommerlichen Temperaturen.

 

Nicht unbedingt ungewöhnlich auch für Norwegen.

 

 

An der Sommersonnenwende vor 4 Jahren wurde Sola geboren. 

 

Nach den Worten der Züchterin wurde Sola für mich geboren.

 

Sola ist eine sehr hübsche junge Hundedame und Jeder, der ihr das erste Mal begegnet, ist erstaunt und fasziniert von ihr .

 

Sie hat eine wunderschöne Fellzeichnung und ihr linkes blaues strahlende Auge wirkt wie verzaubernd auf die Menschen.

Ihr Charakter tut das Seine. Immer ausgeglichen, ruhig, freundlich, zurück haltend und letztlich ihre „alle um den Finger wickelnden Art“ macht sie so liebenswert für einen Jeden. 

 

Sola ist ein Goldstück, ein Sechser in meinem Leben.

 

 

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In der letzten Woche im Juni und der ersten Woche im Juli hatte ich Urlaub für die Jotunheim-Rundtour geplant.

 

Wie von mir befürchtet, fiel meine geplante Jotunheimen-Tour der Corona-Pandemie mit ihren Restriktionen zum Opfer.

 

Die letzte Juniwoche hatte begonnen und ich meinen Urlaub trotz „Corona“ angetreten.

 

 

 

Die Sonne meinte es gut mit mir. Temperaturen um die 28 Grad, leichter Wind und strahlend blauer Himmel brachten Urlaubsgefühl mit sich.

 

Ich modelte kurzerhand alles um und plante je nach Wetter, Wandertouren von zu Hause.

 

Im Internet hatte ich eine HP (www.opplevevje.no) gefunden, die die Umgebung von Evje näher beschreibt. Hier waren Attraktionen, Wandertouren und historische Stätten erwähnt, wo ich meinte, dass ich das ein oder andere sehen sollte. 

 

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Allerdings wird es  in Norwegen mit den Wegbeschreibungen nicht immer so genau genommen.

 

Das wusste ich inzwischen und so würde wohl ein jeder Wandertag für mich auch zu einem „Fährtensuchtag“ werden.

 

Mein erstes Ziel sollte der Hattefossen sein.

 

Angeblich sollte der Hattefossen nur 6 km von Espetveit entfernt liegen, so dass ich mich entschloss mit meine Hundemädchen alles zu Fuß zu laufen. 

 

 

Es ging an Hütten vorbei, hier und da passierten wir einen Wasserlauf oder ein ausgespültes Becken mit Wasser. Die Kilometer gingen so dahin.

Thyra und Sola ließen keinen Gelegenheit aus, sich im Wasser abzukühlen. Neele ließ das mit dem Baden langsam angehen. Füßchen und das kleinen Schlappermaul ins Wasser, das war dann auch schon genug mit dem Abkühlen für meine Kleinste. 

 

Es überholte mich das Postauto, welches bis zu seiner letzten Versorgunsstation in Abusland die Post ausliefert. 

 

Ich war in Abusland angekommen und vom Hattefossen bislang keine Spur oder den kleinsten Hinweis.

 

So lief ich immer den Schotterweg entlang in der Hoffnung irgendwann einen Wegweiser zu finden, der mich zum Hattefossen bringt.

 

Neben vereinzelten kleinen alten Bauernhöfen und alten Wohnhäusern standen am Weg zerfallende Gebäude eines ehemaligen Sägewerkes. Neben natürlich reichlich Wald, Bächen und Seen fanden sich Weiden, die durch das laute Gebimmel von Glocken, welche die Schafe mit sich trugen, beweidet waren.

 

Es war alles sehr friedlich, ruhig , … „naturbelassen“ eben.

 

Hier und da hörte ich ein Knacken im Gebüsch, wenn sich ein Tier vor uns Vieren aus dem Staub machte. Ich sah ein Reh was schnell davon lief (meine Mädels hatten es „Gott sei Dank“ nicht bemerkt) oder Elchspuren kreuzten den Weg. Überall tirilierten die Vögel lauthals vor sich hin.

 

 

  

Die Strecke zog sich und zog sich.

 

Nach gefühlten 10 km kam ich in das Abusdal. 

 

Hier standen teilweise neu errichtet, aber auch alte Häuser und Hütten, die rund um eine Seenlandschaft lagen. 

 

 

Es sah alles sehr märchenhaft aus , aber von einem Wasserfall war keine Sicht.

 

Die Sonne brannte vom Himmel, der sich strahlend blau präsentierte.

 

 

Links neben den Weg zeigte sich ein größeres Felsplateau und ich beschloss hier eine Pause ein zulegen.

 

Bei der Suche nach einem geeigneten Sitzplatz kam ich mehr und mehr auf den Felsen und es zeigte sich, dass das Plateau der Beginn eines Wasserfalls war. Dieser hatte allerdings nichts mit dem auf der Internetseite beschriebenen Hattefossen zu tun.

 

Es war ein anderer Wasserfall (norw. Fossen) in einem ganz anderen Gebiet, als eigentlich mein Ziel war. Die Wassermenge war spärlich aber ich konnte mir gut vorstellen, wie bei reichlich Wasserführung der obigen Seen ein gewaltiger Wasserfall aus der Höhe stürzt.

 

Na, ja, wenn man etwas Schönes erleben will, gehört manchmal auch etwas Phantasie dazu.

 

 

Hier auf diesem von uns entdeckten stufigen Felsplateau mit kleinen Wasserrinnsalen aus der Höhe kommend und ausgewaschenen Steinbadewannen machten wir einen Verschnauf- Essen- und Badepause. 

 

Von hier oben hatte ich einen tollen Blick ins Tal mit den unterliegenden Seen und Hüttengebiet.

Es war einfach schön anzusehen.

 

Und obwohl ich nicht am Hattefossen saß, war ich zufrieden mit dem Erreichten hier oben.

 

Mein Versorgungsrucksack gab leider nicht die gewünschten Ressourcen frei.

Für Thyra, Neele und Sola hatte ich ausreichend Leckerlis dabei.

 

Meine eigene Versorgung viel etwas dürftig aus. Zwei Bananen und eine Flasche mit Wasser. Mein „Matpakke“ lag zu Hause auf dem Küchentisch… ich hatte es geschmiert aber nicht in den Rucksack gepackt. 

 

 

Nach einer Stunde Wanderpause machten wir uns wieder auf den Rückweg.

 

Ich hatte für die Hierher-Tour 2,5 Stunden gebraucht. Wenn man bedenkt, dass ca. 4-5 km in einer Stunde gegangen werden, war ich ungefähr 12 km bis hier her marschiert.

 

Die gleiche Strecke galt es nun wieder zurück zu gehen. 

 

 

 

 

 

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Es war „Siebenschläfer“.

 

Nach den Überlieferungen

sollen die Sommertage im Verlauf der kommenden 7 Wochen sich an dem Wetter am Siebenschläfer orientieren.

 

Ist der Tag kalt und regnerisch, so wird der Sommer kühl und nass.

 

Ist der Siebenschläfer-Tag warm und trocken soll es einen schönen Sommer geben.

 

 

Auf jeden Fall sollten wir am heutigen Siebenschläfer laut Wettervorhersage einen phantastischer Sommertag erleben.

 

Somit gab es für mich nichts besseres als wieder das Säckel zu schnüren, die Wanderschuhe überzustreifen und mit meinen besten Freundinnen auf Wandertour zu gehen.

Ich wollte den Weg zum Hattefossen finden.

 

 

 

Wir starteten bereits um 08:30 Uhr.

 

 

Es waren 30 Grad für meine Region am frühen Nachmittag gemeldet.

 

 

 

 

Dieses Mal passte ich darauf auf auch alles Wichtige in meinem Rucksack mitzuführen. 

 

Dazu gehört nun mittlerweile auch eine Lesebrille. Ich hatte gemerkt, dass ich zum Beispiel GPS-Karten auf dem Handy ohne Brille nicht entziffern kann.

Meine Arme sind schlicht und ergreifend zu kurz geworden um den Handy-Bildschirm weit genug weg halten zu können.

 

Na, ja auch ich lerne immer noch dazu. Lesebrille, Verpflegung und Wasser waren im Säckel.

Neele, Thyra und Sola bekamen ihre Leibchen umgeschnallt und los ging es Richtung Abusland.

 

 

Auf dem Weg kreuzte eine Kreuzotter unsere Wanderung.

 

Ich muss schon sagen, dass ich ja einen mächtigen Respekt vor diesen Schlangen habe.

 

Thyra wurde im Alter von nur 7 Monaten von einer in die Nase gebissen.

 

Fast panisch hatte ich meine drei Mädels in Sicherheit gebracht. Ich konnte mir nämlich gut vorstellen, dass Sola gern mal an diesem beweglichen Krabbelding herum geschnuppert hätte. Und ob Thyra sich noch erinnert, was ihr in jungem Alter widerfahren war, nur weil sie ihre Nase in alles und an alles stecken musste, bezweifelte ich.

 

Die Gefahr war gebannt und weiter ging es. 

 

 

 

Ich hatte besser recherchiert und wusste inzwischen welchen Weg wir zum Hattefossen einzuschlagen hatten. 

 

 

 

 

Dieser Abzweig lag ca. 7-8 km von Espetveit entfernt und geht vom Schotterwaldweg nach links weg.

 

 

Ganz am Ende dieses Weges nach ca. 1 km eröffnete sich eine Seenlandschaft mit unendlicher Weite, dem Kosånavassdraget. 

 

 

 

 

Linkerhand am Ende des Kosvatn liegt eine erst vor kurzer Zeit restaurierte Brücke, die über den Kosåna führt.

 

 

 

 

 

Das Fundament besteht aus 4 großen Säulen, die aus großen Natursteinen aufgesetzt sind. Ein einfache „Holzdielenauflage“ macht die Brücke komplett.

 

Und auf dieser Tagestour fand ich den Hattefossen. 

 

 

Es war ein imposanter rauschender kleiner Wasserfall , der sich ins Tal in den nächsten See fallen ließ.

 

Obwohl Ende Juni die niedrigsten Wasserstände im Landesinneren hier in Norwegen in den Gewässern gemessen wurden , war der Hattefossen dennoch ein imposantes Naturschauspiel.

 

 

  

Der Tag war toll, ich hatte mein Ziel erreicht und war mit uns Vieren voll auf zufrieden. . 

 

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In den letzten Jahren sind auf auf dem Gebiet von Espetveit viele neue Wege angelegt worden. Fast alle Wege entstanden im Zusammenhang mit einer Waldrodungen oder bei der Erschließung vom Hüttengebiet.

Und alle Wege bekamen auch Namen zugeordnet.

 

Somit kann man jeden einzelnen Weg mit den daran befindlichen Bauten, wie z. B. die vielen Hütten, geografisch nicht nur den Breiten- und Längengraden zu ordnen, nein jede einzelne Hütte oder Gebäude erhielt auch einen entsprechende Wegnummer und damit eine Postadresse.

Damit ist jede Hütte beim „Kartverk“ registriert und kann eindeutig in ihrer Lage zugeordnet werden.

 

Nichts mehr mit „wilder Natur“ in Norwegen, alles hat jetzt „seine Ordnung“.

 

Die erste Juliwoche hatte begonnen und ich hatte mir über eine Tour von max. 16 km heraus gesucht. Ich wollte auch dieses Mal nicht mit dem Auto fahren und damit waren es 3 km mehr als angegeben.

 

Doch der Tag startete zunächst mit einer Überraschung am Morgen.

 

Ich hatte meine drei Hundemädchen nach dem Frühstück raus gelassen, so wie jeden Tag. Doch die Drei machten da draußen ein riesiges Theater, so dass ich noch beim Frühstück sitzend, schauen musste, was da los war.

 

Und da sah ich die Bescherung. Meine „Gastschafe“ hatten den Lammzaun zwischen dem Pferdestall und dem Schafstall durchbrochen. Alles war runter gerissen und und ein Schaf saß darin fest. Es hatte sich regelrecht in den Zaun eingewickelt.

 

Und das war der Grund, dass Thyra, Neele und Sola so ein Theater veranstalteten. Die Schafe waren auf dem Hof zwischen den Gebäuden wo sie einfach nicht hin gehörten.

 

Die Schafe auf das Weideareal zurück zu bekommen war einfach. Das eingewickelte Schaf vom Zaungewirr zu befreien, war ein schwieriges Unterfangen. Letztendlich musste ich das Schaf „ heraus schneiden“.

Das Schaf war wieder frei und mein Zaun kaputt.

 

Letztendlich habe ich mir 15 m neuen Zaun von der Zaunrolle abgetrennt und die Absperrung zum Hof wieder aufgestellt. Das Ganze habe ich mit zusätzlichen Weidestäben verstärkt.

 

 

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Nach diesem erfolgreichem Arbeitseinsatz ging es auf unsere Tageswanderung gehen. 

 

 

Ich hatte alles Notwendige im Rucksack, meine drei Mädels bekamen ihre „Leibchen“ angezogen und los ging es runter zum Abuslandvegen, dann nach rechts in Richtung Hüttengebiet.

 

 

Nach ca 1,5 km fand sich ein Wegweiser. Diesem folgten wir. Der Weg ist als „Traktorweg“ ausgezeichnet und gleichzeitig aber auch als Möglichkeit für einen Fahrradtour angegeben.

 

 

Ich denke mal um darauf zu wandern ist es o.k.. Sich mit dem Fahrrad darauf fortzubewegen ist eine echte Herausforderung. 

 

Die Landschaft gab nichts Besonderes her. Wald und kleinere Seen, hier und da eine Hütte, … typisch norwegisch eben.

 

Nach vielleicht 5 km kamen wir an einem restaurierten Sägewerk vorbei.

 

Es liegt an einem Bach mit dem Namen „Vetterhusbekken“.

 

Das Sägewerk wurde mit Originalteilen aus dem ursprünglichem Material von 1920 wieder aufgebaut.

 

 

Nicht weit vom Sägewerk entfernt trafen wir auf den Sandtjønn. Hier pausierten wir. Am Ufer befindet sich eine kleine Bank an der man sich niederlassen kann. Für ein paar Minuten verweilten wir am Ufer des Sees, verspeisten unser „Matpakke“ und ich genoss die Ruhe. 

 

 

 

 

Ich hatte in den letzten 2 Wochen nicht einen einzigen Menschen auf den vielen Kilometern, die ich durch die norwegische Natur gewandert bin, getroffen. 

 

 

 

Außer Geräusche von Tieren, des Wassers und des Windes gab es nichts , was um mich drumherum war. Ich empfinde diese Stille, Ruhe und Einsamkeit als sehr wohltuend, … eben „entschleunigend“, so sagt oder nennt man es wohl in der heutigen Zeit.

 

 

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Mein Urlaub war der Erkundung rund um Espetveit gewidmet.

 

Das Wetter war in der zweiten Urlaubshälfte wechselhaft und somit stand ein Ausflug zu einem mir bereits bekannten Ziel an.

 

 

 

Ich entschloss mich nochmals zu den Bispestolene (Bischofsstühle) zu wandern.   

 

Nach wenigen km waren wir bereits an den „Bischofsstühlen“ angekommen.

 

Diese wurden wahrscheinlich im 17. Jahrhundert errichtet. Ob es sich wirklich so zugetragen hat, wie erzählt wird, ist nicht ganz klar. Angeblich soll der Bischof in der damaligen Zeit hier seine Pferde auf halben Weg zwischen den Bistümern gewechselt und hier Pause eingelegt haben.

 

Historiker bezweifeln jedoch diese Überlieferung und meinen, dass es wohl mehr der Phantasie der Bevölkerung der damaligen Zeit entsprungen und die Bedeutung der sogenannten „Bischofsstühle“ nur eine Legende ist. 

 

 

Diese drei aufgestellten Steinstühle liegen auf dem Gebiet Tellaugheia zwischen Espetveit und Kalland. , südwestlich in der Evje/Hornnes Kommune.

 

 

Bei meiner ersten Wanderung vor einem Jahr hätte ich diese „Stühle“ fast übersehen. Erst als ich mit der Nase fast an eine kleine Informationstafel gestoßen war, sah ich in der unmittelbaren Umgebung diese drei Steinstühle.

 

 

Heute folgte ich dem Weg weiter in das anliegende Hüttengebiet.

 

Alle Achtung,… bezaubernde Gegend mit märchenhaften Hütten.

 

Obwohl die Sonne nicht einen einzigen Strahl durch die dicke Wolkenschicht schickte, war die Umgebung traumhaft.

 

Alle Hütten waren einsam und still, kein Mensch war auf Hüttentour. 

 

Trotz des schlechten Lichts, machte ich ein paar Fotos als Erinnerung.

 

Bei Sonnenschein sieht fast alles schön aus, aber bei bewölkten Himmel ist es eine Kunst der Natur, sich dennoch im "richtigen Licht" zu präsentieren. Und das meine ich, war ihr gelungen.

 

 

Es war ja nur eine Stunde Fußmarsch bis hier hin. Da der Himmel dunkler wurde und ich völlig ohne entsprechende Ausstattung mal wieder unterwegs war, machten wir kehrt und liefen zurück nach Hause. 

 

 

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Norwegen hatte die Genzen nach dem Corona-Lokkdown zum 15.07. wieder geöffnet.

 

Massen von Touristen strömen ins Land .

 

 

 

Meine Familie hatte sich ebenfalls entschlossen bei mir ein paar Sommertage zu verbringen. Sie waren erst letzte Weihnachten hier auf Espetveit und wollten nun Norwegen auch mal im Sommer erleben.

 

Der Sommer hatte sich zurück gemeldet und so war es gut möglich Ausflüge in die Umgebung zu machen. 

 

Wir nutzten die Zeit zusammen und das Wetter tat sein Gutes dazu. Ein paar Tage und die Fähre nach Hirtshals nahm die Familienidylle mit sich.

 

Es waren ein paar sehr schöne Tage und genau in der Zeit wo „Corona“ es zu ließ.

  

 

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Es war Anfang August. Die Hälfte des diesjährigen Sommers war bereits vorbei.

 

Der Juli konnte sich nicht mit sommerlichen Wetter rühmen. Es war sehr wechselhaft, teilweise sonnig und dann wieder unangenehm kalt und reichlich Regen gab es auch.

 

Doch gleich zu Beginn des Augusts machte sich der Sommer breit. Mit Temperaturen um die 30 Grad und mehr wurde uns hier oben im Norden so richtig eingeheizt. Das Thermometer zeigte 32 Grad und bei absoluter Windstille und ich fühlte mich wie in der Sahara.

Das Wasser in meinem Badeteich war angenehm temperiert und ermöglicht Mensch und Tier eine Abkühlung zwischen durch.

 

Selbst oben am Laugtsjønn konnte ich länger im Wasser verweilen und ein paar Schwimmzüge mehr machen.

 

Corona hatte mein Leben hier auf Espetveit mehr oder weniger beeinflusst… wohl etwas weniger für mich als für andere.

 

Geplanter Besuch konnte nicht kommen. Meine Wandertour durch Jotunheimen fiel der geschlossenen norwegischen Grenze zum Opfer.

Mein alljährliches SG-Treffen fiel für mich ebenfalls in diesem Jahr aus.

 

Es gab besondere Regelungen für das Gesundheitspersonal an norwegischen Krankenhäuser. Reisen ins Ausland waren für mich tabu. Hier in Norwegen konnte ich reisen, aber nicht ins Ausland. 

 

 

Ich hatte ja für September schon lange vorab geplant nochmals 14 Tage „Auszeit“ zu nehmen.

 

Je nach Wetterlage liebäugelte ich nun damit die ausgefallende Jotunheimen-Tour im Juni in diesem Jahr doch noch zu gehen und zwar allein.  

 

 

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Mitte August musste ich ein Lämmchen in den Schafhimmel gehen lassen. Es ist immer wieder ein bedrückender Moment auch wenn ich dieses Abschiednehmen aus den Jahren zuvor kenne.

 

Die Natur bestimmt wer bleibt und wer gehen muss. 

 

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Der August verwöhnte uns mit Sonne.

 

Bereits vor zwei Monaten wurde mir die Wandertour zum Ørneknapen schmackhaft gemacht.

 

 

 

Der Weg wäre ganz schön anstrengend aber die Aussicht am Ziel sollte für die Anstrengung alle mal entschädigen.

 

Der Startpunkt für die Wanderung lag 35 km von Espetveit entfernt.

 

Um 08:30 saßen wir alle Vier im Auto und fuhren in Richtung Byglandsfjord. Das Essenspaket war eingepackt, ebenso Wasserflaschen für Hund und Mensch. 

 

 

Hinter dem Fånefjell-Tunnel (600 m Länge) nur 1-2 Fahrminuten weiter, fand sich rechts vom der Strasse ein Hinweischild Lauvdalsveien .

 

 

Hier bog ich ab und parkte dort mein Auto.

 

 

 

Bereits von hier hatte man einen tollen Ausblick auf den Byglandsfjord. 

 

Es war strahlend blauer Himmel und wir hatten bereits 24 Grad kurz vor halb Zehn.

 

 

 

Meine Hundis nahm ich an die Leine , der Rucksack wurde aufgeschultert und schon ging es los hoch zum Ørneknapen. 

 

An mehreren Bauernhöfen und Wiesen mit Kühen und Schafen vorbei, kamen wir nach geschätzten 1000 m an das letzte Gehöft.  

 

Weiter ging es durch unterschiedliches Gelände. Waldwege, steinig oder sumpfig, grobe Schotterwege oder teilweise spitze Steinwege machten die Wanderung mit dem ansteigenden Gelände abwechslungsreich und anspruchsvoll.  

 

 

Nach knapp 2 Stunden bergauf wandern hatten wir Vier den Ørneknapen erreicht.

 

Hoch über dem Byglandsfjord finden sich zwei Plattformen wovon man aus eine phantastische Aussicht über den Fjord hat.

 

 

Ein wenig erinnerte mich der Moment an das Erleben auf der Trolltunga mit einer Art Schweben über dem Wasser.

 

 

Belohnt wurde ich mit einer tollen Aussicht, selbst geschmierten Broten, Apfel und kalten Wasser aus der Trinkflasche.

 

 

 

Nach einer Stunde packte ich alles wieder zusammen und wir machten uns auf zum Abstieg.

 

Wir hatten jetzt 30 Grad und meine Mädels waren froh im Auto hinten Platz nehmen zu dürfen.

 

 

Wieder zu Hause angekommen ging es sofort in den Badeteich. Außer Neele schwammen wir alle eine Abkühlungsrunde.

 

Dann ging es auf die Terrasse in den Schatten natürlich, denn wir hatten inzwischen 32 Grad. 

 

 

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Am vorletzten Wochenende im August lief ich mit meinen Mädels nochmals zum Hattefossen. 

 

 

Der Hattefossen ist ein Zwillingswasserfall.

 

 

Ich war bislang an dem einen Zwilling gewesen und nun wollte ich dem zweiten Zwilling einen Besuch abstatten. 

 

Ich wollte einfach mal sehen, wo er seinen Ursprung nimmt und entschloss mich über die Brücke zu gehen und das andere Ufer zu erkunden. 

 

 

Es war nicht so einfach bis in Höhe des Wasserfalls auf dieser Seite zu kommen.

 

Dichtes Gestrüpp versperrte teilweise den Weg , so dass kleine Umleitungen erforderlich waren.

 

 

 

Dann waren wir endlich in der Höhe angekommen, wo sich das Wasser in das darunter liegende Becken ergießt.

 

Seitlich vom diesem Teil des Zwillingsfossens erhebt sich ein großer Fels, so dass man von oben auf die Fallkante sehen kann. Nur bis auf 30 Meter kommt man hier heran.

 

So imponierend wie der andere Teil des Wasserfalls war dieser Teil des Zwillingsfossen nicht.

 

Beide Wasserfälle gehen von einem gemeinsamen Becken aus. Es ist sicher die Höhe der Kantenlage, welche bestimmt wie viel Wasser aus dem gemeinsamen Becken zu jeder Seite abfließt. Vor 14 Tagen sahen sie fast identisch aus. Heute rieselten nur 3 schmale Rinnsale im zweiten Zwilling und ein breiter Wasserlauf vom ersten Zwilling. 

 

Tja, es zeigt mal wieder, dass „Zwillinge“ nicht gleich sein müssen auch wenn sie ein und den selben Ursprung haben.

 

Nachdem wir uns satt gesehen, und ausreichend „geforscht“ hatten, ging es wieder zurück.

 

 

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Ich hatte in den vergangenen Jahren immer wieder berichtet, dass insbesondere die Lämmer von einer  Fliegenlarvenplage in den Monaten Juli/August betroffen sind.

 

In meiner gesamten Schäferzeit hatte ich nur ein einziges erwachsenes Schaf, was sich die Fliegen für ihre Eiablage auserkoren hatten. Ansonsten waren es in jedem Sommer zum Ende des Monats Juli bis in den ersten zwei Wochen vom August wenigstens 1 meist jedoch 3-4 Lämmer davon betroffen. Diese dann wieder fliegenlarvenfrei zu bekommen, machte immer viel Arbeit. Aber neben der Arbeit für mich war es natürlich eine echte Plage für die Lämmer.

 

Die Fliegen legten ihre einer immer am Rücken am Übergang zum Schwanz ab, da wo die Lämmer nicht hinkommen um sich zu kratzen oder die Fliegen zu verscheuchen. Es war ein echtes Drama in jedem Jahr.

 

In diesem Jahr musste ich ein erwachsenes Schaf aufgrund von ausgedehntem Fliegenlarvenbefall gehen lassen. Ich konnte ihm nicht mehr helfen.  

 

 

 

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2020 war ein Beeren-Jahr.

 

Auf meinen letzten Spaziergängen mit meinen Hundemädchen sind mir die vollen Büsche mit Preiselbeeren und Blaubeeren aufgefallen.

 

 

Die ein oder andere Beere landete bereits in meinem Mund.

 

Auch Thyra, Neele und Sola lieben Beeren. Wenn ich mich bücke und Beeren pflücke, stehen sie erwartungsvoll neben mir und warten geduldig auf ihre Portion. Thyra und Sola pflücken sogar selbst nur Neele kann dies aufgrund ihrer „Behinderung“ nicht für sich erledigen. So bekommt sie meist eine Extraportion von mir geliefert.

 

Das aber nur soviel zum Hund als Fleischfresser. Meine Hunde lieben Obst und Gemüse ebenso.

 

 

Na jedenfalls ging es nach unserem morgendlichen Routinespaziergang nochmals in den Wald.

 

Ausgestattet mit einem 5 Liter Eimer und einem Pflücker wollte ich Preiselbeeren sammeln.

 

In diesem Jahr waren sie richtig reif, fast dunkelrot leuchteten sie über dem Waldboden.

 

Ich bin kein „Sammler“ aber auch kein Jäger ich bin ein Tierhalter und -züchter, was besser planbar und meist von Erfolg gekrönt ist.

 

Dennoch pflückte ich 1,5 kg Preiselbeeren für den Eigenbedarf. 

 

 

Nachdem ich mit  Hilfe eines Siebes „die Spreu (Blätter, Stiele, weiße Beeren usw.) vom Hafer (tiefrote Preiselbeeren) getrennt“ hatte wurden die ersten 500 g mit 500 g Zucker versetzt und eine Stunde in der Küchenmaschine gerührt.

 

Abgefüllt in kleine Marmeladengläser ergab es alles in allem 8 Gläser mit kalt gerührter Preiselbeermarmelade. Ein Gaumenschmaus zu Eis, Fleisch, Käse oder einfach nur als morgendlichen Brotaufstrich. 

 

Die Marmelade im Kühlschrank aufbewahrt hält sich mehr als 6 Monate. Aber meist überlebt die kalt gerührte Marmelade keine 6 Monate. Sie ist vor Ablauf der Haltbarkeitsbegrenzung meist bereits verspeist. 

 

 

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Anfang September wurde es herbstlich auf Espetveit. 

Die Schwalben hatten bereits Mitte August ihre Sommerresidenz verlassen und waren in den warmen Süden geflogen. Es war ruhig geworden.

 

Den Schafen ging es gut und sie genossen die Zeit auf den Weiden.

 

Für mich standen jetzt nochmals 14 Tage Urlaub an.

Allerdings war in 2020 vieles anders, was insbesondere für meine geplanten Reisen galt.

 

Im Juni sollte es nach Jotunheimen gehen. Aufgrund von „Corona“ wurde die organisierte Gruppenreisen storniert.

Ausserdem hatte ich im September meinen Mädels eine Reise zum SG-Treffen nach Deutschland geplant, aber Auslandsreisen waren auch nicht möglich.

 

 

Kurzerhand studierte ich den Wetterbericht für Jotunheimen und entschloss mich alleine durch das Land der Riesen zu wagen. Jetzt oder nie, wer wusste schon was nächstes Jahr kommt. 

Ich wollte eine Rundwanderung über 6 Tage machen. Mein Startpunkt sollte Gjendesheim sein. Da wollte ich mein Auto abstellen und dann von Hütte zu Hütte ziehen.

 

Übers Internet war es kein Problem Übernachtungen zu finden. Ich hatte mich kurzerhand bei den bewirtschafteten Hütten des DNT angemeldet und für alle eine Bestätigung erhalten. Anfang der zweiten Septemberwoche wollte ich starten. 

 

 

 

… und mein Traum wurde wahr...

 

 

Blick auf den Gjende an der Gjendesheim-DNT-Hütte in Richtung Memurubu
Blick auf den Gjende an der Gjendesheim-DNT-Hütte in Richtung Memurubu

 

Mitte September hatte ich es geschafft.

 

Ich war allein durch das norwegische Hochgebirge gezogen. Die Rundtour verteilte sich auf 6 Wandertage mit 120 km .

 

Ich war ohne Schaden zu nehmen eine Woche allein unterwegs gewesen und unendlich glücklich und stolz wieder zu Hause angekommen. 

 

 

Rundtour mit den einzelnen Wanderetappen.
Rundtour mit den einzelnen Wanderetappen.

Zu Beginn meiner Rundtour war ich mir wohl bewusst, dass ich ein risikoreiches Unterfangen geplant hatte. Aber wer mich kennt, weiß was ich leisten kann. 

 

Am Morgen des ersten Wandertages , ein Regenbogen über dem Gjende
Am Morgen des ersten Wandertages , ein Regenbogen über dem Gjende

 

 

Mein Ausgangspunkt war Gjendesheim.

 

Von dort ging es am Dienstag gegen 08:30 auf die Strecke nach Glitterheim. Ich hatte einen phantastischen Ausblick auf den Gjende und nach 200 m gewonnenen Höhenmetern sah ich einen Regenbogen, der sich über das Wasser vom Gjende spannte. 

 

Dieses Zeichen nahm ich als guten Omen an und war fest überzeugt, dass mir meine „Einfrau(mann)tour“ gelingen wird.

In 6 Tagen wollte ich wieder in Gjendesheim ankommen.  

 

 

 

Am zweiten Tag, am Mittwoch, ging ich von Glitterheim nach Spiterstulen.

 

Hier begleitete mich eine wilde Rentierherde über ein paar Minuten meines Weges.  

 

 

 

 

 

  

Für Tag Drei hatte ich den Aufstieg auf das Dach Norwegens hoch zum Galdhøpiggen geplant.

 

Es war mein Traum ein Mal auf dem höchsten Berg Norwegens, nein ganz Skandinaviens zu stehen und auf das Land zu schauen.

 

Dank einer „Leirskolen“ wurde  dieser Tag zum Höhepunkt meiner Reise durch das Land der Riesen. 

 

 

 

Nach einer weiteren Übernachtung in Spiterstulen machte ich mich  auf den Weg nach Leirvassbu.

 

Auf dieser Wanderstrecke wurde es das erste Mal so wirklich ungemütlich.

 

Die letzten zwei Stunden ging ich im Schneegestöber und bei schlechter Sicht. Außer Schafen, die auf dem Weg nach Hause waren, traf ich wie auch an den Tagen zuvor keinen Wandertouristen.

Nach fast 20 km kam ich endlich an der DNT-Hütte in Leirvassbu an.

 

 

Ich hatte alle Übernachtungen mit Halbpension gebucht, so dass ich nach jedem anstrengenden Tag, und das war ein jeder Tag, ein warmes 3-Gänge-Menü am Abend bekam. 

 

 

 

Von Leirvassbu sollte es am nächsten Tag nach Gjendebu gehen.

 

Die Leirvassbu-Hütte war bereits von Schnee umgeben und für den nächsten Tag war reichlich Neuschnee ab 10.00 Uhr gemeldet.

 

Die Temperaturen lagen bei 0 Grad . Es hatte Nebel sich breit gemacht und die Wolken hingen tief über den Gipfeln der umgebenden Berge. 

 

Dieser Abstieg nach Gjendebu war eine echte Herausforderung.

 

Ich startete bereits um 08:00 Uhr um dem Schnee zu entfleuchen und den Gipfel bereits passiert zu haben bevor das Spektakel beginnt. Und dieses Vorhaben war von Erfolg gekrönt. Ich war schnell genug und hatte den Gipfel verlassen, bevor der viele Schnee kam.

 

Ich war so froh heil und gesund Gjendebu erreicht zu haben. 

 

 

Gjende-Boot
Gjende-Boot

Mit dem Gjende-Boot ging es dann weiter nach Memurubu.

 

Hier war meine nächste Übernachtung bevor es am anderen Tag zu meiner letzten Tour über den Besseggen wieder zurück nach Gjendesheim gehen sollte. 

 

 

 

Besseggen-Grat
Besseggen-Grat

Die Tour von Memurubu über den Besseggen nach Gjendesheim sollte die kürzeste Tagestour werden.

 

 

Doch es wurde ungewollt die längste Tour auf meiner Rundwanderung mit fast 25 km.  

 

 

Ich hatte aufgrund von Unachtsamkeit eine Variante von 10 km Umweg eingebaut.

 

Dieser "Ritt über den Besseggen" war eine Extremwanderung und ich kam an die Grenze meiner Belastbarkeit. 

 

 

Ende gut, alles gut.

 

 

Am Sonntag 13. September traf ich um 18.00 Uhr wieder in Gjendesheim ein.

 

Fix und fertig, aber zufrieden, glücklich und unendlich stolz auf das Erlebte und Geleistete, fand meine Wandertour ein erfolgreiches Ende.

 

Jotunheim war ein Erlebnis, welches ich wohl nie vergessen werde. Mit dem Rucksack ging es von Hütte zu Hütte begleitet von Schnee, Regen, Sturm, und Sonnenschein. Umgeben von fantastischer Natur mit ihren strahlend goldenen Herbstfarben, bizarren Landschaften, eisigen Gebilden und absoluter Ruhe.

 

Ich bin jeden Tag zwischen 20 und 25 km gelaufen ohne einer einzigen Menschenseele begegnet zu sein.

 

Eine wilde Rentierherde kam neugierig auf mich zu und ich konnte die Tiere aus nächster Nähe sehen.

 

Die letzten Schafe aus dem Gebirge zogen nach Hause und betrachteten mich als Ihresgleichen, denn schnell wurde ich umzingelt, beschnuppert und letztlich als uninteressant abgetan. Frisches Grün gab es hier oben im Land der Riesen nicht mehr, so das es an der Zeit war für die Wollknäuele nach Hause zu ziehen.

 

Teilweise bedeckte Schnee die Landschaft und ein früher Winter kündigte sich an.

 

Für mich ging es über Stock und Stein, teilweise auf allen Vieren die Berge hoch und runter, immer Ausschau haltend nach dem nächsten „roten T“ der Touristenvereinigung Norwegens, welche die Routen zwischen den Hütten markierten.

Wege, nein, Wege gab es nicht.

 

Ich hatte auf meinen Tagestouren inzwischen „Augen wie ein Adler“ bekommen. Mit Ruhe und Geduld „tastete“ (wanderte ) ich mich praktisch von einem roten  „T “ zum folgenden  „T“ oder von „Varden“ zu „Varden“. 

 

Für mich hing im Grunde mein Leben davon ab, die Orientierung zu behalten. Ich war ganz allein in der norwegischen Wildnis. Hier in den Bergen hätte mich niemand gefunden.  

 

 

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Nachdem ich meine erfolgreiche Jotunheim bewältigt hatte, stand schon die nächste Wandertour auf dem Plan. Meine Urlaubszeit im September war vollgepackt mit Plänen.

 

Es ging noch mal auf Beerensuche um meine Versorgung für den anstehenden Winter zu sichern.

 

Dann war die Tour in die Hardangervidda mit zwei Kolleginnen geplant.

 

Wie ich zu meinem Erstaunen fest gestellt hatte, brauchen meine drei Hundmädels noch im September eine Tollwut-Impfung.  Ich hatte den Tierarzt angerufen und um einen kurzfristigen Impftermin gebeten.

 

Allerdings ging die Fahrt nach Evje nicht ohne Komplikationen. An einem Kreisverkehr wurde ich von einem Kleinbus gerammt, der mir den Unterschutzspoiler vorn am Amarok demolierte.

 

 

Das ganze folgende Theater mit Versicherung und Werkstatt hätte ich nun wirklich nicht gebraucht. Alles ging jedoch glimpflich ab und die Kosten wurden vom Schadensverursacher ohne Einschränkung übernommen. 

 

 

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Mit meinen Kolleginnen sollte es ein verlängertes Wochenende zum Wandern in der Hardangervidda geben. Eigentlich war dies bereits am letzten Wochenende im August angedacht. Das schlechte Wetter veranlasste uns die Tour zu verschieben.

 

Jetzt am dritten Wochenende im September sollte es sein.

Kaum zurück aus Jotunheim ging es für mich also schon wieder auf den Berg.

 

Die Unterkunft war in Tyssedal im Trolltunga Gästehaus bestellt. Die Unterkunft liegt nur wenige Meter von der Unterkunft im letzten Jahr entfernt.

Wir uns für ein Appartement entschieden um Frühstück selber bereiten zu können. Damit waren wir unabhängig von den Zeiten vom Frühstücksbuffet.

 

Wir hatten zwei Tage zum Wandern. Der Dronningstien und die Trolltunga waren unser Ziel.

Zu Beginn der Woche war hervorragendes Wetter für beide geplanten Tage gemeldet. Dann änderte der Wetterbericht seine Vorsage und ließ nur noch am Sonnabend die Sonne scheinen.

 

 

Am Donnerstag Nachmittag holten mich meine Kolleginnen von Espetveit ab. Wir rechneten mit einer Reisezeit von 5-6 Stunden da das Haukelifjell wegen Tunnelarbeiten streckenweise gesperrt war und Ampelverkehr oder Umleitungen anstanden.

 

In Hovden, einem der berühmtesten Skigebiete hier in Norwegen (ca 2 Stunden weg von Espetveit) aßen wir zu Abend oder wie die Norwegen sagen „Middag“.

 

Gegen 20:30 Uhr waren wir dann in Odda, kauften schnell im Supermarkt für das morgige Frühstück ein und suchten dann unsere Unterkunft auf. Es war ein kleines sauberes Appartement mit Küche, Bad und drei Zimmern. Besser konnte es nicht sein. 

 

Ein jeder von uns hatte eine Flasche Wein dabei und so ließen wir uns nach der langen Anreise am Küchentisch nieder. Es gab viel zu erzählen und der Wein bescherte uns anschließend die notwendige Bettschwere. 

 

Es war Freitag und wir hatten beschlossen um 08:30 Uhr auf dem Moglii-Toppen unser Auto bereits abgestellt zu haben und die Wanderung zu beginnen.

 

Ab 12:00 Uhr sollte es regnen und wir wollten doch oben auf der Trolltunga nicht im Regen stehen.

 

Das Wetter war alles andere alt gut. Nebel, tief hängende Wolken und nasse Stiege machten es uns nicht leicht.

 

Dennoch waren wir guten Humors und quasselten die ganze Strecke trotz steiler Anstiege. 

 

Kurz vor 12:00 Uhr erreichten wir die Trolltunga, die von Nebel und Wolken eingehüllt war. Nichts mit Aussicht von hier oben. Es war kalt, nass und windig.  

 

 

 

Aber das obligatorische Gipfelfoto gab es dennoch.

 

Im Gegensatz zum letzten Jahr mussten wir nicht 1 ½ Stunden anstehen um auf die Trolltunga zu kommen.

 

An diesem Freitag war alles frei. 

 

 

 

Hier oben hatten wir unser Nistepakke aufgemacht und gegessen. Gemütlich ist allerdings anders. Schnell gegessen und wieder den Rückweg eingeschlagen, denn so viel Ungemütlichkeit lässt sich nicht auf Dauer ertragen. Die Sonne hatte sich die gesamte Zeit nicht sehen lassen.

 

 

 

Der zweite Tag war dem Dronningstien gewidmet.

 

Um 08:30 Uhr standen wir am Schild „Dronningstien“ in Kinsarvik und setzten uns in Gang.

 

Die ersten 4 km waren Wanderung auf Asphalt bzw. Schotterweg. Wir gingen im Gegensatz zum letzten Jahr nicht den Trampelpfad durch den Wald. Es hatte in den letzten Wochen viel geregnet und die Waldwege waren matschig, glatt und unwegsam. 

 

Die ersten Kilometer ganz schön anstrengend. Die Sonne ließ auf sich warten, Nebel und tief stehende Wolken waren hier die Begleiter.

 

 

 

 

Wir passierten den offiziellen Stein von Königin Sonja, der mit ihrer Signatur am Wegrand aufgestellt ist.

 

Der Wanderweg wurde 2013 nach ihren Namen benannt und von ihr als offizieller Wanderweg eröffnet.

 

 

 

Und dann plötzlich nach weiteren zwei Kilometern mit Anstieg öffnete sich der Himmel, Klärchen zeigte ihr Lächeln, die Wolken legten sich an die Hänge der Gebirge und der Nebel sank ab in den Fjord.

 

 

 

Wir hatten Königinnen-Wetter.

 

Eröffnet wurde das Szenarium durch einen weißen Regenbogen, der sich über den Fjord spannte. So etwas hatte ich noch nie gesehen. 

 

 

Viel mehr beschreiben brauche ich gar nicht. Es war ein Panorama-Erlebnis in 1100 m Höhe.

 

Der Dronningstien zieht sich wellenförmig längst der Hardangervidda an der Seite des Sørfjors.

Auf der anderen Seite des Fjords befindet sich der Folgefonna-Nationalpark mit seiner Bergwelt.

 

Herbstfarben, die in der Sonne glitzerten, weiße Berggipfel und das blaue Wasser von Fjord malten eine Traumwelt für uns drei.

 

 

Bei unserem Abstieg nach Lofthus trafen wir wie auch im letzten Jahr eine Herde mit Ziegen, die sich in der Höhe vom Rjukande in 1000m Höhe am Rande zum Fjord in der Sonne aalte. 

 

 

Die berühmten Mönchstufen herunter und weiter über einen Schotterweg kamen wir kurz vor 18:00 Uhr auf dem Parkplatz in Lofthus an wo unser Auto und ein Eis am Stiel auf uns warteten. 

 

Der Sonntag war Rückreisetag.

 

Um 15:00 Uhr war ich wieder auf Espetveit und wurde von meinen Hundemädchen stürmisch begrüßt. 

 

Das Wanderwochenende mit Helene und Birgitte war sehr schön gewesen. Es hat uns allen gut getan. 

Wir sind mehr als nur Kolleginnen, wir sind gute Freundinnen und das schätze ich sehr. 

 

 

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2020 war wohl mein Wanderjahr.

 

Der Oktober sollte es nochmals auf Tour gehen. Nach einer anstrengenden Arbeitswoche stand eine Einladung in die Telemark auf dem Programm.

 

Es ging nach Drangedal in das Gautefall Panorama Hüttengebiet gehen. 

 

Ich fuhr am Freitagnachmittag etwas eher von der Arbeit weg. Unsere Sachen hatte ich bereits am Abend zuvor gepackt.

 

Schnell nach Hause gedüst, meine drei Hundemädchen ins Auto geladen und schon ging es auf die 120 km lange Strecke.

Die Straße bis nach Lauvdalen (42, 41) war ich bereits auf meinem Weg nach Jotunheimen gereist. Die restliche Strecke Richtung Gautefall ging es auf der 358 weiter.

 

Gautefall ist eines der berühmten Hüttengebiete mit unendlich langer Langlaufloipoe und einer Alpinski-Anlage.

 

 

Als ich gegen 18:00 Uhr endlich nach der Passage auf einem serpentinenartigen Schotterweg ankam, waren die restlichen Gäste bereits eingetroffen.

 

Meine Kollegin hatte zum „Damentreff“ eingeladen und somit waren wir 7 Mädels (Zwei- und Vierbeiner) , die das Wochenende zusammen verbringen wollten.

Nach einem guten Abendessen bei einem Glas Rotwein, ließen wir die Arbeitswoche sinken und „quasselten“ bis tief in die Nacht hinein.

 

Für Neele, Thyra und Sola war der erste Abend natürlich voll von Entdeckungen. Sowohl draußen als auch in der Hütte.

 

Wir vier hatten ein eigenes Zimmer und so schliefen wir wie die Murmeltiere bis um 08.00 Uhr des nächsten Tages.

Dann ging es erst mal raus für alle zum Pippi machen und frische Morgenluft zu schnuppern. Dabei bin ich durch das Hüttengebiet marschiert und habe die an den Hängen stehenden Hütten bewundert. Eine schöner als die andere, und wirkten wie Märchenhäuser aus Holz.

 

 

Nach einem langen Frühstück ging es dann zu einer Tageswanderung zum Hellersvatne. Nichts Berühmtes aber in wunderschöner Natur gelegen.

 

 

Es war Sonnenschein gemeldet und so begannen wir bei 6 Grad auf dem Thermometer den Marsch.

 

Erst ging es fast 400 m bergan, dann auf einem Plateau weiter um dann die Höhenmeter wieder abzusteigen zum See.

 

 

Trotz Sonnenschein war es recht kalt, denn es begleitete uns ein kühler Nordwind, der kräftig hier oben auf fast 800 Höhenmetern blies.

 

Am See angekommen fand sich eine Feuerstelle an der wir wie von Meisterhand ein Feuer entfachten. Jeder von uns hatte einen trockenen Holzscheit aus der Hütte mit genommen, so dass das Problem Trockenholz kein wirkliches Problem für uns war.

 

Helene zauberte dann noch eine runde Metallplatte und eine große Cola-Flasche mit Eierkuchenteig aus ihrem Rucksack hervor. Na, das war ein Gaudi. Es gab Eierkuchen über dem Lagerfeuer gebacken mit Erdbeermarmelade, Schokocreme und Kaffee für Jeden ...., übrigens typisch norwegisch, alles am Mann/Frau um die Versorgung sicher zu stellen 

 

 

 

Tja, und da meine drei Mädels so brav auf dem gesamten Weg waren, nie auf Pirsch gingen und sich immer vergewisserten wo ich denn war, erhielten auch jeder von ihnen einen kleinen Eierkuchen.

 

Als wir wieder im Hüttengebiet eintrafen, war Klärchen noch auf der Terrasse zu finden.

Noch ein paar Minuten auf der Hüttenterrasse mit einem Glas Weißwein ließen wir den Nachmittag ausklingen und gingen dann zum gemütlichen Abend über. 

 

Natürlich wieder gut gespeist, lange zusammen gesessen und dann war auch dieser Tag vorüber. 

 

 

 

 

 

Hanne war von meinen drei Hundemädchen fasziniert und hätte gern eine von ihnen mit nach Hause genommen.

 

Aber das war keine Option.

 

Meine Mädels bleiben bei mir und wenn überhaupt, kann man sie mal ausleihen und dann allerdings nur als Dreiergespann.

 

 

 

 

Am nächsten Vormittag machten wir nochmals eine gemeinsame Tour durchs Hüttengebiet um Inspirationen für eigene Projekte zu sammeln. Hanne ist dabei eine Hütte zu planen. Ich plane ein Wohnhaus und da fühlten wir uns auf der Hütten-Schau-Tour so richtig wohl.

 

Am Nachmittag ging es für alle Mädels wieder Richtung Heimat. Gegen 16:00 Uhr trafen wir Espetveit-Mädels wieder zu Hause ein. 

 

 

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Als ich meine Schafherde im August 2018 zur Schlachterei geben musste , dachte ich nicht, dass ich auf Espetveit nochmals Schafe in den Stall einstelle.

 

 

 

 

Aber wie heißt es doch, „ meist kommt es anders als man denkt“.

 

Mitte Oktober kam wieder Leben in meinen Schafstall. 8 erwachsene Schafe und 7 Lämmer teilen sich die Boxen im Stall.

Peter, der Schafbock wacht über den Harem.

 

Und eine Überraschung gab es auch noch dazu . Nur zwei Wochen später zogen 10 junge Schwarzblesse-Schafe in den Stall ein.

 

Die Lämmer kamen von einem Schafbauern aus der Umgebung. Dieser hatte 2017 fünf Lämmer von mir zum Aufbau seiner eigenen Schafherde gekauft. Jetzt kamen praktisch die Enkel meiner ehemaligen Lämmer zurück.

 

…, meine Schafe waren wieder nach Hause gekommen !!!

 

 

Ich freute mich natürlich riesig, dass die zukünftigen Besitzer von Espetveit sich entschlossen hatten „Blessesau“, wie sie auf norwegisch heißen, wieder nach Espetveit zurück zu holen, … und dass es natürlich Nachfahren aus meiner eigenen Zucht sind, machte mich so richtig stolz. 

 

 

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Ende Oktober startete Neele in ihr 10. Lebensjahr.

 

Ich hoffe, dass mich meine ältestes Hundemädchen noch lange begleiten wird und sie so bleibt wie sie ist, meine kleine spezielle manchmal so richtig "zickige" Neele-Maus. 

 

 

 

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Der November wurde zum Regenmonat. Der Himmel war fast immer wolkenverhangen und dichte Nebelschwaden begleiten mich jeden Morgen bei meiner Fahrt zur Arbeit.

 

Aber nicht nur das Wetter verbreitete miese Laune.

 

Der November ist wie in jedem Jahr ein „miese Stimmung Macher“ schon allein der Vergangenheit wegen. Das triste Wetter macht es nur noch schlimmer.

 

Anouk und Ylva hatten wieder ihr Licht im kleinen Tal bekommen. 2011 und 2013 verließen sie Espetveit jeweils im November auf tragischer Weise.

Ich muss immer wieder daran danken wie hilflos ich dem Geschehen damals gegenüber stand. Inzwischen sind viele Jahre vergangen.

 

Doch vergessen, nein vergessen werde ich meine zwei Aussie-Mädchen wohl nie.

 

 

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Mitte November hatten alle Schafe im Schafstall ihre Kleider gewechselt.

Der Schafscherer war vor Ort. 

 

Kurz danach hatte Peter sich entschieden die Deckzeit vorzeitig einzuläuten.

 

 

Er konnte wohl dem Scharm der Schafdamen in ihren neuen Kleidern nicht widerstehen und sprang kurzerhand über das Gitter zu seinen Liebsten.

 

Damit hatte er bestimmt, wann Lammzeit im Frühjahr hier auf Espetveit ist, .. . und fertig.

 

 

Mein Traktor bekam zur selben Zeit wie die Schafdamen ihre neue Kleider, seine Winterausstattung verpasst. Vorne wurden die Sommerreifen gegen die Winterreifen mit Schneeketten getauscht, … die Schaufel gegen die Schneefräse gewechselt und hinten auf die großen Reifen kamen die Schneeketten.

Mitte November stand mein Damentraktor einsatzbereit für die kommende Wintersaison. 

 

Und eines wusste ich ganz sicher, er wird kommen, der Winter so wie in allen Jahren, voller Überraschungen und oft mit Pauken und Trompeten. 

 

 

 

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Der 1. Advent war in 2020 früh dran.

 

Der Winter scheint entgegen den Vorhersagen etwas langsamer zu sein.

 

Ich hatte zwar immer mal wieder Frost und vereinzelt Schneefall doch am 1. Adventssonntag sah es nicht wirklich winterlich aus.

 

Ich nutzte den Tag um meinen Hof wintersicher zu machen.

 

 

 

Alle Lammzäune wurden weg genommen. Das Gelände rund ums Haus und den Hof war für meine Hundemädchen jetzt offen . Ich konnte nur hoffen, dass die Drei ihre Angewohnheiten bei behalten und ihr Terrain innerhalb des Hofes auch ohne Zaun nicht verlassen. Wird schon werden, dachte ich. 

 

Meine Rhododendron-Büsche hatten ihr „Winterkleid „ übergezogen bekommen mit einer weißen Pudelmütze zum Abschluss.

Ich stelle in jedem Jahr eine Art Indianer-Tipi über jeden Busch auf. Damit verhindere ich, dass die Schneelast die Äste runter drücken und brechen. Hatte bisher in jedem Jahr gut geklappt.

 

Auch mein Privatweg hoch nach Espetveit wurde „verziert“. 

 

Es stehen mit entsprechendem Abstand zum Zaun die Schneestäbe am Wegesrand, so dass beim Schneeräumen nicht zu dicht an den Zaun gefahren wird. Druck über mehrerer Monate von einigen Meter Schnee hält auch der beste Zaun nicht aus.

Deshalb mein rigoroses „Stäbe pflanzen“ in jedem Herbst. Die, welche nicht umgefahren oder kaputt gefräst werden, sammele ich dann nach dem letzten Schnee im Frühjahr wieder ein.

  

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Den ganzen November hin durch war es sehr mild.

 

Nach dem norwegischen Wetterbericht der wärmste November seit 100 Jahren.

 

 

 

Doch Anfang Dezember schneite es fast 2 Tage ununterbrochen. Der Winter machte sich breit. Es kam nasser schwerer Schnee und ich stand mit meinem Traktor diesen Massen hilflos gegenüber.

 

In diesem Dezember musste ich das erste Mal um Hilfe bitten um die Schneemassen vom Hof zu kriegen. Bislang klarte ich das in jedem Winter allein, doch dieses Mal hatte ich keine Chance.

 

Und es kam wie es kommen musste. Der Schnee war geräumt, die Wege befahrbar und es wurde warm und Dauerregen setzte ein.

 

So wie der Schnee kam, verschwand er auch wieder. Mein Hof wurde wieder sauber gewaschen. 

 

 

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Für meine Thyra ist der Winter immer ein Genuss.

 

Obwohl sie am 4. Dezember schon 9 Jahre alt wurde, verhält sie sich im Schnee wie ein kleiner Welpe.

 

 

 

Springen, toben, wälzen, mit der Nase im Schnee graben und stundenlang im Schnee liegen hat sie bislang nicht aufgegeben. Mit ihrem dicken Pelz wie ein Bär ist sie optimal ausgestattet. Die Kälte kann ihr nichts anhaben.

Nach so einem Wintertag wie sie ihn an ihrem Geburtstag erlebte, liebt sie es am Abend neben dem warmen Ofen zu liegen.

 

Wie viele Jahre wir wohl noch zusammen haben? Neun werden es sicherlich nicht mehr. Ich bin für jedes Jahr dankbar, was wir noch geschenkt bekommen. Thyra ist und bleibt mein Bärli, egal wie alt sie wird. 

 

 

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Tja, auch das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich die Zeit hier auf Espetveit nochmals erlebe mit einem Pferd im Pferdestall.

 

Doch seit Mitte Dezember war es wieder aktuell.

 

 

Ora oder auch Tamara genannt,  war eingezogen. Sie ist ein Kaltblut und hat ein Pferdeparadies hier auf Espetveit gefunden.

 

So wie die Schafe versorgte ich auch Ora jeden Morgen und Abend mit Futter und Streicheleinheiten. Es fühlt sich gut an das Schnaufen und den Geruch eines Pferdes im Stall wahr zu nehmen.

Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. 

 

 

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Nachdem der ersten 50 cm Schnee vom Anfang Dezember wieder verschwunden waren, gab es viele Tage mit Regen und Plusgraden.

 

 

  

Weihnachten war es dann wieder kalt und mit Sonnenschein aber ohne Schnee.

 

Ich hatte reichlich Zweige im Wald gesammelt und mein jährliches Weihnachtsfeuer konnte statt finden.

 

Eingeladen hatte ich dazu die zukünftigen Besitzer von Espetveit, welche am 01.01.2021 meinen Hof übernahmen. 

 

Das Weihnachtsfeuer am 1. Weihnachtsfeiertag war für beide Seiten ein symbolischer Neuanfang.

 

 

Ich verabschiedete mich von meiner Weihnachtstradition und die zukünftigen Hofeigentümer waren inspiriert das Weihnachtsfeuer in ihr kommendes Hofleben hier auf Espetveit zu übernehmen. 

 

In meinen Gedanken verabschiedete ich mich auch bereits von 2020 und von Espetveit.

 

Ich dankte für die vielen Jahren wo Espetveit mein zu Hause war.

 

Diese Jahre werde ich wohlbehütet in meinen Erinnerungen bewahren.  

 

 

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Zwischen dem Weihnachtsfest und dem Neuen Jahr kamen wieder Massen von Schnee. Innerhalb von 36 Stunden ereilten mich 40 cm der weißen Pracht und deckten Espetveit erneut mit einem weißen Tuch zu.

 

Den letzten Tag von 2020 beging ich in absoluter Ruhe und nur für mich. Ich hatte es so bestimmt. Ich brauchte den letzten Tag des Jahres für mich allein. Ich wollte mit dem Bisherigen für mich abschließen.

 

 

 

Das Neue Jahr begrüßte ich bei klarem Sternenhimmel, Minusgraden und in einer glitzernden Schneewelt. 

 

Schöner hätte der Neubeginn für mich nicht sein können.

 

 

 

 

 

Ich "rutschte" nach 2021 mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

 

 

 

Ich habe Espetveit verkauft!

 

 

 

Mit dem ersten Tag des Neuen Jahres hat Espetveit einen neuen Besitzer.

 

 

Ich habe genau die Familie gefunden,

die ich mir für meinen Hof erträumt hatte.  

 

Espetveit wird wieder neues Leben eingehaucht.

 

 

 

2021 wird anders !

 

Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt für mich. 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich sollte ein Jahr in der Arktis

 

für jedermann obligatorisch sein !

 

 

Dort würde jeder erfahren,

 

was in der Welt wichtig ist und was nicht.

 

Was zählt und worauf es im Leben

 

ankommt.

 

 

 

Jeder würde auf sein Maß reduziert

 

werden !

 

Christiane Ritter, Autorin von “Eine Frau erlebt die Polarnacht”, 1938

 

 

Ich bin davon überzeugt,

dass es nicht unbedingt die Arktis sein muss

um die wesentlichen Dinge im Leben zu erkennen.

  

Für mich sind es die Jahre hier in Norwegen !!!

 

 

 

Das Leiden, das wir spüren, die Unbefriedigtheit,

oder die Unzufriedenheit kommt nicht aus der Tatsache, dass wir nichts festhalten können,

um es “ewig” an sich zu binden,

sondern vielmehr aus der Tatsache,

dass wir dies ständig versuchen.

 

Dass nichts so bleibt, wie es ist, muss so sein,

sonst gäbe es kein Leben, keine Evolution,

kein Neugeborenes, welches zu einem starken Menschen wird,

keine Blüte, die zur Frucht wird.

 

Wenn wir akzeptieren,

dass der Wandel dem Leben gleichgestellt ist,

dass wir loslassen müssen,

um etwas Neues zu bekommen,

dann werden wir mit Ruhe und weniger Leiden durch unser Dasein gehen.

Volksweisheit / Volksgut

 

Ich bedanke mich bei allen, die mich durch die vielen Jahren hier auf Espetveit begleitet haben.

Mit dem heutigen Tag schließe ich mein Espetveit- Buch.

Ich wünsche ein gesundes neues Jahr.

 

Willkommen 2021 !

 

Liane