17.-21.09. 2020

 

Und wieder auf Schuster`s Rappen durch die Hardangervidda

 

 

Kaum zurück aus Jotunheimen geht es schon wieder in die Berge. 

 

Ich habe mit meinen Kolleginnen ein verlängertes Wochenende zum Wandern in der Hardangervidda verplant. Eigentlich war dies bereits am letzten Wochenende im August geplant. Das schlechte Wetter veranlasste uns die Tour zu verschieben.

 

Jetzt soll es soweit sein.

 

Helene hatte die Unterkunft in Tyssedal im Trolltunga Gästehaus bestellt. Die Unterkunft liegt nur wenige Meter von der Unterkunft im letzten Jahr entfernt. Dieses Mal hatten wir uns für ein Appartement entschieden um Frühstück selber bereiten zu können. Damit waren wir unabhängig von den Zeiten vom Frühstücksbuffet.

 

Birgitte wollte gern den Dronningstien gehen und ich hatte den Vorschlag doch die Trolltunga mit zu besteigen. Und so einigten wir uns, dass beiden Touren gelaufen werden, egal wie das Wetter ist.

 

Zu Beginn der Woche war hervorragendes Wetter für beide geplanten Tage gemeldet. Dann änderte der Wetterbericht seine Vorsage und ließ nur noch am Sonnabend die Sonne scheinen.

 

 

Helene hatte bereits im Voraus einen Parkplatz P3 (offizieller Parkplatz zur Trolltunga mit max. 30 Stellplätzen, die man vorbuchen muss)  auf dem Moglii-Toppen für Freitag reserviert.

 

Wir wollten die ersten 4 km nicht auf der steil nach oben verlaufenden Asphaltstraße gehen. Der eigentliche Aufstieg durch einen Wald ist weiterhin gesperrt. Im letzten Jahr gab es da einen Erdrutsch und der Weg ist immer noch nicht wieder befestigt worden. Ich kann mich nur zu gut erinnern, wie ich im letzten Jahr bei meiner Tour mit Freunden uns die ersten 4 km hoch kämpften. Und die letzten 4 km die Asphaltstraße wieder runter waren auch kein Vergnügen.  

 

 

Am Donnerstag Nachmittag holten mich Helene und Birgitte von Espetveit ab. Wir rechneten mit einer Reisezeit von 5-6 Stunden da das Haukelifjell wegen Tunnelarbeiten streckenweise gesperrt ist und Ampelverkehr oder Umleitungen aktuell sind.

 

 

In Hovden, einem der berühmtesten Skigebiete hier in Norwegen (ca -32 Stunden weg von Espetveit) aßen wir zu Abend oder wie die Norwegen sagen „Middag“. 

 

Gegen 20:30 Uhr waren wir dann in Odda, kauften schnell im Supermarkt für das morgige Frühstück ein und suchten dann unsere Unterkunft auf.

 

 

 

Es war ein kleines sauberes Appartement mit Küche, Bad und drei Zimmern. Besser konnte es nicht sein.

 

 

 

Ein jeder von uns hatte eine Flasche Wein dabei und so ließen wir uns nach der langen Anreise am Küchentisch nieder. Es gab viel zu erzählen und der Wein bescherte uns die notwendige Bettschwere. 

 

Es war Freitag und wir hatten beschlossen um 08:30 Uhr auf dem Moglii-Toppen unser Auto abgestellt zu haben und die Wanderung zu beginnen.

 

Ab 12:00 Uhr sollte es regnen und wir wollten doch oben auf der Trolltunga nicht im Regen stehen.

 

 

Das Wetter war alles andere alt gut. Nebel, tief hängende Wolken und nasse Stiege machten es uns nicht leicht. Dennoch waren wir guten Humors und quasselten die ganze Strecke trotz steiler Anstiege. 

 

Kurz vor 12:00 Uhr erreichten wir die Trolltunga, die von Nebel und Wolken eingehüllt war. Nichts mit Aussicht von hier oben. Es war kalt, feucht und windig.

 

Aber das obligatorische Foto gab es dennoch.

 

 

Im Gegensatz zum letzten Jahr mussten wir nicht 1 ½ Stunden anstehen um auf die Trolltunga zu kommen.

 

Am heutigen Tag war alles frei.

  

 

Hier oben haben wir unser Nistepakke aufgemacht und gegessen. Gemütlich ist allerdings ist anders. Schnell gegessen und wieder den Rückweg eingeschlagen, denn so viel Ungemütlichkeit lässt sich nicht auf Dauer ertragen. Die Sonne hatte sich die gesamte Zeit nicht sehen lassen. 

 

 

Trolltunga 

 

Wieder am Auto ging es zurück nach Tyssedal, unter die Dusche und zum Abendessen nach Odda.

spät am Abend in der Unterkunft machten wir Pläne für den kommenden Tag bei einer weiteren Flasche Wein.

 

 

Wir wollten mit dem Auto bis Lofthus fahren und dieses auf dem Parkplatz vom „Bunnpris“ abstellen.

 

Um 08:00 Uhr ging der Bus nach Kinsarvik zum Startpunkt des Dronningstien.

 

 

Wir hatten einfach die Erfahrung von meiner Tour im letzten Jahr genutzt und dachten, dass dies auch gut für uns in diesem Jahr passt.

 

 

Um 08:30 Uhr standen wir am Schild „Dronningstien“ in Kinsarvik und setzten uns in Gang.

 

Die ersten 4 km waren Wanderung auf Asphalt bzw. Schotterweg.

 

Wir gingen im Gegensatz zum letzten Jahr nicht den Trampelpfad durch den Wald.

Es hatte in den letzten Wochen viel geregnet und die Waldwege waren matschig, glatt und unwegsam.

 

Bei unserem Aufstieg über den Asphaltweg fuhren immer wieder Personenwagen an uns vorbei.

 

Wie wir feststellen mußten, ließen sich die ersten 3 km Wanderung auch umgehen. Nach 3 km fand sich ein Parkplatz wo die Autos gut stehen konnten. Aber das hätte bedeutet für den Rückweg nach dem Abstieg in Lofthgus ein Taxi zu bestellen um wieder sein Auto erreichen zu können.

 

 

Angeblich gibt es auch ein Shuttelbus zwischen Lofthus und Kinsarvik, aber mehr darüber weiß ich auch nicht. 

 

Na jedenfalls waren die ersten Kilometer ganz schön anstrengend. Die Sonne ließ auf sich warten, Nebel und tief stehende Wolken waren hier die Begleiter.

 

 

 

 

 

 

Dieses Mal passierten wir auch den offiziellen Stein von Königin Sonja, der mit ihrer Signatur am Wegrand aufgestellt ist. Der Wanderweg wurde 2013 nach ihren Namen benannt. 

 

Und dann plötzlich nach weiteren zwei Kilometern mit Anstieg,  öffnete sich der Himmel, Klärchen zeigte ihr Lächeln, die Wolken legten sich an die Hänge der Gebirge und der Nebel sank ab in den Fjord.

 

Wir hatten Königinnen-Wetter.

 

 

Eröffnet wurde das Szenarium durch einen weißen Regenbogen, der sich über den Fjord spannte. So etwas hatte ich noch nie gesehen. 

 

 

 

Viel mehr beschreiben brauche ich gar nicht. Es war ein Panorama-Erlebnis. Die Fotos, die wir schossen zeigen wie malerisch schön es hier oben in 1100 m Höhe war.

 

Dronningstien

Der Dronningstien zieht sich wellenförmig längst der Hardangervidda an der Seite des

Sørfjors. Auf der anderen Seite des Fjords befindet sich der Folgefonna-Nationalpark mit seiner Bergwelt. Herbstfarben, die in der Sonne glitzerten, weiße Berggipfel und das blaue Wasser von Fjord malten eine Traumwelt für uns drei.

 

Viele Pausen, reichlich „Geschnatter“, phantastische Natur, genau das wollten wir. Alleredings war der Varden , der höchste Punkt auf dem Dronningstien in aufsteigende Wolken gehüllt. Das Gipfelfoto am heutigen Tag fiel aus. 

 

Wir machten einen Abstecher zum Odo-Wasserfall und standen auch auf den Aussichtspunkt Nosi. 

 

 

 

Bei unserem Abstieg nach Lofthus trafen wir wie auch im letzten Jahr eine Herde mit Ziegen, die sich in der Höhe vom Rjukande in 1000m Höhe am Rande zum Fjord in der Sonne aalten. 

 

 

Die berühmte Mönchtreppe herunter und einen extra langen Rückweg über den Schotterweg gegangen, kamen wir kurz vor 18:00 Uhr auf dem Parkplatz vom „Bunnpris“ an.

 

Das Geschäft hatte noch offen und so gönnten wir uns als Belohnung für unsere Wanderung ein Eis am Kai von Lofthus.

 

 

 

 

Zurück in der Wohnung ging es unter die Dusche und dann wieder zum Abendessen nach Odda.

 

Wir waren schon etwas geschafft von den zwei Tagen und die letzte Flasche Wein am Abend gab uns die nötige Entspannung nach den beiden anstrengenden Touren. Wir saßen noch bis Mitternacht und philosophierten über das, was uns bewegt.

 

 

 

Wir waren uns einig, dass wir mit diesem Wanderwochenende eine Tradition ins Leben rufen wollen. Einmal im Jahr wird es ab jetzt für ein verlängertes Wochenende zum gemeinsamen Wandern gehen. Es gibt noch so viel zu entdecken.

 

 

 

Der Sonntag war Rückreisetag. Um 15:00 Uhr war ich wieder auf Espetveit und wurde von meinen Hundemädchen stürmisch begrüßt.

 

 

 

Dronningstien

 

Das Wertvollste, was ein Mensch schenken kann, ist seine Zeit! 

 

Auch wenn es nur wenige Minuten sind,

schenkt er dir ein Stückchen seines Lebens.

 

Schätze es !!!

16.09. 2020 Das musste jetzt nicht sein

 

Meine Urlaubszeit jetzt im September ist vollgepackt mit Plänen.

 

Morgen geht es mit zwei Kolleginnen in die Hardangervidda zu einem verlängerten Wanderwochenende. Wir wollen die Trolltunga und den Dronningstien erobern.

 

Wie ich fest gestellt habe, brauchen meine drei Mädels eine Tollwut-Impfung. Die letzte war vor 3 Jahren also ist wieder eine neue Impfung fällig. Ich hatte gestern den Tierarzt angerufen und für heute einen Impftermin bekommen.

 

Kurz nach 08.00 Uhr ging es mit dem Auto los in Richtung Evje.

Am Kreisel an der Esso-Tankstelle ca. 3 km vor Evje musste ich an der Einfahrt stoppen da im Gegenverkehr sich ein Schwerlasttransporter durch den Kreisverkehr schlängelte.

 

Vor mir stand ein Kleinbus. Keine Minute gestanden, setzte plötzlich der Fahrer mit dem Bus zurück ohne sich zu orientieren und fuhr mir ins Auto.

 

Ich registrierte noch die Rückwärtsbewegung des Busses , konnte aber so schnell nicht reagieren, … war wohl auch verblüfft, dass dieser plötzlich auf mich zu kommt,… hoffte auch, dass er seinen Fehler erkennt und mich vielleicht doch noch hinter ihm stehend wahr nimmt und stoppt.

War nicht so,... ich wurde gerammt.

 

Der Schwertransporter war durch und der Bus fuhr los ohne überhaupt bemerkt zu haben, was da passiert war.

 

Ich hinter her und stoppte ihn mitten auf der Straße. Es war Gott sei Dank nicht viel Verkehr, so dass ich ihn zum Anhalten bewegen konnte.

 

Letztlich sah er dann ein, das wohl seine Reaktion nicht angemessen war und entschuldigte sich dafür weg gefahren zu sein.

Er meinte nur noch, dass der Schaden ja glücklicherweise nicht so groß sei, da mein Auto hoch genug ist und mir eigentlich nur Unterbodenspoiler, der den Boden an der Frontseite abdeckt, abgerissen wurde, Na, danke, was ist daran Glück.

 

Nun gut, ich konnte weiter fahren. Neele, Thyra und Sola sind geimpft.

 

Jetzt kommen eine Menge administrative Aufgaben auf mich zu.

 

Der Schaden muss der Versicherung gemeldet. Das Schadensprotokoll zusätzlich via Internet der Versicherung einschließlich Bilder vom Auto mit dem vorhandenen Schaden zuschicken.

Ich brauche einen Termin in der Werkstatt zur Begutachtung und dann sicher einen zusätzlichen Termin um den Schaden zu beheben.

 

Und ich will morgen in die Hardangervidda, … prima, alles Extraaufregung, die ich nicht brauche.

 

Nun drücke ich die Daumen, dass die Versicherung des Unfallverursachers die Kosten trägt.

 

 

 

Manchmal kann man nichts machen, außer weiter. 

15.09.2020 Im Land der Riesen 

 

 

 

Geschafft!!!

 

Ich habe es geschafft allein durch das norwegische Hochgebirge zu ziehen.

Gestern Abend bin ich wieder auf Espetveit gelandet und wurde stürmisch von meinen Hundemädchen in Empfang genommen. 

 

Nach einer Woche Wandern mit 120 km in den Beinen war ich wieder zu Hause ohne Schaden angekommen.

 

Zu Beginn meiner Rundtour war ich mir wohl bewusst, dass ich ein risikovolles Unterfangen geplant hatte.

 

Mein Ausgangspunkt war Gjendesheim.

 

Von dort ging es am Dienstag gegen 08:30 auf die Strecke nach Glitterheim. Ich hatte einen phantastischen Ausblick auf den Gjende und nach 200 m gewonnenen Höhenmetern sah ich einen Regenbogen, der sich über das Wasser vom Gjende spannte. Dieses Zeichen nahm ich als guten Omen an und war fest überzeugt, dass mir meine „Einfra(mann)tour“ gelingen wird. In 6 Tagen wollte ich wieder hier sein.

 

Am zweiten Tag, mittwochs, ging ich von Glitterheim nach Spiterstulen, wo mich einen wilde Rentierherde über ein paar Minuten meines Weges begleitetet.

 

Für Tag drei hatte ich den Aufstieg auf das Dach Norwegens hoch zum Galdhøpiggen geplant. Es war mein Ziel einmal auf dem höchsten Berg Norwegens zu stehen und auf das Land zu schauen.

Dank einer „Leirskolen“ war dieser Tag der Höhepunkt meiner Reise durch das Land der Riesen.

 

Nach einer weiteren Übernachtung machte ich mich von Spiterstulen auf den Weg nach Leirvassbu. Auf dieser Wanderstrecke wurde es das erste Mal so wirklich ungemütlich. Die letzten zwei Stunden ging ich im Schneegestöber und bei schlechter Sicht. Außer Schafen, die auf dem Weg nach Hause waren, traf ich wie auch an den Tagen zuvor keinen Zweibeiner auf dem Weg. Nach fast 20 km kam ich endlich in Leirvassbu an.

 

Ich hatte alle Übernachtungen mit Halbpension gebucht, so dass es nach jedem anstrengenden Tag, und das war ein jeder Tag, ein warmes 3-Gang-Menü am Abend gab.

 

Von Leirvassbu sollte es am nächsten Tag nach Gjendebu gehen. Die Leirvassbu-Hütte war bereits von Schnee umgeben und für den nächsten Tag war reichlich Neuschnee ab 10.00 Uhr gemeldet. Die Temperaturen lagen bei 0 Grad . Es hatte Nebel sich breit gemacht und die Wolken hingen tief auf den Gipfeln der umgebenden Berge.

 

Dieser Abstieg nach Gjendebu war eine echte Herausforderung. Ich startete bereits um 08:00 Uhr um dem Schnee zu entfleuchen und den Gipfel bereits passiert zu haben bevor das Spektakel beginnt.

Und ich war schnell genug. Ich hatte den Gipfel verlassen, bevor der viele Schnee kam. Ich war so froh heil und gesund Gjendebu nach 7 Stunden Wanderung in Schnee, Regen und Sturm, erreicht zu haben.

 

Mit dem Gjendeboot ging um 16:25 Uhr (letzte Fahrt des Tages) nach Memurubu. Hier war meine nächste Übernachtung bevor es am anderen Tag zu meiner letzten Tour über den Besseggen wieder zurück nach Gjendesheim gehen sollte.

 

Die Tour von Memurubu über den Besseggen nach Gjendesheim sollte die kürzeste Wandertour werden. Aber wie so oft im Leben, kommt es anders als man (Frau) denkt. Es wurde meine längste Tour auf meiner Rundwanderung mit fast 25 km. Ich hatte aufgrund von Unachtsamkeit eine Variante von 10 km Umweg eingebaut, die mir wirklich das Letzte abverlangte.

 

Ende gut, alles gut. Am Sonntag 13. September traf ich um 18.00 Uhr wieder in Gjendesheim ein.

Fix und fertig, aber zufrieden, glücklich und unendlich stolz auf das Erlebte und Geleistete fand meine Wandertour ein erfolgreiches Ende.

 

 

 

Ich war noch nie allein im Hochgebirge oder überhaupt auf unbekannten Terrain unterwegs. Ich hatte bislang immer in der Gruppe Jemanden, der die Aufgabe der Orientierung und des „Wegfindens“ übernommen hatte.

Bei dieser Tour war ich auf mich allein gestellt.

 

Ich hatte keine Zweifel, dass ich konditionell die Tagesstrecken zwischen 20 – 25 km schaffe. Mein Zweifel bestand darin, dass ich ausreichend Orientierung habe und gewinne, um den Weg zu finden.

 

Auf Anraten einer Kollegin kaufte ich mir noch auf der Fahrt eine Karte und einen Kompass.

Problem, … ich hatte noch nie Karte und Kompass benutzt um mich im Gelände zurecht zu finden. Aber auf Youtube findet man heute alles und so nahm ich einen Crashkurs in Kompassanwendung. Nur viel sicherer fühlte ich mich nach dem Kurs nicht.

 

 

Jotunheim war ein Erlebnis, welches ich wohl nie vergessen werde. Mit dem Rucksack, darin alles, was ich für 6 Tage wandern brauchte, ging es von Hütte zu Hütte. Mich  begleiteten Schnee, Regen, Sturm und Sonnenschein. Ich war umgeben von fantastischer Natur mit ihren strahlend goldenen Herbstfarben, bizarren Landschaften, eisigen Gebilden und absoluter Ruhe.

 

Ich bin bis zu 25 km an einem Tag gelaufen ohne einer einzigen Menschenseele begegnet zu sein. Eine wilde Rentierherde kam neugierig auf mich zu und ich konnte die Tiere aus nächster Nähe betrachten. 

 

Die letzten Schafe aus dem Gebirge zogen nach Hause und sahen mich als Ihresgleichen. Schnell wurde ich umzingelt, beschnuppert und mein Hosenbein angeknabbert um eventuell etwas Fressbares zu finden. Frisches Grün gab es hier oben im Land der Riesen nicht mehr, so das es an der Zeit war für die Wollknäuele nach Hause zu ziehen. Teilweise bedeckte Schnee die Landschaft und ein früher Winter kündigte sich an.

 

Für mich ging es über Stock und Stein, teilweise auf allen Vieren über Brücken, Geröllhalden, die Berge hoch und runter, immer Ausschau haltend nach dem nächsten „roten T“ der Touristenvereinigung Norwegens, welche die Routen zwischen den Hütten markierten.

 

Wege, nein, Wege gab es nicht.

Ich ging immer den Markierungen nach, die mal mehr und meist weniger gut zu erkennen waren. Manchmal stand ich minutenlang, bis ich endlich in der Ferne das nächste „rote T“ ausmachen konnte. Oft fanden sich auch Stein -Varden (kleine Türme auf großen Steinen oder Felsvorsprüngen) , die die Richtung vorgaben. Die „roten T`s“ waren teilweise durch die Witterung ausgeblichen oder von Schnee oder Moos bedeckt.

 

Ich hatte auf meinen Tagestouren inzwischen „Augen wie ein Adler“ bekommen. Mit Ruhe und Geduld „tastete“ (wanderte ) ich mich praktisch von „T“ zu „T“ oder „Varden“ zu „Varden“.

 

Es hing mein Leben davon ab, die Orientierung zu behalten. Ich war ganz allein in der norwegischen Wildnis. Hier in den Bergen hätte mich niemand gefunden. Warum auch, mich hätte niemand vermisst.

 

Na gut, ganz so dramatisch war es dann doch nicht. Jeden Abend gab ich eine kurze Meldung an Kollegen und Freunde nachdem ich die Zielhütte erreicht hatte. Nur in der Glitterheim-Hütte gab es keine Kommunikationsmöglichkeit mit der Außenwelt.

Keine Handydeckung, kein Internet…., was übrigens für fast die gesamte Wanderstrecke galt. Handydeckung findet sich hier nicht im Hochgebirge.

 

 

Ich werde in den kommenden Wochen über jeden meiner Wandertage ausführlich berichten. Allerdings benötige ich etwas mehr Zeit zum Schreiben.

 

Ich bin mit anderen Dingen, was den Hof betrifft, beschäftigt. Auch die Klinikarbeit fordert viele Überstunden und meine drei Hundemädels sollen auch nicht zu kurz kommen.

 

Ich bitte um etwas Geduld! Ihr werdet jeden einzelnen Tag mit mir erleben und erfühlen.

 

Jotunheim ist ein phantastisches Reich der Riesen. Es lohnt sich und es ist es allemal wert darüber mehr zu schreiben.

 

 

 

 

Auszeit

 

Du denkst, die Zeit vergeht zu schnell, um all das zu tun,

was du dir vorgenommen hast.

 

Gönne dir Ruhe, atme durch,

lenke deine Gedanken auf das Wesentliche .

 

Dann mach einen Schritt nach dem anderen, und du wirst sehen,

du schaffst mehr als du gedacht hast.

04.09.2020 Urlaub in Sicht

 

 

Es ist fast schon herbstlich hier auf Espetveit.

 

Die Schwalben haben bereits vor 14 Tagen ihre Sommerresidenz verlassen und sind in den warmen Süden geflogen. Es ist ruhig geworden. Den Schafen geht es gut und sie genießen die Zeit auf den Weiden.

 

Für mich ist allerdings in diesem Jahr vieles anders, was insbesondere für meine geplanten Reisen für 2020 gilt.

Im Juni sollte es nach Jotunheim gehen. Aufgrund von „Corona“ wurde die organisierte Gruppenreise storniert.

 

Jetzt im September hatte ich mit meinen Mädels eine Reise nach Deutschland geplant, aber auch das ist nicht möglich.

Da ich im norwegischen Gesundheitssystem beschäftigt bin unterliege ich der Restriktion, dass alle Auslandsreisen für Angestellt im Gesundheitswesen bis auf Weiteres untersagt sind.

 

Kurzerhand habe ich heute den Wetterbericht für Jotunheim geprüft und mich entschlossen alleine durch das "Land der Riesen" zu wandern.

Ich will eine Hüttentour über 6 Tage machen. Mein Startpunkt wird Gjendesheim sein. Da will ich mein Auto abstellen und dann von Hütte zu Hütte ziehen.

 

Übers Internet ist es kein Problem Übernachtungen zu finden. Ich habe mich kurzerhand bei den bewirtschafteten Hütten des DNT angemeldet und für alle eine Bestätigung erhalten. Am kommenden Montag will ich starten. Es stehen 570 km Autofahrt an.

 

Bei der Straßensituation und den Geschwindigkeitsbegrenzungen werde ich wahrscheinlich 8 Stunden unterwegs sein. Ich werde nicht über die E18 fahren sondern mich auf kleineren Straßen hoch durch Land hangeln. Ich brauche nicht den dichten Verkehr sondern Natur und Ruhe, die ich sicher finden werde.

 

 

Die Welt ist im Wandel...,

 

und noch nie hatten wir so viel Zeit uns selbst kennenzulernen

und zu akzeptieren,

dass es im Moment ist, wie es ist.