30.08.2020

 

Jäger und Sammler

 

 

Gestern hatte ich das erste Mal seit langem wieder Feuer im Ofen gemacht.

 

 

 

Es waren 10 Grad, Nieselregen, richtig ungemütlich draußen und drinnen.

 

Heute scheint wieder die Sonne und der Sommer ist zurück gekehrt.

Auf meinen letzten Spaziergängen mit meinen Hundemädchen sind mir die vollen Büsche mit Preiselbeeren und Blaubeeren aufgefallen. Die ein oder andere Beere landete bereits in meinem Mund. Auch Thyra, Neele und Sola lieben Beeren. Wenn ich mich bücke und Beeren pflücke , stehen sie erwartungsvoll neben mir und warten geduldig auf ihre Portion. Thyra und Sola pflücken sogar selbst nur Neele kann dies aufgrund ihrer „Behinderung“ nicht für sich erledigen. So bekommt sie meist eine Extraportion von mir geliefert.

Das aber nur soviel zum Hund als Fleischfresser. Meine Hunde lieben Obst und Gemüse ebenso.

 

 

Na jedenfalls ging es nach unserem morgendlichen Routinespaziergang nochmals in den Wald. Ausgestattet mit einem 5 Liter Eimer und einem Pflücker wollte ich Preiselbeeren sammeln. In diesem Jahr waren sie richtig reif, fast dunkelrot leuchteten sie über dem Waldboden.

 

Ich bin kein „Sammler“ aber auch kein Jäger. Ich bin ein Tierhalter und -züchter, was besser planbar und meist von Erfolg gekrönt ist.

 

Dennoch wollte ich ein paar Beeren für den Eigenbedarf holen. 

 

 

Die Sonne strahlte vom Himmel und wir machten uns auf hoch zur Mosseby-Hütte.

 

Hier fand sich reichlich Preiselbeeren und innerhalb einer Stunde hatte ich 1,5 kg in meinem Eimer.

 

 

Neele, Thyra und Sola durchstöberten die Umgebung, waren aber nie wirklich weit weg von mir.

Meist lagen sie unmittelbar in meinem Erntegebiet, so dass ich sie immer wieder auffordern musste doch aus dem Weg zu gehen und die Preiselbeerbüsche,  nicht bevor ich sie abgeerntet hatte, durch ihr Getobe platt zumachen.

 

Sie wichen mir nicht wirklich von der Seite, obwohl sie hier im Wald alle Freiheiten genießen konnten.  

 

 

 

 

 

Mit meinem halbvollen Eimerchen ging es wieder zurück nach Hause.

 

 

 

 

Hier trennte ich mit Hilfe eines Siebes „die Spreu (Blätter, Stiele, weiße Beeren usw.) vom Hafer (tiefrote Preiselbeeren) “. 

 

 

Wenige Minuten später  wurden die ersten 500 g mit 500 g Zucker versetzt und eine Stunde in der Küchenmaschine gerührt. 

 

Abgefüllt in kleine Marmeladengläser ergab es alles in allem 8 Gläser mit kalt gerührter Preiselbeermarmelade.

 

Ein Gaumenschmaus zu Eis, Fleisch, Käse oder einfach nur als morgendlichen Brotaufstrich.

 

Die Marmelade im Kühlschrank aufbewahrt hält sich mehr als 6 Monate. Aber meist überlebt die kalt gerührte Marmelade keine 6 Monate. Sie wird vor der Haltbarkeitsbegrenzung meist verspeist.

 

 

 

Das Glück deines Lebens

hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.

 

 

Mark Aurel 

 

18.08.2020

 

Erneut Abschied nehmen

 

In diesem Sommer sind meine Leihschafe von zwei verschiedenen Schafzüchtern.

 

 

 

Der eine Teil der Herde kommt von einem Züchter aus Åseral und die anderen Schafe kommen aus Evje.

 

Gestern waren die Züchter aus Evje auf der Weide und haben ihre Schafe und Lämmer entwurmt. Die entwurmten Tiere wurde auf die Pferdeweide gesetzt, so dass sie sich nicht gleich wieder infizieren.

Alle Tiere sind in einem gesunden Zustand. Keines der Schafe ist von dem um diese Zeit möglichen Fliegenlarvenbefall betroffen.

 

Ich hatte in den vergangenen Jahren immer wieder berichtet, dass insbesondere die Lämmer von dieser Plage betroffen sind. In meiner gesamten Schäferzeit hatte ich nur ein einziges erwachsenes Schaf, was sich die fliegen für ihre Eiablage auserkoren hatten. Ansonsten waren es in jedem Sommer zum Ende des Monats juli bis in den ersten zwei Wochen vom August wenigstens 1 meist jedoch 3-4 Lämmer davon betroffen. Diese dann wieder fliegenlarvenfrei zu bekommen, machte immer viel Arbeit.

 

Aber neben der Arbeit für mich war es natürlich eine echte Plage für die Lämmer. Die Fliegen legten ihre einer immer am Rücken am Übergang zum Schwanz ab, da wo die Lämmer nicht hinkommen um sich zu kratzen oder die Fliegen zu verscheuchen. Es war ein echtes Drama in jedem Jahr.

 

Die anderen Schafe warteten bereits seit 14 Tagen auf ihren Züchter. Er hatte angegeben innerhalb der ersten Augusthälfte seine Schafe und Lämmer zu entwurmen und zu kontrollieren.

 

Bei der Entwurmaktion des einen Herdenteils fielen ein erwachsenes Schaf und ein Lamm aus der anderen Herde auf. Das erwachsene Schaf hatte bräunlich schmutzige Verfärbung seines Fells am unteren Rücken und um den Po herum. Bei dem Einfangen der zu entwurmenden Schafe , legte es sich nach jeder „Treibjagt“ hin. Es war der Belastung nicht gewachsen .

Mir war klar, was das bedeutete, .... Fliegenlarvenbefall. Beim Lämmchen war das Fell im Nacken und Übergang zum Kopf gelblich verfärbt. Die beiden gehörten wohl zusammen, .… Mutter und Kind wahrscheinlich Opfer der Fliegen.

Die Tiere brauchten Hilfe und zwar schnell.

 

Den verantwortlichen Züchter erreichten die Schafzüchter aus Evje am späten Abend telefonisch . Er hält sich zur zeit im Gebirge auf und würde zum Wochenende , spätestens jedoch zur Mitte der kommenden Woche hier erscheinen.

 

Ich war stinke sauer. Das war nicht die Absprache, die wir getroffen hatten, als er seine Herde auf meine Weide stellt. Ich hatte mich bereit erklärt mich um die alltäglichen Dinge wie Wasser bereit stelle, Salzstein aufhängen und die Herde zwischen den weiden zu wechseln, zu kümmern. Sollte etwas Besonderes sein, würde er sofort kommen und nach seinen Tieren schauen.

 

Ich war richtig unglücklich als ich das Schaf mit seinem Lamm sah. Doch alleine konnte ich nichts machen und schon gar nichts entscheiden. Es sind nun mal nicht meine eigenen Schafe.

 

Am nächsten Abend fand ich das Tier nach meiner Rückkehr von der Arbeit mit geneigten Kopf und glasigen Augen am Zaun zum Wohnhaus liegend. Die Ohren hingen zu beiden Seite schlaff herunter.

Dieses Bild eines sterbenden erwachsenen Schafes hatte ich Gott sei dank nur einmal gesehen in meiner ganzen Schafzüchterzeit. Dieses Bild hatte sich jedoch in mein Gehirn gebrannt. Mir war klar, dass ich hier nicht mehr helfen konnte.

Ich wechselte meine Klamotten und schlüpfte in Hose und Stiefel um zum Schaf auf die Weide zu gehen. Als ich neben der Schafmamma stand, hatte sie bereits ihren letzten Atemzug hinter sich gebracht. Sie war tot.

 

Ich war traurig diese Elend vor mir zu sehen und zugleich wütend auf den Besitzer.

 

Es war an der Ohrmarke zusehen, dass die Schafmamma erst 2019 geboren war. Es war ein kurzes Leben.

 

Natürlich konnte ich das Schaf nicht auf der Weide liegen lassen. Also band ich einen Strick um die Vorderläufe und den Hals des Tieres und zog etappenweise das Tier hinter mir her. Es war ein großes Schaf und entsprechend schwer. Ich wollte es wie auch meine Lämmer im Wald ablegen.

 

Die Erfahrung aus den letzten Jahre zeigten mit, dass ich auf das „Abdeckauto“ nicht warten wollte. Es dauert mehrere Tage bis so ein Kadaver abgeholt wird. Dementsprechend verändert der Körper sich und selbst wenn das Tier in eine Plane gewickelt wird, steht immer eine Wolke mit Fliegen über dem Schaf mit einem entsprechenden „Verwesungsgestank“. Das wollte ich nicht erleben.

 

Bis zum Zaun konnte ich das Tier alleine ziehen. Jetzt stand der Zaun im Weg. Eine Pforte , die ich öffnen könnte ,war nicht vorhanden.

Also rief ich die Schafzüchter aus Evje an, ob sie zu mir hoch kommen können und mir helfen.

Das ging dann sehr schnell. Gemeinsam hievten wir die Schafmutter über den Zaun und transportierten sie weiter in den Wald. In einer Lichter auf dichtem Moos legten wir sie dann letztendlich ab. Es sah aus als ob sie nur schlafen würde. Uns war allen mulmig und wir wünschten ihr eine gute Reise in den Schafhimmel.

 

Dann gingen wir zurück zur Weide und fingen das Lamm, welches uns am Tage zuvor ebenfalls aufgefallen war.

Es ist ein kleines Mädchen, nicht sehr kräftig. Es schien von ihrer Mutter schon lange keine Milch mehr bekommen zu haben.

 

Zunächst wurde der Pelz ausgeschnitten, welcher voll mit Fliegeneiern war. Anschließend haben wir den Bereich gut desinfiziert. Die Maden waren noch nicht geschlüpft, so dass noch keine Wunden auf der Haut zu finden waren. Allerdings hatte es zwischen den Zehen kleinere Wunden in denen sich Bereich vereinzelt Maden tummelten. Auch an den Gelenken beider Hinterläufe gab es stellen mit Schorf und kleinen Wunden.

 

Da die Kleine sehr dünn war, entschlossen wir uns, dass das Lamm mit nach Evje geht. Dort wollten es die Leute aufpäppeln und sich um die „Fiegeneier“, Wunden und gutes Futter zu kümmern. Eine entsprechende „medizinische Ausstattung“ bekamen sie von mir mit.

 

Die Kleine wird es überleben, wir sind rechtzeitig gekommen.

 

 

Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid 

 

Leonardo da Vinci

 

19.08.2020 Hattefossen hin und zurück

 

Sonntag... und die Sonne strahlte erneut vom wolkenfreien Himmel.

 

Arbeit lag auf dem Hof nicht an und so kam es mir in den Kopf heute nochmal zum Hattefossen zu wandern.

 

Um 09:00 Uhr verließen wir den Hof und begaben uns auf den Weg in Richtung Abusdal. Verlaufen konnten wir uns nicht, denn den Weg zum Hattefossen gingen wir heute das dritte Mal. Die Natur ist da so phantastisch, dass es mich ein weiteres Mal dahin zog.

 

Es waren bereits 25 Grad bei leichten etwas kühlenden Wind. Es ließ sich unbeschwert laufen. Ab und zu überholte uns ein Auto, welches zu einem der Hütten unterwegs war.

 

Überraschender Weise war bereits Hochbetrieb am Kossvatn, der dem Hattefossen vorgeschaltet ist.

Mehrere Leuten hatten sich zusammen gefunden um in Gesellschaft am Wasser zu essen und Kanu auf dem See zu fahren. Allerdings waren alle mit dem Auto direkt bis ans Ufer gefahren. 2 Meter entfernt stand eine Sitzgruppe und vom Esstisch nur 2-3 Schritte weiter erwartete ein Kanu die Gesellschaft.

 

Freizeitaktivität in seiner minimalistischen Form, modern eben. 

 

 

 

Wir waren nach den 10 km Fußmarsch auf dem Schotterweg bis runter zum Wasserfall gelaufen und ließen uns hier nieder.

 

 

 

 

 

Rucksack aufgemacht und geschaut was die Bäuerin so eingepackt hatte. Es gab im Grunde nichts Neues…. Käsebrot, Apfel und kaltes Wasser. Alles wurde gerecht geteilt. 

 

 

 

Der Wasserfall hatte deutlich weniger Wasser als vor 14 Tagen als ich mit meinen Kindern und Enkelkindern hier war. Es hatte zwischendurch nicht mehr geregnet und so war der Wasserfall sehr friedlich anzusehen.

 

 

Der Hattefossen ist ein Zwillingswasserfall. Der „zweite Zwilling“ links vom ersten Wasserfall führt noch weniger Wasser. Ich wollte einfach mal sehen, wo er seinen Ursprung nimmt und entschloss mich über die Brücke zu gehen und das andere Ufer zu erkunden. 

 

 

 

Es war nicht so einfach bis in Höhe des Wasserfalls auf dieser Seite zu kommen. Dichtes Gestrüpp versperrt teilweise den Weg , so dass kleine Umleitungen erforderlich waren. 

 

 

 

Dann waren wir endlich in der Höhe angekommen, wo sich das Wasser in das darunter liegende Becken ergießt.

 

 

 

 

 

Seitlich vom diesem Teil des Zwillingsfossens erhebt sich ein großer Fels, so dass man von oben auf die Fallkante sehen kann . Nur bis auf 30 Meter kommt man hier heran. 

 

 

So imponierend wie der andere Teil des Wasserfalls war dieser Teil des Zwillingsfossen nicht.

 

Beide Wasserfälle gehen von einem gemeinsamen Becken aus. Es ist sicher die Höhe der Kantenlage, welche bestimmt wie viel Wasser aus dem gemeinsamen Becken zu jeder Seite abfließt.

 

Vor 14 Tagen sahen sie fast identisch aus.

 

Heute rieselten nur 3 schmale Rinnsale auf der einen Seite und ein breiter Wasserlauf von der anderen Seite.

 

Tja, es zeigt mal wieder, dass „Zwillinge“ nicht gleich sein müssen auch wenn sie ein und den selben Ursprung haben. 

 

 

Eine ganze Stunde sind wir hier herum gekrakselt.

 

Gebadet habe ich nicht, meine Hundemädchen schon. Für mich war das Wasser am Wasserfall einfach zu kalt.

 

 

 

Nachdem wir uns satt gesehen, und ausreichend „geforscht“ hatten, ging es wieder zurück.

 

 

Der Rückweg zog und zog sich. Der Wind hatte sich gelegt und die Sonne zeigte ihre ganze Strahlenkraft. 

 

 

Unterwegs fand sich die ein oder andere Badegelegenheit für Neele, Thyra und Sola , die immer genutzt wurde.

Neele merkte man an, dass sie eigentlich nicht mehr laufen wollte. Ich hatte sie im Schlepptau und sie lief wirklich die letzten Kilometer gezogen hinter mir her. Thyras Zunge war wohl nicht lang genug, denn auch sie hechelte was es ging. Nur Sola schien unbeeinflusst von der Sommerhitze. Zum Schluss war ich selbst im Zweifel, ob das eine gute Entscheidung war am heutigen Tag bei dieser Hitze nochmals eine 20 km lange Wanderung zu machen. 

 

 

 

 

Ende gut, alles gut….wir kamen ohne Schaden genommen zu haben wieder auf Espetveit an. 

 

Es war genug Bewegung für den Tag. Der alltägliche Abendspaziergang wurde heute ausgesetzt. 

 

 

Gönn` Dir Ruhe

und nimm Dir Zeit Dich mit Deinem Herzen zu unterhalten.

 

Es verrät Dir, was Dir gut tut. 

 

15.08.2020

 

Ørnenapen,...  über dem Byglandsfjord

 

Ausblick vom Ørnenapen auf den Byglandsfjord
Ausblick vom Ørnenapen auf den Byglandsfjord

 

Irre warm sollte es heute werden und so waren wir früh auf den Beinen.

 

In der letzten Woche hatte ich mit Kollegen diskutiert, über die sehenswerten Wandertouren hier oben im Setesdal.

Bereits vor zwei Monaten wurde mir die Wandertour zum Ørneknapen schmackhaft gemacht. Der Weg wäre ganz schön anstrengend aber die Aussicht am Ziel sollte für die Anstrengung alle mal entschädigen.

 

Der Startpunkt für die Wanderung lag 35 km von Espetveit und so wollte ich mit meinen drei Mädels früh starten.

 

Um 08:30 Uhr saßen wir alle im Auto. Das Essenspaket war eingepackt,ebenso Wasserflaschen für Hund und Mensch.

 

Und schon ging es los. Runter über meinen Waldweg in Richtung Riksvei 9 gefahren, kamen wir auf eine autofreie Straße. Es ging zunächst in Richtung Evje. An Evje vorbei folgten wir dem R9 weiter zum Byglandsfjord. 

 

 

Hinter dem

Fånefjell-Tunnel

(600 m Länge)

nur 1-2 Fahrminuten weiter,

fand sich rechts vom der Strasse ein Hinweischild

 

"Lauvdalsveien" .

 

Hier bogen wir nach rechts ab und fuhren vielleicht 3-400 m auf dem Weg.

 

Der erste Abzweig vom Lauvdalveien war ein kleiner asphaltierter Weg , welcher sich sachte noch oben durch Gebiet mit mehreren Bauernhöfen zog.

Es war der Nautedalsveien.

 

Ein Schild direkt am Abzweig wies darauf hin, dass es sich um einen Privatweg handelt und es nicht erwünscht ist, dass Fremde diesen Weg benutzen. Es ist lediglich als Zufahrtsstraße für die oben gelegenen Bauernhöfe gedacht. 

 

 

 

 

 

Das hatte ich bereits gelesen und so stellte ich mein Auto seitlich auf dem Lauvdalsveien ab.

 

 

 

Schon von hier aus hatte man einen tollen Ausblick auf den Byglandsfjord , welcher sich links vom Weg, wo ich mein Auto geparkt hatte befand.

 

Es war strahlend blauer himmel und wir hatten bereits 24 Grad kurz vor halb Zehn.

 

 

Meine Hundis wurden an die Leine genommen, der Rucksack auf geschultert und schon ging es los den Nautedalsvegen hoch. 

 

 

An mehreren Bauernhöfen und Wiesen mit Kühen und Schafen vorbei, kamen wir nach geschätzten 1000 m an das letzte Gehöft.

 

 

 

 

 

 

Der Weg war inzwischen geschottert. Der Hof lag links am Weg und der Weg zog sich mit leichter Neigung nach rechts am Gehöft vorbei. 

 

Beschrieben war, dass man nach dem letzten Gehöft einem Waldweg folgen und nicht dem geschotterten Weg weiter gehen sollte. 

 

Hier hatte ich das erste Mal Schwierigkeiten mich zu orientieren.

 

 

Einen wirklichen Waldweg ,der vom Schotterweg abging, sah ich nicht. Im Wald befanden sich Schafe und diese waren entsprechend mit Zaun abgegrenzt.

 

Ca. 30 m vom Schotterweg sah ich nach links ziehend ein etwas geöffnetes „Baumfenster“, dem ich einfach entgegen ging. Und bei mehr Lichteinfall erkannte ich hier auch einen Waldweg. 

 

 

 

 

 

Der Zugang zum Wald war mit Zaun abgesperrt und ein Hinweisschild, dass hier Tiere weiden war rechtsseitig angebracht. 

 

Meine Hunde waren die letzten Meter frei gelaufen, doch jetzt legte ich die Drei an die Leine, da uns bereits die Schafe umrundet hatten und neugierig beäugten.

 

Ich war mir nicht sicher ob Neele, Thyra und Sola plötzlich Lust bekamen, diese fremde Herde zu hüten. Man kann sich nie sicher sein, was in so einem Hundeköpfchen vor sich geht. Und so ist es immer besser vorausschauend zu handeln.  

 

Die Schafe hatten schnell das Interesse an uns verloren und trollten sich zurück in den Wald. Glück für meine Hundemädchen, denn die Leine konnte ich wieder abnehmen. 

 

So stiefelten wir durch den Wald, der sich bereits nach 400 m öffnete. Es ging weiter den Berg hoch.

 

Der Weg war gut zu laufen, teils mit Rasen teils mit altem Schotter ausgekleidet.

 

 

 

Doch dann änderte sich das Bild. Vor uns lag ein steiler Anstieg , der mit groben Steinen aufgefüllt war.

 

Dieser Teil des Weges konnte noch nicht so alt sein, denn das Gras hatte noch nicht den Boden zwischen den Steinen ausgefüllt.

 

Nun „hopsten“ wir von einem Stein zum nächsten und kamen dabei ganz schön ins Schwitzen.

 

 

 

Hier und da gab es an der Wegseite eine Pfütze mit Wasser, wo sich Thyra, Neele und Sola eine Erfrischung holten.  

 

 

 

Nach diesem steilen Teil des Weges kamen wir auf eine Hochebene.

 

Hier gabelte sich der Weg.

 

Ich ging weiter nach links und durchquerte eine Landschaft aus steinigen , und teilweise sumpfigen Untergrund.

 

Vielleicht nach 1 km ging es dann wieder nach rechts bergan. Auf diesem Plateau war es relativ einfach den richtigen Weg zu finden.

 

Es fanden sich Trampelpfade, denen ich einfach folgte. 

 

 

Nach einer erneuten Biege nach rechts ging es wieder steil bergan.

 

Der Weg war steinig und sumpfig und ich musste gut aufpassen nicht auf dem glitschigen Weg auszurutschen.

 

 

Der Weg zog sich durch einen Wald, der zwischendurch lichte Stellen mit kleinwüchsigen Bäumen und Sträuchern hatte. Natürlich fand sich überall Heidekraut, Büsche mit Heidelbeeren und Preiselbeeren. 

 

Immer bergauf dem Pfad entlang erreichte ich schließlich den Ørnenapen.

 

 

 

Hoch über dem Byglandsfjord finden sich zwei Plattformen wovon man aus eine phantastische Aussicht über den Fjord hat.

 

 

 

 

 

Ein wenig erinnerte mich der Moment an das Erleben auf der Trolltunga mit einer Art Schweben über dem Wasser.

 

Die Strecke ist mit 9 km angegeben, was ich trotz ständigen Anstiegs in nicht mal 2 Stunden hinter mich brachte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Belohnt wurde ich mit einer tollen Aussicht.

 

 

 

 

 

Selbst geschmierten Broten, Apfel und kalten Wasser aus der Trinkflasche.

Das Matpakke wurde unter uns vier aufgeteilt. Für das Wasser hatte ich getrennte Trinkflaschen dabei.

 

Nach einer halben Stunde packte ich alles wieder zusammen und wir machten uns auf zum Abstieg.

 

Natürlich geht es Berg runter immer schneller.

 

Wir erreichten unser Auto auf dem Lauvdalsveien  nach etwas mehr als 1 Stunde. 

 

Wir hatten jetzt 30 Grad und meine Mädels waren froh im Auto hinten Platz nehmen zu dürfen.

 

 

 

40 Minuten Heimfahrt auf der Neele und Sola sofort einschliefen. Thyra jedoch hatte damit zu tun ihre Körpertemperatur runter zu hecheln. Ich machte mir Sorgen, weil sie überhaupt nicht zur Ruhe kam und ich musste bei dieser Atemfrequenz an Anouk denken.

 

Wieder zu Hause angekommen ging es sofort in den Badeteich. Außer Neele schwammen wir alle eine Abkühlrunde.

 

 

Dann ging es auf die Terrasse...  in den Schatten natürlich, denn wir hatten inzwischen 32 Grad. 

 

Glück ist, was lächeln macht,

was Angst, Sorge, Ungewissheit vertreibt

und inneren Frieden schenkt.

  

Albert Einstein

 

 

11.08.2020

 

Schafhimmel

 

 

Heute war der Tag nicht so gut für mich gelaufen.

 

 

 

Am Morgen bin ich wie immer gegen 06:30 Uhr zur Arbeit gefahren. Ein kurzer Blick über die Weide vor dem Haus auf der gerade die Schafe stehen , wie eben jeden Tag, und alles sah normal aus.

 

Gegen 18:00 Uhr war ich wieder auf Espetveit und es ging gleich mit meinen Hundemädels hoch zum See.

 

Die ersten Meter von zu Hause geht es angeleint außen auf dem Weg an der Weide vorbei. Hier viel mir auf, dass ein Schaf sich fernab der Herde abgelegt hatte. Es lag völlig ruhig im hohen Gras.

 

Auf dem Rückweg vom See und wieder entlang vom Weidezaun war das „weiße Knäuel“ immer noch auf seiner Position, wie eine Stunde zuvor. Das kam mir merkwürdig vor.

 

Schnell Neele, Thyra und Sola auf dem Hof mit einem Leckerli versorgt, das Hundegeschirr abgenommen und schon war ich auf dem Weg über die Weide zu diesem Schaf.

 

Es lag zusammen gerollt als wenn es schliefe, aber so war es nicht. Es war tot.

 

Ein großes weißes Lamm ohne äußere Verletzungen oder sonstige Auffälligkeiten. Es hatte einen aufgetriebenen Bauch , was mich vermuten ließ, dass die Todesursache eine Alkalose war. Manchmal gibt es einen Gährbauch bei zu viel nassem Grünfutter und wenn man diesen Zustand nicht im Anfangsstadium erwischt, versterben die Tiere fast immer.

Es war ein kleiner Bock , der noch eine Schwester und einen Bruder hatte, also ein Drillingslamm. 

 

Ich habe ihn dann von der Weise getragen und in den Wald gebracht. Hinter dem Schafstall ist ein Waldgebiet, wo alle meiner Lämmer, die ich im Laufe meines „Schäferinnendasein“ von nun inzwischen 12 Jahren, gehen lassen musste, begraben liegen.

 

Ich habe die kleinen „Wollknäule“ alle der Natur zurück gegeben, so dass sie die Chance hatten in den Schafhimmel zu wechseln.

 

Auch dieser kleiner Bock, nicht mein eigenes Lamm, aber dennoch fühle ich mich verantwortlich für ihn , habe ich hier abgelegt. Nun kann die Natur ihn zurück holen.

 

Die Tiere des Waldes, welche sicher auch ihre eigenen Jungen zu versorgen haben, werden sich das nehmen, was gut für sie ist. Somit ist der kleine Bock nicht umsonst gestorben.

 

Andere werden durch seinen Tod überleben. „Geben und Nehmen“ das ist auch Natur.

 

 

Das Leben muss nicht einfach sein, sondern gelebt werden.

 

Manchmal bist du glücklich, manchmal traurig.

 

Aber mit jedem Hoch und jedem Tief machst du Erfahrungen, 

die dich stärker machen. 

 

09.08.2020 Schön warm

 

 

Die Hälfte des diesjährigen Sommers ist bereits vorbei. Wobei der Juli sich nicht mit sommerlichen Wetter rühmen kann. Es war sehr wechselhaft , teilweise unangenehm kalt und reichlich Regen gab es auch.

 

Seit ein paar Tagen macht sich der Sommer breit. Mit Temperaturen um die 30 Grad und mehr wird uns hier oben im Norden so richtig eingeheizt.

 

Gestern zeigte das Thermometer 32 Grad und bei absoluter Windstille fühlte man sich wie in der Sahara. Das Wasser in meinem Badeteich ist angenehm temperiert und ermöglicht Mensch und Tier eine Abkühlung zwischen durch.

Selbst oben am Laugtsjön kann man länger im Wasser verweilen und ein paar Schwimmzüge mehr machen. Ich war in den letzten Tagen jeden Abend nach der Arbeit und jetzt am Wochenende sogar morgens und abends Schwimmen.

 

 

Corona hat mein Leben hier mehr oder weniger beeinflusst… wohl etwas weniger für mich als für andere.

 

Geplanter Besuch konnte nicht kommen.

Meine Wandertour durch Jotunheimen fiel der geschlossenen norwegischen Grenze zum Opfer.

Erst am 15.07. öffnete Norwegen für Touristen seine Grenzen und das war zu spät für mich.

So ist die Tour durch das norwegische Hochgebirge verschoben, aber nicht aufgehoben.

 

Mein alljährliches SG-Treffen wird für mich wohl ebenfalls in diesem Jahr ausfallen. Seit letztem Freitag gelten besondere Regelungen für das Gesundheitspersonal an norwegischen Krankenhäuser. Damit sind Reisen ins Ausland für mich tabu. Hier in Norwegen kann ich reisen, aber nicht über die Grenze. 

 

Im September habe ich nochmals 14 Tage „Auszeit“. Geplant war meine jährliche Deutschlandreise mit einem Treffen meiner Freunde und der Familie… kann ich wohl vergessen.

Je nach Wetterlage will ich nun die Jotunheimen-Tour gehen, … allein.

 

Hier auf Espetveit ist alle gut. Durch den vielen Regen ist die Natur voll mit Energie. Die Wiesen sind saftig grün und meine Leihschafe können sich das Beste vom Gras heraus zupfen.

Inzwischen ist es auch kein großen Aufwand mehr, die Herde von einer Wiese auf eine andere umzusetzen. So wie meine eigenen Herde in den Jahren zuvor, folgen die Schafe meinem Ruf und laufen ihrer „Schäferin“ hinterher.

 

 

Der Verkauf meines Hofes geht Stück für Stück voran. Dieser Sommer wird mein letzter Sommer auf Espetveit sein.

 

 

 

 

Ich glaube, es wird mal wieder Zeit für ein Abenteuer.

 

unbekannt