29.10. 2019 Gratulerer med dagen !

 

 

... so sagen die Norweger, wenn sie Jemanden zum Geburtstag gratulieren.

 

Heute ist es Neele, die Geburtstag hat.

 

Vor 8 Jahren geboren als Erste von 6 Geschwistern hat sie sich zu einer hübschen, selbstbewussten, ab und zu zickigen Hundedame gemausert.

 

Sie hat es in ihrem hundelben nicht immer leicht gehabt.

 

Mit 2 ½ Jahren wurde sie mehrmals operiert an einem acanthomatöses Ameloblastom des Unterkiefers. Die ersten Drittel des Knochens mitsamt Zähnen mussten entfernt werden.

 

Doch Neelchen hat sich schnell an die neue Situation angepasst und angenommen, was nicht zu ändern war.

 

Vor zwei Jahren gab es dann einen „Führungswechsel“ in unserem kleinen Hunderudel.

 

Neele wurde regelrecht „zerpflückt“ von Thyra und Sola bis sie endlich einsah, dass es an der Zeit ist die Führungsposition her zu geben.

 

Nun leitet Thyra das Damenteam und Neele scheint sich mehr oder weniger damit abgefunden zu haben. Nur noch selten versucht sie den Chef raus zu hängen, aber wirklich ganz sachte und nur für ein bis zwei Minuten.

 

Neele ist eine süße Maus und trägt ihren Namen zurecht.

 

 

Der Name NEELE bedeutet "die Leuchtende", die "Strahlende", die "Fröhliche", und das ist sie für mich.

 

 

Ich möchte sie nicht missen. Sie gehört einfach zu meinem Leben dazu.

 

 

Jeder Tag ist kostbar!

 

Die schönen Tage

schenken uns Freude,

 

die schlechten Tage

Erfahrungen,

 

die schlimmsten Tage

Lektionen

 

und die besten Tage

Erinnerungen!

 

Verfasser unbekannt

 

 

 

14.10. 2019

 

Durch Wald und Flur

 

 

Pünktlich um 07:30 Uhr war ich in Abusland.

 

Die Jäger kamen nach und nach und alle trafen sich in der großen Scheune zur Jagdbesprechung.

 

 

Roger, der heute der Jagdleiter war, gab die einzelnen Jagdgebiete bekannt.

 

 

Es sollte die Gegend rund um Bispestolane bis zur Fylkegrenze Vest-Agder und Aust-Agder durchforstet werden. Als zweiter Einsatz stand das Gebiet von Kattåsen an, also mein Jagdgebiet.

 

Wer auf welchem Posten sitzt oder welches Gebiet durchschreitet, wurde mit dem Ziehen von Karten bestimmt.

 

Jeder Jagdposten hatte eine Nummer und entsprechend wurden die Skatkarten nach der Augenzahl den Nummern zugeordnet. So konnte keiner der Jäger sich benachteiligt fühlen bezüglich des Gebietes, welcher er zu überwachen hatte. Das Los bzw. die Karte entschied darüber. Ich denke eine vernünftige Entscheidung ohne Streit, wenn und aber.

 

Es wurde fest gelegt, dass nur Jungtiere zu schießen sind,   1 ½ – 2 Jährige. Die Ochsen und auch die Kühe sollten den Bestand stärken und standen deshalb nicht auf der Abschussliste.

 

Heute waren auch andere Jäger dabei. Vibeke, kannte ich von gestern, auch Frank, Jonstein, Roger und Häge. Hinzu kamen Frederic, John, Arne. Außerdem begleiteten uns die Hunde Gåmmen (8Jahre) , Kongpris (1 ½ Jahre) und Alma (½ Jahr).

  

Die drei Hunde sind norwegische Elchhunde, früher auch „Grauhund“ genannt. Norwegische Elchhunde sind kluge tierische Gefährten allerdings mit eigenem Kopf. Die Rasse gilt als mutig, intelligent und freundlich. Diese Hunderasse erfreut sich in Norwegen großer Beliebtheit und gilt hier als Nationalhund. Sie werden oft bei der Elchjagd eingesetzt. Sie sind aber auch als Familienhunde gern gesehen. Allerdings brauchen sie Beschäftigung ansonsten suchen sie sich diese selbst und das nicht unbedingt zur Freude ihrer Besitzer. 

 

 

Ich konnte mir aussuchen mit wem ich gehen oder sitzen wollte.

 

Da Vibeke mich vom Vortage sehr beeindruckt hat, beschloss ich mit der „Jägersfrau“ und Kongpris zu gehen.

 

 

Frank mit Alma und auch Frederic hatten zunächst den selben Weg und so ging es gemeinsam mit dem Auto in Richtung Bispestolane.

 

Hier stellten wir die Autos ab und begannen unser Terrain zu erkunden.

 

 

Vibeke und ich sollten bis an die Fylkesgrenze gehen und dieser dann folgen. Frank und Frederic hatten weiter westlich von den Bispestolane ihren Posten. 

 

 

Alle Jäger waren mit einem GPS-Handy ausgestattet.

 

Zusätzlich saß in einem Ohr von jedem ein Radiokopfhörer über den sie sich mit einem Mikrophon verständigen konnten.

 

 

Die Hunde hatten ebenfalls ein GPS-Halsband und ihre Sender waren an die GPS-Handys der Jäger geknüpft.

 

Das heißt nicht nur die Jäger waren untereinander in Verbindung, nein auch jeder Jäger konnte auf seiner Handykarte sehen wo sich welcher Hund bewegte oder ausharrte.

 

Welch eine Wahnsinns-Technik.

 

 

Zunächst stapften wir durch den Wald. Es war sehr nass da es in der letzten Nacht viel Regen gegeben hatte. 

 

Frederic, Vibeke und Kongpris
Frederic, Vibeke und Kongpris

 

Ich hatte mich warm angezogen und meine neuen hohen Wanderschuhe, die ich auch auf meiner Hardanger-Wandertour trug, an.

 

 

Meine Jacke war in einem leuchtenden Orange, so wie die Mützen oder Rucksäcke der Jäger.

 

Es ist vorgeschrieben mindestens ein Bekleidungsstück mit oranger Signalfarbe gut sichtbar zu tragen.

 

 

 

Man muss nicht alles wie eine Teletappi in Orange haben, aber umso mehr … umso besser... umso auffälliger… umso eindeutiger zu identifizieren,... umso sicherer für den Jäger. 

 

Und wie mir gesagt wurde haben Elche rot nicht auf ihrer Farbskala, sie können es nicht sehen.  

 

 

Auf unserem Streifzug durch den Wald gab es einen Bach zu überqueren, der sich durch den vielen Regen in einen 1 ½ Meter breiten Strom verwandelt hatte.

 

Wir mussten ganz schön suchen, bis wir endlich eine Stelle fanden um durch einen Sprung von einem zum anderen Ufer zu kommen.

 

Alma ging baden. Sie hatte sich wohl überschätzt. Aber einmal kräftig geschüttelt und schon stand sie wieder brav neben Frank und erwartete das Weitergeh-Kommando.

 

Immer wieder wurde auf die Karte vom GPS-Handy geschaut um die Richtung für den angestrebten Posten zu finden. 

 

 

Wenn die Drei sich unterhielten, ging es immer in einem Flüsterton.

 

Es wurde nie mit normaler Lautstärke gesprochen und wenn gesprochen nur so viel, wie man unbedingt braucht.

 

 

Kein Gequatsche beim Gehen, alles leise und immer in der Spur des Vorgängers gelaufen. 

 

 

Kongpris hob ab und zu den Kopf und steckte die Nase in die Luft.

Irgendetwas lag in der Luft von dem wir Menschen nicht die geringste Ahnung hatten, geschweige denn einen Geruch in der Nase.

 

Vibeke meinte, dass er sicher in der Nähe etwas wittert. 

 

 

Auf unserem Weg kamen wir an einem kleinen See vorbei.

 

 

Wir mussten auf die andere Seite und nahmen deshalb das Ruderboot, was hier im Gras lag.

 

 

 

Unsere beiden Hunde mochten das Boot fahren nicht.

Ich hatte Alma in meiner Obhut und sie kuschelte sich ganz dicht an meine Oberschenkel.

 

Am anderen Ufer angekommen stiegen Frederic, Vibeke mit Kongpris und ich aus.

 

Frank ruderte mit Alma zurück und suchten seinen Posten auf dieser Seite.

 

 

Frederic ging mit uns noch ca. 1 km durch den Wald bis auch er uns von uns verabschiedete. Er hatte hier seinen Beobachtungsposten und wir zogen weiter nach Westen. 

 

 

Berg hoch Berg runter, durch ein Tal und über sumpfige Wiesen .

 

Wir hatten noch ein gutes Stück vor uns.

 

Jetzt kamen wir an eine Furt, wo das Wasser ganz schön hoch stand.

 

Aber wir mussten hier rüber einen anderen Weg gab es nicht.

 

Vibeke ging voraus und ich versuchte ebenfalls mein Glück.

 

 

 

Und wie konnte es anders kommen meine beiden letzten Schritte ließen mit in ein tiefes Loch treten.

Das Wasser lief in meine beiden Schuhe und ich fühlte regelrecht wie der Wasserstand im Schuhinneren stieg.

 

So ein Mist, und wir sollten noch noch den ganzen Tag auf den Beinen sein. Durch die Furt gegangen und am Hang angekommen, habe ich dann erst mal meine Schuhe entleert.

 

Ich hatte verschiedenste Wechselsachen im Rucksack aber Strümpfe mal wieder nicht.

 

Auch gut, ging es also weiter mit nassen Füßen um den Elch zu finden. 

 

Kongpris
Kongpris

 

 

Inzwischen hatte Kongpris fast unendlich die Nase in der Luft.

 

Vibeke meinte , wenn wir am äußeren Rand unseres Areals angekommen sind, wird sie ihn von der Leine lassen.

 

Von Frank habe sie inzwischen gehört, dass Alma eine Spur aufgenommen hat und in unsere Richtung unterwegs sei.

 

 

 

 

Auf der GPS-Karte war Alma als kleines rotes Dreieck zu sehen und gut zu orten. Sie lief viel hin und her , stand ab und zu still um sich dann wieder in Bewegung zu setzen.

 

 

Jetzt wurde es spannend. 

 

 

 

Wir waren auf einer Ebene angekommen, die uns eine weite Sicht in die Umgebung ermöglichte.

 

Es war jetzt an der Zeit Kongpris abzusetzen.

 

 

 

Von der Leine gelöst nahm er sofort eine Fährte auf und war nach ein paar Minuten aus unseren Augen verschwunden.

 

Durch die GPS-Karte sahen wir Konpris als kleines blaues Dreick und er bewegte sich schnell von uns weg und auf Alma zu.

 

 

Da Alma sich auf uns zu bewegte, ließen wir uns auf einem Stein nieder und Vibeke entsicherte ihr Gewehr.

Wir waren bereit einen Elch zu empfangen.

 

Inzwischen hatte auch Frederic sich gemeldet. Bei ihm war eine Elchkuh mit ihrem Kalb nur 30 m von ihm entfernt aufgetaucht. Aber Kühe und Kälber waren nicht auf der Jagdliste. 

 

 

Wir harten der Dinge oder dem Elch der da komme.

Aber es kam kein Elch.

 

Alma war inzwischen wieder bei Frank angekommen und wie er sagte auch wieder angeleint.

 

 

Die Kleine war noch jung und er wollte sie nicht wieder fortschicken, wenn sie sich entschlossen hatte zu ihm zurück zu kommen.

 

Kongpris jedoch entfernte sich immer weiter von uns. Er lief in Richtung Kattåsen, das Gebiet, welches wir für den Nachmittag als Observation ausgesucht hatten.

 

 

Na ja, ein Elch kam nicht bei uns vorbei, so dass das Gewehr wieder gesichert und am Rucksack verstaut wurde.

 

Wir setzten unsere Tour fort. 

 

Wenn einer denkt, dass es über Wege ging, so muss ich ihn enttäuschen.

 

Quer Wald ein ging es durch sumpfiges Gebiet, war ja egal, meine Füße waren bereits pitschnass, aber „Gott sei Dank“ nicht kalt.

 

Dann sahen wir auf der Karte, dass Gåmmen sich näherte. Er war eigentlich mit Jonstein unterwegs und war nun in unserer Nähe auf Spurensuche.

 

 

Vibeke holte erneut ihr Gewehr hervor und wir verweilten in der Hoffnung, das Gåmmen den ersehnten Elch bringt. Gåmmen kam und begrüßte uns freudig ,aber ein Elch erschien uns nicht. Gewehr wieder eingesteckt und weiter ging es durch den Wald. 

 

 

 

Gåmmen kontaktierte uns immer mal wieder um dann erneut auf Tour zu gehen.

 

 

Es ist erstaunlich wie selbstständig die Hunde arbeiten.

 

 

 

Und toll ist es, dass die Menschen immer Kontakt zu ihnen haben und wissen wo die Hunde sich aufhalten.

 

Solange wie ein Elchhund sich bewegt hat er die Spur eines Elchs in der Nase, verliert er die Spur, kehr der Hund zurück.

 

Wenn der Elchhund auf dem GPS-Schirm verharrt, seine Position also beibehält, ist das ein Zeichen, dass er den Elch gestellt hat.

 

Dann können die Jäger anhand der Karte das Gebiet erlaufen und dem Hund zur Seite stehen.

 

 

Es ist schon eine tolle Sache , wie heutzutage gejagt wird. Es ist keine Treibjagd, sondern ein jeder der Beteiligten hat seine Chance, der Elchhund, der Elch und der Jäger.

 

 

Das GPS-Signal auf Vibekes Handy zeigte an, dass Kongpris weiter auf Verfolgung war.

 

Er hatte inzwischen Kattåsen passiert und zog sich in Richtung Vingemyr weiter in das Gebiet wo gestern Vibeke den Elch erlegt hatte.

 

 

 

Und dann war Kongpris plötzlich vom Schirm… kein Signal mehr… kein blaues Dreieck mehr zu sehen.

 

 

Wir waren inzwischen 3 Stunden auf Tour und jeder von den Jägern hatte sein Gebiet abgelaufen.

 

Wir versammelten uns wieder am Parkplatz im Hüttengebiet vom Bispestolane.

 

Gåmmen war ein paar Minuten zuvor zu Jonstein zurück gekommen und hing nun an der Leine.

 

Die Pickups waren herbei geholt und wir fuhren raus aus dem Gebiet. 

 

 

Roger meinte, dass wir uns an der Hütte von Pål auf Kattåsen treffen und dort Lunch-Pause machen bevor es weiter geht.

 

Und so hielten wir es auch.

 

 

 

Ich war hungrig und packte mein Brot aus.

 

Ein kleines Lagerfeuer wurde entfacht und die Anderen warfen ihre mitgebrachten Brote, die in Alufolie gewickelt waren in die Glut. Somit bereitet man sich wohl eine warme Mahlzeit.

 

Häga packte eine Pfanne aus, bereitete sich Hafergrütze und legte sich 3 Bockwürste dazu. Ein kleinen Wasserkocher hatte er auch dabei und es gab warmen Tee.

 

Wir hatten Glück mit dem Wetter. Die Sonne schien und es waren angenehme 10 Grad.

 

 

Die neue Tour wurde geplant, die Positionen festgelegt und die Karten gezogen. 

 

Vibeke und ich sollten am Weg auf einem großen Stein am Hang sitzen und abwarten was uns die anderen, welche sich auf uns zu bewegen sollten so vor sich hin trieben.

 

Wir hatten uns unter einem großen Baum ins weiche Moos gesetzt.

 

Ich hatte mir wohlweislich meine Sitzunterlage, die ich beim Wandern immer im Rucksack trage , eingesteckt. Hier tat sie ihren Dienst und verhinderte, dass ich einen nassen Hintern bekam.

 

 

Wir flüsterten so vor uns hin und schlossen hin und wieder die Augen um die Sonne und Ruhe zu genießen. 

 

 

Dann sah Vibeke auf ihrem GPS-Handy , das Jonstein Gåmmen von der Leine gelassen hatte.

 

 

Er lief in unsere Richtung .

 

 

Jetzt aber die Augen auf und aufgepasst und das Gewehr bei Fuß.

 

Wir vernahmen Hundegebell und das machte uns ganz unruhig. Ob jetzt wohl vor uns ein Elch erscheint und passt dieser ins „Beuteschema“?

 

Vibeke sprach mit Jonstein über den „Knopf im Ohr“ und diese meldete, dass das Gebell nicht von Gåmmen komme, sondern von einem Hund, der zu den Hüttenmenschen gehört.

 

 

Enttäuschung bei uns und dann wieder Freude als Gåmmen neben uns stand uns und strahlend begrüßte.

 

Na dann eben wieder kein Elch, dafür ein freudiger Hund, der sich glücklich schätzte uns gefunden zu haben. 

 

 

Aber was war mit Kongpris los?

 

Auf dem GPS war er nicht zurück gekehrt, so dass Vibeke davon aus ging, dass er weiter dem Elch nach ist und sich aufgrund der Entfernung weiterhin außerhalb des Signals befindet.

 

Den Hund konnten wir nicht allein in der Ferne lassen. Er ging seinem Job nach und wir Jäger hatten die Pflicht ihm zu folgen. Also gab es eine Extratour.

 

Die Pickups geholt und aufgesessen auf der Ladefläche. So war ich noch nie nach Hause gefahren. Der Weg führte uns hoch zur Mosseby-Hytta, also vorbei an meinem Hof, wo meine drei Hundemädels schimpfend am Tor standen als wir in voller Fahrt da hoch pesten.

 

Vibeke und ich saßen auf der Ladefläche und Frederic und Johnstein im Fahrerhaus mit Gåmmen.

 

Oben an der Hütte angekommen,

… übrigens ahnte ich nicht im Geringsten, dass man hier mit dem Auto so hoch „brettern“ kann !... junge Leute können wahrscheinlich alles… , in meinem Alter hält mich die Vernunft davon ab... . aber ein Gaudi war es... , 

 

... stieg Jonstein mit mmen aus.

Er wollte so Kongpris folgen, von dem wir hier oben wieder ein Signal hatten.

 

Wir anderen sollten dem Signal entgegen gehen um uns so von beiden Seiten nähern zu können.

 

 

 

In rasanter Fahrt ging es wieder runter und ich hoffte, dass der Pickup sich auch brav in der Spur hält, … an meinem Tor vorbei, wo Neele, Thyra und Sola uns bereits wieder erwarteten und uns mit lautem Gebell des Weges verwiesen.

 

 

Wir fuhren weiter zum Vingmyrvegen und über einen Schotterweg ging es weiter zum Svingen. 

 

 

Hier stellten wir die Autos ab und gingen zu Fuß.

 

Das Signal von Kongpris war auf der Karte zu sehen und so zogen wir uns in seine Richtung durch den Wald.

 

 

 

Es ging an den beiden Hütten vorbei, die am Ørnlivann stehen und weiter über Espetveit-Gebiet.

Hier teilten wir uns wieder von Frederic.

 

Jonstein hatte inzwischen wie wir hören konnten, mit Kongpris Sichtkontakt und teilte uns mit, dass dieser eine Ochsen und eine Kuh im Augenschein hatte. Beides Tiere, die wir eigentlich nicht erlegen wollten.

 

Wir legten uns dennoch auf die Lauer. Jonstein befand sich in dem Waldgebiet uns gegenüber und wir waren darauf gefasst alsbald Kongpris zu sehen. Die Karte zeigte, dass er sich auf uns zu bewegte. 

 

 

Jonstein schickte jetzt zusätzlich mmen mit auf die Spur.

 

Eigentlich sollte Kongpris ablassen von der Jagd.

 

mmen sollte Jonstein helfen Kongpris an die Leine zu nehmen.

 

Aber der kleine Elchhund war schlauer . Bis auf 10 Meter konnte Jonstein an ihn heran kommen, dann lief Kongpris wieder seiner Spur nach. Jonstein bekam ihn nicht zu fassen. Auch sein Hundekumpel mmen konnte Kongpris nicht umstimmen.

 

Inzwischen dämmerte es und Kongpris veränderte seine Laufrichtung und lief wieder weg von uns.

 

 

Nach kurzer Rücksprache untereinander per Radiofunk hieß es dann, Mädels geht zurück, es geht nach Hause. 

 

Vibeke auf ihrer Position
Vibeke auf ihrer Position

 

Auf halber Strecke zu den Autos dann wieder ein Rückruf.

 

Kongpris änderte wiederum die Richtung und alles lief auf unsere vorige Position zu.

 

 

 

 

 

Haste was kannste“ also wieder zurück durch den Wald und Position bezogen.

 

Jetzt merkte ich deutlich die bereits 25 km in meinen Beinen. Ich bin bestimmt nicht zimperlich, aber das Laufen in hohem Tempo durch meist sumpfiges Gebiet kostete einiges an Kraft. Egal. Ich hatte mich entschlossen dabei zu sein, dann sollte ich auch dabei sein. „Arsch zusammen gekniffen“ und weiter ging es.

 

 

Es war blinder Alarm. Das GPS zeigte uns, dass Kongpris wiederum die Richtung geändert hatte.

 

Jonstein hatte mmen wieder an die Leine genommen. Kongpris verfolgte weiter „seine“ Elche. Er wollte noch nicht aufgeben. 

 

 

Ein kurzes Austauschen und wir wurden uns einig, dass jetzt die Jagd für den heutigen Tag beendet wird.

 

 

Vibeke, Frederic und ich machten uns auf den Rückweg zu den Autos.

 

 

Nur ein paar Minuten nach unserem Eintreffen sahen wir auch Jonstein mit mmen kommen. Er meinte ebenfalls, dass die heute gelaufenen Kilometer ausreichen und er froh ist den Tag abzuschließen. 

 

Auf meine Frage hin, was denn mit Kongpris wird, beruhigten mich alle.

 

Kongpris sei laut GPS-Signal bereits auf dem Rückweg zu uns.

 

Er hat wohl inzwischen auch bemerkt, dass der Tag zu Ende geht.

 

Und es ist wohl wirklich so, dass wenn die Dämmerung einsetzt, der Instinkt den Hunden vermittelt, die Jagt einzustellen.

 

Ich konnte das kleine blaue Dreieck auf der GPS-Karte erkenne wie es sich in unsere Richtung bewegte.

 

Und ich war wirklich froh diesen unermüdlichen kleinen vierbeinigen Jäger auf dem Weg nach Hause zu sehen. Erstaunlich, was da die Natur geschaffen hat.

 

 

Roger wollte mit dem Auto auf Kongpris warten und wir anderen fuhren nach Abusland zurück.

 

 

 

Wir waren heute 28 km kreuz und quer durch den Wald gelaufen. Es war jetzt inzwischen 18:30 Uhr und ich stieg geschafft aber glücklich in mein Auto.

 

Meine drei Mädels begrüßten mich auf meinem Hof und wir zogen uns ins Haus zurück. 

 

Ich habe heute nicht einen einzigen Elch zu Gesicht bekommen . Aber ich weiß jetzt, was Elchjagd bedeutet.

 

Es ist eine Chance für beide Seiten. Ob Elch und Jäger sich finden, entscheidet das Schicksal.

 

Und ich finde ohne die Elchhunde wäre ein Jäger aufgeschmissen. Es ist enorm was diese Tiere leisten und was für eine tolle selbstständige Arbeit sie machen. Ganz ruhig und souverän.

 

Die GPS-Technik tut ihr Übriges. Auf meine Frage hin, wie man sich denn früher verständigt hat, bekam ich die Antwort dass, wenn ein Elch geschossen wurde man einfach noch einen Schuss in die Luft abgab um die anderen Jäger zu verständigen. Es war alles viel langatmiger und unkontrollierter.

Da kam schon mal der Ein oder Andere in die Schusslinie… gewollt oder ungewollt.

 

 

Obwohl es sehr anstrengend war, war es ein toller Tag.

 

Es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich mit durch den Wald streifen werde um Elche zu finden.

 

Eine Einladung für kommende Jagdtage habe ich bereits in der Tasche.  

 

Man kann zwar kein neues Leben beginnen,

aber jeden Morgen einen neuen Tag.

 

13.10. 2019

 

Auf Elchjagd

 

 

Ich besitze 77 ha Land und dieses Land mit Wald, Fels und Mooren beherbergt das Jagdrecht.

 

 

Es sind hier Elch, Hirsch, Reh, Kleintier wie Fuchs und Hase sowie Vögel wie Rebhuhn oder Tiur (ähnlich einem Auerhahn) zu finden.

 

 

 

 

Die Jagt habe ich ausgeliehen und bekomme von den Elchjägern jeden Herbst anteilig Elchfleisch anstelle einer bezahlten Pacht.

 

Die Jäger, welche Hirsch, Reh und Kleintiere wie auch Vögel jagen, bezahlen eine jährliche Pacht von umgerechnet 150 Euro an mich.

 

 

Heute morgen kam ich auf den Gedanken doch bei der Elchjagd mit dabei sein zu wollen. Bislang hatte ich davon Abstand genommen.

Doch es wird so viel erzählt, dass ich mir nun ein eigenes Bild davon machen wollte und schauen, welche Chance der Elch und der Jäger jeweils für sich und ihr Anliegen haben. 

 

Also rief ich den Jagdleiter an und fragte ob der Jägertrupp denn hier in der Nähe unterwegs war.

 

Ich hatte Glück. Die Jagt sollte heute und an den kommenden zwei Tagen hier und sogar auf Espetveit verlaufen. Im Laufe des Tages wollte er mich zurück rufen und näheren Bescheid geben.

 

 

Keine zwei Stunden später klingelte das Telefon. Ich wurde gefragt ob ich beim Einholen eines gerade vor ein paar Minuten geschossenen Elches mit dabei sein wollte, … und ob, ich wollte. 

 

Wir verabredeten uns am Parkplatz vom Vingemyr und fuhren dann nach Abusland (6 km weiter auf dem Waldweg , den ich jeden Tag zur Arbeit hin und zurück fahre) , wo die zwei Brüder, welche den Vorsitz bei der Jagdgemeinschaft haben einen kleinen Bauernhof besitzen.

 

Hier wurde das Auto abgestellt und mit einem Pickup und Hänger und einem ATV (6-Rad getriebenes Allroundfahrzeug) ging es in den Wald. 

 

 

Solange wie fahrbar fuhren wir mit dem Pickup, dann war Schluss.

 

Der befahrbare Waldweg endete und ein weiteres Vorwärtskommen war nur mit dem ATV möglich.

 

 

Ich saß hinter dem Fahrer und Terje einer der Jagdleiter stand hinter mir auf der kleinen Ladefläche.

 

 

Und dann ging es wirklich über Stock, Stein,

 

Baumstämme, Moor und Fels bis zu der Stelle wo der Elch geschossen wurden.

 

 

Auf dem Weg dahin sprang ich immer mal wieder von meinem Sitz, da ich keine Lust hatte bei maximaler Schräglage auf nur drei Rädern unter das Gefährt zu kommen.

 

 

 

 

Baumstämme, die im Wald auf unserer Route lagen wurden immer wieder mal zersägt (ich hatte mich gewundert, weshalb die beiden Männer jeweils eine Motorsäge dabei hatten) um sich so einen Weg durchs Gestrüpp zu bahnen.

 

 

Der Weg war nicht nur für die Hinfahrt zu präparieren. Den Weg sollte es mit dem Elch im Schlepptau auch zurück gehen. 

 

Am Waldrand mit Blick auf eine große moorastische Wiese stoppten wir.

 

Hier saßen bereits 4 Jäger an einem Lagerfeuer und speisten ihre mitgebrachten Brote.

 

Darunter war auch ein junges Mädchen von 17 Jahren.

 

 

Doch wer hätte das gedacht, ich jedenfalls nicht, war sie es, die den Elch geschossen hatte.

 

 

Wie sie mir erklärte war sie allein hier am Waldrand als der Elch von einem Elchhund getrieben auf der Wiese erschien. Zwei Schuss und der Elch sank nieder.

 

 

Mit Stolz , aber bescheiden, präsentierte sie mir ihr Tier.

 

Es war der zweite Elch, den sie bislang erlegt hatte.

 

Im letzten Jahr war Premiere mit dem ersten Tier.

In diesem Jahr meinte sie einfach Glück gehabt zu haben, dass das Jungtier ihr vor die Flinte lief.

 

Sie war eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort und ihr Hund Kongpris hatte die richtige Spürnase gehabt.  

 

Kongpris, welcher den Elch getrieben hatte, war am Geweih mit einem langen Seil fest gebunden.

 

Vibeke, so hieß das Mädel, meinte, dass somit der Hund eine Belohnung bekommt indem er dem Elch nahe war. 

 

Der Elchhund hatte immer wieder am Fell gerissen und die Schleimhäute von Maul und Nase geleckt. 

 

 

 

Es handelte sich um einen männlichen Jungelch, mit vielleicht 140-160 kg.

 

Der Elch war bereits „ausgenommen".

 

 

 

Ein gut platzierter Schnitt an der Bauchseite eröffnete die Bauchhöhle und den Brustkorb, so dass die Innereien einschließlich Herz und Lunge entnommen waren.

 

Der Darm mit dem Magen lag nur wenige Meter vom toten Elch entfernt. Es hatten sich bereits Gase gebildet und der Magen war wie ein Luftballon aufgeblasen.

 

Diese Innereien bleiben hier draußen liegen. Sie dienen den kleineren Raubtieren wie Fuchs und Luchs als Mahlzeit.

 

Das Herz hatte ein Jäger bereits eingepackt um es direkt zu Hause noch am Abend zuzubereiten. Es war ein Jäger der ursprünglich aus Dänemark kommt und seit mehr als 20 Jahren in Norwegen lebt. Er berichtete, dass die Norweger die Innereien , wie zum Beispiel das Herz nicht verwenden. Er als Däne konnte diesen lebenserhaltenden „Muskel“ nicht liegen lassen. 

 

 

 

 

Der Elch bekam nun einen Strick um den Kopf gebunden und diesen befestigte man wieder an das AVT-Fahrzeug.

 

Und so schnell konnte ich gar nicht schauen, ging es auch schon mit dem Elch im Schlepp mit hoher Geschwindigkeit zurück.

 

Der Elch wurde einfach über den Waldboden gezogen.

 

 

 

Der Fahrer mit dem Elch war schon weit voraus und für uns anderen ging es zu Fuß zurück.

 

Unterwegs bekam ich noch eine riesige Menge mit Pigg-Soop (eine Art weißer Pfifferling, gibt es wohl nur hier oben im Norden, glaube ich) von Terje geschenkt.

 

Die fanden sich einfach auf unserem „Weg“, den wir querfeldein durch den Wald nahmen. Da wir keinen Korb oder Tüte dabei hatten, diente meine Kapuze als Behältnis.  

 

 

Endlich an der Stelle angekommen, wo der Pickup mit dem Hänger stand, fand sich bereits eine große Menschenmenge unter anderem aus Frauen und Männern, die hier in der Nähe ihre Hütte hatten.

 

 

Sie waren darauf aufmerksam geworden und wollten den Elch betrachten.

 

Viel erzählt und viel gelacht, Elch auf den Hänger und es ging zurück zum Bauernhof in Abusland. 

 

Hier wurde nun der Elch zum „Aushängen“ fertig gemacht.

 

 

D.h. das Fell wird ihm regelrecht übers Ohr gezogen und gleichzeitig der Kopf vom Körper getrennt.

 

Alles, was man nicht essen tut oder kann, z. B. Genitalien, Füße , Schwanz wird ausgeschnitten.

 

Dann wird der Elch an den Hinterbeinen zum Trocknen aufgehängt oder besser ausgehängt.

 

 

Alle Flüssigkeit, die sich noch im Körper befindet, verlässt das Tier und das Fleisch beginnt mit seinen eigenen Zersetzungsprozess (Autolyse) . Damit wird es zarter und schmeckt angeblich viel angenehmer. 

 

(Den Elchkopf will Vibeke sich präparieren lassen.) 

 

 

 

Beim Abhängen gilt die 40 Grad-Regel.

 

Bei insgesamt 40 Grad soll der Elch als Ganzes hängen bevor dieser dann fachgerecht von einem Fleischer zerlegt wird.

 

 

 

40 Grad bedeutet z. B.: Wir haben heute 10 Grad und wahrscheinlich auch die kommenden Tage, also hängt der Elch 4 Tage (4 x 10 Grad) zum Trocknen.

 

 

Hätten wir heute 20 Grad und morgen auch, würde der Elch nur zwei Tage (2 x 20 Grad) hängen müssen. 

 

 

 

Zu guter Letzt wird das innere Filet herausgetrennt.

 

Es befindet sich an den Innenseiten der Flanke und ist das wertvollste zarteste geschmacklich beste Fleisch nicht nur beim Elch.

 

Und ich habe eine ganzes langes innere Filet bekommen, als eine Art Willkommensgruß im Jägerteam.

Pigg-Soop , weißer Pfifferling
Pigg-Soop , weißer Pfifferling

 

Es war inzwischen 19:00 Uhr, mir war jetzt doch etwas kalt.

 

Mit meinen Pigg-Soop in der Kapuze und dem Filet machte ich mich auf meinen Heimweg. Es war ja nicht weit zu fahren.

 

 

 

Meine Mädels begrüßten mich wie immer überschwänglich und wir gingen noch schnell unsere Abendtour hoch zur Hütte.

 

 

Ich hatte mich für morgen mit den Elchjägern wieder verabredet. Ich wollte dabei sein, wenn es auf die Pirsch geht.

Um 07:30 Uhr war der Start für die morgige Jagd festgelegt.

 

 

Ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Das Wetter sollte jedenfalls schön werden.

 

 

Und Eins muss ich noch bemerken. Den Elch nach Hause zu holen ist ungemein anstrengend, vielleicht sogar schwieriger als den Elch zu schießen, jedenfalls wenn er soweit im Wald und fern von jeglicher Zufahrt geschossen wird.    

 

 

Tue was du kannst, mit dem was du hast und dort wo du bist. 

 

 

07.10.2019

 

Eisig kalt

 

Im wahrsten Sinne des Wortes… heute morgen war mein Teich mit einer Eisschicht überzogen.

 

 

 

Das Thermometer zeigte minus 8 Grad und das Anfang Oktober. Am Freitag letzter Woche fielen die ersten Schneeflocken und ich dachte, dass das wohl nur mal so ein kurzes Geplänkel des langsam sich heran tastenden anstehenden winters sei.

 

Heute Morgen waren die Wiesen mit einem seichten weißen Tuch aus Raureif überzogen. Die Sonne kam hinter dem Schafstall langsam aus dem Tal gekrochen und warf ihre ersten Strahlen auf die Baumgruppen, die oberhalb meiner Hausweide diese zum Weg begrenzen.

 

Es war „arschkalt“ und die Natur gleich eher einem Wintertag als einem ersehnten Spätsommertag.

 

Ich hatte bereits am Wochenende zuvor alle Lammzäune abgebaut, da meine „Leihschafe“ bereits von ihrem Besitzer nach Hause geholt worden waren. Nur die vier Böcke tummeln sich noch auf der Weide vor meinem Haus. Auch verschwand in selbigen Zug das „Tingeltangel“ rund ums Haus.

 

Gestern holte ich mit dem Traktor die großen Palmen , die unten am Teich stehen, hoch in die Ecke zwischen Garagen und Pferdestall. Jetzt muss ich die Töpfe nur noch mit der Sackkarre in den Raum hinter der Werkstatt transportieren. Das wird noch mal eine körperliche Herausforderung für mich. Aber ich hatte diese ja im letzten Frühjahr heraus bekommen, also bekomme ich sie wieder da rein, so einfach ist das.

 

Für das kommende Wochenende ist der Reifenwechsel am Traktor geplant. Ich hoffe mal, dass es nicht wieder mit einem Fingerbruch endet. Aber aus Erfahrung lernt man ja angeblich, … mal sehen.

 

Für die kommenden Tage sind einstellige Temperaturen gemeldet, knapp über Null, aber kein Frost. 

 

 

Betrogene Seelen heilen nicht wie gebrochene Knochen.