09.11.2019 Trauermonat

 

Seit einer Woche ist Espetveit mit einer weißen Schicht aus 20 cm Schnee überzogen. Es sieht bereits winterlich aus und die Temperaturen kommen auch am Tage nicht über Null Grad hinaus.

 

Der Winter hat seinen ersten Fühler ausgestreckt und gezeigt, dass er durchaus willig ist auch in diesem Jahr präsent zu sein.

 

Soll er nur kommen. Mein Traktor steht winterbereit in der Garage. Die Schneefräse ist montiert und auch die Schneeketten auf den großen Hinterrädern sitzen an ihrem Platz.

 

 

Obwohl ich eigentlich froh sein sollte, dass das Schmuddelwetter in diesem Jahr bislang im November ausgeblieben ist, existiert in mir eine gedrückte Stimmung.

Wir haben wie in jedem Kalenderjahr das fixe Datum mit dem „Allerheiligen“ und auch der sogenannte „Totensonntag“ jährt sich immer wieder. Ich habe zu beiden kirchlichen Tagen keine wirkliche Beziehung.

 

 

Und dennoch macht mich der Monat November jedes Jahr traurig.

 

Ylva (2011) und Anouk (2013) sind beide im November vor Jahren von mir gegangen. Die Gedanken an meine beiden Hundemädchen kreisen in jedem Jahr aufs Neue in meinem Kopf.

Es fällt mir zwar inzwischen leichter über sie zu reden, aber Tränen laufen immer noch über mein Gesicht. Sie fehlen mir.

 

Warum... , weil sie wahrscheinlich mehr als nur meine Hundemädchen waren. Sie waren meine Seelenhunde. Sie waren meine zwei Mädchen zu denen ich eine ganz besondere Verbindung aufgebaut hatte, sie waren mir treue Freunde, waren meine Mitstreiter, meine Zuhörer meine Tröster. Jeder Moment mit ihnen war ein Geschenk – was ich leider erst mit ihrem Fortgehen erkannte.

 

Ein Blick in ihre Augen reichte, und ich fühlte mich geliebt. Ein kurzes „Anstupsen“ von ihnen gab mir Antrieb, den Tag mit all seinen Hochs und Tiefs in Angriff zu nehmen. Und wenn ich traurig war, wussten sie ganz genau, wie sie mich wieder aufmuntern konnten.

 

Da war eine Verbundenheit die ich nicht wirklich mit Worten erklären kann, ein Band zwischen uns, was sich auch nach Jahren nicht trennen lässt.

 

 

Für einige Menschen ist es sicher schwer zu verstehen, dass Hunde nicht einfach nur Hunde sind, sondern vielleicht sogar der einzige Grund, warum manche Menschen Tag für Tag aufstehen.

Oft genug hört man dass Hunde keine Menschen sind und tun im Endeffekt nur das, was von ihnen erwartet wird. Zu viel sollte man in ihre Gesten nicht hinein interpretieren.

 

Ja klar, aber Hunde spüren, wenn wir traurig sind und kommen dann zu uns und sehen uns mit ihren klaren treuen fragenden Augen an. Natürlich spüren Hunde, wenn wir Angst haben und lassen sich auch von unserer Freude und unserem Lachen mitreißen. 

 

Aber Ylva und Anouk waren viel mehr. Sie waren meine Stütze, sie waren meine Seelentröster, sie waren für mich „der Fels in der Brandung“.

 

Ich kann diese Bindung, die ich mit ihnen eingegangen bin nur schlecht ausdrücken, für dieses Gefühl gibt es nicht das Wort.

Ylva und Anouk sind mit nichts zu vergleichen, sie waren das Salz in der Suppe bei meinem Neuanfang hier in Norwegen, sie gaben dem neuen Leben die besondere Würze und einen Sinn.

 

Ja, sie sind nicht mehr und mein Leben hat sich um einiges Mehr verändert.

 

 

Jetzt stehen Neele, Thyra und mein Sonnenschein Sola an meiner Seite.

 

Sola kam unerwartet und nicht geplant in mein Leben. Unvernunft und Umstände, die überhaupt nicht passten entschieden darüber, die Jahre gemeinsam zu verbringen.  Aber gerade mit Sola verbindet mich ein neues Band ein "Ylva-Anouk-Band".

 

Sola ist wohl von Ylva und Anouk auserkoren um an meiner Seite zustehen und meine Traurigkeit vergessen zu lassen.

 

Es ist ganz egal, was das Leben bringen wird.

Bei allen Auf`s und Ab`s, die ich erlebe, bin ich froh Neele, meine kleine Zicke, Thyra mein Bärli und Sola meinen Seelen-Sonnenschein an meiner Seite zu haben.

 

Sie freuen sich mit mir und fangen mich auf, wenn ich mal wieder ins Bodenlose stürzen. Sie schenken mir gleichzeitig dieses unglaubliche Vertrauen, dass ich auch für sie alles geben werde.

 

Warum Sola mich so besonders im Innersten berührt, kann ich nicht genau sagen. Es ist ihr Wesen, ihr Blick , ihr Auftreten mir gegenüber mit dem sie sich an mich und ich mich an sie binde. Wir schauen uns nur in die Augen und verstehen uns.

 

Neele und Thyra gebe ich für nichts auf dieser Welt her, sie gehören zu mir und ich würde nahezu alles für sie tun. Aber es liegt nicht dieses besondere Etwas zwischen uns.

 

Ich habe Glück meine Hundemädchen bei mir zu haben. Jede von ihnen ist anders und doch jede für sich liebenswert.

Wir sind ein gutes Team.

 

Wir gehen gemeinsam durch Täler und überqueren Berge, blinzeln in den Tag und sehen die Sterne in der Nacht, wir laufen durch gute und schlechte Zeiten.

 

Am heutigen Tag brennt wieder ein Licht im kleinen Tal und erinnert mich auch an die schönen Stunden mit Anouk und Ylva.

 

 

Hunde kommen in unser Leben, um zu bleiben.


Sie gehen nicht fort, wenn es schwierig wird, und auch,
wenn der erste Rausch verflogen ist, sehen sie uns noch
immer mit genau diesem Ausdruck in den Augen an.
Das tun sie bis zu ihrem letzten Atemzug.


Vielleicht, weil sie uns von Anfang an als das sehen,

was wir wirklich sind:

fehlerhafte, unvollkommene Menschen.
Menschen, die sie sich dennoch genau so ausgesucht haben.


Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines
Lebens.

 

Er fragt sich nicht,

ob er wirklich mit uns alt werden möchte.

Er tut es einfach.


Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.“

 

Picasso