Neujahrsbrief 2019

 

 

mit Pauken und Trompeten raus aus dem alten Jahr….

 

 

Wir müssen bereit sein,
uns von dem Leben zu lösen,
das wir geplant haben,


damit wir in das Leben finden,
das auf uns wartet.

Oscar Wilde 

 

 

2018 war ein Jahr voller Veränderungen. Alles lief aus der Bahn und nichts hat mehr Gültigkeit. Was bislang wichtig war wurde zu unwichtig erklärt und Vergangenes aus dem Leben gestrichen.

 

 

2018 findet sein Ende und 2019 startet voller Erwartungen.  

 

 

Der Neujahrsbrief soll 2018 gedanklich nochmals zurück bringen und das positive sowie negative Erleben bewusst machen.

 

 

 

 

2018 hatte Espetveit wieder reichlich Besuch. Kirsten, Juliane, Simone, Dagmar, Johanna, Ina, Sindy, Dietmar R. sowie Dietmar N.,  Daniel und Mathias verbrachten jeweils ein paar Tage in unserem/meinen kleinen Paradies.

Sie alle waren Hilfe und Gesellschaft zu gleich.

 

 

 

 

Das Jahr 2018  starteten wir mir einem Schneechaos.

 

 

 

 

Innerhalb von 12 Stunden fielen 1 Meter Neuschnee und kein Ende war in Sicht. 

 

Begonnen hatte es mit feinem Regen, der bei wenigen Graden unter Null gefror und alles draußen in der Natur mit einer feinen Eisschicht über zog.

 

Dann begann es wie wild zu schneien und innerhalb weniger Stunden war wir von der Umwelt abgeschnitten und regelrecht eingeschneit. 

 

Nach 3 Tagen im Chaos kehrte wieder Normalität auf Espetveit ein.  

 

 

 

 

Den gesamten Januar über gab es jeden Tag Schnee zwischen 20 – 40 cm.

 

 

Jeden Tag nach der Arbeit hieß es für uns 3-4 Stunden Schnee schieben zu der übliche Routinearbeit, die wir jeden Tag nach der Arbeit mit unseren Schafen und Pferden hatten. 

 

Die Bäume beugten sich unter der enormen Schneelast und brachen wie Streichhölzer.

 

Da fragten wir uns wirklich was die Natur sich dabei dachte.

 

  

Doch der Januar hatte auch schöne Augenblicke. Klärchen ließ sich hin und wieder blicken und verwandelte unser Espetveit in eine Märchenlandschaft.  

 

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Anfang Februar ging es dann endlich für uns alle in die Langlaufloipe bei Sonnenschein und minus 10 Grad.

 

Ruhe, weißer Glitzerschnee und Sonnenschein pur waren die ersten wohlwollenden Wintergrüße für dieses Jahr. Keine andere Seele war unterwegs und wir konnten unsere erste Tour so richtig genießen.

 

 

 

 

Doch auch der Februar forderte uns mit täglicher Schneeräumarbeit.

 

 

 

Massen von Schnee innerhalb weniger Stunden brachte uns an die Grenzen unserer Möglichkeiten.

 

 

Unser Hof war von riesigen Schneewällen umgeben und zwischen den einzelnen Gebäuden türmen sich 3-4 Meter hohe Schneeberge.

 

So viel Schnee hat es in den letzten 40 Jahren auf Espetveit innerhalb eines solchen kurzen Zeitraums nicht gegeben. 

 

Es war beängstigend und zu gleich verzaubernd Espteveit unter diesem dicken weißen Tuch zu erleben. Die Weidezäune waren völlig verschwunden und alles bildet eine riesige weiße unendliche Weite.

 

 

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Der März voll fertigte das, was Januar und Februar begonnen hatten. Schnee, Schnee, Schnee. Wir wollen keinen Schnee mehr. Das, was im letzten Jahr zu wenig war, bekommen wir nun als 3-4 fache Menge in diesem Winter.

 

 

Wir hatten genug vom Jahrhundert-Winter… es reichte uns vollkommen.  

 

Das Osterwochenende stand bevor und es sah bei uns aus wie im tiefsten Winter. 

 

 

 

Hier in Norwegen endet die Arbeitswoche vor Ostern bereits am Mittwoch -Mittag. Dann fahren alle Norweger auf ihre Hütten oder machen Ferien im Ausland. Es gibt für die Schulkinder und Studenten die Woche vor und nach Ostern frei, so dass es sich für eine Familie schon lohnt auch weiter weg zu reisen. 

 

Bei uns brachte das Wetter kurz vor Ostern keine Frühlingsgefühle mit sich. Es war nach wie vor alles mit einer dicken Schneeschicht bedeckt und bei Minusgraden weht zusätzlich ein eiskalter Wind.

 

Die Sonne lächelt ab und zu mal durch die mehr oder weniger dicke Wolkendecke aber wärmende Kraft hatte sie noch nicht.

 

 

Neben der vielen Arbeit mit dem Jahrhundert-Winter waren natürlich auch unsere Tiere zu versorgen.

 

Ende März kamen die Wärmelampen für die Lammzeit an die Decke über den Bereich wo die Lammboxen gerichtet werden.

 

 

 

Das Fliegenmittel wurde auf den Dung unter dem Streckmetall gegossen. Dieses ist sehr effektiv und verhindert, dass die Fliegen im Schafstall zur Lammzeit Oberhand gewinnen. Die Prozedur wird alle 14 Tage wiederholt bis zu dem Zeitpunkt, wo die Herde auf die Weide kommt.

 

Ja, es ist eben immer etwas zu tun auf Espetveit.

Auch wenn es manchmal nur Kleigkeiten sind kosten sie Zeit und Kraft. 

 

 

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Wider erwartend gab es zum Osterwochenende  herrliches Winterwetter.

 

 

Sicher, zu Ostern wünscht man sich eher Frühlingserwachen aber davon waren wir hier auf Espetveit weit entfernt.

 

Der Schnee hielt sich tapfer bei Minusgraden bis zu 12 Grad unter Null in der Nacht. Und trotz heiterem Sonnenscheins kamen die Temperaturen am Tage nur knapp über den Gefrierpunkt.

 

Riesige Schneehaufen zierten weiterhin unseren Hof und an grüne Weiden war noch lange nicht zu denken.

 

Also machten wir das Beste daraus und nutzen das späte Winterwetter über Ostern für tägliche Ausflüge auf der Langlaufloipe.

Die Loipe war inzwischen sehr vereist, so dass die letzten Ostertage wir neben der Loipe zu fuß unterwegs waren.

 

Der Loipeschlitten hatte neben dem gespurten Anteil auch über eine Breite von 60 cm den Schnee komprimiert und so stabil gemacht, dass man bequem „wie Jesus übers Wasser“ darauf laufen konnte. 

 

Für Neele, Thyra und Sola war das natürlich ein Gaudi. Über die weiten Schneeflächen laufen und ausgelassen toben macht unseren täglichen Ausflug zum Highlight für die drei Mini Aussie Mädels.

  

 

 

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Die Vorbereitungen für die anstehende Lammzeit waren pünktlich in der ersten Aprilwoche abgeschlossen. Alles war bereit für die neuen Erdenbürger.

 

Leider sollte es unsere letzte Lammzeit werden.

 

Ralf hatte bestimmt, dass alle Schafe nach dieser Saison den Hof verlassen müssen. Er hatte keinen „Bock“ mehr auf Schafe und co. und auf vieles andere mehr. 

 

Damit gingen unsere beiden Böcke als erste aus der Herde. Leopold und Simon verließen uns am 11.04.18 und läuteten damit das Ende unseres Schäfer Daseins ein.

 

Es war unendlich traurig, die beiden im Transporter zu sehen. Die Boxen waren leer und Espetveit hatte zwei Seelen weniger.  

 

 

 

Die Lammsaison startete Randi mit einer Drillingsgeburt.

 

 

 

Anfang Mai schloß Merle den Reigen und alle warteten auf den Auszug der Herde.

 

Wir rechneten damit, dass wohl die Stallzeit länger dauern wird als in den letzten Jahren, da der Winter sich unendlich lange hinauszog und der Frühling einfach nicht kommen wollte.

 

Kein Frühling…., keine grünen Weiden…., kein Auszug der Herde.

 

 

Es war bereits Mitte April und wir hatten nach wie vor Unmengen von Schnee.

 

 

Die Wiesen lagen unter einer ein Meter dichten Schneedecke versteckt und die Temperaturen zeigen nur wenige Grade über Null.

Dennoch hatten sich in einer windgeschützten den Sonnenstrahlen ausgesetzten Ecke die ersten Krokusse gezeigt.

 

Unter dem Vogelhäuschen umgeben von Sonnenblumenkernhülsen stecken die ersten Frühlingsboten ihre Köpfchen der Sonne entgegen.

 

 

Zwischen, über und neben den Blumen tummelten sich gefühlt hunderte von Vögeln, die hier bei uns auf Espetveit ihr Endziel erreicht haben oder Zwischenstation machen um in ein paar Tagen weiter in den Norden zu ziehen. Bachstelzen, Dompfaff, Meisen, Amsel, Drossel, Buntspecht und Buchfinken stopften sich die Bäuche voll.

 

Wir hatten zwar keinen langen, aber einen sehr intensiven Winter mit Massen von Schnee. Dem entsprechend hatten wir Schäden an Haus und Hof zu verzeichnen.

 

Unser Dach vom Eingangstor bekam seitliche Stützen um eine zukünftige Schneelast in den kommenden Jahren besser tolerieren zu können.

 

An unserem Wohnhaus die Dachziegel auszubessern ereilt uns jedes Jahr. Schnee und Eis arbeiten entsprechend mit den Dachziegeln, so dass wir jährlich im Frühjahr diese Arbeit vornehmen müssen .

Entsprechend wurden die Dachziegeln zugeschnitten und ausgetauscht.

 

Eine zeitaufwendige Arbeit. 

 

 

Ende April verließ uns endlich der winterliche Spuk und mit ihm musste auch Ralf unseren Hof verlassen.  

 

 

 

 

 

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Vor 3 Jahren hatte wir die letzte Waldrodung und der Boden wartete auf seine Aufforstung .

Anfang Mai konnten wir 1500 Setzlinge in den Waldboden bringen.

 

Der Boden war gut feucht und das Wetter zeigte frühlingshafte Temperaturen. Damit hatten die Pflanzen beste Voraussetzungen um zu großen Bäumen heran zu wachsen.

 

Auch die Schwalben erreichten uns bereits in der ersten Maiwoche. lautes Gezwitscher im Pferdestall. Das erste Schwalbenpaar für dieses Jahr machte einen Inspektionsflug durch den Pferdestall und ließ sich auf einem Deckenbalken zur Diskussion nieder.

 

Anfang Mai begannen wir mit den die ersten Reparaturen am Zaun. Der Winter hat viel kaputt gemacht, so dass einiges ausgebessert werden musste. Teilweise waren die Spanndrähte gerissen oder Stolpe einfach gebrochen. Die erste Weide war klar für den Auszug der Herde. 

 

 

Plötzlich änderte sich die Wetterlage.

 

Zu Beginn der zweiten Maiwoche hatten wir sommerliche Temperaturen.

 

 

Allerdings war kaum Grün auf den Wiesen zu erkennen. Die Natur hing der kalendarischen Jahreszeit deutlich hinterher. 

 

Nichts desto-trotz überlegten wir uns die Schafherde raus zu lassen.

 

Das letzte Lamm war 3 Tagen zuvor geboren und es hatte einen erfahrene Mutter. Die ersten Lämmer waren schon 3 Wochen alt und man merkt ihnen an, dass sie mehr Raum zum Springen und Toben brauchten. 

 

 

Also entschlossen wir uns am 09.05. unsere Wollknäuels in den Frühling zu entlassen.

 

So früh, war es noch in keinem Jahr zuvor. 

 

 

Trotz des langanhaltenden Winters hatte es sich die Natur überlegt, einfach mal mit dem Sommer zu beginnen und den Frühling auszulassen.

 

Jedenfalls ging der Auszug der Herde besser als gedacht. Durch den Hinterausgang über die Rampe entließen wir boxenweise die Vierbeiner in die frische Luft. Man war das wieder ein Geschrei und Gesuche.

 

Letztlich fanden die Familien zueinander und zogen gemeinsam auf den entlegenen Abschnitt der Weide. 

 

 

Und ab Mitte Mai hatten wir dann direkt Sommer.

 

Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel und verbreitete gute Laune.

 

Am Nachmittag bei unserem Spaziergang zum See war es endlich so weit. Wir Frauen von Espetveit genossen unsere erste Schwimmtour im Lausjön. Es waren nur ein paar Minuten, die wir im Wasser aushielten, aber immerhin haben wir „angebadet“.  

Doch wie das Leben es immer wieder zeigt, gibt es neben den Wohlfühlmomenten auch die Zeiten, die einem nicht gut tun.

 

So wie Ralf entschieden hatte die Schafe zum Saisonende alle zur Schlachterei zu senden, hatte er auch entschieden, dass unsere beiden „Großen“ den Hof zu verlassen haben. 

 

 

 

Wohin wir auch gehen, es sind stets Vierbeiner auf 4 Hufen,

die uns begleiten…

 

in guten, wie in schlechten Zeiten…

 

sind sie es , die immer zu uns stehen.

 

 

Das ist der Grund, warum wir sie nicht „NUR“ als Pferd,

sondern als Teil unseres Lebens sehen. 

 

 

Ende Mai wurden Schafstall und Pferdestall das letzte Mal gesäubert.

Was sonst in jedem Jahr Routine war, wurde zu etwas Besonderem. Es wurde bewusst, dass im Herbst keine Schafe mehr in den Stall zurück kehren werden und auch der Pferdestall eine unheimliche Ruhe in sich tragen wird.

 

Auch wenn Szindi und Bandy jetzt im Pferdehimmel weilen, „sah“ man sie in den Wochen danach immer mal wieder durch den Stall huschen oder hörte ihr Gewieher und Geschnaube. 

 

 

Tja 18 Jahre kann man nicht einfach aus dem Gedächtnis löschen … auch wenn so manche Person glaubt Jahre aus dem Leben streichen zu können.  

 

 

 

Ende Mai holten wir Sophia in den Lammkindergarten.

 

Bislang waren wir in diesem Jahr ohne Kindergartenlamm.

 

 

Doch wir beobachteten den kleinsten Drilling von Stine schon eine paar Tage. Die Kleinen hielt sich viel abseits der Herde und wenn sie nach ihrer Mama rief, antwortet Stine nicht. So irrte Sophia über die Wiese und fand nur durch Zufall ihre beiden Geschwister und ihre Mama.

 

Wir entschlossen uns sie für 3 Wochen in den Kindergarten zu stellen und ihr ein paar Extramahlzeiten mit Milch zuzuführen.

 

 

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Anfang Juni kam die gesamte Herde auf die andere Weidenseite und wurde vorbeugend entwurmt.

 

Der Eintrieb der Herde in den Ferch ging dafür, dass es für die Lämmer das erste Mal war ganz gut.

 

 

Die Entwurmung ging zügig von statten und nach einer Stunde waren wir durch mit der gesamten Herde.

 

Alle, Menschen und Tiere, waren froh den Ferch verlassen zu können, denn die Mittagshitze war auf dem Höhepunkt und der Wind hatte sich völlig gelegt.

 

Unsere Schafe wirken alle gesund und nun hofften wir, dass es den Sommer über so bleibt. 

 

 

 

  

Ende Juni wurde unsere Sola 2 Jahre. Sie ist eine hübsche besonders gezeichnete überaus liebe Hündin. Im letzten Sommer hätten wir Sola fast verloren. Gott sei Dank blieb dieses Ereignis ohne bleibende Folgen für unsere kleine Maus. 

 

 

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Im Juli schwitzten wir weiter bei hochsommerlichen Temperaturen.

 

Seit 8 Wochen lagen die Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad bei warmen Südwind.

 

 

Den letzten leichten Sprühregen gab es Mitte Juni. Seit dem hatten wir einen trockenen warmen und windigen Sommer.

Das Gras auf den Weiden trocknete am Halm und wandelte sich zu Heu.

 

Laut dem meteorologischen Dienst hier in Norwegen gab es das letzte Mal so einen Sommer 1947. 

 

 

Tja, nach dem Jahrhundertwinter folgt nun prompt der Jahrhundertsommer.  

 

 

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Unsere Herde sorgte im Juli immer mal wieder für Überraschungen.

Wir hatten die Herde auf die Herrenweide (Weideareal, was in den zurück liegenden Jahren ausschließlich unseren Böcken vorbehalten war, deshalb auch „Herrenweide“ genannt) gesetzt.

 

Der Futtermangel machte es notwendig alles Weideareal zu nutzen auch wenn wir wussten, dass die Herrenweide so ihre Tücken hat.

 

Mitte Juli vernahmen wir die Schreie eines wohl verirrten Lammes. Jedenfalls war ein klägliches „Mähhhh“ zu hören und wir gingen auf die Pirsch.

 

Wir mussten nicht lange suchen und der Ausreißer war gesichtet. Aus den Jahren zuvor, wussten wir, dass es nicht einfach werden wird, das Lamm wieder zur Herde zurück zu führen. Die Herrenweide ist sehr unzugängliches Terrain, was die Sache noch schwieriger machte.

Letztlich brauchten wir mit Hilfe von Per und Thekla fast einen ¾ Stunde um das Lamm wieder einzufangen.

Wir alle waren schweißgebadet und fix und alle bei den inzwischen 28 Grad und Sonne pur.

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Nur eine Woche später gegen 23:30 Uhr gab es erneut einen Einsatz auf der Herrenweide. Ein Lamm war mal wieder außen vom Zaun.

Allein auf weiter Flur war es fast unmöglich, dass Lamm zurück in die Begrenzung zu bekommen. Ausserdem zeigte sich bei der Jagt nach dem Lamm , dass der Zaun auf dereinen Seite über eine Länge von bestimmt 30 m runter gedrückt war. Ein Aufrichten des Zauns allein und mitten in der Nacht war ein Unding. 

Dementsprechend entschloss sich die Schäferin die gesamte Herde umzusetzen. Eine Alternative gab es nicht. 

 

Als wenn die Herde ahnte, dass nur die Schäferin vor Ort war und sie alle brav sein mussten, lief ein Schaf nach dem anderen im „Sauseschritt“ brav der Schäferin mitten in der Nacht hinterher und ohne dass zusätzlich ein Begrenzungszaun zwischen die beiden voneinander ca. 50 m liegenden Weiden, gesetzt war.

 

Es war ja schummrig und vielleicht trauten die Schafe sich deshalb nicht auseinander zu stoben. Der Wolf oder ein Luchs könnten ja mal wieder in der Nähe sein !!!

 

Und das ausgerückte Lamm rannte wie wild der Herde hinterher. Man konnte es regelrecht spüren wie froh es war endlich wieder unter seines Gleichen zu sein.

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Seit dem Wechsel der Herde von der Herrenweide zur Pferdeweide fütterten wir Heu dazu. Die Weiden glichen einer Steppenlandschaft und brachten keinen einziges grünen Halm mehr hervor. 

 

 

Bei diesem ausgesprochenen trockenen Sommer , der norwegische Wetterdienst sprach vom Jahrhundertsommer, meinten wir, dass die Lämmer in diesem Jahr sicher von den Fliegenlarven verschont bleiben.

 

Aber denkste, die Fliegen waren trotzdem aktiv und legen ihre Eier im Fell der Lämmer ab.

 

Alles in allem waren 4 Lämmer betroffen, die regelmäßig nach der Erstversorgung mit Fellschneiden, Waschen, Maden absuchen und desinfizieren, versorgt werden mussten. 

 

 

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Leider hatten wir auch in diesem Jahr wieder Verluste bei den Lämmern während der Weidezeit.

 

Herlinde und auch unsere kleine Sophia fanden wir Anfang August tot auf der Weide.

 

Dass Sophia in den Schafhimmel gegangen war, traf uns besonders. 

 

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Thyra in ihrem schicken Sweetshirt
Thyra in ihrem schicken Sweetshirt

 

Eine erneute Hiobsbotschaft erhielten wir durch Thyra. Bei ihr hatte sich ein Hauttumor am rechten Vorderbein gebildet. Wir ahnten schon das Schlimmste.

Zunächst sah es so aus, als wenn sich ein kleiner Fremdkörper eingekapselt hat. Es hätte auch gut eine Reaktion auf einen Zeckenbiss sein können. Jedenfalls nahmen wir an, dass es sich wieder zurück bildet.

Nach der Konsultation beim Tierarzt erhielt Thyra zunächst eine konservative Behandlung. 

 

Damit sie nicht an der Wunde leckte, trug Thyra ein echt schickes, bauch-freies Sweatshirt.

 

 

Ende gut alles gut, … der Tumor hatte sich vollständig zurück gebildet und wir konnten eine OP umgehen.

 

 

 

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Ab Mitte September gab es reichlich Regen.

 

Der Jahrhundert-Sommer war wohl nun zu Ende. Es waren einige Arbeiten am Weg und auf dem Hof notwendig geworden, um dem Wasser seinen Weg zu weisen.

 

 

Ende September zog ein Sturmtief Friederike über Espetveit und hatte Spuren hinterlassen. Stromausfall über fast 24 Stunden und damit auch kein Haustelefon und Internet. Mit dem Handy ist hier oben auf Espetveit sowieso kein Empfang, so dass unser Hof mal wieder vom Rest der Welt abgeschnitten war. 

 

 

Leider hatte es auch eine große Pappel aus einem Dreierverband seitlich vom Pferdestall umgelegt.

 

Ein riesiger Baum, der einfach dem Sturm nichts entgegen zu setzen hatte. 

 

 

Nun gut, die Pappel war nicht umsonst gefallen. Sie wurde entsprechend zersägt und auf ofengerechte Stücke gehackt. Damit ist das erste Brennholz für die Heizsaison 2021/2022 gesichert.  

 

Das Wetter beruhigte sich und wir hatten Ende September und fast den gesamten Oktober über gut 3 Wochen eine herrliche Laubfärbung .

 

Picasso hätte es nicht besser machen können. 

 

 

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Anfang Oktober machte sich ein neues Problem auf Espetveit breit.

 

Durch die Regenmassen der letzten Wochen, hatte sich ein riesiger Stein gelöst und einen Erdrutsch hervorgerufen. Der Hang zwischen unserem Hof und dem kleinen Tal marschierte abwärts und wenn der Hang nicht aufgehalten wird , marschiert auch die Traktorgarage mit.

 

 

Es gab eine Menge Diskussionen und Vorschläge mit „Leuten vom Fach“ um den Hang zu befestigen.

 

Zu guter Letzt „gewann„ eine mittelfristige und bezahlbare Lösung die Ausschreibung.

 

 

Viel Eigenarbeit unter anderem mit Ab- und Aufbau des Rancher-Zauns waren von Nöten. Doch es steht alles wieder und der Hang ist stabil für mindestens die nächsten 20 Jahre.

 

 

 

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Den ersten Schnee für die kommende Wintersaison gab es  Ende Oktober. Keine Überraschung, denn um diese Zeit streckte der Winter auch in den zurück liegenden Jahren seine ersten Fühler aus.

 

 

Neele wurde sieben Jahre und erfreut sich bester Gesundheit. Obwohl nun am Anfang zum Rentenalters,  hat unsere gute Hundeseele nichts ihrer Lebendigkeit verloren.  

 

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Der November bedeutet kurze, dunkle Tage und meist auch trübes Wetter.

Der November ist vollgestopft von Trauerzeit. Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag – kaum ein anderer Monat erscheint so beladen von Traurigkeit.

 

Denke ich an die November der letzten Jahre hier auf Espetveit so treiben mir die Gedanken nach wie vor Tränen in die Augen.

 

November ist kein „guter Monat“ und in jedem Jahr wieder bin ich froh wenn die Novembertage vorüber sind.  

 

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Anfang Dezember hatte Thyra Geburtstag. Unser Bärli ist inzwischen auch schon 7 Jahre und verschmust wie eh und je. Mögen wir noch viele gemeinsame Jahre haben.

 

 

Kurz vor Weihnachten kam der Winter mit Macht.

 

Schneetreiben und unendlich viel Schnee innerhalb weniger Stunden verzauberten Espetveit in eine Märchenlandschaft.

 

 

 

Allerdings war es nicht nur schön.

 

Der Schnee war sehr nass und schwer so dass er mit der Schneefräse nicht zu bewältigen war.

 

Also hieß es Tee trinken und abwarten. Kurzerhand wurde der Arbeitstag in einen Urlaubstag gewandelt, die Patienten mit einer Telefonvisite überrascht und per Hand wenigstens so viel Schnee bewegt, dass das Haus zu verlassen war. Es war jedoch keine Chance das Auto vom Hof zu bewegen.

 

 

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Zwischen den Jahren wurde es wieder warm. Plusgrade ließen den Schnee schmelzen. Die Dächer entledigten sich ihrer Schneemassen.

 

Das "Schneeräumkommando" war wieder mehrere Stunden im Einsatz. Pal half mit seinem großen Traktor und der riesigen Schaufel aus, so dass die inzwischen fest komprimierten Schneemassen zwischen den Gebäuden abtransportiert werden konnten.

 

 

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In den letzten Tagen des Jahres 2018 kamen gute Freunde zu Besuch.

 

Gemeinsam verabschiedeten wir das „Alte Jahr“ und begrüßten das "Neue Jahr" voller Erwartung auf die kommenden 365 Tage.  

 

 

Wir wünschten uns ein gesundes Neues Jahr

 

 

voll mit neuer Magie, neuen Gedanken,

 

neuen Gelegenheiten, neuen Träumen,

 

neuen Abenteuern, neuer Lichtblicke,

 

neuer Hoffnung, neuer Chancen,

 

neuer Wege

 

 

 

und mit einem neuen Anfang !!!

 

 

 

 

und wir wurden uns bewusst,

 

dass wir dann einfach auch noch

Zeit brauchen

 

um nur da zu sitzen und

vor uns hin zuschauen.  

 

 

geändert, aus „Pippi Langstrumpf“ Astrid Lindgren