14.04. 2018 Selbst ist die Frau

 

Blick von meiner Terrasse auf die Hausweide und den gegenüberliegenden Wald.
Blick von meiner Terrasse auf die Hausweide und den gegenüberliegenden Wald.

 

Die letzten 2 Winter hatten enormen Schaden an den Stromleitungen angerichtet. Die nahe stehenden Bäume konnten ihre Schnee-und Eislast nicht tragen und legten sich auf die Stromleitungen ab. Mitsamt den Stromleitungen brachen auch viele Strommasten unter der Last.  

 

Tja, aus Schaden wird man klug, oft jedenfalls.

 

Ich erhielt einen Anruf von einer Waldrodefirma, dass entlang der Stromleitungen, die durch den Wald ziehen, alle Bäume in der unmittelbaren Nähe gefällt werden.

Als Waldbesitzer kann man sich dem nicht entziehen (..., warum auch, Waldbesitzer wollen auch Strom)

Es wird eine entsprechende finanzielle Entschädigung per Kubikmeter Holz gezahlt und jeder Waldeigner kann sich das Holz zusätzlich für den eigenen Bedarf holen.

 

Durch meinen Wald zieht sich die Stromleitung lediglich über 300 m. Erst dachte ich, dass da sicher nicht viel Holz anfällt. Aber ich hatte mich getäuscht.

 

Jede Menge geschnittener Bäume lagen beidseitig zum Verlauf der Stromleitungen. Ich konnte dieses Holz nicht einfach liegen lassen. Es wäre eine Verschwendung von Naturressourcen.

 

Und so sammelte ich die geschnittenen Stämme ein, die ich anheben und transportieren konnte. Im Wald liegt nach wie vor Schnee und das machte die Prozedur noch schwieriger. Hinzu kam dass, ja zwei Finger meiner linken Hand gebrochen sind und damit ich eine deutlichen Funktionseinschränkung unterliege, leider.

 

Dennoch hat es sich gelohnt, vielleicht 1/3 der gefällten Bäume konnte ich bergen. Der andere Anteil liegt in für mich nicht zugänglichem Gelände oder ist so schwer, dass ich die Stücke nicht anheben kann.

 

 

 

 

Beim Transport des Holzes aus dem Wald nach Hause bekam ich Hilfe von Pål.

 

Mein Damentraktor hätte mit der Last in der Schaufel nicht das Gelände passieren können.

 

Unter dem Schnee ist nämlich Moor und die kleinen Reifen wären hoffnungslos versackt und mein Traktor stecken geblieben.

 

 

 

 

 

Aber mit dem Einsammeln und nach Hause bringen war es nicht getan. Nun mussten die Stämme auf ofengerechte Länge geschnitten werden bevor ich diese spalten kann. 

 

 

 

Dafür holte ich mir die Säge aus der kleinen roten Garage unten am Weg und transportierte diese mit meinem Traktor hinter den Schafstall, wo Pål das Holz abgekippt hatte. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Säge, eine Art Kreißsäge, wird mit dem Traktor betrieben.

 

Nach ein paar Überlegungen wie ich die Säge optimal positioniere, bekam ich diese auch über einen Welle an das Getriebe des Traktors angeschlossen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und was soll ich sagen.

 

Nach anfänglich etwas Respekt vor dem ganzen „Gespann“ zersägte ich trotz meiner gebrochener Finger alles Holz innerhalb von 4 Stunden.

 

 

 

Bis vor Kurzem glaubte ich noch, dass dieses eine enorm schwere Arbeit wäre. Aber nun sehe ich, dass das durchaus auch Frauen bewerkstelligen können.

 

 

Es geht nämlich auch ohne Bauer auf dem Hof.  

 

In jeder Krise liegt eine Gefahr und eine Chance.

 

Barbara Völker

 

07.04.2019

 

Die ersten Frühlingsboten sind da. 

 

Den letzten Schnee gab es vor 4 Tagen und die wiesen sind größtenteils noch mit Schnee bedeckt.

 

Allerdings ist rund ums Haus, der Schnee fast völlig verschwunden. Die Sonne der letzten 2 Tage hatte das kühle Weiß rasant schmelzen lassen. 

 

 

Gestern hatte ich 12 Grad und Sonnenschein bei kaltem Nord-Ost-Wind. 

 

Dennoch spürte man in einem windgeschützten Eckchen, dass der Frühling auf dem Marsch ist. 

 

 

 

Und so steckten die ersten Krokusse ihre Köpfchen der Sonne entgegen. 

 

Ich hatte beschlossen trotz meiner zwei gebrochenen Finger an der linken Hand (…, Resultat meines Einsatzes beim Wechseln der Reifen am Traktor letzten Montag….) , die Terrassenmöbel aus dem Schafstall zu holen und entsprechend der üblichen Verteilung diese auf der Terrasse zu positionieren.

 

Auch die große schwere Sitzbank mit Tisch, welche immer rechts vom Hauseingang steht, kam auf ihren Platz.

 

 

Mutig wurde ich sogar mit meinen großen Topfpflanzen, den Palmen, Oleander und dem „ehelichen Elefantenfuß“ .

 

Letzterer hat wohl im letzten Herbst zu lange draußen gestanden. Der Frost muss ihn getroffen haben. Alles Grün ist weg und ich habe soweit wie es geht dieses ärmliche „Überbleibsel“ zurück geschnitten. Nun muss ich sehen, was da kommt oder auch nicht.

Es ist eigentlich Ralf seine Pflanze, die er wie vieles Andere auch einfach im Stich gelassen hat.

 

Zwei Vogelhäuschen sind ebenfalls wieder an ihren Bäumen. Der Herbst und Winter hatten sie vom Baum geholt. Habe die zwei Häuschen etwas ausgebessert und nun dienen sie in der kommenden Saison wieder als Brutkasten.

 

 

Den Heuboden (war bis vor ein paar Tagen noch voll mit fast 150 Ballen Haferstroh) über dem Schafstall ist wieder blitzeblank. Ich musste alle Paletten hoch nehmen um das lose Stroh und Heu zusammen zufegen.  In einer Plane ging es den "Flaschenaufzug" runter und die Stroh- und Heurester fanden ihren letzten Platz gut verteilt hinten auf der Weide. So kann der Samen, welcher sich garantiert darin befindet, seiner Bestimmung nach gehen. Ich drücke mal die Daumen für eine grüne Wiese.

 

In den nächsten Wochen will ich so manches Sammelsurium auf dem Hof durchforsten und, was ich nicht mehr gebrauchen kann, zum Altstoffsammelhof der Gemeinde fahren.

 

Ich werde keinen großen geplanten Baumaßnahmen mehr durchführen und somit kann all das...“ ach das heben wir mal noch auf…. könnten wir vielleicht noch mal gebrauchen“ vom Hof verschwinden.

Wenn der Hof in zwei Jahren zum Verkauf steht, will ich mich mit diesen banalen Aufräumarbeiten nicht zusätzlich belasten.

 

 

 

Ach, und noch was ist erledigt.

 

Meine Blumenkästen vor dem Haus sind ebenfalls von mir „überarbeitet“ worden. Teilweise hatte bereits der Samen von den letzten Pflanzen sich ausgesät und kleine grüne „Tupfer“ waren bereits an der Erdoberfläche zu sehen.

Ich hatte im Herbst die Samen von den getrockneten Pflanzen abgezogen und nun zusätzlich in die Kästen gegeben. Alles mit einer dünnen Schicht neue Erde abgedeckt, gewässert und nun will ich sehen, was da sprießt.

Die Blumenkästen hängen ja an der Ostseite des Hauses. So bekommen sie die frühe Morgensonne und einen großen Teil der Mittags- und Nachmittagssonne .

 

 

 

Am Nachmittag saß ich dann mit meinen drei Hundemädchen auf meiner Terrasse in der Sonne und hatte Zeit „ einfach nur mal so dahin zu schauen“ .

 

Es war ein guter Tag.  

 

Tu`erst das Notwendige, dann das Mögliche und 

 

plötzlich schaffst du das Unmögliche. 

 

Franz von Assisi

01.04. 2019 „ Noch alle Finger dran…?“

 

Ja, es sind noch alle Finger dran.

 

Allerdings etwas deformiert, verfärbt und sehr schmerzhaft.

 

Aber gehen wir zum Anfang.

 

 

Gestern hatte ich die Schneefräse vom Traktor genommen.

 

Laut Wettervorhersage vom Sonnabend waren keine größeren Mengen von Schnee mehr zu erwarten. Inzwischen hat jedoch der norwegische Wetterdienst seine Meinung geändert und für Mittwoch sind 20 cm Schnee gemeldet.

 

Der Winter gibt also noch lange nicht auf. 

 

Hinterreifen mit Schneeketten
Hinterreifen mit Schneeketten

 

 

Na, jedenfalls ist jetzt die Schaufel am Traktor und es stand nur noch aus, die Vorderreifen mit den Schneeketten gegen die Sommerreifen zu tauschen.

 

Auch wollte ich die Schneeketten hinten am Traktor weg nehmen. 

 

 

 

So habe ich den Traktor raus gefahren und mit Hilfe der Schaufel „ aufgebockt“. 

 

 

 

 

 

Zur Sicherheit kamen unter die Vorderachse jeweils eine Stütze, damit mir der Traktor, falls die Schaufel in ihrer Stützfunktion nach gibt, nicht auf die Finger fällt

 

 

Die Muttern ließen sich problemlos lösen. Hatte die Schrauben im Herbst beim Radwechsel korrekt angezogen, so dass es leicht mit Hilfe des Verlängerungsrohres was am Radkreuz ansetzte von statten ging. 

 

 

 

Tja, und dann passierte mir beim Abnehmen des ersten Vorderrads ein kleiner Fehler mit weitreichenden Folgen.

 

Beim Hochheben des Rades von der Narbe schlug die Vorderachse entsprechend der Federung ein Stück nach oben, da die Last des Rades nicht mehr wirkte.

 

Dummerweise hatte ich das schwere Vorderrad zu beiden Seiten des Reifens gefasst, damit ich es halten und von der Achse nehmen konnte. 

 

.und so kam ich mit zwei Finger zwischen Radaufhängung und dem Rad und bekam einen kräftigen Schlag von der zurück schnellenden Achse auf meine Fingerendglieder. 

 

Oh, ... war das ein Schmerz…, ich hätte schreien können, aber bekam keinen Ton heraus.

 

Blut lief über meine Hand und zuerst sah ich gar nichts.

Ein Finger fand sich nicht auf der Erde, so dass ich von aus gehen konnte, dass sich noch alle an meiner linken Hand befanden.

 

 

 

 

Und da kam die Erinnerung hoch, an Ralf, der sich bei der gleichen Arbeit vor Jahren die Finger klemmte. Allerdings hatte er laut geschrien und geflucht und musste die Arbeit erstmals unterbrechen, weil im schlecht war. Tja, typisch Mann eben.  

 

 

 

 

 

 

Ich ging dann mit meiner Hand unter fließendes Wasser um überhaupt einen Einblick zu bekommen, wie viel Schaden ich mit meinem dummen Verhalten angerichtet hatte.

 

 

 

 

Der Fingernagel vom Mittelfinger war tief dunkelblau, die Fingerkuppe livid-rot und der gesamte Finger sah aus wie ein Trommelschläger. Eine offene Verletzung hatte mein Mittelfinger nicht.

Anders war es mit dem Zeigefinger. Der hatte an der Fingerkuppe eine offene Platzwunde aus der das Blut floss. Der Fingernagel war rosarot und entgegengesetzt zum Mittelfinger etwas „platt“ gemacht.

 

 

Habe mir dann ein Pflaster von drinnen geholt und mich verarztet. Handschuh drüber und weiter ging es mit der Arbeit. 

 

 

Nachdem ich beide Vorderreifen runter hatte,…

.... beim Zweiten war ich ja gewarnt vor der „springenden“ Achse ....,

wurde alles gut gefettet und die Sommerreifen drauf gezogen. Stützen weg, Schaufel entlastet und schon stand mein Damentraktor wieder auf allen Vieren.

 

 

 

 

Meine linke Hand war inzwischen fast bewegungsunfähig, oder besser ich hatte jetzt zwei „Wurstfinger“, die mich an den optimalen Gebrauch der Hand hinderten. 

 

 

Aber ich musste ja weiter machen.

 

Die Ketten von den großen Hinterrädern sollten ja auch abgenommen werden.

2 Kettenschlösser parallel  zum Verbinden der beiden Kettenenden.
2 Kettenschlösser parallel zum Verbinden der beiden Kettenenden.

 

 

Nachdem ich die Kettenschlösser gefunden hatte, ging es an das Lösen der Blockierstifte. Erst dann konnte ich die Kettenglieder aushängen. 

Spannschloss Innenseite Hinterrad
Spannschloss Innenseite Hinterrad

 

 

Zusätzlich öffnete ich zu beiden Seiten der Kette die Spannschlösser und hängte die Kettenglieder aus.

 

Anschließend kam jedes Spannschloss wieder an Ort und Stelle, damit ich im Herbst nicht erst wieder suchen muss, was wo hin kommt und zusammengehalten werden muss. 

 

Das alles war koordiniert durch meine rechten Hand, meinem linken Arm und je nach Lage einem rechten oder linken Knie.

 

 

 

Die Ketten sind runter und hängen jetzt wieder in der Traktorgarage an der Wand.

 

Mein Traktor steht geschniegelt und gestriegelt an seinem gewohnten Platz und wartet nur noch auf die nächste Durchsicht am kommenden Montag.

 

Dann kann der Sommer hier auf Espetveit starten.

 

Heute haben wir herrlichen Sonnenschein bei allerdings eisigem Nordwind. Die Weiden sind nach wie vor weiß und auch auf dem Hof liegt noch reichlich Schnee. 

 

 

 

 

Mit meiner Hand kann ich wohl in dieser Woche nicht in den OP. Morgen lasse ich eine Röntgenaufnahme machen ob meine Knochen der "springenden Achse" stand gehalten haben.

Sollte sich eine Fraktur zeigen, muss ich wohl ein Antibiotikum einnehmen um eine Infektion bei der gleichzeitig offenen Wunde zu verhindern. 

 

Ja, aus Schaden wird man(n)/Frau klug, ... nicht immer , aber immer öfter. 

 

Ich hatte bereits vorher so meine Erfahrungen  mit den landwirtschaftlichen Geräten gemacht. Damals ging es auch noch mal gut und es fand sich kein bleibender Schaden im Nachhinein. 

 

  

Starke Frauen geben nicht auf.

 

Sie heulen kurz, ziehen die Nase hoch

 

und gehen dann weiter ihren Weg.