22.01. 2018 Schneechaos

 

Heute, genau vor einer Woche begann das Chaos. Innerhalb von 12 Stunden fielen 1 Meter Neuschnee und kein Ende war in Sicht.

Begannen hatte es mit feinem Regen , der bei wenigen Graden unter Null gefror und alles draussen in der Natur mit einer feinen Eisschicht überzog. Dann begann es wie wild zu schneien und innerhalb weniger Stunden war wir von der Umwelt abgeschnitten und regelrecht eingeschneit.

 

 

Zu allem Übel fiel auch noch der Strom aus und wir saßen mehr als einen Tag im Dunkeln. Aber das fehlende Licht war das Eine, die Versorgung mit Wasser das andere Ende. Dadurch, dass die Wasserpumpe stromlos war, kam auch kein Wasser in den Trinkschalen der Schafe und Pferde an.

 

Um die Pferde mußten wir uns keine Sorgen machen. Wie wir schon des Öfteren gesehen hatten , fressen unsere großen Vierbeiner auch Schnee und damit war das Wasserproblem für Szindi und Bandy gelöst. 

 

Für unsere Schafen holten wir mehrere Eimer mit Schnee ins Haus, die wir dann auf dem Ofen in der Stube stellten. Doch ein 10 Liter Eimer mit Schnee ergibt knapp ein Liter Wasser, fast aussichtslos in dem Schneckentempo 30 Schafe im Stall mit Wasser zu versorgen.

 

Und dann ging uns ein Licht auf. Wir haben doch im Saunaraum ein großes Tauchbecken und da ist Wasser genug für alle. Das Wasserproblem war also gelöst.

 

Ja, auf die einfachsten Dinge kommt man manchmal nur durch Umwege.

 

 

 

Jedenfalls waren wir viele Stunden in Gange um dem Schnee einigermaßen Herr zu werden.

 

 

 

Am Dienstag Morgen fuhren wir 3 Stunden später in die Klinik nach Kristiansand.

 

Wir mußten erst eine Fahrspur für uns räumen, die aus der Garage raus, über unseren Hof durch das Tor , den Weg runter bis zum eigentlichen Waldweg führte. Dort war inzwischen geräumt worden, allerdings lag eine 1, 50 Meter hohe Räumkante im Weg. Unser kleiner Traktor mit seiner Schneefräse an der Front hatte ganz schön zu kämpfen. Der Schnee war sehr feucht, so dass die Fräse immer wieder vertopfte. 

 

Auf dem Weg nach Kristiansad sahen wir mehrere Bäume, die sich unter der Schneelast beugten und immer wieder aufgeben mußten, da sie die Last nicht mehr tragen konnten.

 

Zwischendurch standen wir auf der Strasse in einem Stau da nur ein paar Minuten vor unserem Erscheinen ein großer Laubbaum auf die Strasse gestürzt war. Die Strassenwacht war gerade dabei, die Strasse von dem Ungetüm zu räumen.

 

Da kann man nur froh sein, nicht in der Nähe oder direkt unter dem Baumkollos auf der Strasse gefahren zu sein. Das hätte bestimmt kein gutes Ende genommen. 

 

Als wir am Abend nach Hause kamen , hatte es inzwischen erneut 30 cm Schnee gegeben. Glücklichwerweise gab es gerade mal wieder Strom, so dass wir unsere Tiere bei Licht füttern konnten. Doch für mehr hat es nicht gereicht.

Wir aßen „Stulle mit Brot“ und wärmten unsere Haus mit dem Specksteinofen in der Stube. Die Elektroheizungen, die in jedem Zimmer montiert sind (übliches Heizverfahren hier in Norwgen) funktionierten natürlich nicht.

 

Am Dienstag Abend fielen wir wie tot ins Bett, wir hatten am Morgen und am Abend jeweils 3 Stunden Schnee geräumt. Ein Teil mit dem Traktor und in nicht wenigen Bereichen auf dem Hof, wie rund ums Haus und bei der Pferden auf dem Paddock mit dem muskelbetriebenen übliche Schneeschieber.

 

Am späten Abend hatte der Strom die Leitungen wieder gefüll, allerdings diskontinuierlich, jeweils nur fuer wenige Minuten konstant.

Unsere Hundemädels Neele und Thyra wurden ganz „meschugge“ und waren ängstlich wegen des ständige „Gepiepse“ des Stromzählers, der bei dem ständigen „An- und Ausgeschalte“ immer mit einem Piepton das Kommen und Gehen des Stroms anzeigte. Sola war ganz cool, ihr machten die Geräusche nichts aus.

 

Entsprechend unruhig war unsere Nächte. Strom an, Strom aus, „Piep“ und wieder „Piep“ , Neele hoch aufs Bett und wieder runter vom Bett. 

 

Überall hatten wir Kerzen aufgestellt, was einerseits auch eine gewissen Gemütlichkeit und Ruhe vermittelte. Dann wieder waren wir genervt, weil ja die einfachsten Dinge nicht mehr gingen. Natürlich hatten wir auch kein Internett und die Telefonleitung war auch lahmgelegt. Mit unseren Handys haben wir sowieso keinen Empfang hier auf Espetveit.

Wir lebten also wie vor hundert Jahren, ... kam uns jedenfalls so vor... „back to the roots“.

 

 

In den folgenden Tagen der letzten Woche gab es jeden Tag Schnee zwischen 20 – 40 cm. Jeden Tag nach der Arbeit hieß es für uns 3-4  Stunden Schnee schieben zu der übliche Routinearbeit, die wir jeden Tag nach der Arbeit haben. 

 

Am letzten Sonnabend hatten wir dann erneut ein längerer Stromausfall, von mehr als 12 Stunden. Wir hatten noch einen Topf mit Suppe als Vorrat, die wir auf dem Elektrogrill erwärmten. Strom lieferte uns ein Aggregat, welches mit Benzin betrieben wird.

 

Wir hatten uns das Aggregat vor Jahren angeschafft um auf den Weiden rund um Espetveit auf felsigem Untergrund Löcher bohren zu können in denen dann Stahlstäbe geschlagen und der Zaun daran befestigt wurde.

 

Es gab also eine wohlschmeckende warme Mahlzeit. 

 

Wenn man die Bäume sieht, wie diese sich unter der enormen Schneelast beugen und brechen , fragt man sich wirklich was die Natur sich dabei denkt.

 

Viele Bäume haben sich auf den Stromleitungen abgelegt und versuchen so den „Genickbruch“ zu umgehen. Selbst Strohmmasten erliegen der Last und knicken wie Streichhözer einfach weg.

 

 

Einen Sinn erkennen wir in dieser Herausforderung der Natur nicht. Es entsteht viel Schaden dessen Ausmaß man erst im Frühjahr erkennen wird. Jetzt wird alles mit einem dicken weißen Tuch abgedeckt, als wenn nichts geschehen ist.  

 

 

Doch es gab auch schöne Augenblicke. Am Sonntag ließ sich Klährchen blicken und verwandelte unser Espetveit in eine Märchenlandschaft. 

 

Jetzt haben wir fast 2 Meter Schnee in der letzten Woche bekommen und erst heute hatten wir wirklich alles aufgeräumt. Es schneit weiter und morgen soll der Schnee in Regen übergehen. Die Minusgrade verlassen uns und es sind bis zu 7 Grad plus gemeldet.

 

Der Hof ist endlich frei von den riesigen Schneemengen und jetzt werden wahrscheinlich die Dächer sich ihrer Last entledigen. Regen und Plusgrade werden die Schneemassen ins Rutschen bringen.

 

 

Für uns heißt es dann erneut räumen um wieder Platz für den nächsten Schnee zu haben, der uns bereits am kommenden Wochenende erreichen soll. Die Plusgrade und der Regen sind nur ein kurzes Zwischenspiel. 

 

Kein Feuer kann sich mit dem Sonnenschein eines Wintertages messen.

 

Henry David Thoreau