Neujahrsbrief 2018

... wir schauen auf das alte Jahr zurück ... 

Mögen wir

an die guten Zeiten mit Freude denken,

 

aus den schlechten lernen,

 

im Heute leben und

das Morgen willkommen heißen. 

 

Herkunft unbekannt  

 

Und schon wieder treten wir in ein neues Jahr.

 

2017 war kein gutes Jahr für uns. Sicher wir sind alle gesund und munter, was auch für unsere Familie gilt. Und dennoch sind wir froh, dass das letzte Jahr vorüber ist.

 

Wir hatten wie in jedem Jahr reichlich Besuch von Freunden und der Familie mit denen wir zusammen sehr schöne Tage verbrachten. Einige von ihnen waren bereits in den Jahren zuvor unsere Gäste. Andere kamen das erste Mal und wollen auf jeden Fall wieder vorbei schauen.

 

 

Mehrere Anfragen bezüglich eines Praktikums auf unserem Hof, mußten wir aus nicht praktikablen Gründen abweisen. Wir sind offiziell als Bauernhof registriert und dennoch betrachten wir den Hof mit seinen Tieren als unser Hobby. Wir haben keine „Tierproduktion“ . 

 

Doch jetzt wollen wir genauer zurück schauen und sehen, was das letzte Jahr so für uns bereit hielt.

 

 

Das Jahr begann mit Regen und Plusgraden. Schnee war nicht in Sicht und der Januar wirkte grau und trostlos.

Tja und passend zum Wetter begann das Jahr nicht gerade aufmunternd für uns.

 

Gleich im Januar hatte Liane einen Wildunfall. Alles in allem hatte sie jedoch noch Glück gehabt. Der Unfall geschah nur wenige Meter nachdem sie vom Waldweg abgebogen war. Das Auto war noch nicht so hoch beschleunigt. Wäre sie mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen, hätte dies fatale Folgen haben können.

 

Doch ein Tier musste sein Leben geben, was trotz der langsamen Fahrt und des Versuchs, den Zusammenstoß zu umgehen, nicht verhindert werden konnte. Der einzige Trost, den man eventuell geben kann, ist, dass das Tier innerhalb weniger Minuten mit seinem gebrochenem Hinterlauf gefunden wurde. Fachgerechtes Handeln durch einen Jäger ersparte dem Reh langes Leiden mit einem qualvollen Hungertod am Ende.

Doch der Schock im Zusammenhang mit dem Erlebten sitzt nach wie vor tief. 

 

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Der Winter spielte uns im letzten Jahr einen Streich. Er wußte einfach nicht, was er wollte oder besser wie er zu sein hatte. Er hatte wohl die Orientierung etwas verloren.

 

Die Temperaturen schwankten mal mehr, mal weniger hoch oder tief um den Gefrierpunkt.

Mal gingen wir mit dicken Klamotten und eingemummelt wie ein Eskimo und dann wieder saßen wir unter Mittag windgeschützt in der Sonne im T-Shirt.

 

Ständiger Wechsel zwischen Schnee und Regen, Sturm und Föhn, ließ unseren Gemütern breiten Raum, um zu schwingen. Und das taten sie dann auch.

 

Wir waren in der letzten kalendarischen Wintersaison kein einziges Mal mit unseren Langlaufski unterwegs. Sicher reichte der Schnee immer zum Schnee schieben, doch eine kontinuierliche Schneedecke für eine Skiloipe war nie gegeben.

 

Die Natur hatte es nicht einfach. 

 

Insbesondere die Bäume litten unter dem immer wieder gefrierenden Regen, der sich an den Ästen fest biß und so mancher Birke „das Genick brach“.

 

 

 

Bereits Ende Februar sehnten wir das Ende des launischen Winters herbei.

Wir hatten so richtig die Nase voll vom winterlichen Spuk. Wir freuten uns aufs Frühjahr und auf unsere Lämmer, die wir ab Mitte April, also zu Ostern, zu erwarten hatten.

 

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Der Winter schlug seine Capriolen bis in den März hinein. Es gab immer wieder kräftigen Schneefall und die Temperaturen lagen nachts deutlich unter Null. Dann wieder hatten wir ein paar Tage mit Regen und Plusgrade.  

 

Na endlich, Ende März kam die Sonne. Sie hatte endlich auch den Weg zurück nach Espetveit gefunden. 

 

 

Es gab strahlenden Sonnenschein, wolkenlosen blauen Himmel und Temperaturen um die 20 Grad. Also holten wir die Terrassenmöbel vom Boden und aßen am letzten Märzwochenende das erste Mal in diesem Jahr ausgiebig Frühstück auf der Terrasse in der warmen Sonne.

Oh..., das tat uns gut. 

 

 

Mit dem ersten Sonnenschein Ende März gaben unsere Wollnasen im  Stall auch ihr Winterkleid ab.  

 

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Bereits Anfang April ist uns bei der Arbeit im Schafstall eine Schwalbe begegnet. Sie flog ein paar Runden durch den Stall, um dann wieder nach draußen zu verschwinden. Es war die erste Schwalbe für das Jahr 2017 und ein Bote für uns, dass das Frühjahr seinen Lauf nimmt. Wir freuten uns auf warme Tage mit Sonnenschein. Doch die Schwalbe hatte sich wohl in der Zeit etwas vertan. Der Frühling ließ noch lange auf sich warten.

 

Der April barg auch einige Arbeit in sich. Bilslang war das Wiesengebiet hinter dem Paddock der Pferde für die Tiere nur zu nutzen, wenn es mehrere Wochen keinen Regen gab. Es war so feucht, dass man regelrecht die Schuhe ausgezogen bekam, wenn man an Regentagen die Wiese durchquerte.

 

Im Herbst 2016 hatten wir uns entschlossen Entwässerungsgräben zu ziehen, um wenigstens den größten Anteil des stehenden Wassers ins Tal geleitet zu bekommen. Wir wollten die Gräben offen lassen mit leichter Abschrägung zum Rand, so dass die Pferde und auch Schafe sie gut überwinden konnten.

 

Letztendlich haben wir uns anders entschieden.

 

Wie auch auf den anderen Wiesen, füllten wir den Grund mit groben Schotter auf, legten Drainage- Rohre und deckten diese wiederum mit groben Schotter zu.

 

 

Dann folgte feiner Splitt und Sand als abschließende Abdeckung auf die Rohre.

Zum Schluß wurde alles mit Erde bedeckt und neu eingesäht.  

 

 

Am zweiten Wochenende im April wurden wir mit den letzten Vorbereitungen zur anstehenden Lammzeit fertig.

Nur ein paar Tage zuvor hatte der Tierarzt alle trächtigen Schafe vorbeugend geimpft.

 

Wir setzten noch die Trenngitter für die Lammboxen, legten die Gummimatten auf die Metallroste und hängten die Wärmelampen auf. Auch das Stroh lag bereits auf den Gummimatten. 

 

Nach unseren Berechnungen stand der erste Entbindungstermin zum 15. April an.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es meist 2-3 Tage vorher los geht. Also, waren wir gespannt und harrten der Dinge (Lämmchen), die da kommen sollten. Wir hofften natürlich, daß uns Schlimmes erspart bliebe und alle Lämmer und Mütter die Lammzeit gut überstehen.

 

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Pünktlich zu Ostern kamen dann endlich die ersten Lämmer.

 

Stine gebar ein Lammpärchen, ein kleines, völlig weißes Böckchen und ein kleines völlig schwarzes Mädchen völlig unkompliziert.  

 

Fenja gesellte sich hinzu und mit unserer Hilfe schenke sie einem kräftigen Jungen das Leben. Wir wurden am Ostersonnabend mit 3 Osterlämmern belohnt.

 

Wenn die Lammzeit beginnt, wird es eng im Schafstall. Wir brauchen Platz, um den werdenden Mütter und ihren Kindern Raum und Zeit zu geben, damit sie in den ersten 48 Stunden gut „zusammenwachsen“ können.

 

Dementsprechend setzten wir 6 Lämmer vom Jahr 2016, die erwachsenen Damen Randi, Dora, Moni und Gretel, die nicht trächtig waren, sowie unsere Böcke Leopold und Simon an die frische Luft.

 

 

 

 

 

Es war wie in jedem Jahr.

Die Damen und Herren wollten ihre Boxen nicht verlassen.

 

 

 

 

 

Nach kräftezehrenden Geschiebe und Geziehe waren endlich alle draußen auf der Weide. Viel zu fressen fanden die 10 Damen und zwei Herren allerdings nicht. Aber sie konnten durch die Gegend ziehen , hier und da an Zweigen knabbern oder auch das erste zarte Grün suchen. Sie wurden von uns zusätzlich mit Heu versorgt. 

 

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Ab Mitte April kündigte sich ganz seicht der Frühling an. Doch dann gab es zum Monatsende plötzlich nochmals eine Änderung im Wetterjahresplan.

Der Wetterbericht hatte Minusgrade und Schnee gemeldet. Wir dachten es wäre ein Scherz, doch wir hatten uns getäuscht. 

 

Am Abend des 26. April begann es wie wild zu schneien und am nächsten Morgen standen wir in 20 cm Neuschnee und kein Ende war in Sicht. Innerhalb von 24 Stunden war der Winter, den wir ja bislang nicht wirklich hatten, mit seiner vollen Pracht eingekehrt. 

 

Unsere Schafe im Ylva-Tal und auch unsere beiden Böcke Simon und Leopold auf der Herrenweide trugen einen weißen Umhang und schauten uns verdutzt an. Tja, Schnee hatten alle von ihnen noch nie gesehen und sie wirkten völlig hilflos.

Allerdings waren unsere Schafe durch ihren Pelz gut geschützt, so dass wir keine Bedenken haben mussten, dass sie zu Schaden kommen.

 

 

Die Lammzeit brachten wir gut über die Runden . Einige Mütter gebaren völlig unauffällig und bei einigen anderen Damen mußten wir behilflich sein.

 

 

Doch eine wirkliche Überraschung hatte Gretel für uns.

 

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Gretel, als nicht-trächtig angesehen, hatten wir mit den anderen nicht-trächtigen Schafen bereits nach draußen ins Ylva-Tal gesetzt. Wir waren der Meinung, dass sie abortiert hatte, denn das Euter war nicht ausgebildet wie bei einer Trächtigkeit. Seit 14 Tagen standen die Schafdamen bereits draußen und bekamen Heu dazu gefüttert, da die Wiesen kaum Grün zeigten.

Am Morgen des 1. Mai brachten wir das Heu zur Raufe. Die Temperaturen waren etwas über Null und die Sonne machte sich breit.

Aus der Ferne sahen wir einen dunklen Fleck neben der Raufe. Gretel stand daneben und die Herde war ca. 30 m entfernt. Was war das?

Wir trauten unseren Augen kaum. Neben der Raufe bei seiner Mama lag ein Lamm. Es war Gretels Lamm, welches sie mindestens einen Tag, eher 2 Tage zuvor geboren haben muss. Also Mitten im "zurückgekehrtem Winter" hier auf Espetveit.

Wir näherten uns Gretel, nahmen das Lamm und gemeinsam brachten wir beide in den Stall. Das Lamm war putz munter.

 

Oh, fühlten wir uns schlecht. Wir hatten die Situation bei Gretel völlig falsch eingeschätzt.

 

Na ja, Ende gut, alles gut. Wir haben also ein richtiges „Naturlamm“, welches dem Winter getrotzt hatte und seine Mama die Geburt ganz alleine bei Schnee und Kälte hinter sich gebracht hatte.

 

Ja, es geschehenen eben doch noch Wunder, Naturwunder eben..., oder Glück gehabt, könnte man auch sagen.

 

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Alles in allem konnten wir in diesem Jahr mit der Lammzeit zufrieden sein. 

Am 18.04. 17 wurden die ersten Lämmer geboren und innerhalb von 10 Tagen waren alle Geburten abgeschlossen. 

 

Maja
Maja

 

 

Wir hatten 4 mal Drillinge, die sich alle sehr gut bei ihren Müttern Anna, Kira und Hermine entwickelten.

 

 

 

Nur Maja, die Drittgeborenen von Molly wurde ein Flaschenlamm.

 

 

Bei dem einen oder anderen „Unwohlsein“ von einzelnen Lämmern konnten wir erfolgreich helfen.

 

 

 

Wir haben Lämmer in den ersten Stunden verloren und hatten auch wieder mit Euterentzündungen zu kämpfen.

 

Aber diese Erfahrungen machen wir in jedem Jahr, was schmerzlich, aber nicht zu vermeiden ist.

 

In die Natur können wir nur bedingt eingreifen. Dieses mußten wir auch erst lernen und akzeptieren. 

 

Erst am 20. Mai konnten wir die Mütter mit ihren Lämmern nach draussen lassen. Das schlechte Wetter mit einstelligen Temperaturen und starkem Regen, hatte den Auszug der Herde vorher nicht zu gelassen.

 

Es gab wie in jedem Jahr großes Theater beim Verlassen des Schafstalls. Erst wollen die Mütter und Lämmer nicht raus, und wenn dann endlich draußen angekommen , gab es ein großes Suchen und Finden. Manche Mütter erweckten den Eindruck, dass das Gras augenblicklich wichtiger war, als ein schreiendes Lämmchen, welches verzweifelt nach seiner Mama in der großen weiten Welt von Espetveit suchte.  

 

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Unsere Aussie-Mädchen sind Frühaufsteher. Jeden Morgen, egal ob es ein ganz normaler Arbeitstag, Wochenende oder Feiertag ist, so gegen 5:00 Uhr haben unsere Hundemädels ausgeschlafen. Dann geht es für die Drei nach draußen an die frische Luft.

Es war an einem Sonntag Mitte Mai als wir wütend aus dem Bett sprangen, weil Sola aus vollem Hals bellte. Sola hat eine tiefe Stimme mit einer entsprechender Lautstärke, die auch wirklich nerven kann.

 

Sola stand an unserer Hoftor und bellte hoch in den Wald. Sie war nicht zu beruhigen. 

 

Und bei näherem Hinschauen sahen wir auch den Grund. Gegenüber vor unserem Tor stand ein Jungelch nur 10 m entfernt und suchte genüsslich nach einer Morgenmahlzeit. Er ließ sich vom Gebelle nicht beeinflussen.

Wir bekommen immer zu hören  dass die Waldtiere sich aufgrund unserer Aussie-Mädchen ein gutes Stück vom Hof entfernt halten.

 

Tja, die Theorie ist das Eine, die Praxis zeigt uns etwas Anderes. 

 

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Der Hauptanteil von Espetveit ist Wald. Wir haben bereits zwei Mal erntereifes Holz schlagen lassen. Das letzte Mal im Winter vor 2 Jahren. Bei jeder Rodung sind sogenannte Saatbäume stehen geblieben mit der Vorstellung, dass sich neue Pflanzen allein etablieren.

 

Zusätzlich hatten wir mit dem Forstverantwortlichen abgesprochen, dass die gerodeten Flächen entsprechend mit Maschinen aufgearbeitet werden, so dass die Jungpflanzen optimale Voraussetzungen haben, um zu Bäumen heran zu wachsen.

 

Nun gut, inzwischen wissen wir, dass hier in Norwegen die Zeit und das Einhalten von Absprachen eigenen Gesetzen folgen. Es geht eben langsamer oder gar nicht vonstatten.

Die Aufarbeitung des gerodeten Gebietes ist nicht erfolgt und so wie wir das Gelände einschätzten, sind auch die Saatbäume nicht so fleißig, wie wir es uns gedacht hatten.

 

Der Situation entsprechend, entschlossen wir uns doch Baumpflanzen zu setzen. Mitte Mai war das Wetter günstig, noch relativ kühl und feucht. Zusätzlich war viel Regen für die kommenden Tagen gemeldet. Also ging wir los die Pflänzchen, welche wir ein paar Tage zuvor in einer Baumschule gekauft hatten, in den Boden zu bringen. 2000 Pflanzlinge setzten wir gemeinsam an 2 Tagen innerhalb von 2 x 5 Stunden. Möge der zukünftige Wald sprießen. 

 

 

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Wir hatten im letzten Jahr einen Sonderlamm-Kindergarten auf Espetveit. Maja hatten wir bereits im Stall mit der Flasche gefüttert. Sie wollte/konnte nicht bei ihrer Mama trinken. Irgendetwas stimmte mit ihr nicht und so wollte Mama Molly sie ab dem 3. Lebenstag nicht mehr haben.

 

 

 

Maja war in ihrem Verhalten etwas auffällig.

 

 

 

Zum Beispiel rannte sie immer an der Flasche vorbei, wenn man sie ihr hin hielt und wenn sie die Flasche endlich an der kleinen Schnute hatte, musste man Maja animieren ihren Mund aufzumachen bzw. ihn vorsichtig öffnen, um den Trinkschnuller rein zu bekommen. Dann brauchte sie ein paar Sekunden, um ihre Zunge zu ordnen, bis es dann endlich ans Trinken ging.

Wir dachten erst, dass sie vielleicht blind wäre , aber sie rief, wenn sie uns sah auch ohne, dass wir einen Ton von uns gaben.

Auch beim Aufstehen hatte sie anfänglich Koordinationsschwierigkeiten. Sie ist immer wieder auf die Seite gefallen, da sie die Beinchen beim Versuch sich zu erheben, nicht richtig setzen konnte. Das ging aber Gott sei Dank vorüber.

Jedenfalls ging Maja nie zurück zur Herde, sie hatte ihre eigene Weide und lief auf unserem Hof frei herum. Abends oder manchmal auch nachmittags zog sie sich in ihr Lammhaus zurück, um ein Nickerchen zu machen.

 

Jeden Morgen aufs Neue stand sie am Törchen und wartete, dass man ihr aufmachte, damit sie ihre erste Flasche trinken und ihre Runde auf dem Hof drehen konnte. Der Traktor hatte es ihr angetan. An ihm schubbelte sie sich und knabberte ständig an den Reifen herum.

Die Flasche bekam sie noch bis die Herde wieder im Herbst in den Stall kam.

Doch Maja wollte auch im Stall nichts von ihren Artgenossen wissen. Sie fühlte sich mehr den Menschen und Hunden zugehörig, als den anderen Schafen in der Herde.

Maja war schon von Beginn an etwas Besonderes und das hatte sich nicht geändert. Sie war auch das einzige Lamm im letzten Jahr, was wir in der Herde behielten. Wir brachten es nicht übers Herz, sie zum Schlachten weg zu geben. 

 

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3 Wochen nachdem die Herde aus dem Stall ausgezogen war, holten wir die gesamte Herde in den Ferch, um eine prophylaktische Wurmkur durchzuführen. Alle Schafe sahen gesund aus. Die Lämmer hatten gut zugenommen. Bei den Müttern konnten wir keine Problem mit dem Euter erkennen. Und für die fast alljährliche Madenplage war es noch zu früh. 

 

 

Ende Juni hatten wir begonnen die ersten Heurundballen für die kommende Saison einzulagern. Wir holen weiterhin die Rundballen von mittlerer Größe bei einem Bauern in Kristiansand. Das Wetter war die letzten Tage sehr sommerlich, so dass die Heuernte gegenüber  dem letzten Jahr relativ früh begonnen hatte.

 

Am 23. Juni wurde Sola ein Jahr.

Unser Sonnenschein hat sich zu einer temperamentvollen hübschen, meist gehorsamen Hundedame entwickelt. Wir sind so froh, wenn damals auch aus Unvernunft, uns für dieses kleine Hundemädchen entschieden zu haben.

Sola hat wieder „Leben“ ins Rudel gebracht.

 

 

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Ca 1 Woche nach dem Weidewechsel Mitte Juni fiel beim wiederholten Durchzählen der Tiere auf, dass ein Lamm fehlte. Alles genau mit dem Fernglas beäugt und Kristina, Drilling von Kira, mit der Nummer 70009 war nicht bei der Herde. Kristina konnte nur auf der Weide verloren gegangen sein, wo die Schafe vor dem Weidenwechsel gestanden hatten.

 

Also kam die gesamte Schafherde zurück auf die vorhergehende Weide in der Annahme, dass sich das Lamm noch in der Nähe des Zauns aufhielt. Wenn es dann die Rufe der anderen Schafe hörte, würde es vielleicht versuchen, wieder zurück durch den Zaun zu kriechen. Die Rechnung ging auf. Kaum einen Tag hatte es gedauert und Kristina war wieder bei ihrer Herde. Sie sah im Gesicht und am Schwanzansatz etwas “ verwurschtelt“ aus, doch sie wirkte fit und hat auch ihre Mama in der Herde wieder gefunden. Wir sahen keinen Anlass sie näher zu untersuchen. Ein Loch im Zaun fanden wir nicht. 

 

Am zweiten Juliwochenende hatten wir die Herde zur jährlichen Fliegenlarven-Maden-Kontrolle in den Ferch geholt.

 

Maden hatte glücklicherweise keines der Tiere. Einige Lämmer waren so richtig „vollgekackt“, die wir dann wuschen und das Fell am Hinterteil und an der Schwanzwurzel mit der Schere kürzten. Es war aber keines der Lämmer von Fliegenlarven befallen. 

 

Jedoch zeigte Kristina oberflächliche Wunden an der Schwanzwurzel bis zum Rückgrad hoch und an der Rückseite des linken Oberschenkels.

 

Alles war verkrustet und Abwaschen allein war nicht genug. So nahmen wir Kristina mit zurück in den Schafstall und haben dort täglich ihre Wunden versorgt. Wir nahmen an, dass sie sich die Verletzungen am Zaun geholt hatte... doch wie wir jetzt wissen, war das letztendlich nicht der Grund.

 

Kristina war noch im Stall da erreichte uns das nächste Gesundheitsproblem.

 

Reni ging es nicht gut. Sie ließ den Kopf hängen und stand  apathisch abseits der anderen Schafe. Es war leicht, sie zu fangen und nachzuschauen.

Und da fanden wir eine ausgeprägte, gangränöse und abszedierende Euterentzündung mit bereits ausgedehnter, begleitender Phlegmone der Bauchdecken. Sie kam also ebenfalls in den Stall.

Wir behandelten sie lokal chirurgisch (Euteramputation, Entfernung allen toten Gewebes) und mit Antibiotika. Nach anfänglicher Besserung kam es wenig später zur akuten Verschlechterung.

Trotz unserer wirklich akribischen Versorgung verstarb Reni Anfang August infolge einer rasant fortschreitenden generellen Infektion.

 

 

Doch Reni war nicht die Einzigste, welche wir von den erwachsenen Schafen in diesem Sommer verloren. 

 

Molly magerte über den Sommer mehr und mehr ab. Wir hatten sie so gut es ging untersucht und keine äußerliche Ursache  erkennen können. Selbst das ihr angereichte Kraftfutter verschmähte sie. Ende August verstarb sie letztlich an allgemeiner Schwäche. Sie war nur noch Haut und Knochen. 

 

Dina verloren wir wahrscheinlich an einen Luchs. Nur noch das Fell, der Kopf und das Skelett waren von ihr übrig als wir die Überreste Anfang August auf der Weide fanden.

Ebendso hatte der Luchs sich ein Lamm geholt. Christa, die Tochter von Camilla war verschwunden. Nur wenige Tage nach dem Auffinden der Überreste von Dina, fanden wir ein kleines Skelett im Zaun hängend auf der gleichen Weide. Hier hatte der Luchs versucht, das Lamm durch den Zaun zu ziehen. Er hatte wohl Junge, die versorgt werden mußten.

 

 

Tja, „wat dem Enen sin Uhl is dem Andren sin ` Nachtigall“.

 

 Wir gehen nun davon aus, dass Kristina gerade noch dem Luchs entsprungen war und „nur“ mit den Verletzungen am Rücken, Schwanzansatz und Hinterlauf , die wir anfänglich als zaunbedingt ansahen, entkommen konnte. 

 

 

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Im Juli ging Marit zwar nicht „verloren“ aber wir hatten auch mit ihr ein wenig „Schlamassel“.

 

Marit ist sehr zutraulich als ehemaliges „Kindergartenlamm“ von 2014. Als wir ihr bei einem unserer Rundgänge über die Weide näher kamen, um sie zu streicheln, sahen wir etwas doch gruselig Anmutendes. Das linke Augenunterlid war seitlich abgerissen und klaffte nach unten hängend, wie eine große Abtropfschale. Dadurch war der Augapfel vollständig zu sehen, was natürlich horrormäßig aussah. Es war keine Blutung zu erkennen und auch sonst keine Form der Infektion oder Entzündung. Also mussten wir zügig handeln. Schnell holten wir das Klammergerät aus dem „Arztraum“ im Schafstall. Marit lockten wir mit etwas Kraftfutter in den Ferch und schon ging es an die „Operation“. Es war nicht schwierig, dass Augenlid wieder an seine richtige Position zu bringen. Mit 5 Klammern befestigt, saß es wieder an seinem normalen Platz. Und Marit hielt ganz still bei der Prozedur.

 

Diese Operation war von Erfolg gekrönt. Das Augenlied wuchs wieder fest und Marit ist unbeeinträchtigt. 

 

Mitte Juli erkrankte unsere Sola sehr schwer. Wir dachten schon, dass wir sie verlieren würden. Besuche beim Tierarzt und Intensivbehandlung durch uns hier zu Hause verhinderten das Schlimmste. Inzwischen ist Sola schon lange wieder wohl auf und wir sind so froh und glücklich sie bei uns zu haben.  

 

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Der Sommer war im Prinzip völlig verregnet. Nur ein paar Tage Sonnenschein im Juni brachten uns gutes Heu für die neue Stallsaison.

Wir hatten ja bereits 2016 entschieden vom „handmade“ Heu Abstand zu nehmen und wir waren erleichtert, uns darüber nicht mehr den Kopf zerbrechen zu müssen. 

 

 

Im letzten Jahr ergossen sich Massen von Regen über Espetveit, die zu entsprechenden Hochwasserständen führten.

Sowohl Anfang August als auch im September kamen wir diesbezüglich an unsere Grenzen.

Der Höhepunkt war wohl der 11. September, wo das Wasser über den Badesteg stieg und aufgrund von Kapazitätsbegrenzung der Ablaufrohre sich einfach seinen Abfluß über unseren Schotterweg suchte.

Ende gut, alles gut.

Glücklicherweise wurde Dietmar, der im September den Hof hütete, der Situation gerecht und rettete, was zu retten war. 

 

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Wir waren während dieser Zeit mit unseren Hundemädchen in Deutschland zum alljährlichen Seminargruppentreffen und zur Hundewanderung.

 

Da wir zum Seminargruppentreffen unsere drei Mädels nicht mitnehmen konnten, verbrachten sie die 4 Tage in einer Hundepension in Homberg /Efze. Doch der Aufenthalt in der Hundepension begann mit aufregenden Stunden. Nachdem wir die Hunde abgegeben hatten und wieder fort waren, entschloss sich Neele unsere Spur aufzunehmen und uns zu folgen. Jedenfalls kletterte Neele über einen 2 Meter hohen Zaun und ward nicht mehr gesehen. Trotz intensiven Suchens, war sie wie vom Erdboden verschluckt. Das dortige Personal konnte sie nicht finden. So wurde Polizei und Tierschutz über den kleinen Ausreißer informiert.

Wir wußten von alle dem nichts, da die Pensionsinhaber die falsche Telefonnummer wählten, um Kontakt mit uns aufzunehmen.

 

Neele glänzte mit 3 Stunden Abwesenheit und saß danach plötzlich einfach wieder vor dem Gartentor der Hundepension. Alle waren froh, die kleine Ausreißerin wohl behalten wieder zu sehen. Die Konsequens war, dass Neele von da an die Schleppleine „am Hals“ hatte.

 

Wir erfuhren von Neeles Ausflug erst, als es schon wieder alles vorüber war. Gott sei Dank!!!

 

 

 

Nach dem SG-Treffen ging es dann zur Hundewanderung in den Hunsrück.

 

 

Wir sahen bekannte Gesichter und lernen auch neue Hundenarren mit ihren Hunden kennen. Auf jeden Fall waren es, wie in jedem Jahr sehr schöne Tage.

 

 

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Na, ja und dann kam im September wie in jedem Jahr der „schwarze Freitag“.

Es ist immer ein trauriger Tag, wenn wir unsere Lämmer zur Schlachterei geben.

Und wie in jedem Jahr müssen wir uns sagen, dass wir nun mal nicht alle Lämmer behalten können.

 

Drei von unseren kleinen Lammmädels verkauften wir in eine andere Herde nur 20 km entfernt von uns. Kristina, Sonja und Marthe sollen nun selbst in der Zukunft für Nachwuchs sorgen. Wir drücken unseren drei Mädels die Daumen und wünschen ihnen eine lange gute Zeit in der neuen Schafherde. 

 

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Anfang Oktober ging es zu einem „Damenausflug“ nach Deutschland.

 

 

Es gab eine sogenannte „Plisch und Plum“- Woche mit Ellen als Hundetrainer.

 

Und …, na klar, wie sollte es auch anders sein, wir haben phantastische Hundemädels, die wissen, wie man sich zu benehmen hat in der großen weiten Menschenwelt.

 

Voller Stolz und mit ein paar Tipps und Ratschlägen für zu Hause ging es nach einer anstrengenden Intensiv-Lernwoche wieder zurück nach Norwegen.

 

Bis auf die chaotische Fahrerei auf den deutschen Autobahnen war die Woche eine tolle Auszeit vom Alltag hier auf Espetveit.  

 

 

Das miese Wetter im letzten Jahr führte auch dazu, dass wir unsere Schafherde entgegen unserer Planung frühzeitig in den Stall holten. Dauerregen und Temperarueren um 6 Grad waren für weitere zahlreiche Tage gemeldet.

Zuerst ging es mit den Böcken Leopold und Simon im Spaziergang von der Herrenweide in den Stall. Wir legten jedem ein Halsband um und führten sie an einer Pferdeleine über die Weide, den Hof und dann in ihre Herrenbox im Schafstall. Die Zwei sind uns gegenüber sehr wohl gesonnen und so war es nicht schwierig, sie an der kurzen Leine nach Hause zu holen. Ein begleitender Eimer mit Kraftfutter tat sein Übriges.

Mit unseren Schafdamen war es allerdings im letzten Herbst nicht so einfach. Man war das ein Theater mit denen. Wir haben die Herde bereits neun Mal zuvor eingebracht, aber so blöde wie in diesem Herbst ging es mit der Damenmanschaft noch nie.

 

 

Ende Oktober feierte Neele ihren 6. Geburtstag. Wer hätte im Mai 2014 gedacht, dass Neele diesen Geburtstag erleben wird. Wir sind froh unsere Neelemaus auf Espetveit zu haben, obwohl sie manchmal richtig zickig sein kann.  

 

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Ja, der November ist in jedem Jahr ein trister Monat für uns . Ylva und Anouk sind jeweils im November 2011 und 2013 von uns gegangen. Wir sind nach wie vor sehr traurig , wenn wir an die beiden Schwestern denken. 

 

 

Nach anfänglich Sonnenschein in den ersten Novembertagen kamen die ersten 10 cm Schnee Mitte des Monats. Wenige Minusgrade und ein lächelndes „Klärchen“ verbreiteten gute Laune auf dem Hof.

 

 

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Der Dezember ist voll von Geburtstagen. Liane, Thyra, Marielle und Ralf kletterten jeweils eine Stufe höher auf der Jahresleiter.

Marielle und Thyra wurden 6 Jahre.

Ralf und Liane bemühen sich die 60-er Dekade in den kommenden Jahre weiter zu füllen. 

 

Über die Weihnachtstage bekamen wir Besuch von Marielle, Marlina, Danielle und Marius.

 

Unsere jüngsten Mitglieder im Familienclan hatte über die Feiertage Urlaub bekommen und so verbrachten wir eine sehr schöne Zeit mit der Familie.

 

Für unsere Enkeltöchter war es ein Gaudi durch den Schnee zu stapfen, den Spuren des Rentierschlittens vom Weihnachtsmann zu folgen und Kuchen aus Schnee und echte Eiszapfen zu essen.

 

Doch eine Woche ist nicht lang und so flogen die 4 Rheinhessen am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages wieder in den Süden, zurück nach Deutschland.

 

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Das Wetter war zu Weihnachten sehr wechselhaft. Schnee, Sturm, Regen und Temperaturen zwischen minus 5 und plus  10 Grad bestimmten die Feiertage.  

 

Zum Jahreswechsel gab es frostige Tage mit Schnee und Regen. Der Wettergott war völlig von der Rolle und wusste wohl nicht mehr was Winterwetter bedeutet.

 

 

Egal, das Jahr fand sein Ende mit einem Sauna-Nachmittag. 

Wir ließen die Gedanken schweifen und blickten dem Jahreswechsel 2017/2018 offen und unbefangen entgegen.    

 

 

Wir wollen uns zu Beginn des neuen Jahres  besinnen auf das,

 

... was wir  haben,

 

... was wir  tun,

 

... was wir  sind

 

und was wir wirklich  wollen

 

 

 

Möge 2018 besser werden als das alte Jahr.  

 

 

 

Der Mensch ist das, woran er glaubt.

 

Anton Tschechow.