29.08.2018 Abschied





Der Jahrhundertsommer machte allen zu schaffen. Sicher war es toll für alle Urlauber doch für die Natur und Tiere war es eine harte Saison.

In Norwegen hatten wir seit Anfang Mai Hochsommer. Keine Wolke am Himmel und Temperaturen mehr als 30 Grad setzten der Natur und allen Tieren mächtig zu.

Die Wiesen verloren ihr Grün und ähnelten mehr einer Steppenlandschaft.

Dementsprechend mussten wir unseren Schafen Heu, welches wir noch aus der vergangenen Wintersaison hatten, dazu füttern. Unsere Herde wurde satt auch wenn unüblich in dieser Jahreszeit mit trockenem Heu.

 

Doch nicht alle Viehbauern hatten diese Möglichkeit. Es war einfach kein Raufutter vorhanden. So gingen „Notrufe“ raus, dass all die, welche noch ausreichend Futter eingelagert hatten, dieses entsprechend abzugeben. 

 

 

Bereits seit Anfang Juli laufen die Schlachtereien auf Hochtouren, da viele Viehbauern ihr Tiere vorzeitig zum Schlachten schicken mussten.

Die Situation auf den Wiesen hat auch ihre Auswirkungen für die Heuernte und damit für die kommende Wintersaison.

 

 

Viele Bauern entschlossen sich ihren Viehbestand generell zu reduzieren um über den anstehenden Winter zu kommen. 

Da Ralf beschlossen hatte, dass alle Schafe in diesem Jahr zur Schlachterei müssen, da er „frei“ von jeglichem Getier und Espetveit sein will, nahm Liane Kontakt mit der Schlachterei auf und vereinbarte einen vorzeitigen Schlachttermin.  

 

Heute war es so weit.

Alle Wollknäule verließen Espetveit.

Thekla, Per, Pål und Liane trafen sich kurz nach 7:00 Uhr auf der Weide wo der Frech steht.

 

Bereits gegen 7:00 Uhr begrüßte Liane ein letztes Mal alle Schafe.

 

 

Als die Herde Lianes Stimme vernahmen, kamen alle aus dem Tal hoch gelaufen und versammelten sich vor dem Törchen zu unserer Pferdeweide.

Die Schafe nahmen an, dass es wie sonst auch, wenn Liane ruft, auf eine neue saftige Fläche mit grünem Gras geht.

 

 

Doch heute war es anders …, für uns alle.

Die Schafe liefen vor uns her und versammelten sich nichts ahnend im Ferch.

  

 

Sie folgten eben wie sie es immer taten. Nur heute war es das letzte Mal, dass wir die Herde in den Ferch trieben.

 

Das Schlachtauto mit dem uns seit Jahren bekannten Fahrer Gudni (er ist Isländer und arbeitet seit Jahren in Norwegen) war bereits zur Stelle.

 

Und so ging es gemeinsam ans Werk die Schafe zu überzeugen, dass sie in dieses große „Loch“ ziehen sollen. Wir mussten ganz schön kämpfen bis alle im Auto waren.

 

 

Ein trauriger Anblick die Tiere im Auto stehen zu sehen mit einem Ausdruck in den Augen, … „was denn diese Aktion soll. Wir wollten doch auf eine neue grüne Wiese und nicht in dieses Ungetüm“.

 

 

Das Zusammentreiben der Schafe und das weitere Einsetzten in den Transporter nahm lediglich eine halbe Stunde in Anspruch.

 

Im Auto haben wir noch die Lämmer und erwachsenen Schafe mit Clips an den Ohrmarken markiert, die ihren „Mantel angeben werden.

 


Diese markierten Schafe und Lämmer werden vor dem Schlachten nicht geschoren sondern das Fell wird nach dem Schlachten abgezogen und in der Gerberei, die mit der Schlachterei zusammen arbeitet, aufgearbeitet. 


Die Frage nach Rücklieferung von Fleisch hat Liane verneint. Da hängen zu viele Emotionen an jedem einzelnen Schaf.

Jedes Schaf hat seinen Namen und seine Eigenheiten, die gut bekannt und manchmal schmunzelnd oder auch verärgert angenommen wurden.

Ob Merle, Fenja, Dora, Merete, Anna, Maja … und alle anderen Schafmütter und Lämmer, sie würden nie einen „guten Braten“ für Liane abgeben.

 

Der Transporter fuhr weg und die Tränen kullerten nur so raus. 

 

Alle, die heute dabei halfen, die Herde auf ihren letzten Weg zu schicken, schauten dem Auto traurig hinterher.

 

Nur Ralf nicht !

Er war erst gar nicht dabei um zu helfen.

Er verdingt sich jetzt in einer Burger Gärtnerei  als oberster „Farmer“. Seine Funktion als Hausmeister, Gärtner und „Seelentröster“ sieht er jetzt als seine neue Berufung.

Espetveit mit seinen Tieren und Menschen haben keine Bedeutung mehr für ihn. Er ist erst mal gegangen… und wir…, wollen wir ihn zurück ??? 

 

 

Jetzt wird es natürlich sehr ruhig sein bei uns.

Wir vier Damen von Espetveit müssen ein neues Leben finden. 

 

Wir hoffen natürlich, unser zu Hause so lange wie möglich behalten können. Wir lieben die Freiheit, die uns Espetveit bietet. Wir haben jetzt weniger Pflichten und mehr Zeit zum Entspannen und zum Genießen. Wir wollen noch achtsamer und respektvoller mit der Natur umgehen, die Espetveit uns bietet. 

Diese neue Situation ist nicht leicht zu meistern, … aber wir werden es schaffen !!!

In zwei Jahren werden wir voraussichtlich Espetveit verkaufen. Ob es so kommt oder ob wir vielleicht weiter hier bleiben, weiß keiner von uns.

 

Der Zauber der Hoffnung kennt unendlich viele Lichter,

die sich nicht löschen lassen. 

Monika Minder

 

17.08.2018

 

2018 ist wohl nicht unser Jahr

 

Und wieder einen Hiobsbotschaft.

 

Seit gut 3 Wochen hat Thyra einen Hauttumor am rechten Vorderbein.

 

 

Zunächst sah es so aus, als wenn sich ein kleiner Fremdkörper eingekapselt hat. Es hätte auch gut eine Reaktion auf einen Zeckenbiss sein können. Jedenfalls nahmen wir an, dass es sich wieder zurück bildet.

 

Tja, leider ist es nicht der Fall. Da der Tumor sie wohl störte, hat sie ihn ständig geleckt und nach einer Woche Abwesenheit, ist der Tumor deutlich gewachsen und an der Oberfläche aufgebrochen. Das Gebiet um den Tumor ist  verdickt, was durchaus eine normale Reaktion des Körpers auf solche Dinge sein aber auch einen andere Ursache haben kann. 

 

Heute hatten wir einen Termin in der Tierklinik in Kristiansand. Es sollte ein OP-Termin sein, da wir beschlossen hatten, das Ding muss weg. 

 

Nach Untersuchung durch die Tierärztin will diese Thyra nicht direkt operieren.

 

Sie hat Bedenken, dass es nicht heilt wegen der begleitenden Entzündung bzw. kann sie einen bösartigen Tumor nicht ausschließen.

 

Na, ja man kann es auch kompliziert machen, meinen wir.

 

Jetzt bekommt Thyra eine konservative Behandlung.

 

Sie erhält Tabletten METACAM , die über 4 Tage eingenommen werden.

Außerdem haben wir begonnen rund um den Tumor die Haare zu rasieren damit wir lokal mit Salben-Verbänden arbeiten können.

 

Thyra trägt nun ein echt schickes, bauch-freies Sweatshirt um zu verhindern, dass sie weiter an ihrem Bein lecken kann.

 

 

Den nächsten Kontrolltermin haben wir am 27.08.18 in Kristiansand.  

 

 

Eines der enttäuschendsten Dinge im Leben ist wohl etwas in einem Menschen gesehen zu haben, das nie existierte. 

 

 

13.08. 2018 Zwischenbericht

 

Es ist an der Zeit mal wieder etwas von uns hören zu lassen. Leider sind es keine guten Neuigkeiten.

 

Wir beide waren in der ersten Wochen mit uns und unserer Familie beschäftigt.

Liane führte es nach Deutschland zur Einschulung unserer Enkeltochter Marielle.

Ralf hatte ebenfalls familiäre Pflichten, blieb jedoch in Norwegen, allerdings fern von Espetveit.

 

Glücklicherweise hatten Thekla und Per sich bereit erklärt auf Espetveit mit seinen Schafen und unseren drei Mini Aussies aufzupassen.

 

So ging jeder seiner Wege und die Dinge nahmen ihren Lauf.

 

Bereits beobachtet hatten wir Herlinde, die uns neben ihrem Befall mit Fliegenlarven durch Trägheit und Fressunlust auffiel. In den letzten Julitagen fraß die Kleine so gut wie nichts. Bis auf den Fliegenlarvenbefall konnten wir keine Ursache finden, was die Trägheit und zunehmenden Gewichtsverlust erklären konnte. Wir hatte Herlinde entwurmt, gaben ihr Selen und dennoch schien all das ihr nicht zu helfen.

Kurz nach Lianes Abreise fanden Thekla und Per Herlinde am Morgen des 06.August ohne Lebenszeichen unter dem Apfelbaum auf der Wiese über dem Berg.

 

Doch als wenn das nicht schon genug war.

 

Eine weitere schlimmer Nachricht erreichte uns nur wenige Tage danach. Nur 3 Tage nach Herlindes Ableben fanden unsere beiden Hobbybauern die kleine Sophia morgens tot auf der Weide. Sie hatte sich am selben Ort abgelegt, wie zuvor Herlinde.

Dass Sophia in den Schafhimmel gegangen war, traf uns besonders.

 

Sophia war eines der Drillinge von Stine und hatte nachdem die Herde auf die Weide kam musste sie wohl um jeden Tropfen Muttermilch kämpfen. Völlig abgemagert und geschwächt nahmen wir Sophia aus der Herde und stellten sie in den Lammkindergarten. Dort bekam sie regelmäßig Milchersatz zugefüttert. Das ging 2 ½ Wochen und im Alter von knapp 7 Wochen, ging sie zurück zur Herde. Zwischenzeitlich hatte sie noch Gesellschaft von ihrer Schwester Sylvi, die auch für ein paar Tage Sonderbetreuung erhielt.

 

Sophia hatte sich zu einem kleinen aber wohlgenährten Lamm entwickelt.

 

Ihren Tod können wir uns nicht erklären. Nach Aussage von Thekla hatte Sophia sich am Abend abgelegt und wollte nicht mehr aufstehen. Am Morgen danach war sie tot.

 

Das Jahr 2018 meint es wohl nicht so gut mit uns.

 

Der Jahrhundert-Sommer lässt die Wiesen zu Wüsten werden, so dass wir wie in den Wintermonaten Heu dazu füttern müssen.

Gott sei Dank hatten wir noch Reserve von den Heurundballen vom letzten Jahr. Unsere Schafe werden jedenfalls satt.

 

Während unserer Abwesenheit hatte es kräftigt geregnet hier auf Espetveit. Die Temperaturen liegen jetzt bei angenehmen 24 Grad und es weht ein kühler Lüftchen.

 

Der Regen hat jedenfalls ausgereicht etwas Grün auf die Weiden zu zaubern. Das nächste Regengebiet ist im Anmarsch, so dass unsere Schafherde in diesem Jahr wohl doch noch in den Genuss von grünem Gras kommt. Wir werden sehen.

 

Aufgrund der Verhältnisse von Wetter und Weide haben wir uns entschlossen unsere Herde 3 Wochen früher als gewohnt zur Schlachterei zu senden.

 

Es gehen in diesem Jahr alle, Muttertiere und Lämmer.

 

Ralf hat beschlossen sich nicht länger der Last der Tiere zu beugen und will jetzt mehr an seinem eigenen Wohlbefinden arbeiten.

 

Ein unendlich trauriges Gefühl macht sich breit, … so als ob Espetveit stirbt.

 

Aber allein kann man die Arbeit mit einer Schafherde nicht bewältigen. Es sind doch immer mal wieder 4 Hände notwendig um all` die Arbeit mit den Tieren zu bewältigen,

 

… traurig, aber wahr. 

 

 

Die Taten mancher Menschen beweisen,

dass ihre Worte nichts wert waren