21.07. 2016 Geschafft 

 

Endlich geschafft. Gestern haben wir unser letztes Heu eingefahren.

 

 

 

Und es ist wirklich richtig trocken geworden, so dass ein „Nachtrocknen“ dieses Mal nicht notwendig ist. 

 

In diesem Jahr haben wir die letzte Heuernte durchgeführt. Ab kommenden Jahr werden wir uns dieser vielen Arbeit, verbunden mit Unsicherheit aufgrund des Wetters, nicht mehr aussetzten. Es war das letzte Mal, … wir sind fertig mit „Hand Made“ Heu. 

 

Wir kaufen also im nächsten Jahr mehr mittelgroße Rundballen beim Bauern in Kristiansand. Die zusätzliche Ausstattung für die Lagerung und den Transport ist ja bereits neu angeschafft und so sollten wir sie auch wirklich angemessen ausnutzen.

Damit wird für uns die Arbeit mit unseren Tieren leichter und zeitsparender.

 

Tja, wir werden ja auch  nicht jünger !!! 

 

Die Welt besteht aus drei Dingen:

Glaube, Vertrauen und Feenstaub. 

J.M. Barrie (1860-1937)

 

13.07. 2016 Die lästige Seite des Sommers

Was Abermillionen von Zugvögeln im Sommer nach Skandinavien zieht, wird Mensch und Tier oft zur Last.

 

Wir Menschen können uns dann in unsere Behausungen zurückziehen. Die Weidetiere sind den Plagegeistern chancenlos ausgesetzt. Die Rede ist von Insekten und hier insbesondere den Kriebelmücken, die man in Norwegen „Knott“ nennt.

 

Diese Winzlinge machen den Tieren das Leben zur Hölle. Gerade hatten die Tiere mit dem Erwachen des Frühlings ein paar schöne Tage auf der Weide gehabt und schon naht der Sommer und mit ihm die zahllosen Plagegeister. Die Pferde rennen hastig auf die Wiese, um schnell ein paar Bissen Gras zu reißen und gleich darauf wieder in den Stall zu galoppieren. Unsere Pferde haben jedenfalls diese Möglichkeit.

 

Die Schafe können sich dem Ungemach allerdings nicht entziehen. Sie schützt an den meisten Stellen des Körpers zwar ihr dichtes Fell, Augen und Ohren sind jedoch ihre Problemzonen und dort greifen die „Knott“ an.

 

Bei den meisten Tieren passiert erstaunlicherweise nicht viel, einige bekommen jedoch ein juckendes Ekzem und beginnen sich wild an Bäumen oder an Felssteinen zu scheuern, um den Juckreiz ein wenig zu stillen. Dabei kommt es immer wieder zu kleinen Schürfwunden, was noch mehr Insekten anlockt und den Teufelskreislauf in Gang setzt.

 

Ein besonderer Schwachpunkt sich die Löcher in den Ohren die durch die Ohrmarken entstehen. Die Kriebelmücken setzen sich dort fest und verursachen eine Infektion. Wird es von uns Menschen nicht rechtzeitig bemerkt, was eigentlich immer der Fall ist, nimmt das Unglück seinen Lauf. Im besten Fall reißen sich die Schafe beim Schrubben die Ohrmarken heraus. Dann bleibt ein großes Loch zurück und die Wunde heilt ab. Im schlechtesten Fall bläst die Infektion das Ohr auf, so wie einen kleinen Luftballon. Die Ohrmarken graben sich dann auf der Außenseite unter die Haut und es bildet sich ein Abszess mit massiver Eiteransammlung in der gesamten Ohrmuschel. Auch wenn man es rechtzeitig mitbekommt und es gelingt die Ohrmarke zu entfernen, damit den Abszess zu entlasten, bleibt nur die Notschlachtung.

 

Wenn die Tiere draußen auf der Sommerweide sind, ist es extrem schwierig so einen Schaden zu pflegen. Man muss dazu die gesamte Herde ins Gatter treiben und dann das betroffene Tier behandeln. Das geht vielleicht zwei bis drei Male gut, danach folgen die kranken Tiere der Herde nicht mehr und isolieren sich von ihr. Entweder sie überstehen die Infektion oder sie legen sich zum Sterben an einem stillen Ort fern der Herde ab.

 

Noch problematischer ist die Behandlung der Schafböcke. Sie stehen im Sommer vom Rest der Herde isoliert und sind noch dazu sehr kräftige Burschen. Unsere beiden Jungs, Torben und Holger, wiegen etwa 90 kg. Sie lassen sich wirklich nur einmal fangen, und auch nur, wenn man sie mit Futter lockt. Darum gehen wir den ganzen Sommer lang einmal am Tag mit Kraftfutter zu ihnen. Es ist unsere einzige Chance sie daran zu gewöhnen und im Herbst damit auf den Hänger zu locken und sie wieder in den Schafstall zu bekommen.

Andernfalls müssten wir für sie extra ein Schleusengatter bauen. Für unsere Verhältnisse, ein riesiger Aufwand.

 

Leider ist einer unserer Böcke, nämlich Torben, von den Insekten heimgesucht worden. Er bekam einen schlimmen Abszess und ließ uns auch nur ein einziges Mal an sich heran und nach seinem Ohr schauen. Für die allerletzte Chance ihn  mit dem Futter als Lockmittel zu fangen, mussten wir uns entscheiden, was  dann definitiv zu tun ist.

 

Die Entscheidung war nicht einfach aber logisch und richtig. Wir haben ihn zusammen mit seinem Freund Holger auf den Hänger verfrachtet und zum Schlachthof gefahren. Die beiden Böcke waren erst drei Jahre alt und hätten sicher noch für zwei weitere Jahre bei der Herde bleiben können. Solch eine schlimme Infektion heilt aber ohne konsequente Behandlung nicht aus.

Ja, und Holger allein auf der Weide, das wäre nicht gut gegangen. Auch ein Tier braucht einen Freund, genau wie wir Menschen. Deshalb entschlossen wir uns, beide Schafböcke nach Lillesand zur Schlachterei zu fahren. Im Herbst werden dafür zwei von unseren "Lämmer-Jungs" bleiben und die Nachfolge von Holger und Torben antreten.

 

 

Es war kein gutes Gefühl, die beiden in der Schlachterei abzuliefern. Mit gedrückter Stimmung und einem flauen Bauchgefühl fuhren wir wieder nach Hause.

 

 

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist,

immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.  

 

Dietrich Bonhoeffer

 

09.07. 2016

 

Zu Besuch beim König

des Waldes 

 

Unser heutiges Ziel lag ganz in der Nähe von Espetveit.

 

Schon oft hatten wir uns vorgenommen „Elgtun“ im Landeskogen von Bygland zu besuchen.

 

Jetzt sollte es Realität werden.

 

Ein besonderer Anlass war die Geburt von Zwillingskälbern Ende Mai im Elgtun.

 

Wir waren also sehr gespannt. 

 

 

 

Natürlich hatten wir schon etliche Male auch auf unserem eigenen Grundstück Elche gesehen. Man kam für gewöhnlich aber nicht allzu Nahe an diese riesigen Waldbewohner heran.

 

So starteten wir am Vormittag in Richtung Byglandfjord. Unsere „Mädels“ Neele und Thyra waren natürlich auch mit von der Partie.

 

Nach ca. einer ¾ Stunde Fahrtzeit erreichten wir Landeskogen und damit das Elgtun.

 

Im Elgtun sind alle dort lebenden Tiere zahm. Das Motte des Elchhofes lautet:“Näher kommen sie nie!“

 

 

Im Empfangsgebäude bekommt man die Tickets, dort kann man Souvenirs kaufen aber auch eine Kleinigkeit essen.

 

Auf dem Elgtun gibt es auch einen großen Grillplatz, wo es sich Reisegruppen gemütlich machen können. Es gibt dort Grillwurst und Gehacktesklops aus Elchfleisch zu kaufen, welches dann selbst auf dem Grillplatz zu bereitet werden kann. 

Wir haben unsere Eintrittskarten gekauft und konnten unmittelbar bei der Fütterung der Kälber dabei sein.

 

Es sind zwei Bullenkälber, hier auf dem Elgtun am 30.05.2016 geboren und schon so groß wie ausgewachsene Rehe sind. Olga ist die Mutter und Olvar der Vater der beiden prächtigen Jungs.

 

Sie bekamen große Nuckelflaschen mit Milchersatz, welcher auch bei der Aufzucht von Lämmern benutzt wird. Die beiden haben die Flaschen genauso gierig verputzt, wie wir es von unseren Flaschenlämmern gewöhnt sind.

 

Man konnte sie bei der Fütterung streicheln. Aber auch danach waren sie nicht scheu. Sie haben sich inmitten der kleinen Gruppe von Besuchern bewegt und alsbald auf ihre kuscheligen Schlafplätze mit frischem Heu begeben. Nach einer guten Mahlzeit wird man eben müde.

Jetzt sollten sie auch wieder in Ruhe gelassen werden.

 

 

Die Kälber haben ihr eigenes Gehege. Erst wenn sie groß genug sind und keine Milch mehr brauchen werden sie mit den anderen Bewohner des Elgtuns zusammen gebracht.

 

Was wird wohl aus ihnen einmal werden? Wir hoffen sie dürfen lange leben und werden sicher an einen Tierpark oder eine ähnliche Einrichtung wie den Elgtun verkauft.

 

 

Die Fütterung der Kälber war ein tolles Erlebnis.

 

Die erwachsenden Tiere werden 3 x täglich zu festen Zeiten gefüttert. Dieser Fütterung kann man beiwohnen.

 

Wir hatten heute noch eine Stunde Zeit bis zur Fütterung um 14:00 Uhr. Dann sollten die Besucher ins Freigehege gelassen werden und direkten Kontakt zu den Waldriesen bekommen. 

 

Wir haben die Zwischenzeit zu einer kleinen Wanderung auf einen der Gipfel am Rande des Inland-Fjordes genutzt.

 

Unsere Beiden Hunde hatten brav im Auto gewartet. Sie waren jetzt happy mit uns auf Tour zu gehen. Das Wetter war herrlich.

 

Unterwegs trafen wir noch eine zahme Ziege , die hier auf dem Gelände des Landeskogen unterwegs ist.

 

Nach ein paar Metern Schotterwaldweg ging ein schmaler Pfad in den Wald. Der Pfad führte einen Südhang hinauf. Es war einer der vielen Wanderpfade, die zum „Helselag“ (Erholungsgebiet) um den Byglandsfjord gehören. Hier an den warmen Südhängen, waren sogar die Blaubeeren schon reif.

 

Oben angekommen gab es eine phantastische Aussicht. Wir machten von der „Postkartenlandschaft“ ein paar Erinnerungsfotos und sind dann zügig wieder hinunter gelaufen, um pünktliche bei der Fütterung zur Stelle zu sein.

 

Das Elchgehege ist ziemlich groß und alles ist sehr ordentlich zurecht gemacht.

 

Und dann schlug die Uhr 14:00 Uhr. Endlich war es soweit.

 

 

 

Zunächst waren wir und die anderen „Zaungäste“ noch von den Elchen durch Futtertröge getrennt.

 

 

Die Elche kennen diesen Augenblick ganz genau, besser gesagt, sie lieben ihn wahrscheinlich! Jetzt gab es nämlich Bananen aus den Händen der Touristen und da kommt bei allen Beteiligten große Freude auf.

 

Bei der Fütterung waren zwei Tierpfleger zugegen, wovon einer ein Deutscher war. Die beiden Pfleger haben das Geschehen gesteuert und alles Wissenswerte über die Elche berichtet. 

 

Nach der Bananenvorspeise wurden wir durch eine Schleuse ins Gehege gelassen.

 

Olga und Orvar , Eltern der Zwillingskälber
Olga und Orvar , Eltern der Zwillingskälber

 

 

Jetzt bekamen die Elche einen Mix aus rohen Kartoffeln, Weintrauben, Äpfeln und Frischgemüse in einem Trog „serviert“.

 

 

 

 

Aber jetzt konnten wir nicht nur nahe bei ihnen stehen, nein, wir konnten sie sogar streicheln,... „klappe på elgen“, wie es die Norweger nennen. 

 

Das Besondere und unerwartete war, dass sie überhaupt nicht unangenehm rochen. Im Gegenteil, ihr Geruch war sehr dezent und angenehm. Sie zogen auch so gut wie gar keine Insekten an, was sonst in Norwegen im Sommer auf den Tierweiden eine echte Plage ist.

 

Die Elche haben ein borstiges Fell, was in den Sommermonaten und insbesondere an warmen Tagen von Fett durchtränkt ist. Man kann sich damit hervorragend die Haut einreiben. Das Fett soll bei Schuppenflechte ein gutes Heilmittel sein. Es zieht jedenfalls sehr gut ein und man nimmt den angenehmen Geruch der Tiere noch stundenlang danach war.

 

Diese Begegnung mit dem „König des Waldes“ war einfach überwältigend. Die Elche sind fast so groß wie unsere beiden Pferde und waren ebenso zutraulich wie diese. Das hatten wir so nicht erwartet.

 

Es war ein phantastisches Erlebnis.

 

Wir können jedem , der hier im Setesdal unterwegs ist, den Elgtun nur wärmstens empfehlen. Es ist für Groß und Klein eine sehr spezielle Erfahrung.

Man muss das Glück unterwegs suchen, nicht am Ziel,

… da ist die Reise zu Ende.

(deutsches Sprichwort)

 

07.07. 2016 

 

Das erste Heu ist drin

 

 

 

Unser Lofotenurlaub ist vorüber und nun wartete wieder der Bauernhofalltag auf uns.

Die Heuernte wollen wir noch innerhalb unseres 4 wöchigen Urlaubs abwickeln. Aber wir brauchen natürlich trockenes, warmes Wetter.

 

Nachdem der Regen vor 4 Tagen abgezogen war und der Wetterbericht nur noch Sonnenschein prognostizierte, mähten wir die erste Wiese am Stück. Wir dachten dass 4 Tage schönes Wetter ausreichend sein sollte um das Heu in diesem Jahr trocken rein zu bekommen und zwar ohne große zusätzliche Trockenaktionen.

 

Das war am Montag dieser Woche. Am Dienstag prophezeiten die „Wettergötter“ Regen für Donnerstag. Wir waren pappe satt. Zwei Tage Trockenzeit ist nicht genug. Das hieße wieder viel, viel Arbeit zusätzlich zum Mähen, Wenden und Einfahren.

 

Am Mittwoch war plötzlich aller Regen in der Vorhersage „weg geblasen“ und so waren wir guter Dinge. Wir planten für Sonnabend das Einfahren des Heus.

 

Doch der „Wettergott“ änderte abermals seinen Sinn. Heute Morgen waren erneut Regentropfen auf der Vorhersage-Grafik. Der Regen sollte bei uns gegen 14:00 Uhr eintreffen.

 

Also hoch vom Frühstückstisch und ran ans Heu.

Um 08:30 Uhr starteten wir die Aktion und um 14:30 Uhr fuhren wir mit der letzten Fuhre bei leichtem Nieselregen in den Schafstall.

Alles Heu war drinnen, allerdings mit erneuter "Extratrockenaufgabe".

 

Ein Teil liegt bereits ausgebreitet auf dem Heuboden. Der größere Anteil liegt im Schafstall auf dem Betonboden ausgebreitet. Ein geringerer Anteil unseres ach so wertvollen Heus, wird wieder in den Schafboxen durch Ventilatoren, die unter dem Streckmetall stehen, getrocknet.

 

Die Menge muss nun erst trocknen. Weiteres Gras steht noch auf der zweiten Wiese und wartet auf den Schnitt.

 

Leben ist das, was deine Gedanken daraus machen. 

 

Mark Aurel

 

02.07. 2016

Wir haben`s getan

 

Es steht fest, wir geben die Schäferei nicht auf.

 

 

Unseren Pferdeanhänger haben wir über das Portal "www.finn.no" verkauft. Szindy und Bandy brauchen keinen Hänger mehr. Sie sind alt geworden und bekommen ihre Pension. Sie werden nicht mehr geritten oder dazu herumgefahren.

Der Pferdhänger ist für den Transport großer Heuballen auch zu klein. Damit gab es für ihn keine Verwendung mehr. Innerhalb von zwei Stunden war er bereits verkauft. 

Noch am gleichen Tag haben wir einen großen Anhänger, sowie Zubehör für den Traktor bestellt. Einen Ballenspieß, um die 200 kg schweren Heuballen abladen zu können und eine Gabel, um die Ballen im Schafstall zu stapeln.

 

Heute holten wir den Hänger ab. Der Traktorservice-Mann hatte bereits das Zubehör für den Traktor anfang der Woche geliefert.

 

Die erste Fuhre ging heute von Kristiansand zu uns. 5 Heuballen a 200 kg können wir maximal laden. Wir benötigen ca. 55 Ballen, d.h. wir werden 11 x fahren müssen.

Aber das ist kein Problem, denn der Heubauer liegt auf dem Weg zu unserer Arbeit. Wir stellen den Hänger morgens auf dem Weg zum Krankenhaus aufs Feld und der Bauer legt uns die 5 Ballen mit seinem Traktor darauf. Am Nachmittag, wenn wir die Heimreise antreten, nehmen wir ihn einfach wieder mit

 

Es war zwar noch einmal eine ganz schöne Investition, aber dafür haben wir es jetzt viel leichter. Früher mußten wir 330, 35 kg schwere Heuballen  mit Muskelkraft auf den Pferdehänger laden, abladen und dann im Stall in 5 Lagen aufeinander stapeln. Das war nicht nur anstrengen, sondern auch ziemlch gefährlich. Jetzt legen wir die Ballen in drei Lagen mit dem Traktor in den Stall, das ist bequem und sicher.

 

Somit hat das, was eigentlich negativ begann, auch seine positive Seite.

 

 

Wer jeden Abend sagen kann:

Ich haben gelebt!“,

dem bringt jeder Morgen einen neuen Gewinn.

 

 

Lucius Annaeus Seneca