31.07. 2015 

 

Heu so wertvoll

wie Gold

 

 

Wie jedes Jahr verläuft unsere Heuernte in zwei Etappen. 

 

Wir haben zwei Wiesen mit insgesamt 1,5 Hektar und ernten zwischen 1,5 und 2 Tonnen Heu. Die Wiesen sind Hanglagen und nicht leicht zu bearbeiten. Es wird nicht gedüngt, nur gekalkt.

Nach der Ernte kommen die Schafe zweimal für 14 Tage auf die Wiesen und bearbeiten und düngen sie auf natürliche Weise.

Einen Traktor können wir nicht benutzen. Gemäht wird mit einem kleinen Kreiselmäher hinter den man hinterherlaufen muss und gewendet wird von Hand. Mit einem kleinen Holder und selbstgebauten „Miniheuhänger“ bringen wir das kostbare Gut ein. Es wird in eine Plane verfrachtet und mit einem Seilzug auf den Heuboden gezogen. In die Plane passen 20 kg Heu, was einem guten herkömmlichen Heuballen entspricht.

 

Ein Teil der Wiese liegt an einem Südhang und der andere auf der Schattenseite. Dort liegt oft noch bis Mitte Mai der Schnee. Da die Ernte mit sehr viel körperlicher Arbeit verbunden ist, kommt uns der Umstand des verzögerten Vegetationsbeginns auf der einen Seite der Wiese sehr entgegen. Die Ernte auf der Südseite der Wiese geht recht flott. Dort ist das Heu nach spätestens drei Tagen trocken. Anfang Juli haben wir eigentlich immer eine Schönwetter-Periode. Später wird es oft problematisch, da sind fünf Tage ohne Regen sehr selten und dummerweise trocknet das Heu auf dem Schattenhang nur sehr langsam. In diesem Jahr mussten wir es schon nach zwei Tagen einfahren, da die Wetterfrösche Märchen erzählt hatten. Der Regen war schneller als die Wettervorhersage.

 

Ja was sollten wir mit einer Tonne halb trockenem Heu nun anfangen? Es einfach aufgeben, kam nicht in Frage. Auf dem Heuboden wird es schimmlig, kann im schlimmsten Fall sogar heiß werden und anfangen zu brennen. Wir haben kurzerhand den Schafstall zu einem Trockenraum umfunktioniert. Da wir den Schafstall jedes Jahr mit dem Hochdruckreiniger penibel reinige war das leicht möglich und auch nicht unhygienisch. Die Schafe stehen bei uns noch auf herkömmlichen Streckmetall. Unter den Streckmetallfeldern liegt ein langer Tunnel für den Dung. Wir haben zwei von diesen Tunneln. Glücklicherweise lassen sich die Schafboxen mit Rolltoren verschließen. Das ist hier wegen der enormen Kälte im Winter so konstruiert.

 

Wir haben also unser Heu auf das Streckmetall getan, vor jeden Tunnel einen Heißlüfter gestellt. Die Rollentore wurden genau bis in Höhe des Streckmetalls geschlossen und die Ventilatorentlüftung im Stall auf maximal gestellt. So wurde das Heu prima belüftet und war nach 3 Tagen perfekt trocken. Die Heizlüfter haben wir sicherheitshalber in einen Käfig mit feinem Maschendraht gesteckt. Da beim Wenden immer ein wenig Heu durch das Streckmetall fällt, könnte es sich theoretisch entzünden. Der Abstand der Lüfter zum Heu war mit über einem Meter allerdings viel zu groß, um Schaden anzurichten und außerdem blasen sie das Heu weg und saugen es nicht an. Die ausströmende Luft, direkt am Lüfter gemessen, hatte eine Temperatur von 70°C, also völlig ungefährlich. Außerdem haben wir die Geräte getestet. Sie werden mit Kraftstrom betrieben und haben sehr dicke Heizstäbe, die nicht glühen und mit sehr feinmaschigen Stahlnetzen abgesichert sind. Es ist uns nicht gelungen, damit Heu oder Papier zu entzünden. Dennoch glauben wir, dass die Feuerwehr etwas gegen diese Art des Heutrocknens hätte und wir waren sehr froh, als alles fertig war.

 

 

Ein toller Nebeneffekt war übrigens ein hoher Ertrag an Grassamen. Durch das Wenden auf dem Streckmetall ist der Samen durch dieses riesige Sieb gefallen. Wir haben ihn zusammengefegt und in alte Futtersäcke getan. Es kamen immerhin 12 Säcke zusammen!

 

Der Anteil des Heu`s , welchen keinen Platz auf unserer "Trockenanlage" hatte, bugsierten wir jeden Tag zum Trocknen nach draussen auf den Hof. Da wo die Sonne den ganzen Tag wärmte, lag es seelenruhig so vor sich hin, bekam während dieser Aussenzeit mehrere "Streichelenheiten" mit der Heugabel durch das Wenden und am frühen Abend "spazierte es wieder in den Schafstall zur Nachtruhe. War es ausreichend getrocknet zogen wir es gleich hoch auf den Heuboden. 

 

Alles in allem ist unser Heu in diesem Jahr durch den enormen Arbeitsaufwand, mit den vielen Stunden des Wendens, hoch, runter und wieder hoch zum Heuboden sowie durch den Heißlüftereinsatz, so wertvoll wie Gold.

Wir hoffen es war eine einmalige Sache.

 

Es gibt eine schöne Offenheit,

die sich öffnet wie eine Blume: nur um zu duften.

 

 

Friedrich von Schlegel

 

17.07. 2015

Das erste „Handmade-Heu" ist drinnen


Wir können es kaum zu glauben, aber wir haben unser erstes Heu wirklich trocken rein bekommen.

Gestern, nach der Arbeit ging es los. Alles in allem waren es 7 Stunden die wir auf der Wiese standen. Zusammenhaken, … auf Rolle ziehen, … aufladen, … mit dem Holder und vollem Hänger runter fahren zum Schafstall, … Heu runter ziehen , … nach hinten verteilen … und wieder los. Gegen Mitternacht waren wir endlich fertig, … völlig geschafft und tot müde. Die Nacht zum heutigem Tag war damit etwas kurz geraten, denn um 05:30 Uhr ging es schon wieder raus.

Doch die Plackerei hat auch ihr Gutes .

Unsere Schafe können in der kommenden Saison wieder genüsslich unser „Handmade- Heu" kauen und träumen dabei sicher von der grünen Sommerwiese. Es kommt einem manchmal jedenfalls so vor, wenn man ihnen beim Fressen der Nachtmahlzeit zuschaut. Wenn das Heu ausgeteilt wird, ist es mucksmäuschenstill im Schafstall. Man hört nur die Kaugeräusche unserer Wollknäule. Eine Nadel, die ins Heu fällt, könnte man sicher hören.


Jetzt ist es Abend , 20.00 Uhr und es hat begonnen zu regnen. Die Temperaturen sind nicht als optimales „Heuwetter“ zu bezeichnen. Mit gerade mal 10 Grad erinnern sie mehr an den Beginn des Herbstes.

Wir warten auf die nächste wärmere Periode und werden dann mit dem Mähen der zweiten Wiese starten. Vielleicht haben wir Glück und sind vor unserem diesjährigen Sommerurlaub mit der Heuernte fertig. 

 

An kleinen Dingen muss man sich nicht stoßen,

wenn man zu großen auf dem Weg ist.

 

Friedrich Hebbel

 

 

 

 


14.07.2015

Nun geht es an`s Eingemachte


Wir haben Mitte Juli und das Wetter ist nach wie  vor instabil. Wir dachten dass wir sicher einer längeren Periode mit sonnigen, regenfreien Sommerwetter bekommen, doch es sieht nicht so aus

Gestern haben wir die erste Wiese gemäht und hoffen das Heu einigermaßen trocken rein zu bekommen. Wir haben allerdings nur 2 Tage zum Trockenen draußen, dann soll es wieder Regen geben.  

Ralf hat auch noch Dienst in dieser Woche und von der Arbeit können wir auch nicht früher weg, da dort viel ansteht.  Also läuft die Heuernte in diesem Jahr nebenher, mit viel  Zeitdruck und teilweise „ein-Mann-Arbeit“. Wir brauche das Heu und Jammern hilft uns nicht weiter, …wir müssen da durch.

Inzwischen haben wir auch knapp 200 Rundballen Heu aus Kristiansand geholt. Gut 100 fehlen noch. Auch dem Bauer in Kristiansand spielt das Wetter nicht so wirklich gut mit. Also haben wir Geduld und holen die restlichen Rundballen, wenn das Wetter eine weitere Ernte zulässt.

Die Rundballen stapeln wir im Schafstall seitlich auf. Es stehen immer 5 Ballen aufeinander, wobei jeweils die dritte Lage mit einem Gurt an der Wand gesichert ist. Vor 2 Tagen ist die linke Seite der Ballenreihen weggekippt, so dass wir neu ausrichten und stapeln mussten. Tja, so schnell hat man doppelte Arbeit. Die Ballen sind in diesem Jahr nicht gut gepresst und sehr instabil in sich selbst, damit ist es für uns auch nicht so einfach die entsprechende Position von Ballen auf Ballen zu finden, so dass der „Ballenturm“ in sich selbst steht. Nun gut, jetzt stehen sie wieder und wir hoffen, dass die Türme halten bis zu dem Tag, wo wir sie herunter holen um unsere Schafe damit zu füttern. 

Ach wenn du das Gras wachsen hörst, fährst du keine bessere Heuernte ein.

Fritz-J. Schaarschuh 




04.07. 2015 Alle sind gesund und munter

 

Heute am Sonnabend war es endlich so weit. Wir hatten Zeit und das Wetter spielte mit, um unsere Schafherde in den Ferch zum Entwurmen der Lämmer zu treiben.

In diesem Jahr war es bereits das dritte Mal, dass wir alle im Ferch versammelten. Es ging mehr oder minder ohne viel Aufregung ins Gatter. 

 

Jedes Lamm bekam 5 ml Imovec  in die Schnute gespritzt. Dazu benutzen wir eine große Blasenspritze (aus der Humanmedizin) mit einem Fassungsvermögen von 60 ml. Als Applikator funktioniert ein abgeschnittener Frauenkatheter mit einer Länge von noch 6 cm. Die Spritze ist viel leichter zu handhaben als der übliche  Plastikbehälter mit dem angeschlossenen Metallapplikator. Für die Lämmer ist es jedenfalls angenehmer einen weichen Katheter zwischen die Zähne geschoben zu bekommen als diesen derben starren Metallapllikator, wie wir ihn bei den erwachsenden Schafen benutzen. 

 

Bei dieser Entwurmaktion haben wir gleichzeitig jedes Lamm betrachtet und alle als gesund  und wohlgenährt  befunden. Natürlich variieren Größe und Gewicht um etliches aber das ist ganz normal, da zwischen den erst- und letztgeborenen Lämmern fast 6 Wochen liegen. 

Unser Moritz holt weiterhin sein Fläschchen am Morgen und am Abend. Wir haben inzwischen die Trinkmenge reduziert, so dass er jeweils 500 ml trinkt. Camilla, Reni, Michel und Manuel gehen weiter an den Trinkeimer. Auch dieser wird nur noch 2-mal am Tag mit jeweils 4 l Milchersatz aufgefüllt. Camilla kann sicher inzwischen auch ohne Milchersatz auskommen, doch Reni die eines der kleineren Lämmer ist, sollte noch wenigstens 14 Tage den Zugang zum Milcheimer haben. Michel, der kleinere von Meretes Zwillingen, hängt auch regelmäßig  am Eimer und schlägt sich den kleinen Bauch gut voll. 

 

Von nun an werden wir in kurzen Abständen die gesamte Herde eintreiben. Wir müssen die Lämmer auf Fliegenlarven kontrollieren. Es ist jetzt sehr warm und feucht draußen, und somit haben die Fliegen gute Voraussetzung um ihre Eier  ins Fell abzulegen. Vielleicht können wir damit einen ausgeprägten Larvenbefall umgehen und rechtzeitig eingreifen. 

 

 

Viel Kälte ist unter den Menschen,

weil wir es nicht wagen, uns so herzlich zu geben wie wir sind.
                                                                                        Albert Schweitzer