Jahresrückblick auf 2014

 

2014 hatten wir mehrere Anfragen bezüglich eines Praktikumsplatzes auf unserem Hof, welche wir allerdings ablehnen mussten. Unser Bauernhof ist offiziell als “produzierender” Hof registriert. Allerdings sind wir kein anerkannter Bio-Bauernhof, wie einige unserer HP-Besucher annehmen. Das geht schon allein deswegen nicht, weil wir wegen des vielen Schnees im Winter keinen Auslauf für unsere Schafherde garantieren können. Wir führen unseren Hof basierend  auf unseren Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit durch positives und negatives Erleben gesammelt haben. Wir haben uns sozusagen autodidaktisch in diese Aufgabe hineingearbeitet. Selbstverständlich halten wir uns an staatliche Vorgaben und führen jährlich eine dokumentierte Eigenrevision durch. Bei einer Kontrolle unseres Hofes durch die lokale Aufsichtsbehörde bekamen wir die bestmögliche Beurteilung, was uns sehr stolz machte.

 

Liane hat ihr Fernstudium in Tierhaltung und Tierpsychologie im Januar letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen. Damit haben wir ein solides theoretisches Grundwissen zur Verfügung, welches im Umgang mit unseren Tieren sehr nützlich ist. Dieses Studium hat dazu geführt, unsere Tiere aus verschiedenen und neuen Perspektiven  zu betrachten und unser Verhalten im Umgang mit ihnen zu verändern. Wir können sie in ihrem Sein besser verstehen. Die neuen theoretischen Erkenntnisse ließen uns aber auch erschaudern, wie etwa bezüglich der gesetzlichen  Vorgaben für die “Tier Produktion” in Deutschland. Es werden beispielsweise nicht nur in Deutschland, sondern weltweit Puten "produziert", die nicht mehr auf ihren eigenen Füssen stehen können. Sie werden abartig gemästet und nur noch als „Essobjekte“ gesehen. Einziges Zucht- und Mastziel ist eine übergroße Putenbrust, die die Tiere aus dem Gleichgewicht bringt, so dass sie sich nicht mehr auf den eigenen Beinen halten können. Oder Kälber die sich gegenseitig “wund saugen”, weil sie zu früh von ihren Müttern getrennt werden. Diese Erkenntnisse durch das Studium und viele Medienberichte haben uns den Entschluss fassen lassen, kein Fleisch mehr aus Massentierhaltung zu kaufen. Wir werden deshalb nicht gleich zum Vegetarier, aber wir gehen bewusster mit unserem Fleischkonsum um.

 

Wir selbst versorgen jedes Jahr etwa einhundert norwegische Familien mit Lammfleisch aus artgerechter Haltung. Das Fleisch ist sicher sehr teuer, doch die Menschen, die es verzehren, können es mit ruhigem Gewissen tun. Unsere Lämmer haben ein gutes Leben hier auf den Weiden von Espetveit. Sie werden bis zum Schlachttermin Ende September gut versorgt und auch beim Transport zum Schlachthof artgerecht überführt. 

 

Unsere Lammzeit im April/Mai des letzten Jahres war sehr erfolgreich. Es wurden drei Mal Drillinge geboren. Allerdings mussten wir den kleinen Sohn von Største am 2.Lebenstag gehen lassen. Trotz intensiver Bemühungen, konnten wir ihn am Leben erhalten. Maxi hatte nicht ausreichend Milch für ihre drei Lämmer, so dass als erstes Mads und dann auch seine Geschwister Mathes und Marit Flaschenlämmer wurden und damit den Lammkindergarten auf Espetveit füllten. Ebenfalls zogen Lupo, Luis und Lars in den Kindergarten ein. Lilo nahm, wie bereits im letzten Jahr ihre Lämmer nicht an. Laila „hatte keinen Bock“  auf ihren Sohn Lupo und kümmerte sich ausschließlich um ihre Tochter Lila.

Wir mussten hilflos mit ansehen, wie zwei unserer Mutterschafe auf der Weide starben. Største verstarb innerhalb weniger Stunden an einer sich rasant entwickelnden Sepsis im Zusammenhang mit einer Euterentzündung. Damit hatten wir 2 Lämmer mehr im Kindergarten, nämlich Suse und Stine.  Klara bekam Darmprobleme/Durchfall und fraß nicht mehr, so dass sie immer mehr abmagerte und letztlich zu schwach war sich innerhalb und mit der Herde zu bewegen. Schweren Herzens entschlossen wir uns, sie von ihrem Leiden zu erlösen. Damit waren Kira und Karo ohne Mamma und wurden ebenfalls in den Lammkindergarten aufgenommen. 

 

Bangen und Angst machte uns Neele im April/Mai. Unsere Neelemaus hatte einen Tumor am Zahnfleisch des Unterkiefers entwickelt. Zwei Operationen musste unser Hundemädchen über sich ergehen lassen. Mit der zweiten Operation hatte der Tierarzt ihr einen Teil des Unterkieferknochens und alle unteren Zähne im Frontbereich radikal entfernen müssen. Sie hatte einen embryonalen Tumor des Knochens , der zwar nicht als Krebs definiert wird, sich allerdings in seinem Wachstum wie Krebs, nämlich Gewebe zerstörend, verhält. Es war ein akantomatöses Ameloblastom. Es war eine aufregende Zeit und die Angst saß uns im Nacken, dass wir eventuell unser kleines Mini Aussie Mädchen verlieren könnten. Neele hat beide Operationen gut gemeistert und sich ihrer neuen Situation prima angepasst. Man merkt ihr nichts mehr an. Dank der kieferchirurgischen Kunst des Tierarztes, ist ihr Handicap auch kaum zu sehen. Sie ist ihrem “Ich” treu geblieben und uns "wertvoller" denn je.  

 

Ebenfalls im Mai 2014 mussten wir Sharah über die Regenbogenbrücke ziehen lassen. Sie war inzwischen 13 Jahre und hatte ein erfülltes gutes Leben gelebt. Dennoch tat es weh eine liebenswerte Freundin und unser "Herz auf vier Pfoten" gehen zu lassen.  

 

Der Sommer war im letzten Jahr phantastisch. Viele, viele Sonnenstunden bescherten uns eine gute Heuernte. Wir und alle unsere Tiere genossen die Sommerzeit in vollen Zügen. Wir waren in unserem Badeteich vor dem Haus und oben am Laugtsjøn so oft baden, dass wir fast Schwimmhäute an den Händen und Füßen bekommen haben. 

 

Der Herbst war dagegen total verregnet. Aber wir haben ja viele Regenjacken und Gummistiefel, so dass wir uns entsprechend angepasst haben. Mads, unser Sorgenkind  konnte Ende September als neuer Zuchtbock in einen andere Schafherde umziehen. Wir verabschiedeten uns von 9 erwachsenden Schafen, die zusammen mit den Lämmern von Frühjahr über die Schlachterei in den Schafhimmel zogen. Es war nicht einfach, sich von den älteren Damen zu trennen, da wir diese 2008 als Lämmer gekauft hatten und sie die Grundlage für die eigene Schafzucht schufen.   

 

Der Winter wollte lange nicht kommen. Eine für uns unendlich lange Regenzeit, bestimmte bis kurz vor Weihnachten unser Wetter. Der Besuch von Meister Isegrim auf Espetveit machte den Dezember nochmals spannend für uns. Unsere Szindi sorgte ebenfalls für ein Wechselbad der Gefühle

 

2014 "rundete"  Ralf seine Lebensjahre auf und damit bekamen wir reichlich Besuch im Dezember. Kurz vor dem Weihnachtsfest kam endlich auch die weiße Pracht über Espetveit. Wir hatten eine märchenhafte "Weiße Weihnacht" bei Sonnenschein und Pulverschnee.

 

Zum Jahreswechsel zeigte der Winter uns allerdings seine “warme Schulter” und verschwand wieder kurz vor Eintreffen des Neuen Jahres.  

 

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