20.02.2015 Es werde Licht auf Espetveit

 

 

Gegenüber unserem Haus erhebt sich in Richtung Süden ein sehr steiler, etwa achtzig Meter hoher Bergkamm. Er beginnt nur wenige Meter vom Hof entfernt direkt parallel mit dem Schotterweg, der hoch zu unserem Hof führt. Entlang des Weges stehen auf der Südseite uralte ausgewachsene Fichten. Die Fichten werfen vormittags und der Bergkamm mit seinen riesigen Kiefern nachmittags, lange Schatten. Dadurch haben wir von Ende Oktober bis Mitte März kaum Sonne auf der Terrasse. Man sieht sie nur hinter den großen Bäumen entlang des Bergkammes wandern.

Wir dachten oft, „wie schön wäre es, wenn diese Baumriesen endlich einmal verschwinden würden“. Da der Wald und die Hälfte des Weges Pål gehören, waren uns die Hände gebunden.

Doch im vorletzten Frühjahr „ haben wir Pål endlich auf dem richtigen Bein erwischt“. Er stimmte zu, den Wald roden zu lassen.


Schnell kontaktierten wir die Leute von der Forstwirtschaft. Diese planten vor Ort viel und lange, typisch „Normen“, aber kamen eine Ewigkeit nicht in die Gänge. Nach fast 2 Jahren „Reifezeit“ war es endlich soweit.

Es rückten riesigen Maschinen in Richtung Bergkamm. Zuerst kam ein Bagger und bereitete eine Auffahrt durch eine tiefe Felsgruft. Dann folgte endlich der Vollernter. Es war dieselbe Maschine, die schon vor vier Wochen einen kleinen Teil unseres eigenen Walds geerntet hatte.


In einem Gespräch mit den beiden Waldarbeitern, welche diese Maschinen bedienen, erfuhren wir einige interessante Details in Hinblick auf die riesigen Maschinen und die Arbeit mit diesen.

Der Vollernter oder Harvester, heißt mit Namen „Bär“ und wird in Finnland produziert. Er fällt und entastet in einem Arbeitsgang. Seine „bärenstarken“ Kräfte erhält er von einem großen Mercedes-Motor, der 350 PS leistet. „ Der Antrieb dieses Riesens kommt ebenfalls aus Deutschland “ erzählte der Fahrer mit leuchtenden Augen. Sein „Bär“ hat noch einen Bruder, der die gefällten Stämme einsammelt und genauso stark ist. Beide kosten zusammen fast eine Million Euro. Die beiden Waldarbeiter sind die Eigentümer dieser großen Maschinen. Die Anschaffung der Erntemaschinen erfolgte im Zusammenhang mit der Gründung der eigenen Firma (John Haugen Skogsdrift AS Evje) vor 2 Jahren. Bestandteil des Firmenmaschinenparks sind auch zwei Pickup-Geländewagen und ein großer Tieflader-Sattelschlepper der den Transport der Baumstämme zum Sägewerk/Holzfabrik übernimmt.


Den Wald haben die Männer in beeindruckenden Tempo und Manier bearbeitet. Nach nur zwei Tagen liegen nun 250 Kubikmeter Holz am Wegrand bereit zum Abholen.

Die Stämme sind sortiert, farblich an den Schnittstellen gekennzeichnet und genau abgemessen. Die zweite Messung des Holzes erfolgt dann im Sägewerk oder der Messstation bevor es in den Export geht. Es muss alles deckungsgenau stimmen. So geht man sicher, dass kein Holz gestohlen wird. Das Exportholz ist für Papierfabriken in Schweden oder Deutschland. Damit es keinen Ladeverlust gibt, ist jeder Stamm 3,5m lang. Die Hölzer für die Verarbeitung im Sägewerk sind allesamt astfrei und dürfen 4,5m lang sein. Sie sind das wertvolle Holz.

Hölzer von Bäumen mit einem Abbruch der Krone in ihrer Lebensgeschichte sind minderwertig. Sie gehen teilweise auch in die Industrie für rustikale Möbel.

 

Alle diese Dinge erfuhren wir bei unserem Besuch der Männer an ihrem Arbeitsplatz. Wir haben uns durch den meterhohen Schnee zu ihnen auf den Berg gekämpft. Mit uns „wanderte“ ein Korb gefüllt mit einer Thermoskanne voll Kaffee und ein paar Keksen. John und Kåre, die beiden Waldarbeiter, haben sich sehr gefreut und herzlichst dafür bedankt.

Wie „durch ein Wunder“ ging genau in diesem Moment der Himmel auf.

Bergab, durch den gerodeten Wald sehend , konnten wir nun sehr gut auf unseren Hof blicken. Er liegt weit unten im Tal und eigentlich hat der Anblick nichts Besonderes, wenn es nicht bereits Nachmittag gewesen wäre. Zum ersten Mal, seit dem wir auf Espetveit wohnen, liegt unser Wohnhaus mit seiner Terrasse mitten im Winter in der Sonne.

Der Wald sieht nach der Ernte nicht kahl oder verwüstet aus.

Es stehen nach wie vor reichlich große Laubbäume, die im Winter die Sonne hindurch lassen. Im Sommer steht die Sonne dann hoch genug, so dass sie auch in dieser Zeit keinen Schatten auf unser Haus werfen. Die Laubbäume und einige große Nadelbäume, die ebenfalls bewusst stehen gelassen wurden, dienen als Samenspender für die natürlich Aussaat.

Wir werden im Sommer die Natur, gegenüber unserem Hof, mit ihrem vielen dunklen Grüns, nicht vermissen. Es sieht dann mehr „sortiert“ aus und jeder einzelne Baum, der den Berg schmückt, kommt nun einfach besser zur Geltung. Für die Vögel und alle anderen Waldtiere, die auf diesem Berg leben, gibt es trotzdem ausreichend Lebensraum. Im Winter legt der Schnee sein Kleid über die „Wunden“, die nach ein paar Jahren langsam heilen. Die Natur hilft sich nach dieser Waldrodung selbst, so wie auch in vielen anderen Dingen.


Wir haben geholfen das Alte los zulassen und damit

die Chance für etwas Neues gegeben.



Nichts ist “ewig”, weder in der Natur noch im Menschenleben,

ewig ist nur der Wechsel, die Veränderung.

August Bebel 

 

 

 

01.02. 2015 Ab in die Loipe

  

In dieser Saison ist der Winter etwas andersartig. Ständiger Wechsel zwischen Regen und Schnee, Minus- und Plusgraden erinnert mehr an Aprilwetter, nur dass die Temperaturen 10 Grad tiefer liegen. Doch jetzt hat uns ein Hochdruckgebiet erreicht und damit sollen wir stabiles Wetter mit Sonnenschein und wenigen Graden unter Null über wenigstens 1 Woche bekommen.

Gestern war nun endlich „Loipenwetter“.


Also die Langläufer vom Heuboden geholt, die Skiklamotten aus dem Schrank gekramt und schon ging es so gegen 13:00 Uhr zu Fuß hoch zur Mosseby-Hütte, unserem Ausgangspunkt für die Langlaufspur. Neele und Thyra durften natürlich mit. Nach anfänglich noch etwas „steifer Fahrt“ ließ das schöne Wetter und eine gut gespurte Loipe die Langläufer nur so dahin gleiten. Wir waren 1 ½ Stunden auf dem Skiweg bei strahlend blauem Himmel und tollem Glitzerschnee.

Der erste Tag im Schnee, mal ohne Arbeit, hat uns gut getan. Wir werden das schöne Wetter, wenn es dann so kommt, wie im Wetterbericht vorgegeben, nutzen, um mit unseren Ski in der Spur zu bleiben und die steifen Knochen etwas geschmeidiger werden zu lassen. Und es ist natürlich ein "Gaudi" für Zwei- und Vierbeiner sich im Schnee zu tummeln, Sonne zu tanken und die Arbeit mal hinter sich zu lassen.


Der Tag, an dem du einen Entschluss fasst, ist ein Glückstag.

 

Weisheit aus Japan


Musik: (CC) Josh Woodward