29.09. 2014 Mads zieht um. 

 

Gestern haben wir Mads verabschiedet.

 

 

Früher als eigentlich abgesprochen, zieht Mads in sein neues zu Hause. Die zukünftigen Besitzer haben sich entschlossen, Mads bereits jetzt nach Finsland zu holen.

 

Er kam wie immer, nach dem wir ihn gerufen haben, ganz zutraulich auf uns zu. Gemeinsam ging es den letzten Weg über die Weide und dann über den Hof zu dem Auto, in dem er seine Reise nach Finsland antreten sollte.

 

Er schien jedoch zu ahnen, dass es ein besonderer Tag war. Es ging nur mässig vorwärts. 

Die drei Mädels, mit denen er bis zum Schluss auf der Weide stand, sahen ihm fassungslos hinterher. Und Mads rief aus Leibeskräften nach seinen Kindergartenfreunden.

 

Doch so ist es im Leben. Irgendwann beginnt der neue Lebensweg und man muss das Ein oder Andere hinter sich lassen. Für Mads beginnt nun der „Ernst des Lebens“. Als Zuchtbock wird er in der neuen Herde für viele kleine Lämmer sorgen. Seinen Charme hat er bereits hier bei uns auf der Weide bei der einen oder anderen Schafdame spielen lassen.

Nun hoffen wir für Mads, dass auch die Schafdamen in Finsland ihn nehmen wie er ist, als ein kleinen, zähen und liebenswerten Überlebenskünstler (siehe Beitrag 01.09.14).

 

Als das Auto mit unserem Mads davon fuhr, schauten wir mit einem traurigen und einem glücklichem Auge hinterher. Der kleine Mann war uns doch sehr ans Herz gewachsen. Wir sind sehr froh, dass Mads den norwegischen Kochtöpfen und Bratpfannen entronnen ist und weiter leben darf.  

Die Zukunft hat viele Namen:

Für Schwache ist sie das Unerreichbare,

für die Furchtsamen das Unbekannte,

für die Mutigen die Chance.

 

Victor Hugo

 

 

19.09. 2014

Nun sind es nur noch 29

 

Gestern haben wir unsere Schafe zur Schlachterei gegeben.

 

Es war wie injedem Jahr ein trauriger Tag für uns. In diesem Jahr haben uns 9 von den erwachsenen Schafen und 18 Lämmer verlassen. Flecki, Hanna, Marie und Mona waren 2008 geboren und sind 4 von den Schafen, mit denen wir unsere Herde aufgebaut haben. Wir hatten uns aneinander gewöhnt, sie gehörten einfach zu uns. Ebenfalls sind Alfa, Hesti und Maxi gegangen, da sie bei der letzten Geburt ihrer Lämmer Probleme hatten. Alfa gehen zu lasen war auch nicht einfach, da sie unsere erstes eigenes Lamm war. Lilo und Laila gingen, da sie ihre Lämmer nicht komplett angenommen hatten. Lilo hatte ihre zweite Chance und hat sie nicht genutzt. Bereits 2013 hatten wir ihre Lämmer im Lammkindergarten groß gezogen und so war es auch in diesem Jahr mit ihren beiden Söhnen Louis und Lars. Laila hat sich als Übermutter gegenüber ihrer Tochter Lila aufgeführt und ihren Sohn Lupo verstoßen.

 

Da ja bereits Største und Klara in diesem Sommer verstorben sind , haben wir 11 Schafe weniger in der Herde. Auffüllen werden wir diese Lücke mit 13 Lämmern aus diesem Jahr .

Es sind Anna (Tochter von Alfa), Dina und Dora (beide Mädels von Dala), Flame (eines der Drillinge von Fips), Hermine (Tochter von Hesti), Molly (Tochter von Marie), Marit (eines der Drillinge von Maxi), Randi (Tochter von Rosa), Moni (Tochter von Mona), Karo und Kira (Töchter von Klara) sowie Stine und Suse (Töchter von Største).

 

Aber wie immer gibt es bei allem Negativem auch etwas Positives zu berichten.

Mads (40016) , der jüngste und kleinste Drilling von Maxi wird als Zuchtbock in einer anderen Herde leben. Der kleine Mann, der uns so viel Sorgen bereitet hat und wo wir wirklich immer " am Ball bleiben" mussten um ihn von einer misslichen Lage in die nächste zu retten, bekommt die Chance weiter zu leben. Das gibt ein gutes Bauchgefühl und bestärkt uns in unserem bisherigen und künftigen Handeln. Es lohnt sich immer sich für eine so kleines Leben einzusetzen..., auch wenn die Chancen nicht unbedingt immer gut stehen. Versuchen sollte man es immer.

Mads wird von seinem künftigen Besitzer in der zweiten Oktoberwoche abgeholt. So lange kann er noch mit unserer Herde über die Weide ziehen, im Lammhaus liegen und einfach „alle Viere gerade sein lassen“ bevor er seine Funktion als Familienvater bei der neuen Herde aufnimmt.

 

Tja, alles in allem werden wir 28 Schafe im Oktober einstellen.

 

26 „Weiber" und unsere beiden "Männer" Torben und Holger ziehen wieder in die heimatlichen Gefilde ein. Allerdings geben wir im Dezember nur die älteren Damen zum Decken frei. Die 13 Lämmer von diesem Jahr bekommen ein Jahr Zeit, um zu kräftigen und hübschen Schafdamen heran zuwachsen. 

Das Leben ist ein Wunder.
Es kommt über mich, dass ich oftmals die Augen schließen muss.

 

Paula Modersohn-Becker

01.09. 2014

 

Mads unser Sorgenkind

 

Mads ist einer von Maxi`s Drillingen, die am 28.04. 2014 in unserem Schafstall geboren wurden.

 

Die Geburt der Drillinge war für Mama Maxi nicht einfach. Mads kam als drittes Lamm auf diese Welt und war von Anfang an etwas Besonderes. Er war der Kleinste , hatte aber die kräftigste Stimme. Sein „bähhhh“ war nicht zu überhören und man wusste gleich wer da rief.

 

Mads durfte nach 3 Tagen nicht mehr bei seiner Mama trinken. Maxi schubste ihn vom Euter und ließ nur noch Mattes und Marit an die Milchbar. Also waren wir gezwungen Mads die Flasche anzubieten. Wir mussten nur den Stall betreten, Mads sah uns und schon kam er gelaufen. Er war so schmal , dass er durch die Gitter passte und stand auf dem Gang bereit seine Flasche entgegen zu nehmen.

 

Nicht nur zu den Mahlzeiten war der kleine Mann aktiv. Sehr unternehmungslustig stieg er auch immer mal wieder nur so zum Spaß durch die Gitter und ging in den anderen Boxen auf Erkundungstour. Und wenn er merkte, dass seine Mama nicht vor Ort war, ging ein großes Theater von statten, so dass wir jedes mal wenn ein lautes Geblöke aus dem Stall kam, wir wie wild rannten um zu schauen was denn los war. Und da stand Mads und schrie aus Leibeskräften nach seiner Mama. Zurück in die „Mamabox“ geschoben und es war Ruhe im Stall.

 

Kurz bevor die Herde auf die Weide kam, mussten wir feststellen, dass auch Marit und Mattes bei ihrer Mama nicht satt wurden. Maxi hatte nicht ausreichend Milch, so dass wir allen drei Drillingen, die Flasche reichten. An den Trinkeimer gewöhnten sich die Drei schnell und so reifte der Entschluss in uns , dass die Drillinge im Lammkindergarten auf Espetveit stehen werden. Im Kindergarten angekommen , wollte Maxi nicht von ihren Kindern weichen und so hatte sie neben ihrer Mutterrolle die Stellung einer Kindergartentante inne.

 

Eine Woche nach dem alle draußen waren machte Mads Probleme mit der Verdauung. Er hatte ein aufgetriebenen Bauch und nahm keine Nahrung zu sich. Der kleine Mann hatte keine Reserven und nur wenige Tage ohne Nahrung hätten den Tod bedeutet. Also führten wir ihm Milch über eine Magensonde zu. Außerdem reichlich "saures Wasser" da wir den Verdacht auf eine Magenalkalose hatten. „Saures Wasser“ ist Essigwasser zum neutralisieren des Magenmilieus.

Nach nur wenigen Tagen stand er wieder unbeeinträchtigt auf allen vier Beinen und fraß ganz normal.

 

Ende Juli entwurmten wir alle Schafe vorsorglich, auch unsere Kindergartenlämmer. Tja, und Mads reagierte auf das Wurmmittel mit wässrigem Stuhlgang. Es lief regelrecht aus dem kleinen Po und er war immer „vollgeschissen“. Bei Temperaturen um die 30 Grad ideales Milieu für alle Fliegen. So bekam er eine Woche lang täglich sein Hinterteil gewaschen und geduscht. Außerdem lößten wir Aktivkohletabletten in einer kleinen Menge Wasser auf und gaben es Mads über Magensonde 2x täglich. Nach 7 Tagen war alles überstanden und das kleine etwas magersüchtige Schäflein, erfreute sich bester Gesundheit.

 

Als wenn das alles nicht genug war. Vor 10 Tagen verließ Mads nicht mehr das Lammhaus. Die Touren mit seinen Kindergartenfreunden, ließ er einfach ausfallen. Wenn man ihn herauszog, stand er ganz wackelig auf den Beinen. Tja, was konnte es anders sein als ein schwerer Selenmangel. Obwohl alle Kindergartenlämmer ihre Prophylaxe mit Selen bekommen hatten, war es dennoch bei Mads aufgetreten. Durch die vielen Tage mit seinen Verdauungsbeschwerden, ist wohl zusätzlich eine Mangelernährung verbunden mit einer Resorbtionsstörung eingetreten, die diesen akuten Selenmangel hervor rief.

 

Er bekam nun alle 2 Tage 3 ml Vitamin-E-Selen i.m. gespritzt. Das sind pro Injektion 2mg Selen und 300 mg Vit. E (1 ml Injektionslösung beinhalten 100 mg Alpha-Tocopherolacetat und 0,658mg Natriumselenit). Außerdem haben wir ihm 3x täglich Kraftfutter, Heu, Wasser und Milch (2x 1 Liter) gereicht, was er gierig verschlang. Erst nach 4 Injektionen konnten wir eine Besserung erkennen.

 

Jetzt zieht Mads wieder mit seinen Freunden über die Weiden von Espetveit. Allerdings sieht man dem kleinen Kerl an, dass sein bisheriges Leben nicht ganz sorgenfrei war. Doch er ist ein kleines, dünnes, zähes Bürschchen, welches an seinem Leben hängt und es immer wieder schafft durch unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge auf die eigenen 4 Beinchen zu kommen. 

 

Wir hoffen natürlich, dass er in der Zukunft verschont wird mit weiteren komplizierten Dingen in seinem Leben.                                      

Möge er die nächsten Wochen gut über die Zeit kommen. Wir sind achtsam und passen auf unseren kleinen Mads gut auf. 

 

Ein Tierfreund zu sein

gehört zu den größten seelischen Reichtümern des Lebens.

 

Richard Wagner