23.07. 2014

Klara ist in den Schafhimmel gegangen

 

Wir haben unsere Schafherde inzwischen mehrmals von einer Weide auf die andere gesetzt um so optimal das nachwachsende Gras auszunutzen.  

Bereits vor 1 Woche fiel uns Klara auf. Sie war mit ihren beiden Lämmern oft abseits der Herde und trottete immer als letzte hinterher, wenn die Herde sich in Gang setzte. Bei der letzten Umsetzaktion ins „Ylva-Tal“ mussten wir sie regelrecht schieben, damit sie der Herde folgte. Hierbei fiel uns auf, dass sie völlig abgemagert war und an Durchfall litt. Sie schaute uns mit traurigen Augen an und wirkte fast apathisch. Dennoch folgte sie langsam trottend unserer Aufforderung und schloss sich der Herde an.  

Am Sonntag kam die Herde auf das von uns abgemähte Weidegebiet um nun den Rest von zurückgelassenem Heu und frisch nachgewachsenen Gras zu fressen. Es ist wie in jedem Jahr eine „Aufräumaktion“ nach der Heuernte, damit wirklich auch alles Gras genutzt wird. Die Weiden werden dadurch gut „gesäubert“ und wir bekommen optimale Verhältnisse für das nachwachsende Gras und die weiter Nutzung des Weidelandes.

Klara folgte an diesem Tag nur schwerlich ihrer Herde und stellte sich weit abseits von allen anderen Schafen. Ihre beiden Lämmer, die eigentlich sehr fest an ihrer Mutter sich orientieren, war hin und wieder bei ihr zu sehen, allerdings nicht wie man es normalweise vorfindet in einer funktionierenden Mutter-Kind-Beziehung zwischen Schafen. Klara lag sehr viel und das von uns angebotene Kraftfutter nahm sie nicht an. Auch Wasser, was wir ihr brachten, rührte sie nicht an. Der Stuhlgang war fast wasserartig und entsprechend waren Schwanz und Hinterteil verschmutzt. Ihr Zustand lockte natürlich reichlich Fliegen an. Diese hatten bereits tausende von Eiern auf Klaras verschmutztes Fell abgelegt und es war nur eine Frage der Zeit, wann die Larven schlüpfen und beginnen Klara am lebendigen Leib zu verspeisen.

Wir haben das Problem der Fliegenlarven in den vergangenen Jahren immer mal wieder bei unseren Lämmern gesehen und behandelt.

Was sollten wir tun? Klara wurde 2008 geboren und hat im Laufe ihres Schafdaseins selbst 6x Zwillinge geboren. Die letzte Geburt war nicht besonders schwer, aber man merkte ihr an, dass sie ein Alter hat, wo jede Trächtigkeit mehr und mehr zur Belastung wird. Es stand für uns fest, dass Klara in diesem September mit zur Schlachterei gehen sollte.

 

Aufgrund des aktuellen Zustandes entschlossen wir uns, sie gehen zu lassen ... und zwar jetzt. Eine Behandlung hätte bedeutet ihr Leiden unnötig hinauszuzögern. Ausserdem wollten wir nicht, dass die Fliegenlarven sich an ihrem Leib ergötzen.  

Am Montag 21.07. halfen wir Klara von dieser Welt zu gehen. Ihr Körper liegt auf Espetveit begraben und ihre Seele fliegt mit den Wolken über Espetveit. Klara war ihren Lämmern immer eine tolle Mutter, liebenswert und unkompliziert. Sie ist nun im wohlverdienten Schafhimmel angekommen.

Ihre beiden Töchter Karo und Kira werden bei uns bleiben und unsere Herde mit „verjüngen“.

Im Herbst werden einige von den älteren Damen uns verlassen. Fast alle Schafe die 2008 und wahrscheinlich auch die, welche 2009 geboren wurden und mit denen wir unsere Schafherde aufgebaut haben, werden in den Schafhimmel gehen. Es ist schon ein komisches Gefühl, die "Basisherde" fortgehen zu sehen. Aber es geht hier nicht um unsere Gefühle sondern um unsere Schafe und mir müssen akzeptieren, dass für jeden von ihnen die Zeit kommt, uns zu verlassen.

Jeder Tag hat zwei Henkel.
Wir können ihn entweder an dem der Zaghaftigkeit anpacken 
oder an dem der Zuversicht.

Dwight D. Eisenhower

 

 

11.07. 2014 Wandertour zum Ørnelivatnet

 

Man muss nicht weit reisen, um schöne Natur zu finden. Wir haben Urlaub und wollten, wie auch im letzten Jahr, Ausflüge von zuhause aus machen.

Aufgrund der anstehenden Arbeiten auf dem Hof haben wir unsere geplanten Wandertouren von einem auf den anderen Tag verschoben. Das Wetter war so herrlich, dass wir uns ausgiebig der Heuernte widmen mußten. Außerdem waren immer noch Reparaturen am Zaun notwendig, die uns einige Stunden gekostet haben.

 

Nun gut, heute endlich war es soweit. Am Morgen bekamen unsere Pferde ihr Frühstück und unsere Lämmer im Kindergarten ihre erste Milchration des Tages. Um 9 Uhr war alles erledigt und wir starteten zu unserem Wanderausflug. Wir hatten uns vorgenommen die einzelnen See`n, die rings um Espetveit liegen, aufzusuchen. Mit von der Partie waren natürlich Neele und Thyra.

Zunächst ging es querfeldein über unsere Weide in Richtung Laugtjørn. Nachdem wir das Feld Plateau erreicht hatten, bogen wir nach links ab in Richtung Sternvatn. Das ist ein etwas kleinerer See, als unser Laugtjørn.

Der Laugtjørn ist unser Badesee, den wir jeden Tag aufsuchen, wenn das Wetter badegerecht ist oder aber einfach nur, um unsere täglichen Spaziergang mit Neele und Thyra zu absolvieren.

Vom Felsplatau ging es bergan durch den Wald. Unsere beiden Hundemädchen liefen ganz dicht bei uns, denn durch solch unbekanntes Gebiet zu laufen, war ihnen wohl doch unheimlich. Allerdings reichte der Hundemut durchaus, um ein Entenpaar aus seinem Versteck im Schilf aufzuscheuchen. Bei der Verfolgungsjagd mussten unsere Mädels feststellen, dass sie nicht fliegen können und gaben ihren Unmut durch lautes Bellen kund. Das Entenpaar erhob sich in die Lüfte und Thyra und Neele hatten sprichwörtlich das Nachsehen.

 

Obwohl die Wandertour sehr beschwerlich war, den von einem Wanderweg im eigentlichen Sinne konnte nicht die Rede sein, war die völlig unberührte Natur traumhaft schön. Es war ein Gemisch aus blühenden Wiesen, Wald und Wasser.

 

Mitten im Wald fanden wir eine uralte Hütte an der Jemand gerade rumwerkelte, um sie wieder auf Vordermann zu bringen. Allerdings führt zu dieser Hütte kein richtiger Weg. Alles Material was man benötigt, muss der Mensch mit eigener Kraft hier hoch schleppen oder aber sich das nötige Bauholz aus dem Wald schlagen.

 

Bei unserer Streiftour durch unbekanntes Gebiet stießen wir in einem “moorigen” Tal auf Moltebeeren. Moltebeeren sind hier in Norwegen sehr begehrt und jeder macht ein Geheimnis, um die Stellen, wo er sie sammeln geht. Wo man sie findet wird auf keinen Fall verraten, na ja, vielleicht dem besten Freund, der sowieso nicht sammeln geht. Moltebeeren sie sind recht selten und teuer. Es ist fast ein Statussymbol, wenn man sie auf dem Tisch serviert.

Uns ist es egal, Statussymbol hin oder her, kaufen tun wir deswegen keine. Wir haben jetzt unser eigenes kleines Tal mit Beeren gefunden und werden in etwa 14 Tagen aufbrechen, um unsere eigenen Moltebeeren zu sammeln.

 

Ach, übrigens gibt es in diesem Jahr Massen von Heidelbeeren. Sie sind ebenfalls in 14 Tagen reif, um gepflückt zu werden. Neele und Thyra sind eifrige Blaubeersammler, auf jeden Fall für den Eigenbedarf. Auf unserer Wanderung nahmen sie schon mal die eine oder andere Kostprobe.

Wir legen jedes Jahr einen Rumtopf an und in diesem Jahr werden auch selbst gesammelte Moltebeeren darin enthalten sein. 

Unsere Wandertour wurde zum Schluss belohnt. Wir hatten den Ørnelivatnet nach 2 Stunden Wanderzeit erreicht. Die ganze Zeit ging es quer durch den Wald über Stock und Stein, hoch und runter. Plötzlich hatte sich der Wald geöffnet und ein herrlicher See breitete sich vor unseren Augen aus. Am Ufer lag ein kleines Ruderboot. „Haste was kannste“ ging es hinunter zum Ufer. Kurz darauf saßen wir alle vier im Boot und ruderten hinaus auf den glasklaren See. Das Boot gehört einem unserer Nachbarn. Wir hatten früher von ihm gehört und waren auch eingeladen worden, es zu benutzen.

Unsere beiden Hundemädchen waren anfänglich etwas unsicher doch das legte sich bald. Ralf legte sich kräftig in  die Riemen und so starteten wir eine lange Bootstour auf dem Ørnelivatnet. Klares Wasser, herrlicher Sonnenschein und keine Menschenseele um uns herum...., es war traumhaft. Zur Erfrischung nahmen wir ein ausgiebiges Bad im See. Das Wasser war angenehm warm. Danach sind wir zurück gerudert, haben das Boot wieder ordentlich vertäut und uns auf den Rückweg begeben.

  

Alles in allem waren wir fünfeinhalb Stunden in fast unberührter, herrlicher Natur unterwegs gewesen. Bei diesem Spaziergang haben wir knapp sechs Kilometer zurückgelegt. Den höchsten Hügel haben wir bei etwa 550 Höhenmetern passiert, gestartet und angekommen sind wir bei 400 Höhenmetern. Wir haben unsere Wandertour mit GPS aufgezeichnet, was ihr auf der Karte nachvollziehen könnt. 


ørnlivatnet auf einer größeren Karte anzeigen

Übrigens sind unsere Hundemädchen den ganzen Weg ohne Leine gelaufen. Bis auf die oben erwähnte kleine Jagdepisode mit dem Entenpärchen, waren sie "die liebsten Hunde der Welt.

Nach der langen Tour gab es ein ausgedehntes Essen.

Der anstrengende Ausflug hatte uns alle sehr hungrig gemacht. 

 

Nach dem Essen hatte uns der Alltag schnell wieder eingeholt. Unsere Wiese hatten wir zwei Tage zuvor gemäht und das Gras musste gewendet werden. 

 

Es sollte am morgigen Tag eingeholt werden, da es bald Gewitter geben würde.

 

 

Nichts ist ewig,  weder in der Natur noch im Menschenleben,
ewig ist nur der Wechsel, die Veränderung.

 

August Bebel