27.01. 2014

 

Espetbräu und Co.

 

 

Neben unserer Aktivität als Hobbybauer mit Schafhaltung, Heugewinnung, Waldaufarbeitung und Brennholzgewinnung sind wir inzwischen auch als "Winzer und Braumeister" tätig.

 

Ralf ist der Meister und Liane ist Handlanger und Verkoster.

 

Hier in Norwegen gibt es das sogenannte Vinmonopol. Es ist eine stattliche Einkaufskette, welche alkoholische Produkte verkauft, die in ihrem Alkoholgehalt höher als 4,7 % liegen.

 

Das normale Bier gibt es in den üblichen Lebensmittelgeschäften. Allerdings wird dieses an den Wochentagen nicht nach 20:00 Uhr verkauft. An Samstagen und Tagen vor gesetzlichen Feiertagen, darf nur bis 18.00 Uhr Alkohol verkauft werden.

 

An Sonn- und Feiertagen, Wahltagen (auch Volksabstimmungen) sowie am 1. und 17. Mai darf in Geschäften generell kein Alkohol verkauft werden. Bier mit weniger als 2,5 Prozent Alkoholgehalt ist davon ausgenommen.

 

Alkohol ist hier in Norwegen sehr teuer, kostet etwas 3-4 mal so viel wie in Deutschland. Außerdem hat das Vinmonopol, welches es nur in größeren Städten und Gemeinden gibt, ein deutlich begrenztes Angebot.

 

Das Bier hier in Norwegen schmeckt nicht. An Wein gibt es nur eine begrenzte Auswahl und sehr teuer ist er dann auch noch.

 

Die Einfuhr von alkoholischen Produkten nach Norwegen ist mengenmäßig begrenzt. Bei der Einreise kann man, so weit wir informiert sind, bis zu einem Warenwert von 6.000 NOK folgende alkoholische Getränke zollfrei einführen:

 

  • 1 Liter mit einem Alkoholgehalt von 22 bis 60 Prozent und 1,5 Liter mit einem Alkoholgehalt von 2,5 bis 22 Prozent oder 3 Liter mit einem Alkoholgehalt von 2.5 Prozent bis zu 22 Prozent

und

  • 2 Liter Bier mit einem Alkoholgehalt über 2.5 Prozent oder andere Getränke über 2.5 Prozent bis zu 4.7 Prozent Alkoholgehalt.

 

Das bedeutet: Falls man keine sonstigen alkoholischen Getränke mitnimmt, kann man fünf Liter Bier nach Norwegen einführen.

 

Wer beim Schmuggeln von Alkohol erwischt wird, zahlt einen hohen Preis dafür. Zollkontrollen bei der Einreise, besondern wenn man mit der Fähre in Kristiansand ankommt, werden regelmässig durchgeführt. Verstecken kann man nichts. Wer ausgesucht wird, wird auch "umgekrempelt"!

 

Es lonhnt sich nicht dieses Risiko einzugehen, jedenfalls nicht für Alkohol!!!

 

Für uns kam die Lösung mit einer Entdeckung bei "EUROPRIS". Wir starteten von da an unsere Karriere als Winzer und Bierbrauer.

 

Ralf entdeckte in dieser Einkaufskette ein Starterset für die Weinherstellung, das man aber auch genauso gut zum Bier brauen benutzen kann.

 

Es besteht aus einem Gärbottich mit Loch im Deckel und passendem Gärröhrchen, einem Abziehschlauch und einem Abstechbottich. Dazu gibt es Sirup zum Vergären, hergestellt aus allen möglichen Früchten und Hefe.

 

Aus Deutschland haben wir uns  kartonweise roten Traubensaft mitgebracht und für die kräftige Farbe des Rotweins, schwarzen Johannisbeermost.

 

Die Geschmacksverfeinerung erfolgte mit Honig. Aus Honig und Traubensaft wird eine Art Süßreserve hergestellt und dem komplett durchgegoren Wein zugesetzt. Das Ergebnis hat uns beeindruckt.

 

Es ist ein köstlicher Hausrotwein herausgekommen. Er ist absolut alltagstauglich, hat eine leichte, sehr angenehme Restsüße und immerhin 13,5% Alkohol.

 

Wichtig zu erwähnen ist, dass wir von unserem Hauswein keine Kopfschmerzen bekommen . Er ist aus reinen Naturstoffen ohne Zusatz von Chemikalien hergestellt und wird auch nicht filtriert. Er schmeckt uns phantastisch.

 

Neben dem Rotwein „produzieren“ wir auch Weißwein, Himbeer- und Blaubeerwein. Im Sommer gibt es einen erfrischenden Kräuterwein aus Rohstoffen, die aus Wiesenkräutern gewonnen werden.

 

Im September ist die Zeit für Erdbeersekt. In der Nähe von Espetveit gibt es einen „Erdbeer- und Himbeerbauern“. Er hat seinen Hof mit Feldern unmittelbar in der Nähe , so dass wir uns regelmäßig auf der Heimfahrt von der Klinik Himbeeren und Erdbeeren mitnehmen.

 

Bis Mitte September gibt es Erdbeeren, die ein tolles Aroma haben und zuckersüß sind. Die Erdbeeren sind eine gute Grundsubstanz für die Herstellung eines eigenen Sektes. Es sind nicht so viele Flaschen und da er etwas Besonderes für uns ist, bleibt er für unsere Geburtstage im Dezember, zu Weihnachten und Silvester/Neujahr stehen.

 

Der Erfolg mit der Weinherstellung und Sektproduktion ermunterte Ralf, sich auch mit der Bierherstellung auseinander zu setzten.

 

Hopfen haben wir in Deutschland gekauft. Die restlichen Zutaten gibt es in Norwegen. Zum Brauen benutzt Ralf das „Weingeschirr“.

 

Mittlerweile braut Braumeister Ralf Hefeweizen, Schwarzbier und Pils in einer Qualität, wie es sie in Norwegen nicht zu kaufen gibt. Der Liter von unserem hauseigenen Bier hier auf Espetveit kostet achtzig Cent. Im Gegensatz dazu kostet ein halber Liter norwegisches Bier aus der Dose drei bis vier Euro.

 

Wir haben recht oft Besuch aus der Heimat. Alle wissen unser „Espetbräu“ zu schätzen und unserer Freund Dietmar aus Hessen hat vor Begeisterung zu Hause inzwischen auch angefangen, selbst zu brauen. Allerdings steckt er noch in den Kinderschuhen mit seiner Braukunst und wir sind gespannt auf sein erstes Selbstgebrautes.

 

Hier ein kleiner Tipp für alle, die ebenfalls mit dem Bierbrauen beginnen möchten.

 

Geduld ist beim Brauen wichtig. Man muss dem Bier seine Reifezeit gönnen, sonst schmeckt es nicht.

 

Wenn es komplett durchgegoren ist, enthält es nur noch ganz wenig Kohlensäure. Dann füllt man es in Flaschen ab. Es schäumt nur wenig. In jede Flasche gibt man vorher pro 0,5 Liter einen gestrichenen Löffel Traubenzucker oder Zucker. Wir nehmen 1,5 Liter Colaflaschen, die halten jedem Druck stand. In den Flaschen beginnt das Bier durch den Zucker wieder zu gären und damit kommt die gewünschte Kohlensäure in die „Pulle“. Die Flaschen sollten nach dem Abfüllen mindestens zwei, besser vier Tage, bei Zimmertemperatur (20 - 22°C) stehen. Dann kommen sie in den Kühlschrank und das Bier muss 12 Tage reifen, vorher schmeckt es nicht und ist nicht klar genug. Macht die Flaschen langsam auf und gießt das Bier in einen gut gekühlten Krug, ganz langsam und den Krug schräg halten. Den letzten Rest in der Flasche, etwa 2 cm verwirft man. Das sind die Hefe und Reste des Malzes. Dieser Rest schmeckt nicht so toll, ist aber sehr reich an Vitaminen. Wer mag, kann ja einen Teil davon, sozusagen als Vitamintrunk zu sich nehmen.

 

Das Bier ist ungefiltert und ohne es zu pasteurisieren herrlich kräftig im Geschmack. Es hält sich im Kühlschrank mindestens 10 Wochen.


Na, dann Prost!!!

 

Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.


Benjamin Franklin