23.08. 2014

 

Heute gab es endlich Stroh

 

Ein Anruf am Morgen und der geplante Ruhetag war dahin.

 

Wir bekamen Bescheid vom Bauern, dass das Stroh fertig gepresst unter einer Plane auf dem Feld liegt, … endlich.

 

Also ließen wir alles fallen und machten uns mit Neele und Thyra auf den Weg nach Hornnes.

 

Im letzten Jahr hatten wir knapp 200 Ballen Haferstroh bekommen und wir bangten schon um die neue Strohernte in diesem Jahr, da das Wetter alles andere als Erntebereitschaft zeigte. Jeden Tag Regen seit 3 Wochen ließ unsere Hoffnung auf eine gute Strohernte immer mehr in den Keller sinken. Wir haben gerade noch 4 Ballen von letzten Jahr auf dem Boden und unsere Pferde brauchen jeden Tag einen halben Ballen, da sie bei diesem Wetter nicht auf die Weide können.

Außerdem sind durch den vielen Regen unsere Lammhäuser mindestens 1 x in der Woche zu reinigen, da das Stroh schnell nass und natürlich mit entsprechend vielen „Kunkeleien„ übersät ist. Unsere Lämmer lieben es nämlich auch bei Regenwetter im Häuschen zu sitzen und schauen sich das miese Wetter lieber aus trockenen Gefilden an.

 

Alles in allem waren es 6 Touren, die wir fahren mussten. Waren von heute morgen 10:30 Uhr bis 17:00 auf Tour. 277 Ballen haben wir aufgeladen, und im Vorraum vom Schafstall wieder abgeladen. Jetzt müssen wir das Stroh noch mit unserer Seilwinde auf den Boden ziehen und zwar jeden Ballen für sich. Das kostet uns nochmals einige Stunden.

Doch mit 277 Strohballen kommen wir gut über das Jahr. Wir müssen damit weder beim Füttern der Pferde noch in der Lammzeit auf jeden Halm achten.

 

Mit ausreichend gutem Futter können wir beruhigt der nächsten Saison entgegen gehen.

 

Ja und eine bislang noch unbekannte Eigenschaft unserer beiden Minis haben wir auf dem Feld auch noch kennengelernt. Die beiden sollten im Auto bleiben und da die Sonne ab und zu sich sehen ließ, waren die Fenster im „Hundeabteil“ bis zur Hälfte runter gelassen. Tja, und plötzlich standen die beiden Mädels beim Verladen der Strohballen neben uns. Sie sind einfach durch das Fenster aus dem Auto gekrakselt, … und zwar beide auch unser Pienzchen Neele. Hier und da geschnuppert und natürlich die eigene Duftmarke auf dem Feld gelassen, blieben sie brav in unserer Nähe. Weder Fahrradfahrer noch vorbei fahrende Autos ließen sie von unserer Seite weichen. Ja, es ist eben fremdes Gebiet und da bleibt man schön bei Frauchen und Herrchen. Die große Klappe kann man dann ja wieder zu Hause haben, wenn Fahrradfahrer oder Autos sich auf dem Waldweg hoch in Richtung unseres Hofes bewegen. 

 

Geduld ist das einzige, was man verlieren kann, ohne es zu besitzen.

 

Georg Christoph Lichtenberg

 

14.08. 2014 Ein unglaublicher Sommer

 

 

Wir hatten schon einen sehr schönen Frühling und waren darum eigentlich auf einen eher mittelmäßigen Sommer eingestellt. Wie konnte der Sommer hier in Norwegen noch schöner und noch wärmer werden. Er hat uns aber gezeigt was in ihm steckt. Innerhalb von zwei Monaten gab es nur an sieben Tagen etwas Regen. Der reichte allerdings immer nur, um die Erde etwas anzufeuchten. Den Rasen mussten wir wässern und alle Blumen fast täglich gießen. Unser Teich am Haus hatte sich auf 23 Grad erwärmt und der ihn speisende Bach war nur noch ein kleines Rinnsal. Sogar unser Badesee hatte nachmittags behagliche 22 Grad. Temperaturen über 28 Grad waren keine Seltenheit und auch die Nächte blieben angenehm warm. Gäbe es bei tief stehender Sonne nicht so viele Insekten, hätte man sich mediterrane Abende auf der Terrasse gestalten können.

Dennoch, bis etwa 21 Uhr konnten wir regelmäßig draußen sitzen, dann kamen sie allerdings, die kleinen Plagegeister, die man hier „Knott“ nennt und die in Deutschland Kriebelmücken heißen.

 

Die Heuernte entsprach in vollem Umfang dem Wetter, sie war bombastisch!

 

Doch wenn es so lange warm ist, kommt natürlich oft das böse Erwachen mit Starkregen und kräftigen Gewittern. Und so war es dann auch.

Aus dem Nichts heraus wurden wir von einer „Flut“ überrascht. Es war am 04. August und glücklicherweise mitten am Tage. Innerhalb einer Stunde regnete es bei uns 50ml und über den Tag verteilt 100. Das sind 10 Wassereimer auf den Quadratmeter. Unser kleiner Bach wurde zu einem tosenden Ungetüm. Über seinen Wasserfall ergoss er sich laut und wild schäumend in den Teich neben unserem Haus. Binnen Kurzem stieg der Pegel im Teich auf sein Maximum, das ist knapp einen Meter über normal. Das Wasser konnte nicht mehr ausreichend über die drei dicken Rohre unter unserem Hofweg abgeleitet werden. Jetzt musste der neue Bypass zeigen, ob er einen guten Konstrukteur und Erbauer hatte. Zum Glück war das der Fall. Der Bypass leitete das restliche Wasser um, zuerst in ein dickes Rohr von 50 cm Durchmesser und von diesem ein Stück weiter bergab in drei 25 cm Rohre unter dem Hofweg hindurch ins kleine Tal. Soviel Regen hatten wir bis zu diesem Tag noch nicht erlebt. Es war beängstigen. Am Teich und dem Bypass war alles in Ordnung.

 

Auf unserem Waldweg und auf dem Hof spülten die Fluten tiefe Risse in den Schotter. Eine grosse Pappel wurde innerhalb von Sekunden entwurzelt. Der umstürzende Baum hat zum Glück keinen Schaden angerichtet.

 

Wir zogen überall so gut wir konnten Querrinnen, um dem Wasser die Geschwindigkeit zu nehmen. Es war ein Kampf gegen Windmühlen. Das Glück stand aber auf unserer Seite. Als wir fast aufgeben und den Dingen ihren Lauf lassen wollten, ließ der Regen nach. Der Bach beruhigte sich langsam und wir begannen, die Schäden zu reparieren. Zum Glück haben wir immer eine große Fuhre Schotter auf Lager.

 

Seit diesem Unwetter ist es etwas kühler geworden und es regnet fast täglich ein wenig. Diese Naturgewalten sind beeindruckend, aber müssen wir nicht öfter hier bei uns haben . Es reichen die Bilder von Naturkatastrophen aus den Nachrichten und die fanden sich in diesem Sommer reichlich und waren schlimm genug.

 

 

Das Wetterdiagramm für unsere Region vom 12.07. bis 10.08. 2014.

Die Wetterstation ist Bykle am Byklandsfjord, etwa 40 km von Espetveit entfernt und 200m über dem Meeresspiegel gelegen.

 

Lebenskunst ist, Problemen nicht auszuweichen, sondern an ihnen zu wachsen.

Anaximander von Milet

 

12.08. 2014 Tropensturm Bertha und mehr…

 

 

So wie es aussieht, ist der Sommer für 2014 wohl vorüber.

 

Nach 2 phantastischen Sommermonaten, regnet es seit gut einer Woche bei uns. Laut meteorologischem Dienst hier in Norwegen ist Tropensturm Bertha dafür verantwortlich. Tja, auch beim Wetter ist es wie im normalen Leben. Bahnt sich etwas Schlechtes an oder geschieht etwas Negatives sind immer die Frauen dafür verantwortlich. Und da das Wetter zum wahren Leben dazu gehört, bekommen alle Tiefdruckgebiete einen weiblichen Namen und die „guten“ Wetterprognosen , also Hochdruckgebiete , werden mit männlichen Vornamen bestückt. Tja so ist das eben.

1* siehe Nachtrag unten 

Wir haben Gott sei Dank unser Futter für die kommende Saison, bis auf das Haferstroh, unter Dach und Fach. Der Sommer ging schnell vorüber mit Routinearbeiten am Hof und nun denken wir schon wieder darüber nach, wer von unseren Lämmern im Herbst bei der Herde bleiben darf und welches „Alttier“ uns verlassen wird.

 

Vor ein paar Tagen (03.08.) haben wir aus heiterem Himmel eines unserer Kindergartenlämmer verloren. Louis, ein Sohn von Lilo, war am Morgen noch völlig unauffällig. Er trank wie alle anderen auch seine Milch aus dem Milcheimer und zog dann gemeinsam mit seinem Kindergartentrupp über die Wiese. So gegen 18.00 Uhr gab es die Abendmilchration, doch Louis war nicht daran interessiert. Er lag neben einem der Lammhäuser und wollte nicht aufstehen. Erst als wir ihn hochzogen, lief er ein paar Schritte um sich dann schnell wieder abzulegen. Das einzige auffällige an ihm war, dass er sehr oberflächlich atmete. Wir hatten den Verdacht auf eine Magenalkalose, welche oft mit einem Hochstand des Magens einhergeht und somit tiefe Atemzüge erschwert oder schmerzhaft macht. Schnell etwas Essigwasser über die Magensonde und 2 ml Selen subkutan gespritzt. Tja, leider waren wir zu spät. Nur eine Stunde später lag Louis tot neben dem Lammhaus. Wir konnten ihm nicht mehr helfen. Eine wirkliche Erklärung für den schnellen Verlauf haben wir nicht. Nun liegt Louis unter dem Wurzelbalg einer großen Fichte, die der Wind bei einem der Frühjahrstürme umgehauen hat. Er ist wie die anderen Schafe, die wir in diesem Jahr mussten gehen lassen, über Espetveit. Er sitzt sicher auf einer der dicken Wolken, die zur Zeit über Espetveit ziehen und schaut auf uns herunter. Schade, Louis war ein kräftiger kleiner Bock, sehr anhänglich und immer für Extrastreicheleinheit zur Seite.

Aber so ist es, „Leben ist das, was geschieht, während man gerade andere Pläne macht“.

 

Unsere Schafherde haben wir in den letzten 2 Monaten von einer Wiese auf die andere gezogen. Alle Schafe haben wir entwurmt und alle sehen gesund aus. Gleichzeitig mit der Wurmkur untersuchten wir jedes einzelne Schaf auch auf Madenlarven. Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder ein oder auch mehrere Lämmer, die dieser Plage ausgesetzt waren und nur durch unser konsequentes Handeln überlebten. In diesem Jahr war der Sommer wohl zu trocken als dass die Fliegen optimale Voraussetzungen fanden ihre Nachkommen in das Fell der Lämmer abzulegen.

 

1*..... Halt nicht ganz,... habe inzwischen eine Korrekter von Johanna bekommen. Im Jahr 2014 müssen die Frauen für das Negative herhalten. Im kommenden Jahr sind dann wieder die "Herren der Schöpfung" für Blitz, Donner und Regen verantwortlich. 

 

Mach dir nicht so viele Gedanken über die Vergangenheit

und keine Sorgen um die Zukunft.

Denn die Vergangenheit ist vorbei, wir können sie nicht mehr ändern.

 

Und die Zukunft ist noch nicht gekommen,

wir können sie noch nicht beeinflussen.

 

Die wichtigste Zeit ist immer die Gegenwart,

denn sie entscheidet darüber,

wer wir heute sind und wer wir morgen sein werden.