22.07. 2013 Alles unter Dach und Fach

 

Jetzt können wir aufatmen !!!


Das Heu ist auf dem Dachboden und in einer phantastischen Qualität und Menge, wie wir sie vorher noch nie hatten.

 

Seit 10 Tagen haben wir herrliches Sommerwetter mit Temperaturen um 25 Grad und einer leichten Brise.

Am 12. 07. 13 hatten wir den ersten Teil unsere Wiese mit dem neuen Kreiselmäher kurz gemacht und da für den
15. 07. Regen gemeldet war, das noch nicht ganz trockene Heu noch am 14. 07. bis nachts um 00:30 Uhr eingefahren und vor
uebergehend unten im Schafstall gelagert. 

Wir waren fix und alle, denn am Morgen ging es
um 06.00 Uhr wieder raus zur Arbeit. Aber was soll`s, wer gute Ernte einfahren will, muss auch bereit sein Opfer zu bringen.

 

Es gab „Gott sei Dank, … oder so “,  nur wenige Millimeter von dem feuchten Etwas und bereits am Dienstag zogen wir die ganze Fuhre zusammen mit den Langenweddinger, die am Tag zuvor aus Deutschland zum Urlaub anreisten, auf den Heuboden. „Aktivurlaub auf dem Bauernhof“, hatten die Drei gebucht und mit der Aktivität begannen sie bereits am 1. Urlaubstag. „Viele Hände bereiten der Arbeit schnell ein Ende“, heißt es doch so schön. Nach 3  Stunden lag das Heu auf dem Boden.     

Ralf mähte  inzwischen die andere Seite der Wiese.


In den darauf folgenden Tagen wurde gewendet. Am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein und im „Schweiße unseres Angesichts“ fuhren wir das herrlich duftende und völlig trockene Heu ein. Gleich vom Hänger wurden die vielen Ladungen mit unserem in den letzten Jahren als gut befundenem Patent, auf den Heuboden gezogen.

 

Man sind wir vielleicht froh, … und vielen Dank an Marita, Jack und Rene, die so fleißig mitgeholfen haben.

 

Jetzt stehen noch 2 "Futterfahrten" nach Kristiansand an. Wir holen noch die restlichen 60 Rundballen mit fast
trockenem Heu von einem Bauern in Strai, einem Vorort von Kristiansand. Nur gut, dass wir dafür nicht extra fahren müssen. Die Wiesen liegen auf dem Weg zur Arbeit. Am Morgen laden wir den Pferdehänger voll und lassen ihn auf dem Feld stehen. Am Abend, wenn wir nach Hause fahren, wird er wieder angekoppelt und mit genommen. Dann kommt noch das Aufstapeln im Schafstall und fertig sind wir.

 

Der Winter kann nun kommen. Das Futter ist drinnen und das lässt jeden Bauern entspannt in die nächste Saison
schauen. 

 

Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie schön die Welt ist,

und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen, in irgend einer Pflanze,

einem Stein, einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.

                                                                                 

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

12.07. 2013 Malon zieht nun über Espetveit

 

Unsere Schafe haben wir vor 1 Woche nochmals entwurmt und seitdem stehen alle auf der Weide im kleinen Tal. Hier haben sie gut „aufgeräumt“ und ab morgen werden sie die Weide wechseln.

 

Beim Rundgang gefällt uns Maries kleinste Tochter nicht. Malon läuft zwar brav mit ihrer Mamma mit, aber sie steht teilnahmslos neben ihr und frisst nicht. Der kleine Bauch ist aufgetrieben und man sieht ihr an, dass etwas nicht stimmt. Also reingeholt und nachgeschaut. Tja sehr viel können wir nicht ausmachen. Das Bäuchlein ist zum Platzen gespannt. Im Enddarm befinden sich nur wenige kleine trockene Schafkunkeln, ansonsten kein Hinweis auf Parasiten oder sonstige Infektionen. Sie will nicht fressen und auch das frische Wasser will sie nicht nehmen.

Wir behalten sie im Schafstall. Sie steht zusammen mit Finn in der Box und so können sie sich gegenseitig etwas
Gesellschaft leisten.

Doch nur 2 Stunden später, wir sind gerade beim Aufsetzten der Rundballen, hören wir ein schrapendes Geräusch im Schafstall. Nichts wie hin und nachgeschaut. Die Malon liegt auf der Seite und knirscht mit den Zähnen. Der Bach erscheint uns noch praller und wir entschließen uns den luftgefüllt wirkenden Bauch zu entlasten. Wahrscheinlich hat sie eine Alkalose mit gärigem Inhalt im Magen, der die Kleine so quält. Doch unsere Prozedur mit einem Trokar hilft ihr nicht. Es entweicht nur wenig Luft und die Spritze mit dem Spasmolytikum hilft nicht die Symptome, besonders die Schmerzen, zu nehmen. Es ist fürchterlich mit anzusehen wie die Kleine sich quält und da wir keine anderen Möglichkeiten haben ihr zu helfen, erlösen wir die Kleine von ihren Qualen. Schweren Herzens und dem Ganzen hilflos gegenüber entschließen wir uns, die jüngste Tochter von Marie einzuschläfern. Sie soll sich
nicht weiter quälen und wir geben ihr eine Spritze, von der sie einschläft und in Ruhe in den Schafhimmel übertritt.

 

Wir hatten vor 2 Jahren Emil, ein kleines Böckchen, dem es ähnlich erging. Ihm konnten wir helfen und nur wenigen Stunden nach der Behandlung zog er wieder froh über die Wiese.

Tja, man hat eben nicht immer Glück und nicht alle Tiere können wir retten.  


Bei unserer Ylva kamen wir auch zu spät, aber das war eine ganz andere Geschichte. 

 

Das allerbeste Mittel gegen die Sorgen ist augenblicklich, sich um die anderen kümmern zu müssen.

                                                                                               Carl Hilty

 

 

 

 

11. 07. 2013

 

”Killerfliegen”

auf dem

Vormarsch 

 

 

 

Es hat uns wieder ereilt. Die  „Killerfliegen“ haben ihren ersten Angriff gestartet. Finn, Sohn von Fips, ist das erste Opfer.

Nach unserem Urlaub auf Svalbard  gingen wir 2 Tage später durch die Herde und zählten Lämmer und erwachsene Schafe.
Dabei konnten wir nur 25 Lämmchen in der Herde zählen. Es mussten aber 26 Lämmer  sein, die mit ihren Müttern zusammen auf der Weide stehen.

Also ging es ins Terrain auf die Suche nach dem verschollenen Lamm. Glücklicher weise fanden wir Finn nur
nach wenigen Minuten des Suchens. Der kleine Mann stand zwischen zwei riesigen Steinen eingeklemmt und man sah nur das kleine Köpfchen herausragen. Der Spalt war so eng, dass er allein nicht heraus kommen konnte. Am Fell gepackt und nach oben gezogen und Finn stand auf seinen 4 Beinen wieder auf freien Terrain. Er hatte eine
Schürfwunde am Fuß hinten und etwas Fellverlust an der rechten Schulter. Etwas schwächeln aber dennoch munter wirkend, humpelte er hoch auf den Berg in Richtung der Schafherde. Nach wenigen kläglichen Rufen hatte er seine Mamma Fips schnell gefunden und trottete zusammen mit ihr von dannen.

Inzwischen haben wir die Herde von der Weide auf der Gegenseite ins „Kleine Tal „ geholt und gingen vor  2 Tagen unsere übliche Inspektionsrunde. Dabei fiel uns auf, dass Finn allein durchs Tal trottete und beim Erreichen der Herde seine Mutter Fips nichts von  ihm wissen wollte. Kein Rufen…, kein Liebkosen. Komisch, dachten wir.

Beim Näherkommen, sahen wir die Bescherung. Die Wunde an der rechten Schulter war offen und es tummelten sich reichlich Fliegenlarven darin. O.k. muss nicht das Schlechteste sein, denn Fliegenlarven benutzt man auch in der Humanmedizin um schlecht  heilende Wunden zu reinigen. Aber zusätzlich zeigte sich ein Felldefekt oberhalb der Wunde. Das Ganze sah so aus, als ob das Lämmchen sich das Fell abgerubbelt  hatte, weil es wohl juckte.

Und das ist ein Alarmsignal für uns,… Fliegenlarven!

 

Der kleine Fratz, wehrte sich überhaupt nicht als wir uns ihm näherten und ließ sich ohne Widerstand mitnehmen.

Tja, und im Schafstall kam dann die Überraschung. Das kleine Böckchen war über und über voll mit Fliegenlarven,
die sich im Fell befanden. Dicke Nester und es krabbelte überall. Vom Hals bis zum Nabel mussten wir das Fell zurück schneiden um an die unendlich vielen Larvennester
ran zu kommen. Es waren nach unserem Gefühl hunderte von Maden, die auf den Weg waren, Finn bei lebendigem Leibe zu verspeisen. Furchtbar, wie grausam doch die Natur auch sein kann.

Frisiert, gewaschen, desinfiziert und nach 2 Stunden stand Finn vor uns und war nicht wieder zu erkennen.
Er ist deutlich beeinträchtigt und so haben wir uns entschlossen, ihn im Stall zu behalten. Er steht in einer der Boxen, die wir für unsere Böcke benutzen. Frisches
Stroh als Unterlage, ein Eimer mit Kraftfutter, ein Eimer mit frischem Wasser und ein Korb mit Heu gehören zur Ausstattung der Box dazu. Jetzt bekommt er 2 x  täglich seine Wundpflege und Streicheleinheiten.

Wir hätten nur 2 Tage später sein müssen und er wäre wahrscheinlich nicht mehr am Leben gewesen.

 

Den Vorwurf, den wir uns diesbezüglich machen müssen, ist, dass wir die Wunden unmittelbar nach seinem kleinen Unfall zwischen den Steinen, nicht genau inspiziert haben. Offene Wunden, Durchfall und geschwächte Tiere sind natürlich ein „leichtes gutes Futter“ für Fliegen und ihre Nachkommen.

Jetzt sind wir umso mehr aufmerksam auch bei den anderen Lämmern in der Herde. Seit 1 Woche ist sommerlich warm und trocken und damit optimales Wetter für Fliegen und sonstiges Ungeziefer.  Wir hatten bislang in jedem Jahr mehrere, mindestens aber 2 Lämmer, die von Maden befallen waren und ohne unsere Hilfe nicht überlebt hätten. Tja, mit dem Frei sein auf der Weide, ist man nicht unbedingt frei von der Fürsorge für die Tiere. Im Sommer  sind andere Dinge die ins Gewicht fallen und besonderer Aufmerksamkeit fordern. 

 

In jedem Geschöpf der Natur lebt das Wunderbare.


Antisthenes