31.08. 2013

 

Nun kann die Goldmarie kommen,....

Heute bei herrlichem Sommerwetter haben wir die letzten Strohballen auf den Boden über dem Schafstall gezogen.

 

Letzten Montag bekamen wir den ersehnten Anruf vom Bauern in Hornnes, dass der Hafer geerntet ist und die Strohballen auf dem Feld zum Abholen bereit liegen. In den letzten 14 Tagen gab es keinen Regen und so holten wir mit dem Pferdehänger, das bislang für uns hier in Norwegen, beste Stroh.

Trocken, goldgelb und duftend, … optimal für die Goldmarie zum Gold spinnen. Na, ja, das war ein kleiner Abschweif in die Märchenwelt...."schön wäre es wohl".

Insgesamt 195 Strohballen liegen jetzt auf dem Boden. Bestellt warten 250, aber das Futter einlagern, ist wie in jedem Jahr ein Kampf und wir müssen froh sein, eine so gute Qualität bekommen zu haben.

 

Die wichtigsten Arbeiten auf unserem Hof sind abgeschlossen. Der Schafstall ist bereit für das Einstellen der Schafe. Es fehlen nur noch ein paar Baumstämme, die in den Boxen am Gatter befestigt werden, damit die Schafe sich schubbeln und kratzen können. Also die „Wellness-Ecke“ fehlt noch, doch das ist nicht viel Arbeit.

 

Da das Wetter in diesem Sommer so phantastisch ist, haben auch Bandy und Szindi eine tollen Zeit erlebt. So viel auf der Weide, wie in diesem Jahr, waren sie noch nie. Und das schöne Wetter soll die nächste Woche noch anhalten.

 

Unseren Schafen geht es gut. In 3-4 Wochen gehen die Lämmer, 3 von unseren erwachsenen Damen und unser Bock, Hänschen, zur Schlachterei. Das wird wieder ein trauriger Tag werden, aber wir können nun mal nicht alle behalten. Wer von den Lämmern bleiben darf, steht noch nicht ganz fest.

Wir werden uns die Lämmer auf der Weide anschauen und dann nach Bauchgefühl und Zuchtnotwendigkeit entscheiden.... na eben so wie in jedem Jahr.

 

Viele Frauen wissen nicht, was sie wollen,

aber sie sind fest entschlossen, es zu bekommen.

                                                                                                Peter Ustinov

 

 

 

09.08. 2013 Im Hochgebirge bei Bortelid

 

Heute ist wieder schönes Wetter vorhergesagt.

 

Leider können wir unsere Wandertour nicht früh am Morgen beginnen. Wir warten auf den Handwerker, der unserem Portal eine neue Stütze verpassen soll. Gegen 09:30 Uhr steht er endlich auf der Matte und nach knapp 2 Stunden ist die Stütze montiert und wir brechen zu unserem Tagesausflug auf.

 


Heute soll es nach Bortelid ins Gebirge gehen. Bortelid ist ein in Entwicklung befindliches Hüttengebiet, ähnlich Hovden, allerdings bislang nicht ganz so exponiert. Hier findet man ein wenig mehr oben im Land bis 900m hohe Bergzüge.

 

Nach 60 km Autofahrt kommen wir durch Bortelid und fahren nur wenige km weiter, wo wir an einen großen See/Inlandsfjord kommen. Am Wegrand geparkt und alle Zwei- und Vierbeiner raus aus dem Auto. Rucksack auf den Rücken geschnallt und schon geht es Richtung See. Bereits vom Straßenrand an findet sich felsiges Gebiet und zieht sich runter bis zum See. Wir sind uns noch nicht schlüssig, was wir machen wollen. Entweder am Ufer entlang wandern oder hoch in die Berge, die sich auf der anderen Seite der Straße erstrecken.

Eigentlich haben wir erst mal Hunger und so wird unser mitgebrachter Proviant verspeist. Der Bauch ist voll, der Rucksack fast leer und der Geist bereit auch Strapazen auf sich zu nehmen.

 

Wir würden gerne auf die andere Seite das Sees gelangen und versuchen etwas weiter aufwärts eventuell einen Übergang über einen Zufluss zu finden. Tja, aber da ist nichts zu machen. Das Flüsschen ist zwar nicht sehr tief, aber sehr breit und stellenweise mit kleinen Wasserfällen und Stromschnellen ausgestattet, so dass kein hinüberkommen möglich ist.

 

 

Unsere drei Hundemädels finden die Gegend natürlich toll. Sie können frei laufen und plantschen so wie es ihnen gefällt.

 

 

Thyra unsere Wasserratte findet auch gleich eine geeignete Badewanne für sich und schwimmt genüsslich ihre Runden.

 

Anouk badet und Neele planscht ein wenig. Sie ist etwas wasserscheu, so wie immer.

Ein bisschen enttäuscht sind wir schon, hatten uns doch bei strahlenden Sonnenschein auf die Seeuferwanderung eingestellt. Aber gut ein Herüberkommen ist nicht, also nehmen wir die Variante.

 

Hinüber auf die andere Straßenseite und hoch in die Lüfte. Es lässt sich ganz gut laufen. Felsiger Untergrund und anfänglich auch nicht so steil.

 

 

Man muss nur aufpassen, da immer noch ausreichend Feuchtigkeit auf dem Stein liegt, dass man nicht ausrutscht und hinschlägt. Nach ca. 200m seichten Anstiegs geht es jetzt zur Sache. Jetzt geht es steil an, teilweise helfen uns Sträucher an denen wir uns festhalten um größere und steilere Hindernisse zu überwinden. Das Gestrüpp wird dichter und nun liegt ein großes Feld mit Blaubeeren vor uns. In diesem Jahr gibt es reichlich und hier in ca. 700 m sind die Büsche so hoch, dass man sich zum Pflücken nicht bücken muss,... gilt jedenfalls für Liane.

 

Nachdem wir die Buschlandschaft hinter uns haben liegt nun wieder mehr glatter Fels vor uns. Von unten sah der Berg nicht so hoch aus, aber nun müssen wir feststellen, dass wir nur eine Art Vorstufe von unten gesehen haben. Wir stehen auf einem Grat, der etwa in der Hälfte der Strecke liegt. Also weiter, aufgeben ist nicht. Anouk, Neele und Thyra,die anfänglich hin- und hergelaufen sind, halten sich jetzt mehr in unserer Nähe auf. Sie sind wohl auch beeindruckt von der Höhe und der Weite des Felsen.

 

 

Ende gut alles gut, wir sind oben und haben eine phantastische Aussicht in die Umgebung.

 

 

Wir befinden uns in 850 m Höhe und könnten jetzt noch weiter marschieren, um auf den nächsten Gipfel zu kommen und eine sogenannte Gratwanderung zu machen. Doch wir sind zu spät von zu Hause weg und wir müssen ja auch wieder runter, was sicher nicht einfach sein wird. Am Abend im Gebirge oder bei einbrechender Dämmerung sollte man aus dieser Höhe verschwunden sein. Das Wetter kann ganz schnell umschlagen und auf einen Katastropheneinsatz haben wir keine Lust.

 

Jetzt stellt Ralf noch schnell sein GPS auf dem Handy an, so dass wir wenigstens die Länge des Rückweges und die Höhenmeter haben. Wir wählen nicht exakt den gleichen Weg des Aufstieges, da wir die Umgebung hier oben noch ein wenig mehr erkunden wollen. Doch es zeigt sich, dass uns damit Grenzen gesetzt sind. Steile Hänge und breite Spalten zwingen uns auf den alten Weg des Aufstieges zu nehmen. Nun gut, war nur so eine Idee von uns.

 

Den Berg runter geht es schnell, obwohl wir mächtig aufpassen müssen, nicht den Fells runter zu rutschen. Entweder sind es feuchte, mit Moos bewachsene Stellen oder feiner Abriebsand, die den Abstieg schnell zu einer Rutschpartie werden lassen können. Wieder bei den Heidelbeersträucher angekommen, wird eine kleine Zwischenmahlzeit von diesen süßen, aromatischen Früchten eingenommen. Auch die Hunde suchen sich ausdauernd Beeren.

Nach nur einer ¾ Stunde stehen wir wieder am Auto. Zu unserem Erstaunen zeigt das Handy nur 1,6 km Strecke an. Wir glaubten es wäre viel länger, aber der Aufstieg zieht sich und die Zeit, die wir dafür brauchten, haben wir nicht registriert. Unser Auto steht in ca. 600m und der Gipfel war in 848 Höhenmeter.


09.08.2013 Hochgebirgstour bei Bortelid auf einer größeren Karte anzeigen

So und nun noch schnell runter zum See und rein ins Wasser. Der See ist ganz flach und das Wasser erfrischend kalt. Wir alle 5 lassen uns das kalte Nass um die müden Beine fließen. Ralf, Liane und Thyra schwimmen. Anouk und Neele erfrischen sich nur ihre 4 Pfoten.

Es ist 16:30 Uhr und auf geht`s nach Hause. Im Auto hören wir keinen Muks von unseren Hundemädels. Sie liegen in ihrem Hundeautoabteil und schlafen fest.

 

Endlich wieder auf Espetveit angekommen werden schnell die Pferde gefüttert und anschließend für unser eigenes Wohl gesorgt. Es gibt gegrillten Dorsch mit Blumenkohl, Sauce Hollandaise und dazu neue Kartoffeln. Anschließend Vanilleeis mit selbst gepflückten Blaubeeren.

Gestern war Ralf auf Blaubeertour und wir haben die ersten Gläser eingekocht. Einige wurde geschmort, um unseren Gaumen ein wenig direkt zu verwöhnen. Es muß ja nicht alles für den Winter eingelagert werden.

 

Heute Abend geht nichts mehr. Es werden die Beine hochgelegt und drüber nachgedacht, in welche Richtung uns unser Unternehmensgeist in den nächsten Tagen führt.

 

Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.

Theodor Fontane

 

 

 

 

 

07.08. 2013 Auf der roten Fährte

 

 

Wir haben ausgeschlafen und gut gefrühstückt. Die Pferde und Schafe sind versorgt und so machen wir uns mit geschnürtem Rucksack auf unseren nächsten Ausflug. Heute geht es etwas weiter weg. Wir fahren ins Alpinsenter Åseral. Im letzten Jahr folgten wir von hier aus der blauen Route, die allerdings ins „Nichts“ führte.

 

Heute geht es auf die rote Fährte und wir sind gespannt, wo sie uns hin führen wird. Richtige Wanderwege sind in Norwegen selten. Wir machen uns auf eine Überraschung gefaßt.

 


Auf der roten Fährte auf einer größeren Karte anzeigen

Der Aufstieg erscheint uns im ersten Moment ganz schön steil. Doch guten Mutes und bei schönem Wetter absolvieren wir ihn, natürlich unter Einschluss einer kleinen Varianten, ohne Probleme. Wir haben ca 300 Höhenmeter überwunden und befinden uns nun in 500m Höhe. Der Wasserfall links vom Aufstieg sprudelt mächtig ins Tal. Gestern gab es in wenigen Stunden ca 60l/qm Niederschlag und das sieht man dem Wasserfall an.

Hier oben liegt eine große Ebene mit einem sehr großen, spiegelglattem See. Das gegenüberliegende Ufer auf der langen Seite ist kaum zuerkennen. Direkt zu Beginn des Sees befindet sich eine Brücke, die auf die linke Seite vom See führt. Hier findet sich auch ein Hinweisschild für die rote Route.

Die blaue und weiße Wanderroute geht rechts am See entlang. Der blaue Pfad führt, wie erwähnt ins Nichts und der weiße Pfad, … wer weiß wohin?

 

Wir folgen wie geplant der „roten Spur“ und kämpfen uns zunächst auf einem schmalen Pfad den Hang hinauf. Dabei geht es auch durch viel Gestrüpp.

 

Anouk, Neele und Thyra dürfen frei laufen und das macht den Dreien besonderen Spass. Thyra, die ein richtiger Rabauke ist, läßt ihrer Enerie freien Lauf. Immer voran erkundet sie, was sich hinter welchem Busch verbirgt. Sie läuft die Strecke mindestens 3 fach. Anouk geht die Sache ruhiger an und folgt immer fein dem Trampelpfad. Unsere Piepsmaus Neele geht uns nicht von der Pelle. Zu hause hat sie eine große Klappe, aber hier in der Fremde bleibt sie brav bei Fuß.

Das Gebüsch haben wir hinter uns gelassen und wandern nun auf dem Bergrücken richtung Gipfel. Wir haben einen tollen Blick in die Umgebung.

Auf dem Gipfel angekommen, stehen wir ca. 600m über dem Meeresspiegel.

 

Im Rucksack haben wir geschmierte Brote, etwas zu trinken und natürlich auch einen Pausensnack für unserere drei Hundemädels. Eine halbe Stunde Pause gönnen wir uns und dann geht es weiter, jetzt aber bergab.


Die rote Wanderroute ist, wie wir jetzt sehen, ein Rundkurs, was nicht üblich ist in Norwegen. Oft führen die Wanderwege in eine Sackgasse und dann heißt es alles wieder zurück.

Wieder am Fuß des Berges angekommen, finden wir einen Wegweiser, der verschiedene Ziele angibt. Wir sind am Überlegen eventuell unsere Tour auszuweiten.

 

Aber Ralf sein Bein siegt und wir entscheiden uns dann doch gegen weitere 12 km. Jetzt geht es am Ufer des Sees wieder zurück. Der Berg liegt zu unserer rechten Hand und das Seeufer zur linken. Nach 1km überqueren wir den See über eine kleine Holzbrücke. Nun liegt der See zur rechten und wir laufen den Rückweg auf der blauen und weißen Wanderroute.

Am Ende des Felsplateaus werden unsere Hundis bei Fuß gerufen und es geht gemeinsam geordnet zum Abstieg. Anouk, Neele und Thyra laufen brav bei Fuß und erst als wir in das bewohnte Hüttengebiet kommen, werden alle Drei angeleint. Nur noch wenige Meter und unser Auto ist erreicht. Alle sind froh den Marsch auf Schusters Rappen hinter sich zu haben und schnell geht es mit unserem Gefährt nach Hause Richtung Espetveit.

 

Wir waren 3 Stunden auf Wanderschaft und brauchten mit Hin- und Rückfahrt insgesamt 5 Stunden. Es war eine schöne, wenig anstrengende Tour bei herrlichem Sonnenschein und mit braven Hundemädchen.

 

Tiere sind so angenehme Freunde,

sie stellen keine Fragen und üben keine Kritik.

 George Eliot

 

 

 

01.08. 2013 Rypehei

 

 

Wir haben Urlaub.

Nachdem die Aufräumarbeiten auf dem Hof erledigt sind, werden wir wie im letzten Jahr kleine Ausflüge von zu Hause aus in die Umgebung unternehmen.

 

Gestern hatte es kräftig geregnet, so dass wir unsere Vormittagstour mit unseren drei Aussie Mädels zur Moosbye-Hütte machen. Sie liegt nur 1,5 km von unserem Hof entfernt und es geht steil bergauf. Diese Tour gehen wir regelmäßig, wenn das Wetter den Weg zum See nicht erlaubt.

Heute haben wir uns entschlossen kurz vor der Hütte nach links den Hang hoch zu klettern. Wir folgen einem Wildpfad, denn nur so kommen wir mit unseren kurzen Hosen einigermaßen ungeschoren durch das Gebüsch. Endlich in 500 m angekommen stehen wir auf einem Felsplateau mit dem Namen "Rypehei". Von hier aus hat man eine freien Ausblick in die Umgebung. Da das Wetter warm und trocken ist, beschließen wir auf der Gegenseite wieder abzusteigen. Na, ja hier müssen wir uns regelrecht durchs Gestrüpp schlagen. Ein kleines Moor umgehen wir und es gibt mehrere kleine Bächlein die nach dem Regen reichlich Wasser führen. Springen oder durchwaten ist die Wahl.

 

In diesem Jahr gibt es reichlich Blaubeeren , so dass hier und da eine kleine Pause zum Naschen eingelegt wird. Selbst unsere drei Hundemädchen sind auf den Geschmack gekommen und pflücken sich selbst ganz geschickt Blaubeeren vom Busch. Natürlich sehen sie uns immer fordernd an, wenn die Hand mit Beeren gefüllt ist. Tja, es ist ähnlich wie mit Kindern. Man muss nur traurig genug schauen und die Beeren wandern von der Menschenhand in die kleine Hundeschnute.

 

Endlich wieder unten angelangt, stehen wir auf dem Waldweg, der nach Abusland durchs Hüttengebiet führt. Auf der anderen Seite liegt unser Waldgebiet. Hier sind vor 3 1/2 Jahren die Bäume mit großen Maschinen geerntet worden. Es sieht ganz schön kahl aus, obwohl noch einzelne Baumriesen stehen um die Selbstaussaat in Gang zu setzten. Außerdem ist dieses Gebiet für die Bodensanierung vorgesehen. Wir hatten diese Form der Aufforstung mit dem verantwortlichen „Forstbeauftragten“ besprochen und alles sollte schon längst fertig sein. Ja, so ist es eben in Norwegen mit der „Langsamkeit des Seins“. „Mit Geduld und Spucke“ würden wir sagen, nur so kann man dieses extreme „Entschleunigen“ hier ertragen.

 

Nach 2 Stunden Wanderzeit kommen wir wieder auf unserem Hof an. Es war ein kleiner, aber „feiner“ Ausflug, so nah und doch bislang unbekannt für uns.

 

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,

aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

Arthur Schopenhauer