31.05. 2012 Thommy beim Frühstück

 

Heute ist der 31. Mai und unsere Schafherde steht seit 14 Tage auf der Weide. Es geht allen gut und die Lämmer entwickeln sich prächtig. Unsere Thommy bekommt allerdings weiterhin seine Milch aus der Flasche. Morgens und abends jeweils 1000 ml angerührter Milchersatz und das schmeckt ihm sichtlich gut. Einerseits trinkt er bei seiner Mutter Quetschi keinen Tropfen und auf der anderen Seite will er nicht ohne sie sein. So bleibt uns nichts anderes übrig als zwei Mal am Tag zur Herde zu laufen um Thommy sein Frühstück bzw. Abendbrot zu verabreichen.

Wie das so vor sich geht, könnt ihr auf unten stehendem Video sehen. Unsere drei Minis Anouk, Neele und Thyra sind immer mit von der Partie.

Von hundert gebildeten und feinfühlenden Menschen würden schon heute wahrscheinlich neunzig nie mehr Fleisch essen, wenn sie selber das Tier erschlagen oder erstechen müssten, das sie verzehren.

 

                                Bertha Freifrau von Suttner

 

 

27.05. 2012 Neele hütet unsere Lämmer

 

Unsere Schafherde steht nun 10 Tage auf der Weide und das frische Grün ist fast komplett abgefressen. Deshalb müssen wir alle Schafe mit ihren Lämmern auf die Nachbarweide treiben.

An sich ist das kein Problem mit den erwachsenen Schafen. Ganz anders jedoch verhält es sich mit den Lämmern. Sie kennen das Weidewechseln nicht.

Und so war es wie in jedem Jahr, dass die Großen dem Futtereimer folgten und schwuppdiwupp durch das Türchen im Zaun auf der anderen Seite standen. Hier war das saftige frische Grün und ihre Lämmer waren erst einmal vergessen.

 

Eine Gruppe von 12 Lämmern stand weiter, nichts ahnend auf dem Berg und spielte miteinander. Sie hatten den „Abgang“ ihrer Mütter verpasst.

Wir versuchten, die kleine Gruppe in Richtung Zaunlücke zu treiben. Aber das war nicht so einfach. Immer wenn wir glaubten, die gesamte Gruppe vor uns her zu bewegen, sprang plötzlich ein Lämmchen aus der Reihe und alle anderen rannten hinterher. Man glaubt gar nicht, wie schnell und wendig so ein kleines Lamm ist. Jeden falls waren wir ganz schön aus der Puste und natürlich auch genervt.

 

Ralf kam dann die Idee, dass wir doch unsere drei „Hütehunde“ zur Hilfe nehmen sollten.

Na, ob das was bringen würde?

Anouk läuft üblicherweise vor der erwachsenen Schafen weg, Thyra spielt am liebsten Lammmutti und Neele bellt eigentlich immer nur durch den Weidezaun die Herde an.

 

Aber unsere Neele überraschte mit einer beeindruckenden Leistung. Sie trieb mit uns die kleine Lammherde vorwärts und wenn ein Lämmchen ausbrach, verfolgte sie es und trieb es zurück.

Wir waren geplättet.

Unsere kleine, sensible, freche, zickige Neele hat den Hütetrieb in sich. Instinktiv machte sie ihre Sache richtig und im Handumdrehen waren die 12 Lämmer bei ihren Müttern auf der anderen Seite der Weide.

Nun sind wir gespannt, ob es beim nächsten Mal auch so gut geht, mit unserem Hütehund Neele.

 

Man braucht nur mit Liebe einer Sache nachzugehen, so gesellt sich das Glück hinzu.

                                                                                     Johannes Trojan

 


 

23.05.2012 Der Sommer hat begonnen.

 

Mit Temperaturen um 20 Grad hat hier in Norwegen der Sommer begonnen. Den letzten Regentag hatten wir vor 8 Tagen und nun ist Sonne angesagt.

Unsere Schafe sind seit 6 Tagen auf der Weide und sie fühlen sich draußen wohl. Emma ist mit ihrem Sohn Bodo ebenfalls zur ihrer Herde gestoßen.

Wir hatten Emma insgesamt 5 Tage Antibiotikum gespritzt und nun muss die Natur ihr Werk tun. Emma geht es von Tag zu Tag besser, aber man merkt ihr die schwere Euterentzündung nach wie vor an. Sie hat noch lange nicht zu ihrer alten Form zurück gefunden. Bislang haben wir keinen Laut von ihr gehört und sie bewegt sich nur vorsichtig  und sehr verhalten. Aber immerhin steht sie jetzt mehr als sie liegt und das ist schon ein deutlicher Fortschritt. Bodo können wir leider nicht mit zusätzlicher Milch versorgen. Er lässt sich nicht fangen und auch mit vorsichtigem Annähern ist da nichts zu machen. Kommen wir in seine Nähe, ist er ruckzuck weg. Wir drücken die Daumen, dass das frische Gras auf der Wiese und vielleicht ein wenig Milch von Mama ihn gedeihen lassen und wir mit ihm nicht das nächste Problem, aufgrund von Ernährungsmangel bekommen.

 

Unserem Thommy geht es gut. Er bekommt seine Flaschenmilchration und ist glücklich mit Mama Quetschi auf der Weide. Es ist beeindruckend mit welcher Selbstverständlichkeit er den Berg runter gelaufen kommt, wenn er uns vor dem Zaun entdeckt und laut rufend seine Flasche fordert. Wir haben den kleinen Mann richtig in unser Herz geschlossen.

 

Unsere anderen Flaschenlämmer haben sich im Lammkindergarten auf Espetveit gut eingelebt. Der Milcheimer ist akzeptiert und es werden jeden Tag 15 Liter Milch vertilgt. Maila behandeln wir zurzeit 2x täglich mit einer Antibiotikasalbe. Sie hat eine Infektion auf dem Nasenrücken, die unter der Haut liegt und über eine kleine Öffnung in der Haut entleert sich reichlich Eiter. Sie ist aber Gott sei Dank nicht beeinträchtigt dadurch und springt mit den anderen Lämmern im Kindergarten übermütig durch das Gras.

 

Unsere Schwalben beginnen jetzt die Nester zu bauen. Sie sind am 02.05. auf Espetveit eingetroffen und hatten lange mit dem regnerischen kalten Wetter zu kämpfen. Jetzt sind sie in Hochzeitslaune und da werden die sonnigen Tage ausgenutzt, um sich ein schönes Heim zu mauern.

 

Szindi und Bandy hatten am Montag 21.05. Besuch vom Hufschmied. Die zurück liegende Zeit hat die Füße doch ganz schön strapaziert, … die Hufe sind zu trocken und eine „fettende“ Behandlung ist notwendig. Das Winterfell ist nun fast völlig runter. Obwohl sie ja bereits Ende Februar mit dem Fellwechsel begonnen haben, konnten sie erst jetzt ihren Wintermantel komplett ablegen.  Vor 2 Tagen durften sie das erste Mal seit Oktober wieder raus auf die Koppel. Dieser Ausflug war mit großen Freudensprüngen verbunden und man merkte den Beiden an, dass sie froh waren, endlich wieder ins Grüne zu kommen. Die Sonne tut ihr Übriges und unsere beiden „Großen“ fühlen sich sichtlich wohl in der wiedergewonnenen „großen Freiheit“.

 

Mit Anouk , Neele und Thyra gehen wir bei diesem schönen Wetter jeden Tag hoch zu unserem See . Inzwischen sind die beiden Kleinen in ihrer Ausbildung so weit, dass wir wieder ohne Leine durch den Wald gehen können. Die drei Hundemädchen „toben was das Zeug hält“. Auf rufen kommen sie zurück , so dass wir ohne Bedenken den leinenfreien Spaziergang genießen können.

 

Wir hoffen sehr, dass das schöne Wetter eine Weile anhält und wir alle gute Laune und und genügend Sonne tanken können.

 

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

 

                                                                              Jean-Jaques Rousseau

 


 

12.05. 2012 Mit dem Holder über Stock und Stein

 

Mit dem letzten Sturm im April hat es einige große Kiefern in unserem Wald „um gepustet“.

 

René hatte bei seinem Besuch in der ersten Maiwoche die Bäume entastet und die Stämme mit der Motorsäge in handliche Stücke geschnitten.

Unser Problem war nun das Holz einzuholen. Es lag auf sehr unwegsamen Gelände. Wir dachten mit großem Schauder daran, eventuell alle Stücke einzeln aus dem Wald tragen zu müssen, um sie dann mit Hänger und Traktor nach Hause zu fahren. Eine Alternative ist auch auf den Winter zu warten und das Holz mit dem Skooter zu holen

 

Aber Ralf meinte, dass er eine gute Idee hat und er wird es schon irgendwie hinkriegen das Brennholz nach Hause zu schaffen.

 

Es war teilweise sehr steil mit weichem, morastigem Untergrund und auch großen Steinen, die im Weg lagen. Mit den abgeschnittenen Äste hat Ralf eine „Fahrbahn“ gebaut und unser Holder ist brav den Berg hoch und vollbeladen wieder herunter „gekrabbelt“. Was der kleine, große Kerl geschafft haben seht ihr auf dem Video unten. Beim Zuschauen kann einem schlecht werden. Der Holder schaukelt wie ein Schiff im Wellengang.

Die Arbeit mit dem Holder ist recht gefährlich. Dem alten Schlepper fehlt es an allen erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen. Zudem hat er schlechte Bremsen und viel zu wenig Platz für die Füße des Fahrers. Wenn es zu schlimm wird, steigt man besser ab und lässt den Schlepper im ersten, untersetzten Gang allein kriechen. Man kann dann leicht auf der sicheren Hangseite nebenher laufen und ihn lenken. Egal wie der Holder ist, er ist für uns unentbehrlich geworden. 

Der Einsatz war ein voller Erfolg. Das gesamte Holz, mehr als 6m³, liegt zu Hause und kann gehackt werden.

 

Jeder neue Tag hat zwei Griffe.
Wir können ihn am Griff der Ängstlichkeit

oder am Griff der Zuversicht halten.

                                                                                

 Henry Ward Beecher

 


 

 

01.05. 2012 Die ersten Damen verlassen den Stall

 

Wir haben in diesem Jahr 5 Schafdamen, die wir im Herbst letzten Jahres nicht belegt haben. Es sind Lene, Grete, Lilo, Laila , Lämmer aus 2011, die wir nicht in den Schlachthof gegeben haben. Außerdem unsere Mausi, die wegen einer abszedierenden Mastitis nach der Geburt ihrer Zwillinge (Laila ist eine von ihren Töchtern) auch nicht belegt wurde. Wir haben sie als Maskottchen in unserer Herde behalten.

 

Das Wetter soll schön bleiben. Die Wiesen werden langsam grün und wir brauchen Platz im Stall für die Mütter mit ihren Lämmern.

Außerdem ist nach 7 Monaten Aufenthalt im Stall, Zeit raus zu kommen.  

So ging es am Nachmittag für die Fünf ins Grüne. Wir schickten sie über die Rampe auf der Rückseite am Stall. Jede bekam ein Halsband und wurde dann an die Leine gelegt. Ina und Rene, die zu Besuch waren, konnten sich mit der Leinenführung und Kraft eines Jungschafes vertraut machen. Die haben ganz schön gestaunt wie viel Power in so einem Schäfchen schlummert. Was es nicht will, das will es nicht und bringt es gnadenlos zum Ausdruck.
Als Mensch auf nur zwei Beinen muss man sich ganz schön anstrengen, das Tier zu halten.

Letztendlich kamen alle gesund und munter die Rampe runter und draußen wurde jeder Neuankömmling lauthals von den schon anwesenden Schafen begrüßt.

Dann zogen sie gemeinsam los, um das kleine Tal zu erkunden. Die fünf Schäfchen bleiben so lange auf diesem Teil der Wiese, bis die Schafmütter mit ihren Lämmern den Stall verlassen.


Geduld ist das einzige, was man verlieren kann, ohne es zu besitzen.

 

                                                                                 G. Ch. Lichtenberg